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mein/4 Stadtteilmagazin Berlin, Ausgabe Frühjahr 2018

Blauschmuck Die

Blauschmuck Die Schattierungen der Gewalt Armbänder, Ketten, Diademe, Colliers schmücken die Frauen in Katharina Winklers Roman. Der Schmuck ist Zeichen der weiblichen Gemeinschaft und der Herrschaft der Männer. „Blauschmuck“ ist ein Roman über Misshandlungen. Entstanden ist der Text in Prenzlauer Berg. Carola Dorner Filiz‘ Geschichte trat vor sehr langer Zeit in das Katharina Winklers Leben. Eine junge Frau kam in die Arztpraxis ihres Vaters in Österreich, um ein Medikament für ihren Mann zu holen. Die Ärmel ihrer Jacke rutschen zurück und kurz werden die Zeichen der Misshandlung sichtbar, der Blauschmuck. Filiz geht danach weiterhin durch die Hölle aus Schlägen, Vergewaltigungen und psychischem Druck. Aber irgendwann entkommt sie, fast totgeschlagen, ihrem Mann und wird mit ihren Kindern zur Freundin der Familie des Arztes. Jahre später erzählt sie der inzwischen 20-jährigen Studentin Katharina eine Woche lang ihre Geschichte. Die Tonbänder mit dem schweren Stoff bleiben erst einmal liegen. Viele Jahre lang. Bis die Zeit reif ist und Katharina die Geschichte aus Schlägen, Demütigungen und Hoffnungen zu ihrer eigenen macht, die Perspektive ihrer Freundin annimmt und die Erlebnisse in poetische Bilder übersetzt. Mit „Blauschmuck“ gelingt Katharina Winkler ein literarisches Kunststück. Durch die poetische Sprache und eine kompromisslose Übernahme der Perspektive macht sie die Filiz Geschichte lesbar. Der Text ist schrecklich und schön zugleich. Das ist verstörend und doch die einzige Möglichkeit, sich dem Thema literarisch anzunehmen. Der Blick hinter das Kopftuch Eine junge Kurdin flieht vor ihrem prügelnden Vater zu ihrem zukünftigen Mann. Sie wird misshandelt, bekommt drei Kinder und landet schließlich mit Mann und Kindern in Österreich. Mit der Zeit lernt sie, ihrem Mann zumindest innerlich etwas entgegenzusetzen. So weit der Inhalt. „Blauschmuck“ erzählt die Geschichte einer inneren Emanzipation ohne jede Wertung und Parteiname. Nur so wird Filiz‘ Handeln nachvollziehbar. Durch die Entscheidung für die Ich-Perspektive geht die Autorin einen Schritt, der jede Erwartung, die sich beim Lesen einer reinen Inhaltsangabe einstellen würde, zunichte macht. Filiz wird lesend nicht von außen betrachtet, sondern begleitet. Wenn sie den Blick senkt, senkt der Leser den Blick, wenn sie geschlagen wird, bekommt der Leser einen Eindruck ihrer blauen Flecken. Wenn Yunus den Raum betritt, hält der Leser den Atem an und versucht, nichts falsch zu machen. „Anders wäre das gar nicht erzählbar gewesen. Ich wollte Filiz eine Stimme verleihen, ihr wurde zuvor niemals Gehör geschenkt“, erklärt Katharina Winkler ihre Entscheidung. Sie als Autorin zieht sich dabei komplett hinter die Figur zurück. „Es war für mich ganz entscheidend, dass man nicht wieder von außen auf sie blickt. Ich wollte jeden Voyeurismus unterbinden. Ich wollte, dass es möglich wird, das alles mitzuerleben und nicht zu analysieren.“ Die Autorin macht es sich selbst und auch dem Leser nicht leicht. Gleichzeitig zeigt sie, dass dies der einige Weg ist, die Geschichte zu erzählen, ohne der Protagonistin Unrecht zu tun. Weil sie dem Leser keine Rückzugsmöglichkeit auf eine intellektuelle Ebene lässt, kann das Klischee nicht greifen. Fotos: © Jens Schünemann 18 mein/4

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