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Kostbarkeiten und Köstlichkeiten

Genussführer - Eine Donau-Reise auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen. In der Donauregion zwischen Passau und dem Strudengau leben und arbeiten Menschen, die sich das Ziel gesetzt haben, ihre kreative Kraft dem Außergewöhnlichen zu widmen. Sie schaffen Kostbarkeiten und Köstlichkeiten, die in Idee und Qualität herausragend sind.

16 200 JAHRE ZILLENBAU

16 200 JAHRE ZILLENBAU AN DER DONAU Es kommt in unserer schnelllebigen, „digitalen“ Zeit nur mehr selten vor, dass ein bodenständiger Handwerksberuf über fast 200 Jahre in einer Familie vererbt wird. Doch in Niederranna haben die Uhren einen wohltuend langsameren Lauf. Und so kommt es, dass die Familie Königsdorfer seit 1820 die für das Donautal typischen Zillen baut. Wie sein Vater und etliche weitere seiner Vorfahren übt der Chef des Hauses, Rudolf Königsdorfer, den Lehrberuf des Bootsbauers aus – als einer der Letzten an der Donau. Und sorgt dafür, dass Jahr für Jahr rund 80 handgefertigte Zillen seine Werkstatt verlassen. Ihre Form ist ein Klassiker, ganz gleich ob sie traditionell gerudert oder modern motorbetrieben sind. Der flache Boden zeichnet die Zille aus, verleiht ihr Stabilität im Wasser und geringen Tiefgang. In früheren Zeiten wurden die Boote für die Donau „geschoppt“, das heißt mit Moos und Hanf abgedichtet. Von daher rührt die Legende, eine gute Zille müsse erst untergehen, bevor sie schwimmen kann. Denn das Naturmaterial hielt den Bootskörper tatsächlich erst dicht, wenn es im Wasser aufgequollen war. Das trifft auf die modernen Zillen nicht mehr zu. Und dennoch steckt in ihnen nach wie vor viel alte Tradition des Bootsbaues. Eben 200 Jahre überlieferten Wissens. Kostbarkeiten Die Donauzille, echte Handarbeit

17 Die Zille nach Maß – Der Donau-Klassiker für die Westentasche Jede Zille, die in der Werkstatt der Familie Königsdorfer entsteht, ist ein handwerklich gefertigtes Einzelstück. Fischer, Freizeitkapitäne und Feuerwehren sind die Kundschaft, die sich ihre Boote maßschneidern lässt. Mag die Grundform aller Zillen auf den ersten Blick recht ähnlich sein, in der Ausführung gehen die Königsdorfers immer auf die individuellen Bedürfnisse der Auftraggeber ein. So wie es eben nur in einem echten Handwerksbetrieb möglich ist. Klassisch geruderte Exemplare werden ebenso gefertigt wie Motorzillen. Dass diese Bootsbauart viele Vorteile aufweist, hat sich übrigens nicht nur an der Donau herumgesprochen. Und so tritt so manche Königsdorfer-Zille eine weite Reise zu ihrem Bestimmungsort an. Die wohl größte Distanz legte dabei jenes Boot zurück, das heute in Kanada seinen Dienst tut. Weil sich aber nicht jeder, der auf dem Donauradweg an der Werkstatt vorbeikommt, gleich ein ausgewachsenes Boot mit nach Hause nehmen kann, gibt es die Zillen auch als Souvenir. Gut 14 Zentimeter klein sind die kleinen Schwestern des Donau-Klassikers. Und mit genau so viel Liebe zum Detail und zum alten Handwerk gemacht, wie die „echten“ Boote. Wer sich aber selbst einmal als „Kapitän“ auf der Donau versuchen möchte, der kann im nahe gelegenen Zillenhafen Freizell zu einer Rundfahrt ablegen. 6 Zillenbauer Königsdorfer Niederranna 38, 4085 Niederranna +43 7285 508, koenigsdorfer@zille.at, www.zille.at

DONAU-SOMMER 2018
670-672 Linz - Eferding - Aschach an der Donau - Wesenufer - Passau