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Am 15.

Am 15. April strahlt die ARD den 4. Franken-Tatort „Ich töte niemanden“ mit Andreas Leopold Schadt aus Kommissar Fleischer und die Brodworschd Wie haben Sie reagiert, als Sie erfuhren, dass Sie Tatort- Kommissar werden? Mit dem fränkischen Gefühlsausbruch „Des bassd scho“? Andreas Leopold Schadt: Ich war vor Kurzem an einem Set und da hieß es: „Du musst dich mehr freuen!“ Ich habe geantwortet: „Ihr habt einen Franken gebucht – das ist doch schon der Zenit des Freudenausbruches!“ Aber mal im Ernst: Ich war bei der Tatort-Anfrage hin und weg. Allein schon das damalige Casting zu haben und eine halbe Stunde mit dem Regisseur zu arbeiten – was ich in meiner Karriere noch nie so intensiv gemacht habe – war überwältigend. Und als mir noch gesagt wurde „Mensch, du bist ein toller Schauspieler, du bist dabei!“, da war ich richtig baff, ich war aus dem Häuschen! War Ihnen bei Ihrer Verpflichtung bewusst, dass Sie nun Teil Foto: Alan Ovaska der erfolgreichsten deutschen TV-Krimi-Geschichte sind? Nein. Ich ahnte nicht, dass das so ein Hype wird. Und dass meine Person, vor allem in Franken, so stark in der Öffentlichkeit stehen würde, das war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Ich hatte bis dato auch noch keinen einzigen Tatort geguckt. Ich habe erst mit meiner Verpflichtung angefangen, Tatort zu schauen. Zunächst mit meiner Frau, wie es sich gehört, zur Tatort-Zeit am Sonntagabend. Nach der Geburt meiner Tochter über die Mediathek. Nach der Tagesschau am Sonntagabend muss es schnell gehen. Für den Gang auf das stille Örtchen und das Füllen des Seidla verbleiben gerade 32 Sekunden. So lange dauert der Vorspann für den „Tatort“ mit der Doldinger-Musik, den zwei Augen, von denen eins im Fadenkreuz fixiert wird und dem rennenden Mann, über den sich ein Fingerabdruck legt. Und dann, ja dann wird seit fast 38 Jahren zur besten Prime Time totgeschlagen und ermordet. Über 2200 Leichen pflastern den Erfolgsweg des erfolgreichsten TV-Krimis aller Zeiten. Millionen Zuschauer hoffen 90 Minuten darauf, dass einer der bisherigen 102 Ermittler, viele davon im Team, dem Bösen letztendlich keine Chance lassen. Wenn am 15. April die ARD ihren Franken-Tatort „Ich töte niemanden“ ausstrahlt, ist Schadt als Kommissar Sebastian Fleischer bereits das vierte Mal dabei. Die FN verhörte den waschechten Franken gnadenlos – und entlockte ihm manches Geständnis… Sie sind ja nicht nur Schauspieler, sondern jetzt auch Tatort-Konsument. Haben Sie in der langen Reihe der Tatort-Kommissare einen Lieblingshelden? Alle Tatort-Kommissare sind richtig gute Schauspieler. Aber wie das der Dortmunder Kollege Jörg Hartmann alias Hauptkommissar Peter Faber macht, das haut mich einfach um. Ich weiß, das der Dortmunder Tatort manchmal ein sehr anstrengender Tatort sein kann, aber ich finde Jörg Hartmann als Typen und Schauspieler einfach umwerfend, großartig. Wie erklären Sie sich, dass der Tatort nach fast 38 Jahren und über 1050 Folgen immer noch Kult ist? Der Tatort ist eine Marke, es gibt sogar Merchandising-Artikel. Der Tatort hat sich ja über die Jahrzehnte so etabliert. Viele Leute sagen, dass sie am Sonntagabend um 20.15 Uhr keine andere Verpflichtung eingehen können, weil der Tatort kommt. Und es ist ja schön zu sehen, dass es im Tatort auch so viele unterschiedliche Teams gibt, die so viele unterschiedliche Facetten und Regionen mit Lokalkolorit abdecken. Zuweilen durchbricht der Tatort alte Muster – und kommt experimentell daher…. Nach 38 Jahren muss man den Tatort auch mit Neuem frisch halten. Ich bin keiner, der sagt: „Igitt, jetzt haben die da improvisiert.“ Man muss durchaus mal etwas ausprobieren und schauen, ob es funktioniert oder nicht. Das mag für den alteingesessenen Tatort-Fan zuweilen schwierig sein, der „seinen“ Mord, „seinen“ Tatort und die klassische Aufdeckung des Falls favorisiert. Aber einen solchen Handlungsstrang kann man durchaus mal aufbrechen. Ich glaube, dass die Mixtur von konventionellem und experimentellem Tatort 4 www.fraenkische-nacht.de

Franken-Tatort reizvoll ist. Vielleicht mögen einige letzteren nicht. Aber so ist das doch immer im Leben: Der eine mag Brodworschd und der andere ist Vegetarier und lässt es mit der Brodworschd sein… Die Tatort-Redaktion beschreibt Sie als Kommissar Fleischer als Mann mit „militanter Unaufgeregtheit“. Sind Sie so auch im Privatleben? Ich scheine inzwischen diesen Charakterzug überall, auch in der Öffentlichkeit, zu vermitteln. Das war nicht immer so in meinem Leben. Aber die Rolle hat mir tatsächlich ein wenig geholfen, die Dinge gelassener oder militant unaufgeregt zu sehen. So arbeitet Kommissar Fleischer gern und gut. Ihm ist aber auch der Feierabend wichtig. Irgendwann muss mal Schluss sein. Eine solche Einstellung würde ich auch gerne privat weiter festigen. Wir müssen über die Gagen sprechen. Reicht eine Folge Tatort aus, um über die Runden zu kommen? Nur von Schauspielerei gut zu leben, ist nur für einen ganz geringen Prozentsatz möglich. Für mich läuft es seit zwei Jahren ganz gut. Aber ich mache gerne andere Sachen parallel, um mich nicht nur auf die Schauspielerei zu verlassen. Nur vom Tatort zu leben? Boah, das ist schwierig. Da muss man schon etwas außen herum arbeiten… Voller Stolz hat Krimi-Franken auf den ersten „Franken- Tatort“ gewartet. Die Reaktionen fielen recht unterschiedlich aus. Viel gemeckert wurde über das angeblich falsche oder zu schlechte Fränkisch… Beim Thema Dialekt verliere ich meine militante Unaufgeregtheit. Ich kann nicht verstehen, dass bei den sprachlichen Unterschieden allein in Ober-, Mittel- und Unterfanken jemand sagen kann: Das ist typisch fränkisch! Viel wichtiger ist es doch, dass wir Franken uns mal mit einem eigenen Tatort durchgeboxt haben, dass wir unsere Daseinsberechtigung auch in Bayern haben… Im neuen Franken-Tatort geht es auch darum, wie junge Menschen auf rechtsradikale Parolen hereinfallen. Welche gesellschaftspolitische Bedeutung hat ein „Tatort“? Wenn ein Fall authentisch gemacht ist, dann hat man die Möglichkeit, einen solchen Tatort auch als Spiegel unserer Gesellschaft zu sehen. Ein Tatort regt mitunter zum Nachdenken an. Und gerade bei den Kriminalfällen will man ja wissen: Warum geschieht ein Mord? Aber ich kann auch TV- Zuschauer verstehen, die einfach nur gut unterhalten werden wollen. Da gibt es aber bei der Tatort-Reihe eine gute Mischung. In dem Münsteraner Krimi mit dem Liefers zum Beispiel steckt nicht so viel Kritik. Da geht es mehr um Gaudi. Liefers & Co. machen etwas für die Leute, die sagen: „Ich will mich jetzt hinhocken, auch mal über eine Leiche lachen und nicht so viel über den Scheiß, der in der Welt passiert, nachdenken.“ Derzeit engagieren Sie sich an Schulen, machen eigene Projekte mit Schülern… Vor einigen Jahren habe ich eine Kamera genommen und in Arbeitslosengeld 1- und Hartz IV-Kursen gearbeitet und Filme erstellt. Wir wollen mit Schauspielelementen erreichen, dass die jungen Leute aktiviert werden, wieder in einen Beruf zu kommen. Derzeit drehe ich mit Flüchtlingskindern im Auftrag des Coburger Stadtmarketings einen Clip für die Stadt Coburg. Es geht darum, wie die Kids die Schule, Ämter und den Alltag erleben. Auch wenn ich mit Laien drehe: Das Ergebnis wird genauso professionell sein wie eine teure Serie oder ein Film. Thomas Pregl Andreas Leopold Schadt Nach 38 Jahren muss man den Tatort auch mit Neuem frisch halten. 5

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