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KSPK Wertebuch

Gemeinnützigkeit und

Gemeinnützigkeit und Nachhaltigkeit. für die Gesellschaft bewusst und bereit, in Not befindlichen Menschen sowie Institutionen, die sich der sozialen Fürsorge widmeten, zu unterstützen. Zahlreiche Organisationen für die Kranken- und Armenpflege wurden unterstützt, obwohl im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Steuerabgaben die sozial so wichtige Spendentätigkeit empfindlich hemmten. Zwischen 1848 und 1900 spendete die „Sparkasse“ Abbildung 19: Die einstige Taubstummen- und Blinden-Anstalt 1852 (befand sich am heutigen Gelände des Klinikums) etwa der „Taubstummen- und Blinden-Anstalt“ ca. 130.000 Gulden (= ~ 1.352.000 Euro) (Abbildung 19). Das war mehr, als die Institution seitens des Landes erhielt. Soziales Handeln reduzierte sich nicht auf eine bloße Floskel. Eindrucksvoll war die Spendentätigkeit in der ersten Periode der „Sparkassen“-Geschichte von 1835 bis 1914. Fokussierung auf den sozial-caritativen Bereich in wirtschaftlichen Krisenjahren Das gemeinnützige Handeln besaß bzw. besitzt ein hohes Maß an Kontinuität. Es setzte sich nach dem Ersten Weltkrieg im „kurzen“ 20. Jahrhundert nahtlos fort. Doch es war nun angesichts der schwierigen Wirtschaftslage nicht mehr möglich, das zu leisten, was vor 1914 noch möglich gewesen war. Die wirtschaftlichen Krisenjahre zwischen 1918 bis 1938 bedeuteten das Ende der fast uneingeschränkten Unterstützungstätigkeit. Dabei bestand im Hinblick auf das soziale Elend diesbezüglich ein übergroßer Bedarf. Staatlicherseits war die Sozialgesetzgebung zum Stillstand gekommen 70

Gemeinnützigkeit und Nachhaltigkeit. bzw. wurden staatliche Sozialleistungen zurückgenommen. Für die Masse der Bevölkerung wirkte sich das verheerend aus. In dieser Situation griff der Staat in die Widmungstätigkeit der „Sparkasse“ ein. Er schränkte diese ein. Trotzdem bemühte sich das Institut im Rahmen des gesetzlich Möglichen seinem sozialen Auftrag in dieser schwierigen Zeit nachzukommen. Erhebliche Summen wurden für die Linderung von in Not lebenden Menschen zur Verfügung gestellt. Damit verlagerte sich die in den Jahren vor 1914 verstärkt auf kommunale Aufgaben zentrierte Widmungstätigkeit auf den sozial-caritativen Bereich, weil die Sozialfürsorge vom Staat nur mehr unzureichend wahrgenommen wurde. Das verstärkte sich während der Zeit des „Ständestaates“, in der die Spendentätigkeit der „Sparkasse“ neuerlich eine Veränderung erfuhr. Angesichts der chronischen Krisenlage ohnehin stark eingeschränkt, wurde sie jetzt teils zu statutarisch nicht verankerten Zwecken herangezogen. Es begann die Zeit der sogenannten „Pflichtspenden“. So durften ab 1934 praktisch nur mehr Spenden zur Finanzierung von Anliegen der „Vaterländischen Front“ – so lautete der Namen der ständestaatlichen Staatsorganisation – geleistet werden. Um dem staatlichen Druck zu entgehen, beschloss man 1937 eine Erhöhung der „Einheitsspende“ von 2.500 Schilling (= ~ 7.700 Euro) auf 3.000 Schilling (= ~ 9.240 Euro). Entfremdung des Gründungsauftrages durch den NS-Staat Der Anschluss an das nationalsozialistische Hitler-Deutschland im März 1938 brachte das endgültige Aus jeglicher freien Entscheidung in der Vergabe der Widmungen. Nun musste die Spendentätigkeit ganz in den Dienst des totalitären NS-Staates gestellt werden. Aufgrund des größer werdenden Missverhältnisses zwischen den Spareinlagen und den sinkenden Reserven hätten gar keine Spenden gewährt werden dürfen. Doch für den NS-Staat war das kein Hindernis, diese ureigenste Intention des Gründungsgedankens für seine Zwecke zu missbrauchen. Unmittelbar nach dem Anschluss hatte die „Sparkasse“ eine sogenannte „Volksspende“ anlässlich der Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich in Höhe von 3.000 Reichsmark (= ~ 14.010 Euro) zu leisten. Im gleichen Jahr mussten für den Ankauf eines Dienstautos an die 90. SS-Standarte in Klagenfurt 1.500 71

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