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RE KW 15

„Ostern ermöglicht

„Ostern ermöglicht Solidarität!“ Bischof Hermann Glettler im ausführlichen RUNDSCHAU-Interview Wie jedes Jahr lud die Diözese Innsbruck zu den traditionellen Ostergesprächen ein. Mit der RUNDSCHAU sprach Bischof Hermann Glettler unter anderem über die vielen Anforderungen der digitalen Welt für das Priestertum. Im ausführlichen Interview nahm Bischof Hermann Glettler aber auch zur Position der Frau in der katholischen Kirche detailliert Stellung. Von Albert Unterpirker RUNDSCHAU: Herr Bischof, was macht für Sie eine moderne Kirche aus? Bischof Hermann Glettler (schmunzelt): Es geht nicht um modern oder weniger modern, sondern um eine Aufmerksamkeit für den Ruf Gottes im Jetzt, in dieser konkreten Gesellschaft. Kirche muss sich immer in der Kultur des Landes „beheimaten“, um orts- und zeitgemäß das Evangelium zu verkünden. Modern im positiven Sinn ist eine Kirche, die innerlich beweglich bleibt und keine Angst hat, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Es gilt dabei immer, eine Balance zu finden, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Bewahrung des Bewährten und notwendigen Veränderungen. Mit Sicherheit geht es nicht um ein mutwilliges Modern-Sein-Wollen. RS: Braucht ein moderner Bischof eine eigene Website oder wie der Papst ein eigenes Twitter-Konto, um sich heutzutage Gehör zu verschaffen? Glettler (lacht): In den Social-Medias sind wir leider noch sehr schlecht aufgestellt, aber wir arbeiten daran. Eine eigene Website des Bischofs wird es sicher nicht geben, da reicht jene der Diözese. Was einen eigenen Facebook- oder Twitter-Auftritt betrifft, sind wir am Überlegen. Natürlich sind diese Netzwerke sehr brauchbar, um Menschen zu erreichen, die nie ein AUTO EXPORT ACHOUR Tel. 0650 3318761 24 Stunden Erreichbarkeit (auch per SMS oder E-Mail) RUNDSCHAU Seite 8 Pfarrblatt oder den „Tiroler Sonntag“ lesen würden. 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Das katholische Priestertum hat zumindest ganz tiefe religiöse und kulturelle Wurzeln, was einer Standhaftigkeit für die Zukunft ja auch nicht abträglich ist. Vielleicht wird gerade durch die technische Perfektionierung der Kommunikation die reale Begegnung von Mensch zu Mensch wieder wertvoller. Das zeichnet sich ja schon längst ab. Persönliche, seelsorgliche Begegnungen, Zuhören, Dasein – und in der Liturgie das Leben der Menschen vor Gott bringen: Das sind die ursprünglichen Stärken der Kirche. Die Liturgie muss natürlich aufgeschlossen sein, d.h. den Sorgen und Anliegen der Menschen einen Raum geben. Aber sie muss auch widerständig sein gegen zu rasche oder oberflächliche Anpassungen. Ort und Zeit, Worte, Gesänge und Gesten sind dem Heiligen und (!) den Menschen verpflichtet. RS: Was erhoffen Sie sich von den bevorstehenden Dekanatswahlen? Glettler: Ich hoffe, dass wieder ein guter Dekan gewählt wird, der die Verantwortung für den Zusammenhalt der Kirche vor Ort wahrnehmen kann. Jedes Dekanat sollte ein Wir- Gefühl entwickeln und sich fragen: Was ist unser Auftrag als Kirche in dieser Region, in diesem konkreten Umfeld? Welche Schwerpunkte setzen wir? Es muss nicht jede Pfarre, auch nicht jeder Seelsorgeraum alles machen. Ideal wäre ein kreatives Miteinander von besonderen Begabungen und bewusst gewählten Schwerpunkten. Ich wünsche mir in Zukunft noch eine intensivere Zusammenarbeit in den Dekanaten. RS: Herr Bischof, was sagen Sie speziell den Katholiken, die aus der katholischen Kirche ausgetreten sind? Glettler: Ich möchte ihnen sagen, dass wir diese Entscheidung sehr ernst nehmen und respektieren. Gerne bieten wir jedoch die Möglichkeit zu einem Gespräch an: Wolfgang Meixner, ein Diözesanpriester (Tel. 0676 87307404) nimmt sich dafür die Zeit. Es kann doch sein, dass eine Enttäuschung, die zum Austritt geführt hat, keine Relevanz mehr hat. Oder es hat jemand gerade durch eine zeitweise Distanzierung die Bedeutung der Kirche für sich neu entdeckt. In jedem Fall sind Ausgetretene nicht von der Kirche geächtet. Vielleicht kommt für jemanden auch die Zeit eines neuen Fragens oder einer spirituellen Sehnsucht – dann könnte der Moment sein, einen Kircheneintritt zu erwägen. Die Türen der Kirche stehen jedenfalls immer offen. Die Zahl der Wieder-Eintretenden wird jährlich auch größer. RS: Sie stellen Ihr neues Buch über den „unbequemen Jesus“ vor: Was war Ihr Antrieb, das Buch zu verfassen? Glettler: Da ich Jesus als wichtigste Person der Menschheitsgeschichte und als zentrale Gestalt unseres Glaubens sehr schätze, wollte ich ein besonderes Buch über ihn schreiben. Es tut mir leid, dass wir oft über Gott sprechen, als ob Jesus nie auf der Erde Bischof Hermann Glettler: „Ostern ermöglicht Solidarität!“ Foto: Diözese Innsbruck/Aichner gelebt hätte. Er ist die Zugänglichkeit Gottes, das offene Herz Gottes in Person. Ich habe den Eindruck, dass man sich oft nahezu schämt, über Jesus zu sprechen. Warum denn? Vielleicht deshalb, weil man nur das Bild von einem „lieben Jesus“ im Kopf hat, so eine Märchenfigur für Kinder, mit der man mit Recht nichts mehr anfangen kann. Deswegen war es mir wichtig, diese Momente seines Sprechens und Handelns herauszuarbeiten, wo er herausfordert, wo seine Gestalt sehr fremd daherkommt und wo er durchaus auch Konflikte provoziert. Wenn das Bild von Jesus plastischer wird, dann kann es vielleicht auch für Menschen interessant werden, die sonst mit Kirche eigentlich kaum was am Hut haben. Jesus ist die offene Tür zu Gott hin, aber auch die notwendige Tür, um den Menschen, also uns selbst in unserer Größe und Abgründigkeit zu begreifen. Jesus ist kein Toter, sondern ein Lebendiger. Das feiern wir jetzt zu Ostern. RS: Welche moderne Bedeutung kann die Osterbotschaft mit der überlieferten Auferstehung Jesu in einer Gesellschaft haben, welche die stete Gegenwart des Todes mit Leistungsdruck und Vergnüngungssucht auszublenden versucht? Glettler: Tatsächlich leben wir in einer Gesellschaft, die unter dem Diktat des maximalen Erfolges und der Optimierung aller Lebensbereiche steht. In Folge dessen wird alles, was Tod, Älterwerden oder Schwächerwerden betrifft, verdrängt und ausgeblendet. Vielleicht liegt der Grund für diese Entwicklung darin, dass man nicht mehr an ein ewiges Leben glaubt. Wer jedoch an die Auferstehung glaubt, also an ein Leben nach dem Tod, kann wesentlich entspannter und gelassener sein Leben führen. Um dieses einmalige irdische Leben in Freude, Dankbarkeit und Gelassenheit führen 11./12. April 2018

zu können, braucht es jedoch einen größeren Horizont. Dieser öffnet sich durch das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu. Das ist kein Märchen. Wer an den Auferstandenen glaubt und mit ihm zu leben beginnt, empfängt neue Lebensenergie, mehr Lebensfreude und die nötige Kraft zum Richtig-Dasein – mit beiden Beinen auf dieser Erde. Und: Ein österlicher Mensch kann sich über Sorge um das eigene Glück hinausreichend um seinen Nächsten kümmern. Etwas provokant formuliert: Ostern ermöglicht Solidarität! RS: Auch zum Beispiel hinsichtlich der Flüchtlingssituation? Glettler: Ja, wo auch immer die Hilfe jetzt notwendig ist! Wenn ich nur dieses eine begrenzte Leben habe, in dem ich nichts versäumen darf, dann wird jede Anforderung von außen, jede Bitte um Hilfestellung ein Problem. Das können wir leider beobachten: Der unmittelbar Nächste, ob Flüchtling oder sonst jemand, der Hilfe, Zeit, Geld oder einen Wohnraum braucht, wird irgendwie zu einer Bedrohung meiner als begrenzt empfundenen Möglichkeiten. Wer jedoch weiß, dass er sich selbst der Großzügigkeit Gottes verdankt, kann leichter auch offener und großzügiger mit Hilfesuchenden umgehen. RS: Nachdem Zams die Heimat der Barmherzigen Schwestern des Hl. Vinzenz von Paul ist: Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl, dass Frauen (allgemein – nicht nur Ordensfrauen) ebenso gute Priester wären wie Männer? Glettler: Bestimmt könnten viele Frauen dies auch gut machen. Aber wir haben in der katholischen Kirche nicht diese Tradition. Eine Änderung würde mit großer Sicherheit zu einem Bruch führen. Aber an dieser Stelle sei betont: Frauen haben in unserer Kirche nicht nur in den Orden eine große Bedeutung, sondern auch in den zentralen Stellen der Diözese. Einige Leitungsposten von zentralen Ämtern sind mit Frauen besetzt. Auf der katholischen Fakultät unterrichten Frauen, ebenso im Religionsunterricht an allen Schultypen. Und selbstverständlich sind viele Frauen in den Pfarrgemeinden und ihren Gremien mitgestaltend und mitverantwortlich für die Pastoral aktiv. Ich weiß natürlich, dass durch den Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern in der Körpersprache der Kirche ein Manko wahrgenommen wird. Da gibt es eine reale Spannung. Darf ich es trotzdem nochmals wiederholen: Viele Frauen bringen Gott sei Dank jetzt schon ihre Charismen, ihre Glaubenserfahrungen und ihr Wissen sehr, sehr stark und fruchtbar in unsere Kirche ein. 11./12. April 2018 RS: Schon seit einiger Zeit gibt es Diskussionen über die Nutzung des Klosterareals in Reutte. Der Dialog mit den Franziskanern gestaltet sich eher schwierig. Das Kloster samt großem Grundstück liegt mitten im Markt, die Bevölkerung wurde befragt, brachte viele Vorschläge für eine Nutzung. Warum ziehen sich solche Entscheidungen derart hin? Glettler: Soweit mir vertraut ist, gibt es dort sehr unterschiedliche Nutzungskonzepte, sodass vor einer Entscheidung noch Grundsätzliches zu klären ist. Ich selbst werde mir beim Dekanatstag ein Bild von der Lage machen. Ich möchte das Kloster besuchen und mit den Beteiligten sprechen – also mit dem Pfarrer, mit dem Bürgermeister, und mit jener engagierten Gruppe, die sehr konkrete Nutzungsideen hat. Bestimmt werden wir gemeinsam zu einer guten Entscheidung kommen. RS: Im Außerfern gibt es viele idyllisch gelegene Landkapellen, die charakteristisch für den Siedlungsraum sind. Kirchliche Feiern wie Taufen oder Hochzeiten dürfen dort nicht veranstaltet werden. Begründung: In den Kapellen finden keine regelmäßigen Gottesdienste statt. Viele Leute verstehen das nicht, was eine Abkehr von kirchlichen Feiern zur Folge hat. Wie ist die Begründung erklärbar? Glettler: Die erste und wichtigste Begründung ist: Die Taufe ist eine Eingliederung in eine kirchliche Gemeinschaft vor Ort und diese sammelt sich in der Pfarrkirche. Getauft werden heißt, in eine unauflösbare Beziehung mit Jesus Christus und (!) in eine kirchliche Gemeinschaft hineingenommen zu werden. Beide Aspekte sind wichtig und machen die Taufe aus. Deswegen muss die Taufe in der Pfarrkirche gefeiert werden. Nur wirklich begründete Ausnahmen sind möglich. Die Regelung in der Diözese Innsbruck lautet: Wenn irgendwo in einer Kapelle regelmäßig sonntags die heilige Messe gefeiert wird, und damit auch dort eine kirchliche Gemeinschaft sichtbar wird, dann kann in solchen Kapellen auch getauft werden. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin ein Fan von den vielen, großen und kleinen Dorfkapellen, Hauskapellen und Wegkreuzen – aber bitte dort nicht Taufen feiern. Es gibt eine ganze Palette von Konzerten mit geistlicher Musik bis Dorfrunden und Gebetsabenden, die man in solchen Kapellen abhalten kann. AUSSERFERNER SEIT 1922 NACHRICHTEN RUNDSCHAU RS: Jakob Bürgler war neun Jahre im Bezirk Reutte tätig (1996-2005) und danach Generalvikar. Viele Außerferner erinnern sich noch an ihn. Wissen Sie, was er jetzt tut? Glettler: Er wohnt bei mir im Bischofshaus. In den vergangenen drei Monaten hat er eine Auszeit genommen, um seine vorige Tätigkeit gut abzuschließen und eine Phase der Erholung zu haben. In dieser Zeit war er aber auch in Deutschland und Italien sowie zuletzt in Nairobi (Kenia) unterwegs, um sich unterschiedliche Modelle anzuschauen, wie Kirche heutzutage ein missionarisches Profil entwickeln kann. Das wird sein zukünftiges Aufgabenfeld sein, weil ich ihn zum Bischofsvikar für missionarische Pastoral ernannt habe. Rund um Pfingsten werden wir eine offizielle Vorstellung seiner neuen Aufgabe machen. Klar ist jetzt schon, dass Bischofsvikar Bürgler keine eigene Pfarre übernehmen wird, sondern quasi freigespielt ist, um für andere Begleiter, Coach und Ermutiger zu sein. Im Fußball würde man sagen, dass er zukünftig als Libero eingesetzt wird. RS: Im Bezirk Reutte (einer der am stärksten industrialisierten Bezirke Tirols) leben viele Menschen mit muslimischem Glauben. Ein Dialog zwischen Katholiken und Muslimen ist kaum bemerkbar, obwohl das Zusammenleben an sich großteils gut funktioniert. In letzter Zeit scheinen sich die Gegensätze zu verstärken – gerade in der jungen Generation. Welche Möglichkeiten sehen Sie, mehr aufeinander zuzugehen – mit Hauptaugenmerk auf den ländlichen Raum? Glettler: Mein Grundrezept lautet: Begegnung, Begegnung und wieder Begegnung! Wenn es zu echten Begegnungen unter uns Menschen kommt, dann passiert das Wesentliche. Die unterschiedliche Kultur oder Religion spielt dann keine spaltende Rolle. Die Initiative kann von Sport-, Kultur- und Musikvereinen kommen, wo man miteinander Fußball spielt, Musik macht oder Feste miteinander ausrichtet. Irgendjemand muss den ersten Schritt tun. Begegnung geht über Musik und Essen am leichtesten, aber auch durch ein gemeinsames soziales Projekt. In meiner Pfarre in Graz haben wir versucht, mitten in den Siedlungen und in den Innenhöfen der Wohnanlagen solche multikulturellen Zusammenkünfte zu organisieren – quasi Siedlungsfeste, wo jeder etwas beiträgt. Wichtig ist, dass man auch lernt, in einer möglichst gewaltfreien Art und Weise Konflikte anzusprechen. Wenn Probleme da sind, dann müssen sie thematisiert werden. Jemanden hinten herum schlecht machen oder vernadern geht gar nicht! Ich glaube, dass wir alle gut miteinander leben können – auch wenn dies immer wieder neu zu lernen ist. RS: Danke für das Gespräch. V iva E spaña 5. WEIN-EVENT SAMSTAG, 14. APRIL 2018 12.00 – 18.00 UHR Spain meets Hotel Post. Gemeinsam mit Markus Saletz Lieblingsweine verwandelt das Hotel Post Lermoos sich in eine Plaza der Genüsse. GRATIS BUS-SHUTTLE Isserparkplatz, Reutte nach Lermoos: 12.00 Uhr & 14.00 Uhr Lermoos retour nach Reutte: 19.00 Uhr Um Anmeldung wird gebeten! HOTEL POST ★★★★S , Kirchplatz 6, 6631 Lermoos, Tirol Tel.: +43 5673 2281 0, welcome@post-lermoos.at, www.post-lermoos.at Seite 9