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6 d’Isarwinkler

URSPRÜNGLICH, FRECH, ORIGINELL UND BODENSTÄNDIG Geschichten, Porträts und Interviews von der Jachenau bis Dietramszell – von Bad Heilbrunn bis Reichersbeuern

EINKAUFEN Wochenmärkte

EINKAUFEN Wochenmärkte mit frischen Lebensmitteln, teils in Bio-Qualität, für die Woche einzudecken. Sie sind auch von jeher ein Ort der Begegnung: Man kennt und trifft sich am Wochenmarkt. Die Einheimischen nutzen den Besuch am Jungmayrplatz für einen gemütlichen Ratsch mit den Marktleuten, mit Nachbarn und Freunden. Es geht halt noch beschaulich zu an den Markttagen im „Gries“. Da kann es schon vorkommen, dass die freundliche Marktfrau den einen oder anderen Gratis-Apfel mit einem Augenzwinkern in den mitgeführten Einkaufskorb fallen lässt oder die Kinder eine Scheibe Wurst „für den Heimweg“ zugesteckt bekommen. Das Angebot am Mittwochvormittag ist umfangreich: Da gibt es frischen und geräucherten Fisch, Feinkost, Brotaufstriche, selbst gemachte Nudeln und vieles mehr. Wurst, Käse und Olivenöl aus Italien Im Marktgeschäft ein Neuling ist Paolo Malatrasi. Der gebürtige Italiener bietet seit Frühjahr 2016 allerlei Köstlichkeiten aus Italien an. Dazu gehören beispielsweise Olivenöl „Extra Vergine“, Wurst- und Salamispezialitäten sowie eine Fülle von original italienischen Käsesorten. Das Beste: Bei Paolo darf gerne, wie in Italien üblich, alles vor dem Kauf probiert werden. Damit wird Einkaufen bei Paolo zum „Urlaub in Italien“, wie es ihm schon so mancher begeisterter Kunde attestiert hat. Am Tölzer Wochenmarkt schätzt Paolo vor allem die große Kollegialität unter den Händlern. „Als ich anfing, haben sie mir ganz viele gute Tipps gegeben, wie ich meine Produkte am besten präsentiere“, erzählt er begeistert. Der Italiener öffnet seine mobile Verkaufstheke bei jeder Witterung, doch den meisten Umsatz macht er natürlich bei schönem Wetter. Im Vergleich zu anderen Märkten ist der Tölzer Wochenmarkt ein kleiner Markt. Leider ist der Einkauf meist nur den Einheimischen vorbehalten, denn in das „Gries“ verirren sich nur selten Besucher von außerhalb. Deshalb sieht Paolo dem kurzzeitigen Umzug der Marktleute in die belebte obere Markstraße aufgrund von Bauarbeiten im „Gries“, mit positiven Gefühlen entgegen. Doch unabhängig von allem wirtschaftlichen Erfolg oder Wetterkapriolen: Paolo liebt das Marktleben. „Der Kontakt mit den Kunden und Nachbarn macht einfach Spaß“, sagt er. Und genau das ist das Besondere an einem Wochenmarkt – auch in Bad Tölz. kf Wochenmarkt Bad Tölz Jeden Mittwoch (ganzjährig, außer an Feiertagen) von 8 bis 12 Uhr Bauernmarkt Bad Tölz Jeden Freitag (ganzjährig, außer an Feiertagen) von 8 bis 12 Uhr 56

Sie & Er Zwei Geschlechter, zwei Welten, zwei Meinungen! Text: Michaela Probst Altkleider Kaum ein Projekt zeigt die geschlechtsspezifischen Unterschiede von Mann und Frau deutlicher auf, als das Ausmisten vom gemeinsamen Kleiderschrank. Während er felsenfest davon überzeugt ist, dass ihm sein Firm-Anzug immer noch passt, weil er seither kaum ein Gramm zugelegt hat, weiß sie um ihre Schwächen – ohne diese natürlich preiszugeben. Sie hortet ihre Lieblingsstücke von Größe 38 bis 44, weil sie auch figürlich immer flexibel bleiben möchte. Und wenn schon, trennt sie sich von 44, weil sie da ganz sicher nicht mehr hineinpassen will / muss / darf. Obwohl sie gern mit der Mode geht und sich leicht von alten Kleidungstücken trennt, gibt es ganz hartnäckige Teile, die sie einfach nicht loswird. „Ich hab da einfach nichts Passendes dazu anzuziehen.“ Dieser unerträgliche Zustand zwingt sie quasi dazu, immer wieder etwas Neues zu kaufen. Ein Teufelskreis! Er ist dagegen scheinbar unkompliziert. Alles bleibt, wie es ist! Auch bei ihm gibt es Lieblingsstücke, die an besondere Momente, meist Abenteuer, erinnern. Wenn sie fremdschämend seine Garderobe sortiert, kann es dabei schon mal zu Differenzen kommen. Er kann sich einfach nicht von diesen ausgeleierten, mottengeplagten Antiquitäten trennen. „Versehentlich“ wäscht sie dann sein T-Shirt mit der kaum noch sichtbaren Aufschrift „Rock im Park 1997“ oder seinen absoluten Favoriten „Abi 1995“ mit der Kochwäsche. Man(n) muss einfach einsehen, dass man die Vergangenheit auch mal ruhen lassen muss! Ihr Plan B: einfach verstecken, bis das Teil in Vergessenheit gerät! Doch er hat noch Hoffnung, dass die Sammlung* originalverpackter Hemden von der Oma, die stapelweise im Schrank liegen, wieder in Mode kommen. Denn er weiß um die Gefahr, die das Schrankstöbern zur Frühlingszeit in sich birgt: Verlorenes Territorium wird gnadenlos und unwiederbringlich von ihr eingenommen und zu seinen Kosten unverzüglich aufgefüllt. Wer nun von den beiden die Hosen anhat, bleibt dahingestellt. Sicher ist nur eines: Sie macht sich gerne hübsch für ihn, während er weiß, dass er immer eine gute Figur macht. Wie das wieder passt! * Geburtstag, Namenstag, Ostern und Weihnachten multipliziert mit seinen Lebensjahren 57