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Vital Aktuell April 2018

Fütterung

Fütterung Milchinhaltsstoffe interpretieren: Wie nutze ich diese Daten? Josef Huber, Ing. Agr. ETH, Vital Beratungsdienst Zentralschweiz Benno Zimmerli, Agro-Techniker, Vital Beratungsdienst Zentralschweiz Mit den Ergebnissen von Tankmilchen und Wägungen hat der Landwirt wertvolle Daten zur Verfügung. Sie sind zur Leistungs-Optimierung und Gesunderhaltung der Herde nützlich. Durch eine gut eingestellte Ration wird die Milchproduktion effizienter. Aussagekraft der Daten Bei der Probenahme muss die verfütterte Ration bekannt sein. Tankproben und Milchwägungen sollen verglichen werden. Tiefe Fettgehalte der Einzelkühe sind mit Vorsicht zu interpretieren. Für Anpassungen der Ration sind immer ganze Laktationsgruppen heranzuziehen. Kontrollen von Morgen- und Abendmilch liefern unterschiedliche Werte. Die jahreszeitlichen Schwankungen zeigen ein Abbild von Sommerhitze und Winterkälte, von Stallhaltung und Weidegang, von Grünfutter oder Konserven (Grafik 1). Auch die Anzahl Laktationstage der Herde spielt mit (Grafik 2). Milchgehalte im Jahresverlauf 2016 3.6 4.4 3.55 Fettgehalt in Prozent 4.2 4 3.8 3.6 3.5 3.45 3.4 3.35 3.3 3.25 Eiweissgehalt in Prozent Grafik 1: Milchgehalts- Veränderung im Jahresverlauf 2016, Daten Swiss Herdebook 3.4 3.2 3.15 3.2 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Monat 3.1 Fett % Eiweiss % n = 47'000 Milchgehalte im Laktationsverlauf 35 5 Grafik 2: Veränderung Milchgehalte und Milchmenge im Verlauf der Laktation (monatliche Proben) kg Milch 30 25 20 15 4.5 4 3.5 3 2.5 Fett / Eiweiss in Prozent 10 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 2 monatliche Probe (Nr.) nach Abkalbung kg Milch Fett % Eiweiss % n = 47'000 8 Vital Aktuell April 2018

Fütterung Fettgehalt hoch: Ketosen vorzeitig erkennen Startphasenkühe sind durch den natürlichen Körperfettabbau ketosegefährdet. Fettgehalte über 5% in den ersten Laktationswochen weisen auf ein grosses Energiemanko hin. Ursache: zu niedrige Energiedichte der Ration oder reduzierter Trockensubstanz-Verzehr. Gründe für ungenügende Futteraufnahme sind unter anderem nicht angepasste Rationen in der Galtzeit und Transitphase. Starterfutter mit Ketoseschutz und Vital PropyDex helfen, diese „Energielöcher“ zu überbrücken und Langzeitschäden zu vermeiden. Fettgehalt tief: Pansenübersäuerung vorbeugen Steigende Milchleistungen erfordern höhere Energiedichten mittels Getreide, Rüben, Kartoffeln oder zuckerhaltigem Gras. Tiefe Fettgehalte unter 3.6% und Fett-Eiweiss-Quotienten von 1.0 oder weniger weisen auf eine Pansenübersäuerung hin. Acidosen entstehen, wenn durch zu wenig Strukturfaser das natürliche Pufferungssystem über den Speichel nicht mehr funktionieren kann. Hitzestress verstärkt diesen Umstand massiv. Die Milchfettsynthese ist gestört, Kühe zeigen Unruhe, Durchfall, Klauensohlenblutungen oder Geschwüre. Abhilfe schaffen Heu, Luzerne oder Stroh, was im Sommer aber nicht ideal ist. Wirksamer sind Pansenpuffer wie Alka-San+ oder Qualifeed 828 Acid Stop. Milcheiweissgehalte: Zeiger für Energieversorgung Tiefe Eiweissgehalte unter 3% sind die Folge energetischer Unterversorgung. Dauert diese Situation nach dem Kalben an, stagnieren Futterverzehr und Milchleistung. Die Folgen sind Azetonämie und Zysten mit langwierigen Fruchtbarkeitsproblemen. Die Pansenflora braucht zum Aufbau von Mikrobenprotein viel fermentierbare organische Substanz. Dieses Protein sorgt für genügend Aminosäuren im Blut, woraus im Eutergewebe das Milcheiweiss synthetisiert wird. Soll der Milcheiweissgehalt steigen, muss im Pansen mehr Mikrobenprotein gebildet werden. Die Ration ist energiemässig zu verdichten. Mit gleichzeitiger Erhöhung von Proteinkonzentrat und Mineralstoffen wird dieser Effekt verstärkt. Harnstoff-Zahlen: Spiegel von Protein und Energie im Pansen Ausgeglichene Rationen führen zu Harnstoffwerten zwischen 20-30 mg pro dl Milch. Tiefere Werte weisen auf einen Mangel an schnell verfügbarem Rohprotein bzw. zu wenig APDN hin. Futterprotein stimuliert den Pansen und die Milchproduktion. Werte über 30 mg signalisieren einen Proteinüberschuss. Ammoniak muss dann in der Leber energieaufwändig in Harnstoff umgewandelt und über Milch und Harn ausgeschieden werden. Mit Vital TurboVit wird der Proteinabbau im Pansen reduziert. Eiweiss wird effizienter umgesetzt und der Milchharnstoff um bis zu 5 mg/dl Milch gesenkt. Es entsteht weniger Ammoniak. Das führt zu besserer Stallluft. Durch Stabilisierung der Pansenflora wird die Faserverdauung verbessert. Das Resultat ist eine homogene Kotkonsistenz. Laktosegehalt und Gefrierpunkt- Erniedrigung Der Gehalt an Milchzucker (Laktose) sollte zwischen 4.6 - 5.0% liegen. Im Euter wird aus Blutzucker Laktose gebildet. Hat die Kuh viel Glucose im Blut, kann sie auch viel Laktose bzw. viel Milch produzieren. Nur eutergesunde Tiere mit genügender Energieversorgung erreichen hohe Laktosewerte. Blutzuckerbildende Substanzen wie Vital-PropyDex spielen dabei eine wichtige Rolle. In Tankmilchproben sollte der Gefrierpunkt zwischen -0.525° C und -0.540° C liegen. Reines Wasser gefriert bei 0° C. Milch enthält Zucker und gelöste Mineralstoffe und gefriert deshalb erst bei tieferen Temperaturen. Bei einer Gefrierpunkterniedrigung von weniger als -0.525° C müssen Mineralstoff- und Salzversorgung überprüft werden. Dies gilt auch für die Nährstoffgehalte der Ration. Leitungen, Pumpen und Behälter der Melkanlage sind auf Fremdwasser zu kontrollieren. Zellzahlen: starker Immunstatus durch genügend Wirkstoffe Tiefe Zellzahlen sind Zeichen für gesunde Euter, immunstarke Tiere und sauberes Grundfutter. Die Milchqualität wird durch eine bedarfsgerechte Mineral- und Wirkstoffversorgung unterstützt. Schlechte Silagen und Mycotoxine belasten das Abwehrsystem im Eutergewebe. Pansenpuffer und hefebasierte Toxinbinder können solche Situationen entschärfen. Regelmässige Milchkontrollen sind wichtig für die Beratung und helfen, die Produktionskosten zu senken. Vital Aktuell April 2018 9