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91. Spengler Cup Davos - Jahrbuch 2017 (30-er Jahre)

Spengler Cup Davos 2017 Bewegte Geschichte der UBS in den Dreissigerjahren In der Geschichte werden die Dreissigerjahre gemeinhin mit höchst negativen Entwicklungen und Ereignissen verbunden – Stichworte sind die Weltwirtschaftskrise und das nationalsozialistische Regime in Deutschland. Für die Schweiz lässt sich die Abwärtsspirale, in der sich die Weltwirtschaft seit Ende der Zwanzigerjahre befand, am besten durch die katastrophale Lage der weltweit bekannten Uhrenindustrie verdeutlichen. In den Dreissigerjahren brach das Exportvolumen dieser Industrie um zwei Drittel ein, und etwa die Hälfte der 60 000 Arbeitsplätze dieses Sektors ging verloren. Auch bei den Vorgängerbanken von UBS, der Schweizerischen Bankgesellschaft ( SBG ) und dem Schweizerischen Bankverein ( SBV ), kam das Beschäftigungswachstum zum Stillstand, ja kehrte sich um, so dass zum Beispiel der Personalbestand der SBG zwischen 1931 und 1936 um ein Viertel abgebaut wurde. Diese Entwicklung war bezeichnend für die Turbulenzen, in die das Finanzzentrum der Schweiz durch die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche der Dreissigerjahre hineingeraten war. Schweizer Regierung rettet Banken Bereits 1933 war die Schweiz gezwungen, eine ihrer damals acht Grossbanken, die Schweizerische Volksbank, zu retten und sich mit 100 Millionen Franken am Genossenschaftskapital der Bank zu beteiligen. Dieser Betrag entsprach knapp einem Viertel der gesamten Ausgaben der Schweizer Regierung in diesem Jahr. Andere Banken hatten hingegen weniger Glück: So wurden im Zeitraum von 1930 bis 1939 etwa 60 Banken übernommen oder geschlossen. Die Bank für Graubünden schliesst Auch Graubünden blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Von besonderer Bedeutung für die Geschichte von UBS ist dabei die 1862 – im gleichen Jahr wie die Bank in Winterthur, Die Bündner Privatbank, Nachfolgebank der «Bank für Graubünden». die erste Vorgängerbank von UBS – gegründete Bank für Graubünden. In ihren ersten Jahrzehnten hatte die Bank einen stetigen Aufschwung erlebt, dies besonders bedingt durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes und des Aufschwungs des Tourismus im Kanton. Am letzteren war die Bank besonders durch die Finanzierung des Baus neuer Hotels beteiligt. Bereits 1863 wurde eine Agentur in Davos gegründet, und auch nach St. Moritz dehnte die Bank sich aus. Doch der Tourismus kam im Ersten Weltkrieg nahezu zum Erliegen, und die Bank zunehmend in finanzielle Bedrängnis. Mit der Weltwirtschaftskrise endete dann auch eine kurzfristige Belebung der Geschäfte in der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre – und am 25. August 1934 musste die Bank für Graubünden schliesslich ihre Schalter schliessen. Frankenabwertung für die Geschichtsbücher Mit der Bündner Privatbank wurde jedoch bereits 1935 eine Nachfolgebank gegründet; diese wiederum wurde 1962 von der SBG übernommen. Ein Jahr nach der Gründung der Bündner Privatbank sah die Schweiz sich zum ersten und bisher einzigen Mal gezwungen, den Schweizer Franken ( um 30 Prozent ) abzuwerten. Auch die SBG und der SBV waren, wie bereits anhand der Verringerung der Beschäftigungszahlen angedeutet, gegen diese Schwierigkeiten nicht gefeit. Die gesamte Bilanzsumme der Bankgesellschaft fiel von knapp 1 Milliarde Franken im Jahr 1930 bis auf 441 Millionen Franken im Jahr 1935 ( und stieg danach nur allmählich wieder an ). Auch die Bilanzsumme des SBV schrumpfte von ihrem 1930 registrierten Höchststand von 1,6 Milliarden

PRESENTING PARTNER UBS 59 1934 wurde eine Hauszeitschrift für das Personal der Schweizerischen Bankgesellschaft eingeführt. Olivetti Schreibmaschine M40, ab Mitte der Dreissigerjahre hergestellt. Franken bis auf ein Rekordtief von zirka 1 Milliarde Franken im Jahr 1935. Im Zeitraum von 1930 bis 1939 mussten 32,5 Millionen Franken abgeschrieben werden. Die drei Schlüssel der UBS Zur gleichen Zeit nutzten beide Banken die Krise auch als Chance zur Stärkung anderer Geschäftsfelder. Der SBV beispielsweise legte den Schwerpunkt verstärkt auf den Ausbau des Privatkundengeschäfts. Im Oktober 1936 beschloss die Bank ein neues Logo – oder « Hausabzeichen », wie es damals genannt wurde – entwerfen zu lassen. Nach Einholen verschiedener Offerten entschied man sich für den Entwurf der jungen Zürcher Grafikerin Warja Lavater, eine stilisierte Darstellung dreier Schlüssel, und setzte diesen dann 1938 Die drei Schlüssel – seit 1938 das Logo des Schweizerischen Bankvereins. um. Bekanntermassen sind die drei Schlüssel noch heute deutlich sichtbarer Bestandteil des UBS-Logos. Einführung des Bankgeheimnisses Mitte der Dreissigerjahre wurde ein Gesetz in Kraft gesetzt, das für die gesamte Finanzindustrie der Schweiz von besonderer Bedeutung ist. Ins Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen, dem ersten nationalen Gesetz über das Bankwesen, fand auch ein Artikel Eingang, der später ausgiebigen Stoff für viele Diskussionen bot und in zahllosen Büchern und Filmen thematisiert wurde. Artikel 47 des neuen Gesetzes bezog sich offiziell auf das Bankgeheimnis, eine Besonderheit des Schweizer Bankwesens, die de facto bereits seit langer Zeit in den Beziehungen zwischen Banken und ihren Kunden bestanden hatte. In den internen Richtlinien der SBG wird beispielsweise bereits 1915 ein « Gebot der Verschwiegenheit » für Bankangestellte erwähnt. Ende der Dreissigerjahre befand sich die Schweizer Wirtschaft auf dem Weg der Besserung, auch bedingt durch eine Verbesserung der weltwirtschaftlichen Lage. Gleichzeitig verschlechterte sich das internationale politische Umfeld durch das Verhalten diktatorischer Mächte wie Deutschland, Italien und der Sowjetunion zusehends. Deutschlands Angriff auf Polen führte im September 1939 schliesslich zum Ausbruch des zweiten weltweiten Konflikts innerhalb einer Generation. Wie im Ersten Weltkrieg erklärte sich die Schweiz für neutral. Elektromechanischer Rechenautomat MADAS, hergestellt ab Mitte der Zwanzigerjahre von H. W. Egli AG ( Zürich ). Rechenwalze Loga-Calculator, ca. 1925, eingesetzt vor allem in Devisenabteilungen. Rechenmaschine Brunsviga Nova 13, hergestellt zwischen 1928 und 1940 von Brunsviga Maschinenwerke, Grimme, Natalis & Co. AG, Braunschweig.