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11.04.2018 Neue Woche

neuewoche. Mittwoch, 11.

neuewoche. Mittwoch, 11. April 2018 10 Jetzt Stauden pflanzen für den Traumgarten Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf: Die Blumenzwiebeln treiben, hier und da schwellen die Knospen der Gehölze und aus mancher Staude sprießt schon das erste, frische Grün. Wann eine Pflanze austreibt, hat auch mit ihrem Standort und ihrer Exposition zur Sonne zu tun. „Es lohnt, bei der Gartenplanung gut zu überlegen, welche Stauden und Gehölze man wohin setzt“, betont Gerald Jungjohann vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), „denn sie entwickeln sich am besten, wenn sie an Stellen im Garten stehen, die ihren natürlichen Standorten entsprechen.“ Jede Staude hat ihren Lebensbereich Weil die Gruppe der Stauden so außerordentlich vielfältig ist, wurden sogenannte „Lebensbereiche“ definiert, die den Profis bei der Gartenplanung und Staudenverwendung helfen. Doch auch mit dieser Systematik ist Wissen und Erfahrung gefragt, um die Vielfalt der Stauden auszuschöpfen. So beschreibt etwa der Lebensbereich „Gehölzrand“ einen Standort, der charakterisiert ist durch sonnige, warme bis absonnige, kühle, wechselschattige Lagen. Im Garten handelt es sich dabei beispielsweise um Pflanzungen vor größeren Gehölzen oder vor Hecken, aber auch an Hauswänden und Mauern. Die Experten für Garten und Landschaft wählen für die entsprechenden Standorte die passenden Stauden aus und wissen sie perfekt zu kombinieren. Gerald Jungjohann: „Zu berücksichtigen sind unterschiedliche Wuchsformen und -größen, Laubfärbung, Blütezeiten sowie Farbe und Form der Blüten und Blütenstände. Es ist dann schließlich auch Geschmackssache – manche Gartenbesitzer bevorzugen Beete mit wenigen Farben, andere wünschen sich Stauden mit ähnlichen Blüten aber in unterschiedlichen Farbetönen.“ Das Ziel ist ein harmonischer Gesamteindruck, auch deshalb ist es wichtig, Pflanzkombinationen mit weitestgehend identischen Standortansprüchen zu wählen. Blühende Stauden für den Vorgarten Der Frühling ist eine traditionelle Pflanzzeit – vor allem für sommer- und herbstblühende Stauden. Wie wäre es zum Beispiel, den Vorgarten mit blühenden Stauden aufzuwerten? Auch schattige Lagen lassen sich mit den richtigen Stauden zu blühenden Beeten verwandeln – so wachsen zum Beispiel Maiglöckchen und Storchschnabel gut und gern unten alten Bäumen. Auch Farne, Funkien oder Herbstanemonen fühlen sich ohne direktes Sonnenlicht wohl und bringen Farbe in dunkle Gartenbereiche. Zarte Blütengewächse wie Tränendes Herz und prächtige Stauden wie die Astilbe, aber auch Geißbart, Pfingstrosen und Glockenblumen verschönern den Halbschatten mit ihren Blüten. Übrigens sind die lichtärmeren Gartenbereiche auch beliebte Rückzugsbereiche für Tiere. Hier bringt man am besten Nistkästen an und kann sich auf das ein und andere Vogelkonzert freuen. GMH FESTER BESTANDTEIL DES STAU- DENGARTENS: Farne bringen ein sattes Grün in schattige Gartenbereiche und erschaffen beliebte Rückzugsorte für allerlei Tiere. VON SONNE BIS HALBSCHATTEN: Der Lebensbereich Gehölzrand beschreibt einen Standort, der charakterisiert ist durch sonnige, warme bis absonnige, kühle, wechselschattige Lagen, wie vor größeren Gehölzen oder vor Hecken, aber auch an Hauswänden und Mauern. DA BLÜHT DEM GARTENFREUND WAS: Auch schattige Lagen lassen sich mit den richtigen Stauden zu blühenden Beeten verwandeln, beispielsweise mit den zarten, rosafarbenen Blüten des Storchschnabels.

neuewoche. Mittwoch, 11. April 2018 11 Lass die Sonne rein! Frühblühende Stauden beleben Beet, Balkon und Terrasse – und das auch in Schattenlagen. Die Frühlingssonne lockt nicht nur die Menschen wieder nach draußen, auch im Beet reckt und streckt es sich allerorten. „Ich finde es einfach toll, wenn im Garten das Leben erwacht, auch heute noch, nach mehr als 30 Berufsjahren“, stellt Jens Schachtschneider fest. Dem Inhaber einer Staudengärtnerei liegen besonders die Frühblüher für halbschattige und schattige Gartenbereiche am Herzen. Die Auswahl ist riesig. Sie reicht von filigranen Schattentänzern wie dem in Weiß, Rosa- und Rottönen gewandeten Lerchensporn bis zu robusten Gesellen. Zu letzteren zählen etwa das teils mehrfarbig blühende Lungenkraut, das auch im vollen Schatten noch gedeiht, und die Gämswurz, deren sonnengelbe Blütenräder auch im Halbschatten erstrahlen. Überhaupt sind bei den Frühblühern auch jenseits der prallen Sonne auffallend leuchtende Farben zu finden. „Zu den Klassikern gehören die Bergenien. Ich liebe die Sorte Eroica mit ihren violettroten Blüten und dem wunderschön gefärbten wintergrünen Laub – perfekt auch für die Kübelbepflanzung“, nennt Jens Schachtschneider ein Beispiel. Ein weiteres ist die Nelkenwurz – bis vor kurzem wenig verbreitet, aber stark im Kommen. Die Sorte Mai-Tai beispielsweise trägt von April an lachsrosafarbene, Richtung Orange spielende Blüten. „Die Nelkenwurz wird noch an Bedeutung gewinnen, weil sie eine Blütenlücke im Mai schließt“, ist sich der Staudenexperte sicher. Natürlich werden auch Liebhaber dezenter Farbtöne bei den frühen Halbschatten- und Schattenblühern WER HÄTTE TROLLEN SOVIEL GE- SCHMACK ZUGETRAUT: Die Trollblume ist eine wunderhübsch anzusehende Gute-Laune-Pflanze – geradezu ein Muss für sonnige Plätze mit feuchtem Boden. Foto: GMH/Bettina Banse fündig - sei es mit Lenzrosen, der Frühlings-Platterbse, der auch für Kübel wunderbar geeigneten Schaumblüte oder dem nostalgischen Maiglöckchen. „Ist die Erde feucht genug, bleibt das Maiglöckchenlaub übrigens den ganzen Sommer über erhalten, nur an trockenen Plätzen zieht es ein“, verrät Jens Schachtschneider. Knallige Farben oder zartes Pastell Ein echter Alleskönner ist das Kaukasusvergissmeinnicht: Die blauen Blüten sind nur das i-Tüpfelchen über dem eleganten herzförmigen Laub mit dem silbrig schimmernden Muster. Die kompakt wachsende Sorte passt es ebenso gut in Landhausgärten wie in modern gestaltete Vorgärten. Apropos Vorgärten: die liegen besonders häufig im Halbschatten oder Schatten und beherbergen viel zu oft nur Rasengräser oder Efeu. „Dabei GRAZILE SCHÖNHEIT: Im Vollfrühling haben Akelei ihren großen Auftritt. Sie vertragen Sonne wie Halbschatten, und ihre kunstvoll geformten Blütenhütchen sind bei Hummeln sehr beliebt. Foto: GMH/Bettina Banse lässt sich hier sehr leicht eine geschlossene, aber abwechslungsreiche Pflanzendecke erzielen. Denn die meisten in Frage kommenden Stauden harmonieren sehr gut miteinander, und viele Frühblüher sind ausgezeichnete Bodendecker.“ Bunte Blüten auch im Vorgarten Einige Arten wie die gelbblühende Waldsteinie breiten sich sehr stark aus, schließen rasch auch große Flächen und verdrängen dabei selbst hartnäckiges Unkraut. Andere vermehren sich kontinuierlich, werden aber nie lästig. Dazu zählt etwa die Elfenblume, deren Fangemeinde und Sortiment seit Jahren wächst. „Die zarten Blüten gibt es in zahlreichen Farbvarianten und ihr herzförmiges Laub ist einfach spektakulär, wächst schön dicht und bleibt bei vielen Sorten auch den Winter über erhalten“, ZARTE FARBEN: Die Nelkenwurz begeistert mit lachsrosafarbenen Blüten. Die Trendstaude gibt es in zahlreichen Varianten von Sonnengelb über temperamentvolles Rot und Orange bis hin zu zarten Pastelltönen. Foto: GMH/Jens Schachtschneider schwärmt Jens Schachtschneider. In sonnigen Blumenrabatten rufen neben Zwiebelblumen auch viele frühblühende Stauden Bewunderung hervor. „Sehr beliebt sind etwa Polster-Phlox und Zwerg-Iris. Vor allem für naturnahe und moderne Gestaltungen kommen aber auch verschiedene Wolfsmilcharten in Frage. Die fallen durch ihre leuchtenden Farben und ihre ungewöhnliche Struktur sofort ins Auge“, erklärt Jens Schachtschneider. Spiel mit Farben und Formen Ganz eigene Akzente setzen auch Stauden mit dekorativem Austrieb. „Die bordeauxroten Spitzen der Pfingstrose oder die an ein Zierkissen erinnernden Rosetten der Fetthenne sind nicht zu übersehen und halten in ihrer Wirkung locker mit attraktiven Blüten mit.“ GMH EINE ECHTE AUGENWEIDE: Die Küchenschelle (Pulsatilla) ist ein Juwel für sonnige Steingärten oder Beete mit durchlässigem Boden. Der zarte, die ganze Pflanze bedeckende Flaum scheint wie von feinem Pinselstrich gezogen, auch die fedrigen Samenstände sind eine Zier. Foto: GMH/Bettina Banse