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Perspektiven2018Stahl

Bewertung: Risiken für

Bewertung: Risiken für die Prognose resultieren vor allem aus den politischen Unwägbarkeiten und möglichen Problemen im Zusammenhang mit der anstehenden Normalisierung der Geldpolitik (ifw, Kiel). Der wirtschaftlichen Entwicklung zugrunde liegt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Sie hat den Leitzins auf null Prozent gesenkt und hält durch umstrittene massive Käufe von Staatsanleihen den Marktzins niedrig, um die Kreditvergabe zu erleichtern und die Konjunktur anzukurbeln. Nebenbei ermöglicht sie so überhaupt erst den überschuldeten Industriestaaten, sich zu Lasten von Sparern und Lebensversicherungen, von den Folgen der Finanzkrise zu erholen. Würden sich steigende Zinsen andeuten, wüchse für Anleger auch wieder die Attraktivität festverzinslicher Investments. Aber auch für die Börse und heutige sowie zukünftige Immobilienbesitzer hat die Zinsentwicklung größte Bedeutung. Die EZB- Politik hat den Markt verzerrt und die Preise für Vermögen aufgebläht. Mangels Alternativen floss das Kapital der Anleger auch in den Wohnungs- und Häusermarkt und wirkte sich preistreibend aus. Hier gilt es, die Zinsentwicklung im Auge zu behalten, um bei einer Anschlussfinanzierung kein böses Erwachen zu erleben. Kurz- und mittelfristige Perspektiven für das Stahlgeschäft | Seite 6

1.2 Konjunkturperspektiven für den Euroraum Die Konjunktur im Euroraum hat im Verlauf des Jahres 2017 einen Gang hoch geschaltet, was u.a. in kräftigeren Zuwachsraten des Bruttoinlandsproduktes 1) zum Ausdruck kommt: Nach einer Zunahme im vergangenen Jahr um 2,2% wird für 2018 mit einem Zuwachs in nahezu dem gleichen Ausmaß (2,1%) gerechnet. Einstweilen sind, auch im Zuge der (noch) niedrigen Zinsen, die Auftriebskräfte intakt, gleichwohl aber bergen beispielsweise die bevorstehenden EU-Austrittsverhandlungen mit dem Vereinigten Königreich sowie die italienischen Parlamentswahlen im Frühjahr 2018 das Potenzial, den europäischen Konjunkturmotor zumindest ins Stottern zu bringen. Für 2019 liegen die Erwartungen bei einer Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 1,9%. Die Aufwertung des Euro ü̈ber die vergangenen Monate spiegelt die positive Konjunkturentwicklung wider. Sie lässt sich zum einen so interpretieren, dass hierin eine wachsende Zuversicht von Investoren in die wirtschaftliche Stabilitaẗ der Währungsunion zum Ausdruck kommt. Zum anderen kann hinter der Aufwertung die Erwartung einer allmaḧlichen Normalisierung der Geldpolitik stecken, die eine geringere Zinsdifferenz gegenüber anderen Währungsräumen zur Folge haẗte, als bislang erwartet worden war, denn eine solche geldpolitische Normalisierung rückt bei zunehmendem Preisauftrieb und einer dynamischen Konjunkturlage naḧer (ifw, 2017). Ein Blick auf die Entwicklung der „Verwendungskomponenten“ des Bruttoinlandsproduktes über die vergangenen Quartale zeigt, das vor allem die Bruttoanlageinvestitionen und der private Verbrauch stark zulegten. Es sei noch angemerkt, dass die Konjunktur in 2017 sich insbesondere in den großen Ländern des Euroraums verbessert hat, darunter vor allem in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Spanien; die bislang zähe Erholung in Italien hat ebenso etwas an Fahrt aufgenommen. In 2018 und 2019 bleiben die wirtschaftliche Antriebskräfte nach oben gerichtet. 1) Das Bruttoinlandsprodukt ergibt sich vereinfacht als Summe des Gesamtwertes aller Güter und Dienstleistungen, die während eines Jahres innerhalb einer Volkswirtschaft abzüglich der Vorleistungen und Vorratsveränderungen hergestellt werden. Kurz- und mittelfristige Perspektiven für das Stahlgeschäft | Seite 7