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AZUBI BASICS Ostwestfalen

Azubi Basics - Das große Handbuch für den künftigen Auszubildenden mit vielen wertvollen Tipps zum Berufseinstieg

UNGLÜcKLIcH IN DER

UNGLÜcKLIcH IN DER AUSBILDUNG? nicht zu früh aufgeben! Du hast eine Lehre aufgenommen, aber irgendwie fühlt sie sich nicht richtig an? Kommst du nicht so recht klar und hast dich die letzten Wochen regelrecht zur Arbeit oder in die Berufsschule gequält? Beginnst du zu zweifeln, ob deine Berufswahl überhaupt richtig war, und der Gedanke, abzubrechen, ist dir schon ein paar Mal in den Sinn gekommen? Stopp! Bevor du aufgibst, solltest du noch einmal darüber nachdenken, ob es wirklich etwas mit dem Beruf an sich zu tun hat. Es könnte nämlich noch andere Ursachen für deine Unzufriedenheit mit der Ausbildung geben. Tritt einen Schritt zurück und nimm deine Lage genauer unter die Lupe, vielleicht finden sich noch andere Lösungen. aller anfang ist scHWer In den ersten Wochen und Monaten deiner Lehre kommen viele neue Eindrücke auf dich zu. Dein neues umfeld, die Kollegen, den Ausbilder, den Chef im unternehmen und die anderen Azubis in der Berufsschule kennst du noch nicht richtig. Diese umstellung ist ein Prozess und es kann eine Weile dauern, bis du dich eingewöhnt hast. Außerdem lernst du gerade erst das Arbeitsleben kennen, musst dich auf einen anderen Tagesablauf einstellen und setzt dich mit Techniken, Methoden sowie Aufgaben auseinander, mit denen du vorher kaum etwas zu tun hattest. Das kann einen ganz schön überfordern. [102]

Deswegen brauchst du nicht gleich Panik zu bekommen oder zu glauben, dass du nicht gut genug für den Beruf bist. Zu Beginn ist das völlig normal. Wenn du allerdings auch noch nach drei Monaten oder länger das Gefühl hast, dass du nicht zurechtkommst, dich unwohl fühlst und schlaflose Nächte hinter dir hast, dann solltest du tief in dich gehen. Beobachte dich in den nächsten Tagen selbst, während du dir dabei diese wichtige Frage stellst: Was stört MicH ganz konkret? Nimm dir am besten eine ganze Woche Zeit. Beantworte folgende Fragen, indem du ehrlich zu dir selbst bist und dir Stichpunkte dazu machst: Hast du Schwierigkeiten mit den Ausbildungsinhalten? Geht es in erster Linie darum, dass dir die Tätigkeiten nicht zusagen und es einfach nicht das ist, was du in Zukunft tun willst, oder liegt es eher am Arbeitsumfeld? Hast du keinen guten Draht oder gar einen Konflikt mit einem Kollegen? Fühlst du dich unwohl in der Berufsschule, nervt dich der Chef oder der Ausbilder? Interessiert dich das, was du in deiner Ausbildung machst und hast du Freude daran? Wo genau willst du in Zukunft hin und kannst du das nur mit dieser Ausbildung erreichen? Nun setzt du dich mit dem Ergebnis auseinander. Wenn du genau reflektiert hast, dann kannst du für dich feststellen, ob du ... 1. 2. 3. ... zwar den richtigen Ausbildungsberuf gewählt, aber Probleme mit dem umfeld hast. ... Schwierigkeiten mit Lern- und Ausbildungsinhalten hast. ... grundsätzlich mit deiner Berufswahl daneben liegst. Wie geht es nun weiter? sucHe Das gespräcH! Falls auf dich zutrifft, dass du den Ausbildungsberuf magst, dir aber das Arbeitsklima zu schaffen machst, dann solltest du das Gespräch suchen. Die meisten Ausbildungsverträge in Deutschland werden vorzeitig aufgelöst, weil Azubis sich nicht trauen, Probleme anzusprechen. Bitte deinen Vorgesetzten um einen Termin und rede mit ihm. Ihr solltet gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Wenn du dir unsicher bist, kannst du auch die Berufsberater der Agentur für Arbeit zurate ziehen, um dich auf das Gespräch besser vorzubereiten. Hilfreich sind regelmäßige Feedbackgespräche, um die du deinen Ausbilder bzw. Chef auch bitten solltest. Beobachte in den nächsten Wochen, wie sich deine Situation entwickelt. Falls sich jedoch in absehbarer Zeit nichts ändert, dann solltest du mithilfe deiner Berufsberater das Ausbildungsunternehmen wechseln. lass Dir Helfen! Falls dir dein Ausbildungsberuf gefällt, dir jedoch bestimmte Ausbildungsinhalte zu schaffen machen oder es dir schwerfällt, dich in gewissen Bereichen zu motivieren, dann solltest du nicht gleich das Handtuch werfen. Sieh dich rechtzeitig nach ausbildungsbegleitenden Hilfen um. Die Nachhilfen sind kostenlos und du kannst sie dir von deiner zuständigen Agentur für Arbeit genehmigen lassen. Du brauchst dich auch nicht zu schämen, denn du wirst nicht der einzige Nachhilfeschüler sein. Viele Azubis nehmen diese unterstützung sogar in Anspruch, um ihre Noten aufzupolieren. Das Tolle daran ist, dass, wenn du vom Ausbildungsbetrieb freigestellt werden musst, um am Nachhilfeunterricht teilnehmen zu können, die Arbeitsagentur sogar dein Ausbildungsgehalt übernimmt. WAnn IST EIn AuSBILdungSABBrucH unvErMEIdBAr? Wenn du allerdings wirklich das Gefühl hast, dass dieser Beruf einfach nichts für dich ist, dann berate dich mit deinen Eltern, Freunden, deiner zuständigen Kammer, dem Ausbilder und dem Berufsberater der Agentur, bevor du die endgültige Entscheidung fällst abzubrechen. Dein Berufsberater unterstützt dich bei der umorientierung und der Suche nach einer neuen Lehrstelle. In manchen Fällen können Teile deiner vorangegangenen Ausbildung an die neue angerechnet werden, sodass du nicht komplett bei null beginnst. Informiere dich so früh wie möglich über Ausbildungsalternativen und nutze berufsvorbereitende Maßnahmen sowie Praktika. Dabei kannst du unterschiedliche Berufsrichtungen kennenlernen und so einer erneuten Fehlentscheidung vorbeugen. Solltest du noch unschlüssig sein, dann empfiehlt sich zur Orientierung auch ein Gap Year. [103]