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Vital Aktuell April 2018

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Inhalt Fütterung Seite 3 Neue Ressourceneffizienzbeiträge für Schweinehalter Seite 4 + 5 Zuchtsauen: Konstante Herdenstruktur und hohe Fruchtbarkeit müssen erarbeitet werden Seite 8 + 9 Milchinhaltsstoffe interpretieren: Wie nutze ich diese Daten? Seite 10 + 11 Kälberaufzucht beginnt vor der Geburt Hygiene Seite 6 + 7 Die Rote Vogelmilbe: Das kleine Monster Liebe Leserinnen und Leser „Ein Mensch, der ein Schwein nicht versteht, darf niemals Präsident werden.“ Dies ist ein Zitat von US-Präsident Harry S. Truman (1884-1972). Was genau er damit meinte, ist mir nicht bekannt. Harry S. Truman war ursprünglich Farmer, bevor er in die Politik ging. Dass der aktuelle US-Präsident eine Ahnung von Schweinen hat, bezweifle ich eher. Die sind schliesslich nicht auf Dollarnoten abgebildet. Dennoch zählen die USA zu den bedeutendsten Schweineproduzenten in der Welt. Gefahr droht unserer Schweinepopulation jedoch nicht aus Richtung Amerika. Sie ist viel näher. Die Afrikanische Schweinepest wird zunehmend bei Wildschweinen in Polen, Rumänien, dem Baltikum und Tschechien festgestellt. Ebenfalls wird von Ansteckungen bei Hausschweinen berichtet. Gelingt es nicht, den Seuchenzug aufzuhalten und gelangt das Virus weiter in unsere Richtung, besteht ein Risiko, dass die Krankheit auch die Schweiz erreichen wird. Sind wir darauf vorbereitet? Die Behörden beobachten die Lage und sind bereit. Laborkapazitäten zur Diagnostik sind vorhanden. Wie sieht es an der Front aus? Bei plötzlichen Todesfällen, hohem Fieber und Hautblutungen denkt man eher an eine Krankheit wie Schweinepest. Bei unspezifischen Symptomen wie Kümmern, Durchfall, Aborten und schlechten Mastleistungen ist das nicht der erste Verdacht. Dennoch können auch dies Anzeichen von Schweinepest sein. Die Früherkennung ist im Seuchenfall sehr wichtig. Informieren Sie sich auf der Website des BLV (www. blv.admin.ch). Für alle Nutztierhalter wird ab nächstem Jahr das IS-ABV Veränderungen bringen. Das ist nicht etwa ein Terroranschlag, sondern das Informationssystem Antibiotikaverbrauch, das Daten zum Einsatz von Antibiotika vom Vertrieb über die Praxis bis zum Einsatz auf dem Betrieb sammeln wird. Das wird eine grössere Herausforderung für alle Beteiligten werden! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Glück im Stall und viel Vergnügen beim Lesen dieser Ausgabe Vital Aktuell. Iwan Nussbaumer Bereichsleiter Tiergesundheit Fachtierarzt für Schweine 2 Vital Aktuell April 2018

Fütterung Neue Ressourceneffizienzbeiträge für Schweinehalter Markus Pitschen, Ing. Agr. ETH, Vital Beratungsdienst Zentralschweiz Mit einer gezielten Phasenfütterung und einer Senkung des Rohproteingehaltes der Futterration gelangt weniger Stickstoff in den landwirtschaftlichen Kreislauf. Während vier Jahren (2018 - 2021) werden dafür Fr. 35.- pro GVE Schweine ausbezahlt. Durch die Anpassung des Rohproteingehaltes der Ration an den Bedarf der jeweiligen Wachstumsund Produktionsphase besteht ein beachtliches Potential zur Senkung der Stickstoff-Ausscheidungen. Dadurch reduzieren sich auch die Ammoniakverluste. Die Proteineffizienz der Fütterung wird erhöht. Mit den neuen Ressourceneffizienzbeiträgen wird ein finanzieller Anreiz zur Umstellung auf N- reduzierte Fütterung in der Schweinehaltung angeboten. Die Anmeldung erfolgt mit der Strukturdatenerhebung. Der Vollzug wird durch die Kantone vorgenommen. Bedingungen • Der durchschnittliche Rohproteingehalt aller Futtermittel beträgt maximal 11 g RP/MJ VES. • Die Anforderungen gelten für alle Tierkategorien (Zucht-, Mast-, Mischbetriebe) und alle Schweine auf einem Betrieb. • Der Nachweis erfolgt durch das Modul „Import/Export-Bilanz“ oder „Lineare Korrektur nach Futtergehalten“. • Der Betrieb muss direktzahlungsberechtigt sein (ÖLN). Welche Beiträge werden ausbezahlt? Kategorie Mastschweine Zuchtschweine mit Ferkel – 25 kg Zuchtschweine säugend Galtsauen > 6 Mte. abgesetzte Ferkel GVE Faktor Betrag pro Platz 0.17 Fr. 6.- 0.45 Fr. 16.- 0.55 Fr. 19.- 0.26 Fr. 9.- 0.06 Fr. 2.- Was ist zu beachten? Schweine haben keinen eigentlichen Bedarf an Rohprotein. Für das Wachstum sind die Aminosäuren – Bausteine der Proteine – entscheidend. Da zur Herstellung von Schweinefutter nur fünf Aminosäuren verfügbar sind, kann der Rohproteingehalt nicht beliebig gesenkt werden. Sonst können Leistungseinbussen auftreten. Rationen für Mastschweine sind kein Problem. Bei der Zucht sollte man jedoch vorsichtig sein, insbesondere bei säugenden Sauen und Ferkeln. Falls sich bei Aufzuchtferkeln die Futterverwertung (FV) als Folge eines Mangels an Aminosäuren nur um 0.1 Einheiten (100 g/kg Zuwachs) verschlechtern würde, ergäben auch die neuen Ressourceneffizienzbeiträge keinen finanziellen Vorteil, wie nachfolgendes Beispiel eindrücklich zeigt. Beispiel (Zuchtbetrieb, 50 Muttersauen) Ferkelaufzucht 7-25 kg / 1250 verkaufte Ferkel pro Jahr / 40 to Ferkelfutter (Fr. 67.-/100 kg) Ressourceneffizienzbeiträge Fr. 787.50 Futter pro Ferkel 32.0 kg Futter pro Ferkel 33.8 kg bei schlechterer FV Höherer Verbrauch 2‘250 kg Ferkelfutter Mehrkosten Ferkelfutter Fr. 1507.50 Vital Aktuell April 2018 3