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91. Spengler Cup Davos - Jahrbuch 2017 (30-er Jahre)

: René Fasel und

: René Fasel und Gaudenz F. Domenig im Gespräch

DAS GIPFELTREFFEN 73 : Das Eishockeyfest – ein Stück Kultur in den Bergen Der Spengler Cup: ein Spektakel für die ganze Welt, ein Traditionsturnier mit grosser Berechtigung – heute wie auch in Zukunft. René Fasel, Präsident der Internationalen Eishockey-Föderation ( IIHF ) und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees ( IOC ), und Gaudenz F. Domenig, Präsident Hockey Club Davos, im Gespräch über den Spengler Cup im Allgemeinen sowie seine Bedeutung im Welteishockey und in der Zukunft. : René Fasel, Sie sagen, dass Sie einst über den Spengler Cup zum Eishockey gefunden haben. Welches sind Ihre ersten Erinnerungen an dieses Traditionsturnier? Fasel: Es war Anfang der 60er-Jahre. Wir machten vor dem Haus Natureis und spielten Eishockey. Vom Spiel weg zogen wir dann weiter ins Quartiercafé und schauten im Fernsehen die Übertragungen des Spengler Cup. : Bedeutet dies, dass Sie ohne den Spengler Cup nie Präsident des Welt- Eishockey-Verbands geworden wären? Fasel: Ja … und wichtig war dabei natürlich der HC Fribourg-Gottéron ( damals HC Gottéron ), der schon Ende der 50er-Jahre ein Begriff war. Zusammen mit meinem Vater ging ich zu seinen Eishockeyspielen. Die Freiburger spielten in der NLB. Ich trat dem Club als Zehnjähriger bei, spielte zwölf Jahre in den Juniorenabteilungen und wurde danach Schiedsrichter. Heute bin ich Ehrenmitglied des Clubs. Der Spengler Cup war der erste Kontakt zum internationalen Eishockey. : Gaudenz Domenig, Sie tanzten einst als jugendlicher Balletttänzer auf anderen Brettern. Wann wurde Ihre Liebe zum Spengler Cup entfacht? Domenig: Als Jugendlicher verfolgte ich mit Interesse die Spiele des Schlittschuhclubs Küsnacht. Den Spengler Cup verfolgte ich immer aus der Ferne. Ab dem Jahr 2000 hatte ich als Verwaltungsrat der Burkhalter Group – der führenden Schweizer Gesamtanbieterin von Elektrotechnikleistungen am Bauwerk – Zugang zum Spengler Cup, da das Unternehmen in jener Zeit Hauptsponsor des Hockey Club Davos wurde und über einen VIP-Tisch verfügte. Damit lernte ich das Turnier hautnah kennen. Es hat mich sofort in seinen Bann gezogen. : Was fasziniert Sie heute noch am Spengler Cup? Fasel: Dass die Mannschaften ohne Druck aufspielen. An den Spengler Cup kommen die Teams nicht zum Arbeiten, sondern zum Spielen. Sie freuen sich, in Davos zu sein. Dies drückt sich auch in der Spielart aus. Sonst, wenn die Freude durch Arbeit ersetzt wird, vergisst man oft, dass Eishockey ein Spiel ist. Domenig: Ja, das macht es aus. Es ist ein Eishockeyfest in den Bergen, ein Treffen verschiedener Menschen, kombiniert mit Mannschaften, die frei und schnell aufspielen, weil sie nicht ganz so unter Druck stehen wie während einer Meisterschaft. Es gibt die Möglichkeit, Teams zu sehen, die sonst nicht in der Schweiz spielen, wie die KHL-Teams und das Team Canada. : Weshalb ist der Spengler Cup gerade auch für die Eishockeyjugend so wichtig? Fasel: So, wie es mir ergangen ist, ergeht es auch heute noch vielen Jugendlichen. Auch wenn der kleine Schwarz-Weiss- Bildschirm den Grossbildschirmen gewichen ist. Was das Schweizer Fernsehen bei der Eishockeyberichterstattung am Spengler Cup leistet, ist sensationell, eine unwahrscheinliche Werbung für das Eishockey in der Schweiz. Domenig: Es gibt nach wie vor viele Menschen, die am Spengler Cup das erste Mal live Eishockey sehen. Den Spengler Cup besucht nicht das typische Eishockeypublikum, das Woche für Woche seine Mannschaft unterstützt. Der Klassiker ist mein Sohn Flurin. Er sah am Spengler Cup erstmals live Eishockey, war begeistert und begann, selbst Eishockey zu spielen – 15 Jahre lang bis hin zu den Elitejunioren des Hockey Club Davos. : René Fasel, wie hoch ist aus Ihrer Sicht das Ansehen des Spengler Cup im Welteishockey? Fasel: Es sind die Geschichte, die Tradition und die Idee von Dr. Carl Spengler, die mit ihrem völkerverbindenden Denken faszinieren. Ich werde oft auf den Spengler Cup angesprochen – von Kanadiern, Russen, Tschechen, Finnen, Franzosen und Engländern. In Asien ist das Turnier noch weniger bekannt. Dass man aber immer wieder auf Leute trifft, die über den Spengler Cup sprechen, ist sehr erfreulich. : Inwiefern kann das Welteishockey von einem solchen Anlass profitieren? Fasel: Es ist unser Auftrag, das Eishockey zu fördern. Da trägt der Spengler Cup natürlich einen Teil dazu bei. : Gaudenz Domenig, wie wichtig ist der Spengler Cup für den Hockey Club Davos? Domenig: Der Spengler Cup ist die entscheidende Säule für die Finanzierung des Clubs. Ohne den Spengler Cup gäbe es keine Spitzenmannschaft in Davos.