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AZUBI BASICS Ostwestfalen

Azubi Basics - Das große Handbuch für den künftigen Auszubildenden mit vielen wertvollen Tipps zum Berufseinstieg

Wenn nichts mehr geht

Wenn nichts mehr geht – Kündigung in Probezeit und Ausbildung Bist du unzufrieden mit deinem Lehrbetrieb? Hast du festgestellt, dass es doch nicht dein Traumberuf ist und möchtest lieber etwas anderes lernen? Hat dein Unternehmen seine Pflichten verletzt? Oder hast sogar du vielleicht schon wieder Mist gebaut und der Betrieb hat die Nase voll von dir? Kündigungsgründe gibt es unterschiedliche und jeder Fall ist individuell verschieden. Die Art der Kündigung unterscheidet sich außerdem danach, ob du dich noch in der Probezeit oder bereits mitten in der Ausbildung befindest. Eine Kündigung kann jeweils von beiden Parteien beantragt werden. Gesetzliche Grundlage ist § 22 des Berufsbildungsgesetzes. In diesem Beitrag erläutern wir dir alle Fakten rund ums Kündigen. Erfahre hier mehr ... Es hat nicht sollen sein? Kündigen in der Probezeit Falls du während der Probezeit merken solltest, dass dir der Beruf überhaupt nicht liegt oder das Unternehmen und du nicht richtig zusammenpassen, dann können entweder du bzw. dein Betrieb, ohne Kündigungsfristen einhalten zu müssen, das Ausbildungsverhältnis beenden. Trotzdem muss die Kündigung schriftlich verfasst werden, allerdings ohne Angabe von Gründen. Wichtig: Die Kündigung muss noch vor Ablauf der Probezeit beim Empfänger eingehen. Bei minderjährigen Azubis müssen entweder die Erziehungsberechtigten kündigen bzw. der Betrieb muss diesen die Kündigung zustellen. Kündigung während der Ausbildung Wenn du die Probezeit geschafft hast und dich mitten in der Lehre befindest, dann gelten andere Kündigungsregeln. Auch hier muss die Kündigung schriftlich und unter Angabe eines Kündigungs- grunds erfolgen. Es gibt drei verschiedene Kündigungsarten: die fristlose und die ordentliche Kündigung sowie den Aufhebungsvertrag. Die Unterschiede erklären wir dir nun genauer: [104]

Fristlose Kündigung Dazu kommt es hoffentlich nur im seltensten Fall. Die fristlose Kündigung kann von beiden Parteien ausgehen, wenn es zu einem schweren Gesetzesverstoß gekommen ist. Falls du als Azubi trotz Abmahnung mehrfach unentschuldigt fehlst, auch in der Berufsschule, oder im Unternehmen etwas stiehlst, hat der Betrieb das Recht, dich fristlos zu kündigen. Wenn das Unternehmen sich allerdings mehr als zwei Wochen für die Kündigung Zeit lässt, obwohl die Gründe bekannt sind, dann ist sie nichtig. Umgekehrt darfst du von diesem Recht ebenfalls Gebrauch machen, wenn du als Azubi beispielsweise psychisch oder körperlich misshandelt wirst, etwa durch Beleidigungen oder Schläge. Ordentliche Kündigung Wenn du deine Ausbildung nicht mehr zu Ende führen und den Betrieb wechseln möchtest oder eine andere Lehre aufnehmen willst, dann musst du eine Kündigungsfrist von vier Wochen einhalten. Bei Minderjährigen sind auch hier die gesetzlichen Vertreter Kündigungsempfänger bzw. diejenigen, die für dich kündigen. Grundsätzlich können jeweils Azubi oder Unternehmen Schadensersatz verlangen. Um diesen Anspruch geltend zu machen, muss die Schadensersatzforderung innerhalb von drei Monaten nach Ende des Ausbildungsverhältnisses erfolgen. Das Gesetz schützt Azubis, die eine Kündigung möchten, weil sie den Beruf nicht mehr ausüben und lieber eine andere Lehre aufnehmen wollen. Dann kannst du ebenfalls unter Einhaltung der vierwöchigen Frist schriftlich mit Angabe eines besonderen Grundes kündigen und musst für keinen Schadensersatz gegenüber dem Unternehmen aufkommen. Aufhebungsvertrag Hierbei handelt es sich nicht um eine Kündigungsform, sondern um eine Vereinbarung zwischen Ausbildungsbetrieb und Lehrling. Im Aufhebungsvertrag wird festgehalten, dass beide Seiten damit einverstanden sind, das Ausbildungsverhältnis aufzulösen. Dazu müssen zwar keine Fristen eingehalten werden, allerdings muss das Unternehmen sein Einverständnis dafür geben. Diese Form der Beendigung der Ausbildung lohnt sich nur, wenn du deine Lehre in einer anderen Firma fortsetzen willst. Was steht dir nach einer Kündigung zu? Nach einer Kündigung bzw. einem Aufhebungsvertrag hast du Anspruch auf ein Arbeits- bzw. Ausbildungszeugnis. Außerdem muss dir das Unternehmen deine Unterlagen zurückgeben. Weiterhin hast du Anspruch auf Auszahlung deines Gehaltes bis zum Kündigungszeitpunkt, deines Resturlaubs und deiner Überstunden. Gegebenenfalls hast du Anspruch auf Schadensersatz. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Unternehmen dich kündigt und sich deswegen deine Ausbildung verlängern sollte. Wichtige Hinweise Überlege dir in jedem Fall gründlich, ob du wirklich kündigen möchtest. Wenn du nicht richtig sicher bist, dann wende dich unbedingt an den Betriebsrat oder suche das Gespräch mit der Auszubildendenvertretung. Lasse dich ebenfalls von deiner zuständigen Stelle (Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder eine andere), einem Azubiberater der Agentur für Arbeit oder deinen Berufsschullehrern beraten, bevor du eine endgültige Entscheidung triffst. Wenn du nach eingehendem Überdenken der Meinung bist, dass es keinen Sinn macht und du kündigen möchtest, dann solltest du dich rechtzeitig um eine neue Lehrstelle kümmern und erst die Kündigung verfassen, wenn du diese gefunden hast. Falls du nur das Unternehmen wechselst, aber nicht den Ausbildungsberuf, dann bekommst du die bisherige Ausbildungszeit angerechnet. Beim Wechsel in einen Ausbildungsberuf mit ähnlichen Ausbildungsinhalten kann dir auf Antrag die Ausbildungszeit anteilig angerechnet werden. Lass dich dazu von der zuständigen Stelle (Industrieund Handelskammer, Handwerkskammer oder eine andere) beraten. Bedenke jedoch, dass du im neuen Ausbildungsverhältnis trotzdem wieder mit der Probezeit beginnst. [105]