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Auszug aus GIESSEREI 4-2018

Eisen-, Stahlguss, Impfmittel, Einsatzstoffe

UNTERNEHMEN & MÄRKTE

UNTERNEHMEN & MÄRKTE Teile des arabischen Raums bei einer globalen Betrachtung kaum eine Rolle. In Erinnerung bleiben sollte dennoch, dass Länder mit im historischen Kontext großer Gießereitradition wie Ägypten, Marokko, Algerien sowie der Iran u.a., bezogen auf die Gießerei-Industrie, theoretisch auf dem Sprung stehen wieder zu erwachen. Dem stehen aktuell wirtschaftspolitisch instabile Rahmenbedingungen sowie Investitionshürden gegenüber. (Bilder 1 und 2). Addiert man die Produktion der größten vier asiatischen Gießereinationen Japan, China, Indien und Korea, so ergibt sich ein leicht gestiegener Weltmarktanteil von 63,6 %. Das Fertigungsvolumen lag mit 66,4 Mio. t ca. 2 Mio. t höher als im Jahr 2015. Die Gießereien auf dem amerikanischen Kontinent – wir beschränken uns dabei unverändert auf die USA, Kanada, Mexiko (2015er Daten) und Brasilien – konnten ihren Anteil am Weltmarkt im vierten Jahr in Folge (!) nicht halten. Der Anteil sank nochmals um einen Prozentpunkt auf etwas mehr als 14 %. Die Gussproduktion schrumpfte um 7,6 % auf 14,7 Mio. t. Dabei dürfte die Entwicklung innerhalb der Großregion weiter extrem heterogen gewesen sein. Die signifikanten Investitionen in Mexiko, mit in der Folge steigender Gussfertigung, konnten die Rückgänge in den USA und Brasilien wie schon im Jahr zuvor nicht ausgleichen. Für die erweiterte Europaregion (inklusive Ukraine, Russland und Türkei) ergibt sich für das Jahr 2016 ein Fertigungsvolumen von knapp 21,2 Mio. t. Dies entspricht einem Minus von ca. 2 %. Im Vorjahresvergleich schrumpfte daher der Weltmarktanteil geringfügig von 20,8 % auf 20,3 %. Im Jahr 2016 setzte sich noch die Investitionsschwäche innerhalb der EU fort. Auch die Fragezeichen bzgl. der Entwicklung in Russland und der Ukraine im Rahmen der schwachen Industrieproduktion übertragen sich natürlich auch auf die Gussproduktion. Zudem liegen für die Ukraine keine 2016er Daten vor. Stabilisierend wirkte in der Großregion Europa der Gusskomponenten intensiv nachfragende Straßenfahrzeugbau. Der Blick ins Detail innerhalb Europas geht beim Eisen- und Stahlguss in Richtung Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und der Türkei als dominierende Gießereinationen. Seit zwei Jahren platziert sich mittlerweile die Türkei im Eisenund Stahlguss direkt hinter Deutschland auf dem zweiten Platz im erweiterten Europa. Auf der NE-Metall-Seite bilden Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und die Türkei die volumenbezogen führende Ländergruppe. Deutschland und Frankreich konnten durch den Anstieg der NE-Metallgussproduktion zwar Plusraten verbuchen, aber 2016 das Fertigungsminus auf der Fe-Seite nicht ausgleichen. Italien, Spanien und die Türkei konnten für beide große Werkstoffgruppen schwarze Zahlen für das Jahr 2016 melden. Die polnischen Gießer verbuchten demgegenüber in den beiden Bereichen Eisen- und Stahlguss sowie NE-Metallguss ein Minus gegenüber dem Jahr 2015. Damit rundet sich das Bild beim Blick in den Rückspiegel auf das Jahr 2016. Für das Jahr 2017 ergibt sich, bezogen auf die deutschen Gießereien, folgendes Bild: Es zeigte sich eine heterogene Entwicklung in den einzelnen Werkstoffgruppen wie schon in den letzten drei Jahren. Der auf hohem Niveau laufende Fahrzeugbau spielte den Aluminiumgießereien nochmals in die Karten. Andererseits waren die höheren Wachstumsraten für den Eisenguss zu verbuchen, da der anziehende Maschinenbau hier mehr als ein Viertel des Geschäfts ausmacht. Im Jahr 2017 stieg die Fertigung bei den Eisen- und Stahlgießereien mit 4,162 Mio. t um 6,2 %. Für den Fahrzeugbau wurden mit 2,337 Mio. t um 7,8 % mehr Komponenten produziert. Die Unternehmen, welche Teile für den Maschinenbau abgießen, fertigten mit 1,070 Mio. t um 8,1 % über dem 2016er Niveau. Die Produktion sonstiger Gusskomponenten (inklusive Bau-Guss, Rohren und Stahlwerksbedarf) lag mit 0,755 Mio. t um 0,9 % niedriger. Die deutschen NE-Metallgießereien produzierten im Jahr 2017 mit 1,278 Mio. t um 1,1 % mehr als im Vorjahr. Die Fertigung in den Aluminiumgießereien legte dabei mit 1,119 Mio. t um 1,1 % zu. Der Abguss von Magnesiumlegierungen lag im gleichen Zeitraum mit 18 200 t um 4,6 % über dem Volumen vom Vorjahr. Die Produktion von Komponenten aus Kupfer und Kupferlegierungen fiel demgegenüber mit 79 200 t um 0,9 % höher aus. Der Abguss von Komponenten aus Zinklegierungen legte um 10,6 % auf 52 900 t gegenüber dem Jahr 2016 zu. Was könnte nun das aktuell laufende Jahr 2018 bieten? Für die Hauptkundengruppe der Gießereien, dem Straßenfahrzeugbau, ist 2018 das Halten des hohen Niveaus zu erhoffen. Der US-Markt (Light 30 Wachstumsrate in % gegen Vorjahr 20 10 0 -10 -20 -30 -40 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Amerika (USA, Kanada, Mexiko, Brasilien) 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Europa (incl. Russland und Ukraine) Bild 2: Gießerei-Industrie-Weltregionen – Wachstumsraten im Zeitraum 2005 bis 2016. 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Asien (Japan, China, Indien, Korea) Quelle: CAEF, Modern Casting 120 GIESSEREI 105 04/2018

Vehicles) dürfte 2018 leicht ins Minus rutschen bei weiteren Anteilsgewinnen der Pickups. China dürfte 2018, bedingt durch das Auslaufen des MwSt.-Supportprogramms, nur leicht zulegen können. Europa (EU28 + EFTA) hat Chancen, den hohen Vorjahreswert leicht zu überschreiten (+2 %). Allerdings dürfte die Produktion in Deutschland eher stagnieren. Die Gründe liegen u.a. im erwarteten wiederholten Absatzminus in Großbritannien! Zu berücksichtigen sind zudem Verlagerungstendenzen der OEMs. Dabei sind eventuelle Effekte der laufenden NAFTA-Verhandlungen kaum seriös kalkulierbar. Das trifft auch auf Entscheidungen der chinesischen Regierung zu, welche kurzfristig Stützungsprogramme auch im Fahrzeugbau aktivieren kann. Die Einführung der Elektroquote 2019 dürfte 2018 aber wohl keine deutlich messbaren Auswirkungen haben. Für die zweitwichtigste Kundengruppe, dem allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau, ergibt sich aktuell folgendes Szenario: Die Investitionsbelebung insbesondere im Euroraum führt seit dem Frühjahr 2017 zu einer konjunkturellen Erholung im Maschinenbau. Der Branchenverband VDMA hat aufgrund der Orderlage seine Einschätzung auch für das Jahr 2018 auf ein Wachstum von 3 % gesetzt. Unverändert positiv können eingestuft werden: Gummi- und Kunststoffmaschinenbau, Medizintechnik, Robotik, Automation, der Werkzeugmaschinenbau sowie auch die Nahrungsmittelund Verpackungsindustrie, die Landtechnik sowie der Bereich Textilmaschinen. Alle rohstoffnahen Sektoren wie Bergbaumaschinen und Explorationstechnik unterliegen natürlich der Entwicklung der Rohstoffpreise. Aber es sind auch hier leichte Impulse spürbar. Dämpfend dürfte wirken, dass China Infrastrukturmaßnahmen sowie Supportprogramme mit Fokus auf heimische Unternehmen aktiviert. Dennoch bleibt China für den deutschen Maschinenbau der wichtigste Absatzmarkt. In den USA dürften weitere Zinsentscheide während des laufenden Jahres 2018 sowie die Binnenorientierung Kapitalzuflüsse aus anderen Ländern aktivieren. Der weitere Umbau des Steuersystems könnte zu Belastungen bei Komponentenlieferungen in die USA führen (border adjustment tax). Ergänzend ist zu berücksichtigen, dass die sich zäh gestaltenden Brexit-Verhandlungen investitionsdämpfend wirken, sowohl im Vereinigten Königreich als auch auf dem europäischen Festland. Fahrzeugbau und Maschinenbau stehen für ca. 80-85 % der Gießereiproduktion in Deutschland. In der Summe sollte sich die deutsche Gießerei-Industrie auch im Jahr 2018 auf eine weitere leichte Erholung einstellen können. Eine Grundannahme wäre, dass das aktuelle Investitionsklima in der EU anhält, mit entsprechenden Impulsen in den Maschinen- und Anlagenbau. Der Orderüberhang im deutschen Maschinenbau im letzten Quartal 2017 stellt eine gute Basis für das Jahr 2018 dar. Der Fahrzeugbau muss sich allerdings mit scharfem Werkstoffwettbewerb sowie den Nachwehen der Dieseldiskussion auseinandersetzen. Zudem nimmt die Wahrscheinlichkeit der Einführung einer Elektro-Quote in der EU zu. Diese dürfte allerdings erst in ein paar Jahren greifen. Welches Szenario ist nach aktuellem Stand und der Bewertung der Rahmenbedingungen das wahrscheinlichste? Die Gießerei-Industrie steht für knapp 1 % der deutschen Industrieproduktion. Das führt dazu, dass, positiv wie negativ, kleine Veränderungsraten bei den Kundenbranchen kalkulatorisch zu großen Veränderungsraten bei der Gießerei-Industrie führen können. Dies war schon 2017 durch die Maschinenbaunachfrage zu beobachten. Wir können für die deutsche Gießerei-Industrie, werkstoff- und kundengruppenübergreifend, von einem weiteren Wachstumsjahr 2018 ausgehen (volumenbezogen). Nach dem zu Ende gegangenen gießereikonjunkturellen Erholungsjahr 2017 haben gerade die Maschinenbaugießereien ein weiteres Wachstumsjahr aber auch nötig. Dass sich unternehmensindividuell eine komplett andere Konstellation ergeben kann, ist natürlich. Eine signifikante Plus-Rate in der Gießerei-Industrie für das Jahr 2018 von deutlich über 5 % hat Chancen auf Realisierung, sollte sich der Fahrzeugbau spürbar besser halten bzw. entwickeln als aktuell zu erwarten ist. Ein deutliches Minus ist aktuell überhaupt nicht absehbar. Dies ist nur vorstellbar, wenn exogene Faktoren zum Tragen kommen, welche danach auch die Gesamtkonjunktur betreffen. Das wären z. B. geopolitische Ereignisse. Dipl.-Hdl. Heiko Lickfett, Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie BDG, Düsseldorf

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