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Stimmen aus aller Welt - der Freiwilligenjahrgang 2017/2018

Zeitung mit Rundbriefen der Freiwilligen des Berliner Missionswerkes in Großbritannien, Italien, Kuba, Palästina, Schweden, Südafrika, Taiwan und Tansania

HabarizaUjerumani! Ich

HabarizaUjerumani! Ich heiße Anatol, aber hier werde ich oft MWAKITOLI gerufen. Ich komme aus Berlin und wohne jetzt für ein Jahr in MATEMA, Tansania. Dort arbeite ich in einem KRANKENHAUS. Zu Hause bedeutet „Heimat“ für mich, die wichtigsten Menschen in erreichbarer Nähe zu haben; hier ist „Heimat“ nun ein weit entferntes Land in Mitteleuropa. Mein neues Lieblingsessen ist Makande und ich träume hier oft von eindrücklichen Erfahrungen, die ich schon gemacht habe. Die Redewendung „labdakesho“ habe ich hier gelernt und benutze sie besonders gerne; das heißt soviel wie „morgen vielleicht“. An Tansania gefällt mir besonders die Offenheit und Gelassenheit, mit der einem hier begegnet wird, doch ich vermisse auch manchmal, dass sich auf der Straße niemand für mich interessiert, so wie ich es aus Berlin gewohnt bin. Mein Gastland riecht für mich nach Bauernhof und braunem Zucker und ich bin noch gespannt auf ein bisschen Wild-Life-Experience und Reisen. Sonnige Grüße sende ich Ihnen und Euch aus dem traumhaften kleinen Fischerort Matema im Südwesten Tansanias - meinem derzeitigen Zuhause! Hier werde ich also nun für ein knappes Jahr leben und arbeiten. Leben tu ich mit meinem Mitbewohner Dominik in einem kleinen Häuschen, nur wenige Gehsekunden vom wunderschönen und großen Lake Nyassa (Malawisee) entfernt, eingebunden in ein freundliches lutherisches Gästezentrum. Mein Arbeitsplatz ist aber das Krankenhaus, welches für diesen kleinen, beschaulichen Ort ganz schön „oho“ ist. Dort fungiere ich als IT-Spezialist und Computerlehrer. 56

Das ist lustig, weil ich nie eine besondere Begabung für Computerangelegenheiten hatte. Meine bescheidenen Kenntnisse scheinen jedoch für die meisten meiner Aufgaben auszureichen, und so kommt es, dass mir meine alltägliche Arbeit hier mittlerweile richtig Spaß macht und, was noch viel schöner ist, sogar nützlich zu sein scheint. Das Krankenhaus befindet sich gerade im Übergang vom Zettelchaos zur Datenordnung mittels Computersoftware. Diese zu füttern, zu kontrollieren und sie den Ärzten sowie dem Pflegepersonal zu erklären, fällt in meinen Zuständigkeitsbereich. Neben der Arbeit muss ich, dank der malerischen Umgebung und meinem fantastischen Mitbewohner, keine Langeweile fürchten. Nahezu jeden Tag gönnen wir uns eine Abkühlung im See oder spielen mit den Menschen aus Matema Bao, ein nicht nur in Tansania verbreitetes Gesellschaftsspiel. Nach anstrengenden Arbeitsphasen reflektieren wir unser Tagesgeschehen auch gerne bei einem Bier in Noahs unweit entfernter Strandbar oder einer Portion ChipsiMayay, einer Art Omelette mit Pommes. Grundsätzlich bietet es sich natürlich an, auch andere Freiwillige zu besuchen. Traurigerweise bin ich noch nie weiter als nach Mbeya gekommen, wo Tina wohnt. Doch allein bis dorthin fahre ich von Matema aus selten weniger als sechs Stunden. Alle anderen Freiwilligen in der Region sind für mich nur über Mbeya zu erreichen. Dann allerdings nochmal mindestens drei Stunden von dort entfernt. Bei diesen zeitlichen Dimensionen beim Reisen wird einem erstmal klar, wie kurz doch so ein Wochenende ist. Urlaub habe ich mir bisher nur über die Weihnachts- und Silvestertage genommen. In dieser Zeit war ich in der, besonders für Deutsche, geschichtsträchtigen Küstenstadt Bagamoyo, auf Sansibar und in Dar es Salaam - an dieser Stelle ein herzliches „Jambo“ an das gesamte großartige tansanische BMW-Squad plus Tina! Ich will die Erfahrungen, die ich bisher gesammelt habe, nicht missen und blicke schon jetzt dankbar und voller Erwartungen auf das folgende halbe Jahr! Auf das wir uns wiedersehen, verbleibe ich mit erwartungsvollen Grüßen, Tutaonana, Ihr und Euer Anatol! 57