Aufrufe
vor 1 Woche

LE-1-2018_PRINT-BLURB_

LOGISTIK express

LOGISTIK express 1/2018 | S54 Betriebliche Ausbildung ist eine Bringschuld der Unternehmer. 2026 in Betrieb gehende Brenner Basistunnel wird – wenn überhaupt - höchstens den Verkehrszuwachs bis dahin bewältigen können. Es macht sprachlos, mit welcher Ideenlosigkeit das angeblich neue Regieren dem Lkw Desaster gegenübersteht. Kein Wort dazu, dass 50 Prozent Luft in den Lkws befördert wird. Keine Idee gegen Leertransporte. Keine Diskussion über eine Industrie, die sich einen Dreck darum schert, wie ihre Produkte von A nach B kommen. Hauptsache billig und noch besser, wenn von Fördergeldern unterstützt. Wirtschaftsstandort Österreich Neben anderen Faktoren bestimmen Arbeitskräfte maßgeblich einen guten Wirtschaftsstandort. Das ist zwar allseits unbestritten, wird aber unterschiedlich befördert. Die neue Regierung „widmet“ dem Thema Arbeitskräfte breiten Raum. Wenn die Verfügbarkeit von Arbeitskräften – wie jetzt geplant - über „Beschäftigungsanreize“ und über ein „modifiziertes“ Arbeitsrecht läuft, wird man weiter Lohnsklaven, aber keine verantwortungsbewussten Arbeitnehmer schaffen. Auch die „neue“ Regierung ignoriert die Tatsache, dass sich die Mehrheit der Arbeitnehmer innerlich längst nicht mehr mit dem Job identifiziert. Nach allen bisher bekannt gewordenen Plänen der neuen Regierung, qualifiziert sich auch in Zukunft nur der Dienstnehmer optimal, der allzeit überall verfügbar ist, trotz fehlender Ausbildung alles beherrscht und möglichst vom Mindestlohn leben kann. Es ist ein Trugschluss, wenn man meint, die Wirtschaft kann die offenen Stellen nicht aus dem im Inland vorhandenen Arbeitskräftepotenzial besetzen und greift deshalb auf Arbeitskräfte aus Ostmitteleuropa zurück. Vielmehr ist neben der Reduzierung von Zugangsbeschränkungen zum Arbeitsmarkt noch immer das bestehende Lohngefälle zwischen In- und Ausländern ein entscheidender Beschäftigungsfaktor. Wirklich innovativ und in die Zukunft gerichtet wäre

zum Beispiel eine verbindliche Ausbildungsoder aliquote Beitragspflicht auch für jene Betriebe, die nicht bereit oder willens sind, eigene Lehr- oder Praxisplätze anzubieten. Nur ein Bruchteil der bestehenden Arbeitgeberunternehmer bildet auch Lehrlinge aus. Qualifizierte Mitarbeiter wachsen aber nicht auf Bäumen und betriebliche Ausbildung ist eine Bringschuld der Unternehmen und nicht der öffentlichen Hand. Die Umkehrung dieser Verantwortung ist ein Schritt zurück in die Zeit der Zünfte, wo Familien dem Meister für die Ausbildung ihrer Kinder ein Lehrgeld zahlen mussten. Die Ausbildungsförderung ist ohnehin schon jetzt vordergründig eine Unternehmensförderung. Nicht nur konträr zur Familien- und Sozialpolitik steht die beabsichtigte Ausweitung der zumutbaren Wegzeiten für Arbeitnehmer. Raumplaner sprechen von sogenannten „Problempendlern“, wenn diese für eine Wegstrecke zur Arbeit eine Stunde oder länger brauchen. Problempendler deshalb, weil man natürlich weiß, welche vielfältigen negativen Folgen mit dem Pendlerverkehr verbunden sind. Was macht die neue Regierung? Sie reduziert nicht etwa das Problem, sondern verschärft es noch durch eine weitere Erhöhung der zumutbaren Pendlerzeiten. Bestenfalls wird so ein Problem von einem anderen abgelöst. Fluviale Raumplanung in Österreich Im Jahre 2000 hat die ÖVP in großer Einsicht erkannt, dass „Raumstrukturen gebildet wurden, die durch öffentliche Verkehrsmittel kaum bedienbar sind.“ Wo stehen wir diesbezüglich im Jahre 2018? Raumplanung, Raumordnung, Betriebsansiedlungspolitik subsumieren sich in Österreich noch immer unter dem Titel Flächenfraß. Diesbezüglich können wir stolz auf einen europäischen Spitzenplatz verweisen. 14,7 ha betonieren wir jeden Tag zu (!) und liegen jetzt bei einem Gesamtversiegelungsgrad in Österreich von 41,3 Prozent (2016). Wo Logistikbetriebe angesiedelt werden, entscheidet auch künftig der örtliche Bürgermeister mit seiner kreativen Bereitschaft, andere Kommunen bei den Fördermaßnahmen zu überbieten, weil seine Gemeinde ausschließlich von Ertragsanteilen leben kann. Wenn die neue österreichische Bundesregierung jetzt einen „Masterplan gegen Bodenversiegelung“ anstrebt, dann ist das nur der Erkenntnis geschuldet, dass die zunehmenden Hochwasserkosten kaum noch kalkulierbar sind. Damit allein wird man aber den raumplanerischen Irrsinn der Bürgermeister nicht stoppen können. Dazu bedarf es einer grundlegenden Änderung der Politik, die Gesamtinteressen Österreichs in den Vordergrund zu stellen hat. Jeder Logistikstudent weiß bereits im ersten Semester, dass Transport auf der Wasserstraße dort am besten funktioniert, wo Betriebe nahe an der Wasserstraße angesiedelt werden. Wo wurden in den letzten Jahrzehnten entlang der Donau Betriebe angesiedelt, die auch nennenswerte Mengen über den Wasserweg transportieren könnten? Entlang der 350 Kilometer langen Wasserstraße sieht es nämlich heute an beiden Ufern noch immer so aus, wie vor 50 Jahren. Falsch, in manchen Häfen wird jetzt Kultur statt Güter umgeschlagen und Wasserflächen die unsere Vorfahren mühsam ausgehoben haben werden verlandet, um Platz für noch mehr Lkw-Umschlag zu schaffen. Was setzt das neue Regierungskonzept dem entgegen? Nichts. Dabei könnte die Problemlösung eine leichte Aufgabe für Beamte sein: Der Begriff Hafen setzt zunächst hauptsächlich wasserseitigen Umschlag voraus und die Hafenförderung hätte sich einfach danach zu richten. Betriebsansiedlung im Hafen gibt es nur, wenn ein maßgeblicher Güteranteil über die Wasserstraße transportiert wird usw. Rückblickend darf man nicht übersehen, schließlich haben wir wieder ein FPÖ geführtes Verkehrsministerium, lagen die verkehrspolitischen Fehlentscheidungen zwischen 2000 und 2007, die bis heute nachwirken, in den Händen von vier (!) FPÖ-Verkehrsministern (Michael Schmid, Monika Forstinger, Mathias Reichold, Hubert Gorbach) und einem BZÖ-Staatssekretär (Eduard Mainoni). Vielleicht auch eine Chance für den neuen FPÖ-Verkehrsminister, aus dem eigenen Archiv zu lernen, wie man Verkehrspolitik nicht macht. Fluviale Raumplanung ist in Österreich Krötenschutz. PETER BAUMGARTNER