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antriebstechnik 4/2018

antriebstechnik 4/2018

HANNOVER MESSE I

HANNOVER MESSE I INTERVIEW Antriebstechnik – Branchen und Trends Im Interview: Wolfgang Pflug, Vorstand der Groschopp AG Die elektrische Antriebstechnik entwickelt sich rasant. Ob in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, in Dosiersystemen für die Kunststoffverarbeitung oder im Bereich E-Mobility – oft sind in verschiedenen Branchen innovative Sonderlösungen gefragt, die vor allem Hersteller von mittleren und Kleinserien, wie die Groschopp AG, mit individuellen Antriebskonzepten bedienen können. Welchen Anforderungen und Trends diese gerecht werden, berichtet Wolfgang Pflug, Vorstand der Groschopp AG. Herr Pflug, wie hat sich der Umsatz bei Groschopp im letzten Jahr entwickelt und wie schätzen Sie die Entwicklung für 2018 ein? 2017 hat sich unser Umsatz etwa den Vorgaben entsprechend entwickelt. Allerdings gab es bei der Zulieferung der Bauteile für unsere Produktion einige Verzögerungen aufgrund der hohen Nachfrage größerer Unternehmen. Nichts desto trotz sind wir auf dem guten Umsatzniveau des Vorjahres geblieben und erwarten für 2018 eine deutliche Steigerung um etwa acht Prozent basierend auf vielen neuen Projekten. In welchen Branchen erzielt Groschopp mit Motoren, Getrieben und Reglern prozentual gesehen die höchsten Umsätze? Der seit vielen Jahren umsatzstärkste Bereich ist bei Groschopp der Schalterbau. Wir beliefern weltweit Hersteller von Nieder-, Mittel- und Hochspannungsschaltern sowie Vakuum- oder Stufenschalter für Trafos, die zum Beispiel in der Energie verteilung zum Einsatz kommen. An zweiter Stelle steht die Medizintechnik, die wir beispielsweise mit Motoren und Getrieben für Zentrifugen, Mischer, Röntgengeräte oder Magnetresonanz-Tomographen beliefern. Rechnet man die Umsätze aus beiden Branchen zusammen, macht das knapp 40 Prozent unseres Geschäftes aus. Herr Pflug, in welchen Branchen möchten Sie das Unternehmen in der Zukunft stärker positionieren? Wir möchten uns zum einen noch stärker in der Medizintechnik positionieren, zum anderen möchten wir unsere Marktposition mit den Hygieneantrieben für Maschinen und An lagen in der Verpackungs-, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie weiter aus bauen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist zum Beispiel die Weiterentwicklung unserer ESKH-Baureihe um Edelstahlmotoren mit Planetengetrieben sowie integrierbaren Servoreglern. Diese wollen wir zukünftig in verschiedenen Baugrößen anbieten. Den Bereich der Regeltechnik für unsere Antriebslösungen planen wir sogar noch weiter zu vertiefen, entweder mit Projekt- Partnern oder anhand eigener Produkte. Denn dezentral gesteuerte Antriebe mit integrierten Reglern werden in verschiedenen Anwendungen, zum Beispiel in der Dosiertechnik von Kunststoffgranulat

INTERVIEW I HANNOVER MESSE 01 Das Basis-Konzept des ESKAM-Projekts ist ein mit einer Achse verbundener Elektroantrieb von Groschopp 02 Für Bereiche mit hohen Hygieneanforderungen hat Groschopp neue Edelstahl-Motoren mit integriertem Planetengetriebe entwickelt in Kunststoffmaschinen oder auch im Bereich E-Mobility eine immer größere Rolle spielen. Auch im Bereich Motoren für elektrische Fahrzeuge sind wir derzeit wieder aktiv: Auf der Hannover Messe 2018 werden wir auf dem Gemeinschaftsstand des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen ein innovatives Antriebskonzept präsentieren, das wir im Rahmen des ESKAM-Projekts mit verschiedenen Partnern entwickelt haben. Die flexibel skalierbaren Achsantriebsmodule eignen sich zum Beispiel für den Einsatz in Sonder- und Nutzfahrzeugen im innerstädtischen Nahverkehr. In welchen Anwendungsbereichen sehen Sie noch Entwicklungspotenzial hinsichtlich innovativer Antriebslösungen? Wir möchten nicht nur im Bereich der Antriebssteuerung, sondern auch bei den Getrieben zukünftig neue innovative Lösungen anbieten: Zum einen mit Partnern, zum anderen bei unseren eigenen Produkten, gegebenenfalls auch mit neuen Baureihen. Wir beteiligen uns derzeit bereits an einem weitreichenden Forschungsprojekt, bei dem es um Weiterentwicklungen im Bereich der Stirnradund Planetengetriebe geht, die in Projekte für Industrie 4.0 eingesetzt werden sollen. Welche Anforderungen und Trends bestimmen derzeit den Markt? In der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sind vor allem leicht zu reinigende Antriebe für die Anlagen gefragt. Viele Maschinenhersteller setzen deshalb vermehrt auf Hygieneantriebe, obwohl es immer noch keine international verbindlichen Vorschriften, Regelungen oder Definitionen zu diesem Thema gibt. Woran sich Hersteller technischer Komponenten für die Lebensmittelindustrie orientieren können, sind Zertifizierungen im Sinne des Hygienic Designs z. B. durch Organisationen wie EHEDG oder 3-A. Beim Export in das außereuropäische Ausland spielen zudem Anforderungen wie UL-/CSA-/CCC-Standards eine wichtige Rolle, denn die USA, Kanada und auch China erwarten Produkte, die ihren Vorschriften entsprechen. Werden Sie diesen Trends mit Ihrem Produktportfolio/Dienstleistungsspektrum gerecht? Ja, denn wir stellen mehr und mehr Produkte auf diese Standards um und haben so eine große Anzahl an Produkten, das heißt wir setzen auf Materialien, die diesen Anforderungen entsprechen. Die einzelnen Zulassungen wurden bei vielen Antrieben bereits durchgeführt und teilweise werden noch weitere folgen, je nachdem in welchen Applikationen unsere Produkte zum Einsatz kommen. Dies ist um so wichtiger, wenn der Kunde seine komplette Anlage prüfen lassen muss. Was bietet Groschopp an Technologien/ Service-Leistungen, die andere Antriebshersteller nicht bedienen? Wir bieten kundenspezifische Antriebslösungen für kleine und mittlere Serien. Außerdem entwickeln wir unsere Projekte stets gemeinsam mit unseren Kunden. Das ist von Vorteil, weil wir dadurch die Antriebstechnologie bereits in einem frühen Entwicklungsstadium entsprechend anpassen beziehungsweise einbringen können. Was zeichnet das Unternehmen Groschopp besonders aus? Wir sind stets an verschiedensten Forschungsprojekten beteiligt und arbeiten eng mit Universitäten und öffentlichen Trägern zusammen: Zum Beispiel bei der Weiterentwicklung von Getrieben, Synchronmotoren sowie im Bereich E-Mobility. Herr Pflug, welche Meilensteine möchten Sie in den nächsten 5 Jahren technologisch gesehen erreichen? Wir möchten vermehrt integrierte Antriebe weiterentwickeln, um einen höheren Automatisierungsgrad zu erreichen. Das Zusammenspiel aus Motor, Getriebe und der dazugehörigen Steuerung ist dabei ein wichtiger Faktor. Außerdem setzen wir auf einen Durchbruch im Hygienic Design: Das heißt, dass sich allgemeingültige Regelwerke etablieren und entsprechende Lösungen wie unsere Edelstahlantriebe mehr Verbreitung finden, sodass wir in diesem Bereich weitere Marktanteile hinzugewinnen können. Im Zuge unserer Forschung gehen wir davon aus, dass sich zum Beispiel im Bereich E-Mobility entsprechende Lieferund Nutzfahrzeuge für den innerstädtischen Betrieb zunehmend durchsetzen werden und die öffentliche Hand auch verschiedenste Antriebe elektrifizieren wird, die ja oftmals noch mit 2-Takt-Verbrennungsmotoren betrieben werden. Entsprechende Reglements können wir dann mit unseren innovativen Antriebslösungen bedienen. Fotos: Hochschule Aalen, Groschopp AG und Fotolia (toeytoey) www.groschopp.de antriebstechnik 4/2018 39