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Vital Aktuell April 2018

Fütterung Zuchtsauen:

Fütterung Zuchtsauen: Konstante Herdenstruktur und hohe Fruchtbarkeit müssen erarbeitet werden Niklaus Scheiwiller, Ing. Agr. ETH, Vital Beratungsdienst Ostschweiz Eine konstante Altersstruktur ist die Basis für ein hohes Leistungsniveau einer Herde. Deshalb muss konsequent remontiert werden. Langlebige Jungsauen sind robust und verfügen über ein starkes Fundament. Eine leistungsgerechte Versorgung und optimale Haltungsbedingungen müssen auch unter Hitzestress gewährleistet sein. Konsequente Remontierung Die gezielte Ausmerzung von leistungsschwachen, alten oder kranken Sauen sind wichtige Massnahmen für den Erfolg in der Ferkelproduktion. Die Remontierungsrate beträgt rund 40% des Sauenbestandes. So wird eine konstante Altersstruktur mit einem hohen Leistungsniveau erreicht. Die Lebensleistung einer Muttersau sollte mindestens 65 abgesetzte Ferkel betragen. Im Durchschnitt muss eine Sau also fünf bis sechs Würfe aufziehen. Überalterung als Leistungskiller Zu viele Altsauen reduzieren das Leistungsniveau der Herde. Bei einer Überalterung muss noch mehr remontiert werden. Ein hoher Anteil an Jungsauen im Bestand bedeutet eine zusätzliche Leistungseinbusse. Zudem kann sich die Gesundheit der Herde verschlechtern, da das Immunsystem solcher Tiere noch wenig belastbar ist. Wieviele Remonten sind erforderlich? Um eine Überalterung des Bestandes zu vermeiden, lohnt es sich, den jährlichen Jungsauenbedarf abzuschätzen. Die nachstehende Formel kann dabei behilflich sein: Würfe je Sau und Jahr x Bestandesgrösse Ø Anzahl Würfe je Sau Beispiel: Betrieb mit 100 Muttersauen: (2.3 x 100)/5.5 = 42 Jungsauen/Jahr Ausmerzung von Altsauen Die Reproduktionsleistung der Sauen erreicht zwischen dem 3. und 5. Wurf ihren Höhepunkt. Ab dem 8. Wurf nimmt die Ferkelzahl stark ab. Zudem sinkt die Milchleistung der Sauen altersbedingt. Grafik 1 zeigt, ab wann ein besonderes Augenmerk auf die Altsauen gerichtet werden muss. Anzahl lebend geborener Ferkel 14.0 13.5 13.0 12.5 12.0 11.5 11.0 Edelschwein 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Wurf-Nummer Grafik 1: Reproduktionsleistung nach Wurffolge (Quelle: SUISAG 2016) 4 Vital Aktuell April 2018

Fütterung Eine optimale Herdenstruktur soll so aussehen: Jungsauen 1. Wurf 2. Wurf 3. Wurf 4. Wurf 5. Wurf 6. Wurf 7. + folgende Würfe 19% 17% 16% 14% 12% 10% 7% 5% Gesunde und langlebige Remonten Die Kosten für eine zugekaufte Jungsau mit 100 kg Lebendgewicht betragen bis zur ersten Abferkelung rund Fr. 1000.-. Bei einem Deckungsbeitrag von Fr. 1500.- je Zuchtsau und Jahr ist die Remonte nach ca. 1.5 Würfen amortisiert. Es muss also alles daran gesetzt werden, dass die Jungsauen länger in der Produktion bleiben, damit Geld verdient werden kann. Robuste Remonten sind die Basis für einen konstanten Betriebserfolg (Abbildung 1). Abbldung 1: Gesunde Jager als Grundstein für eine erfolgreiche Remontierung Remonten konditionieren und zum richtigen Zeitpunkt belegen Die Tiere sollten im Alter von 220 bis 240 Tagen nach der 2. oder 3. Rausche belegt werden. Remonten, die beim 3. Zyklus besamt werden, erzielen erfahrungsgemäss höhere Lebensleistungen. Erstbelegungen sollen mit einem Gewicht von 130 bis 140 kg vorgenommen werden. Eine Rückenspeckdicke von 15 bis 18 mm ist dann ideal. Die Fettauflage dient als Energiereserve und ist für die Hormonbildung wichtig. Der Rückenspeck wird in der Konditionierungsphase angelegt. Diese beginnt mit der Remonten-Selektion und dauert 60 Tage bis zur Erstbesamung. In dieser Zeit empfehlen wir, ein Konditionierungsfutter einzusetzen. Ein hoher Energie- und eher tiefer Rohproteingehalt unterstützen eine gezielte Fettauflage. Robuste Fundamente Bei den Jungsauen ist neben der gewünschten Genetik auch auf ein starkes Fundament zu achten. Deshalb müssen Remonten während der gesamten Aufzucht mit hohen Mineralstoffgaben versorgt werden. Die Lebendtageszunahmen sollten maximal 650 g betragen. Hohe Zunahmen begünstigen schwache Fundamente. Phänomen Sommerloch Die Fruchtbarkeit einer Herde wird auch durch äussere Faktoren beeinflusst. Ein immer wiederkehrendes Phänomen ist das „Sommerloch“. In den Sommermonaten Juni bis September verschlechtert sich die Fruchtbarkeit häufig. Symptome sind: schwache Brunst, vermehrtes Umrauschen und mehr Leertage bis zur Belegung. Oft sind höhere Abortraten und kleinere Würfe zu beobachten. Als Folge davon sinkt in den Wintermonaten die Anzahl Ferkel. Diese Fruchtbarkeitsstörungen sind genetisch bedingt. Hitzestress: Nährstoffversorgung und Abkühlungsmöglichkeiten sicherstellen Bei hohen Temperaturen nimmt der Futterverzehr der Sauen deutlich ab. Die Versorgung an wichtigen Wirkstoffen (Vitamine und Spurenelemente) ist nicht mehr gewährleistet. Neben dreimaliger Fütterung pro Tag können Spezialprodukte Abhilfe schaffen. Vital Fertil-Plus fördert die Fruchtbarkeit, stärkt das Immunsystem und wirkt stressreduzierend. Hitze erhöht den Wasserbedarf. Einwandfrei funktionierende Tränkenippel mit hoher Durchflussrate reichen nicht aus! Damit die Sauen genügend Flüssigkeit aufnehmen, müssen die Tröge zusätzlich mit Wasser gefüllt werden. Während der Hitzemonate ist darauf zu achten, dass sich die Sauen abkühlen können und dass Ausläufe beschattet sind. Die Herdenfruchtbarkeit hängt von vielen Faktoren ab. Neben einer optimalen Herdenstruktur muss ganzjährig für eine gute Nährstoff-Versorgung und optimale Haltungsbedingungen gesorgt werden. Gelingt es uns, alle diese Vorgaben zu erfüllen, können wir uns an einer gesunden und fruchtbaren Sauenherde erfreuen. Vital Aktuell April 2018 5