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AZUBI BASICS Ostwestfalen

Azubi Basics - Das große Handbuch für den künftigen Auszubildenden mit vielen wertvollen Tipps zum Berufseinstieg

AZUBIS

AZUBIS UND MINDESTLoHN Du hast eine Lehrstelle bekommen und sitzt nun über dem Ausbildungsvertrag. Da fällt dein Blick auf die Angabe zur Vergütung und du wunderst dich? Moment mal, war da nicht etwas mit dem Mindestlohn seit Anfang 2015? Du rechnest hin und her und merkst, dass du überhaupt nicht auf die gesetzlichen 8,84 Euro pro Stunde kommst? Wir bringen in diesem Beitrag etwas Licht ins Dunkel und erläutern dir, was es mit dem Mindestlohn auf sich hat und für wen er gemacht ist. Mindestlohn – was ist das? Seit dem 1. Januar 2015 ist das Mindestlohngesetz in Kraft, wonach Arbeitgeber für eine Stunde Arbeit mindestens 8,50 Euro zahlen müssen. Damit soll gewährleistet werden, dass Vollzeittätige ihre Lebenshaltungskosten decken können. Außerdem sollen somit Armut und das Ausnutzen von Arbeitskräften vermieden werden. Das Gesetz gilt auch für Minijobber und Geringverdiener, sofern sie über 18 Jahre alt sind. Seit dem 1. Januar 2017 wurde der Mindestlohn von ursprünglich 8,50 Euro auf 8,84 Euro angehoben. Wer bekommt den Mindestlohn? Der Mindestlohn gilt für Arbeitnehmer, damit sie die Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele angehende Azubis reiben sich schon die Hände, denn bei einer Vollzeitarbeit von 40 Stunden die Woche käme ein beträchtliches Sümmchen zusammen. Tja, Pustekuchen! Der Mindestlohn ist nicht für Auszubildende gedacht und sie haben auch keinen Anspruch darauf. Warum sind Azubis ausgenommen? Zunächst einmal erhältst du als Azubi kein Gehalt, sondern eine Ausbildungsvergütung. Du unterzeichnest auch einen Ausbildungsvertrag und keinen Arbeitsvertrag. Die Ausbildung dient dazu, einen Beruf zu erlernen und nicht, um die Kosten deiner Lebenshaltung zu decken. Da also Azubis keine Angestellten sind, zählen sie zu den Ausnahmen des Gesetzes. Damit stehst du jedoch nicht allein da. Jugendliche unter 18 Jahren, Pflichtpraktikanten, Saisonarbeiter oder Angestellte, deren Mindestlohn tariflich festgesetzt ist, Personen, die einem Ehrenamt nachgehen, freiwillig Tätige, Selbstständige und Heimarbeiter sind ebenso davon ausgenommen. Und es geht doch! Sobald du ein Praktikum außerhalb deiner Ausbildung aufnimmst und dieses mindestens drei Monate dauert, hast du automatisch Anspruch auf Mindestlohn. Wenn du also volljährig bist und dich beispielsweise vor deiner Ausbildung durch ein Praktikum zu einem bestimmten Beruf orientieren möchtest und dies länger als drei Monate dauert, dann hast du Anspruch auf Mindestlohn ab dem ersten Tag oder, falls du in dieser Zeit erst 18 Jahre alt werden solltest, ab deinem Geburtstag. Freiwillige studien- und ausbildungsbegleitende Praktika mit einer Dauer von mindestens drei Monaten müssen ebenfalls nach dem Mindestlohngesetz vergütet werden. Zusätzliche finanzielle Möglichkeiten für Azubis Alles halb so schlimm: Wenn deine Ausbildungsvergütung gering ausfällt, hast du die Möglichkeit Berufsausbildungsbeihilfe zu beantragen (siehe unseren Artikel „Berufsausbildungsbeihilfe“). Außerdem bekommen deine Eltern bis zu deinem 26. Geburtstag Kindergeld für dich und müssen es dir auszahlen, wenn du nicht mehr bei ihnen zu Hause wohnst. [76]

mein ausBilDungs- KONTO Du freust dich sicher, als Azubi endlich dein eigenes Geld zu verdienen. Dieses muss aber erst einmal zu dir kommen, denn du erhältst es weder in bar noch als Scheck. Dein Arbeitgeber überweist es dir auf dein Bankkonto. Wenn du noch kein Konto hast, dann solltest du dich schleunigst auf den Weg machen und eins eröffnen. Worauf du dabei achten solltest und welche Unterlagen du dafür brauchst, verraten wir dir jetzt ... Bei welcher Bank soll ich ein Konto eröffnen? Du kannst dein Konto bei der Bank deiner Wahl eröffnen. Hol dir dazu verschiedene Angebote ein und mach dich auf Vergleichsportalen im Internet schlau. Es gibt bei den meisten Banken spezielle Girokonten für Azubis bis zu einer bestimmten Altersgrenze. Diese sind in der Regel kostenlos, das heißt, dass du keine Kontoführungsgebühren bezahlen musst. Außerdem wird dein Guthaben mit einem kleinen Satz verzinst. Manche Banken bieten zudem Prämien an, wenn du dein Konto bei ihnen eröffnest. Das kann eine Hausrat- oder Auslandskrankenversicherung sein, ein geringer Finanzbonus, ein Gutschein oder eine Musikflatrate. Suche dir am besten eine Bank mit einer Filiale in deiner Nähe aus. Achte auch darauf, dass du mit deiner Bankkarte kostenlos bei Geldautomaten Geld abheben kannst. Manche Banken stellen dir sogar gratis oder gegen eine geringe Jahresgebühr eine Kreditkarte auf Guthabenbasis, eine sogenannte Debitkarte, zur Verfügung. Diese brauchst du beispielsweise fürs Onlineshopping. Mit der Debitkarte hast du den Vorteil, dass du wirklich nur das Geld ausgibst, über das du verfügst, sodass du dein Konto nicht überziehen kannst. Klassische Bank oder Onlinebank? Der Vorteil einer klassischen Bank besteht darin, dass dir ein Ansprechpartner zur Verfügung steht. Wenn du deine Bankkarte verlierst, eine Überweisung machen möchtest, bestimmte Fragen hast oder eine Beratung brauchst, dann kannst du in die Filiale gehen und persönlich mit einem Bankangestellten sprechen. Onlinebanken bieten diesen Service selten an. Bei Anliegen musst du meist eine teure gebührenpflichtige Telefonnummer wählen oder wirst unpersönlich per E-Mail bzw. über einen Chat betreut. Klassische Banken bieten dir selbstverständlich ebenfalls an, deine Bankgeschäfte per Online- und Telefonbanking abzuwickeln. Wie eröffne ich ein Gehaltskonto? Du kannst ein Konto entweder online oder direkt in einer Filiale eröffnen. Dazu füllst du den Kontoantrag aus und unterschreibst ihn. Wenn du jünger als 18 Jahre alt bist, dann muss ein Erziehungsberechtigter für dich unterschreiben. Außerdem musst du deinen Personalausweis vorlegen, damit die Bank deine Identität prüfen kann, um sicherzustellen, dass kein anderer unter deinem Namen ein Konto eröffnet. Bei Onlinebanken musst du dich entweder per Postident-Verfahren, welches du bei einer Postfiliale durchführen lässt, oder per Video-ident-Verfahren identifizieren. Beim Post-ident-Verfahren erhältst du für die Identifizierung einen Post-ident-Coupon zugeschickt. Mit diesem gehst du zur Post bzw. ein Postbote bringt ihn dir nach Hause. Nachdem er deine Identität anhand deines Ausweises auf dem Coupon bestätigt hat, wird dieser zurück an die Bank geschickt. Für das Video-ident-Verfahren brauchst du deinen Ausweis, eine Internetverbindung und eine Webcam. Per Videotelefonie mit der Onlinebank zeigst du für die Sicherheitsprüfung deinen Ausweis in die Kamera. In der Regel bekommst du nach etwa einer Woche deine Bankkarte und deine Geheimnummer zugesendet. Das Onlinebanking wird meist schon wenige Stunden nach der Eröffnung aktiviert. Bekomme ich als Azubi einen Kredit? Da du als Azubi noch nicht so viel Geld verdienst und dich am Anfang noch in der Probezeit befindest, wird es schwierig, einen Kredit zu beantragen. Nach Ende der Probezeit kannst du einen Kredit im kleinen Rahmen bzw. mit kurzen Laufzeiten bekommen, wenn du keine Schufa-Einträge hast und volljährig bist. Viele Banken sichern sich zusätzlich ab, indem sie eine Bürgschaft verlangen. Wenn du jedoch gerade dringend Geld brauchst, kannst du deine Bank darum bitten, dir einen Dispokredit einzuräumen. Damit kannst du bei Bedarf ins Minus kommen und dieses mit deinem nächsten Gehalt ausgleichen. Für den Dispokredit zahlst du meist Zinsen in Höhe von etwa 10 Prozent. [77]