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Stimmen aus aller Welt - der Freiwilligenjahrgang 2017/2018

Zeitung mit Rundbriefen der Freiwilligen des Berliner Missionswerkes in Großbritannien, Italien, Kuba, Palästina, Schweden, Südafrika, Taiwan und Tansania

Mambo! Ich heiße Tim,

Mambo! Ich heiße Tim, aber hier werde ich oft TIMO gerufen. Ich komme aus Brandenburg und wohne jetzt für ein Jahr in ITAMBA, Tansania. Dort arbeite ich in der ITAMBA SECONDARY SCHOOL. Zu Hause bedeutet „Heimat“ für mich Familie, Haus und Brandenburg; hier sind nun Haus, Freunde und meine Berge für mich „Heimat“. Mein neues Lieblingsessen ist Pilau na kuku (Gewürzreis mit Hähnchen) und ich träume hier oft von den Dingen, die ich alle in Angriff nehmen könnte. Die Redewendung „Pole pole ndiyo mwendo “ habe ich hier gelernt und benutze sie besonders gerne; das heißt soviel wie „Langsam aber sicher“. An Tansania gefällt mir besonders die Herzlichkeit der Menschen, doch ich vermisse auch manchmal zuverlässige Busfahrpläne. Mein Gastland riecht für mich nach frischer Bergluft und Bauernhof und ich bin noch gespannt auf die anstehende Fußballsaison, in der Schüler und Lehrer gegeneinander antreten. „Umeamkaje?“ Das werde ich morgens, wenn ich zur Schule gehe, von Lehrern gefragt. Übersetzt heißt es in etwa: „Wie bist du aufgewacht?“ Sobald man etwas anderes als „gut“ oder „friedlich“ antwortet, wird schon mal schnell nachgefragt, ob es denn alles gut ist und ob man denn krank wäre. Dies ist nur eine der gefühlten 10.000 Begrüßungsfloskeln, mit denen man sich hier tagtäglich begrüßt. 64

Dieser Smalltalk ist hier sehr wichtig und es wäre unhöflich, ihn zu überspringen. Es mag zwar oberflächlich erscheinen, ist aber Bestandteil der Kultur und auch eine Wertschätzung des Gegenübers, für den man sich Zeit nimmt. Es gibt viele junge Lehrer an der Itamba High School (die von allen Leuten „Itamba Secondary“ genannt wird, weil sie über Jahrzehnte hinweg nur eine Secondary School war und das Angebot der Highschool erst später hinzukam), die mich auch in der Umgangssprache begrüßen. Mittlerweile kenne ich mich im Begrüßungs-Wirr-Warr schon ganz gut aus, am Anfang war diese ungewohnte Vielfältigkeit nur etwas überfordernd. Die Itamba Highschool ist ein privates Internat im Südwesten Tansanias mit momentan fast 200 Schülern und ca. 20 Lehrern. Zur Erklärung: Secondary School bedeutet, dass die Klassen 7-10 unterrichtet werden. Werden die Klassen 11 und 12 auch unterrichtet, darf die Schule sich Highschool nennen. Für die 1.5 Millionen Tansanische Schilling (600€), die die Eltern an Schulgeld pro Jahr aufbringen müssen, wird auch einiges geboten: Es gibt gut ausgestattete Laboratorien für Chemie, Physik und Biologie sowie einen Computerraum mit ca. 30 Computern. Die Lehrer sind gut ausgebildet und sprechen flüssiges Englisch; dies soll wohl nicht an allen Schulen der Fall sein. An den Secondary Schools wird alles, bis auf Kiswahili, in Englisch unterrichtet, was besonders die jüngeren Schüler manchmal vor Probleme stellt. Meine Tätigkeit besteht darin, den Klassen 7-10 (auch Form I-IV genannt) den Umgang mit Computern näher zu bringen. Meistens geht es um Microsoft Word und das Bearbeiten von Texten: Wie unterstreicht man Wörter, wie schreibt man sie fett und so weiter. Den Schülern neue Sachen beizubringen, macht echt Spaß, auch wenn es manchmal wenig zu tun gibt. Wie gut, dass man sich immer mit einem der Lehrer unterhalten kann. Inzwischen habe ich mich auch schon mit vielen von ihnen angefreundet; man kocht und isst zusammen, geht ab und zu mal ins Nachbardorf, um gemeinsam einzukaufen oder Fußball zu gucken. Nach den fünf Monaten, die ich schon hier bin, kann ich auch schon ein paar Sachen auf Kiswahili sagen. Es ist echt hilfreich, diese Sprache zu sprechen, da außerhalb der Schule sehr wenige Menschen Englisch sprechen können und man in entlegenen Regionen teilweise echt darauf angewiesen ist. Außerdem macht es einfach Spaß, die Leute mit Kiswahili oder auch ein bisschen Kiwanji (die Stammessprache hier) zu überraschen. Für meine sechs Monate, die ich in Tansania noch verbringen darf, bin ich dankbar. Ich lebe hier in einem sehr freundlichen Umfeld, da die Lehrer, mit denen ich die meiste Zeit verbringe, echt cool drauf sind. Dazu noch die atemberaubende Landschaft in den Bergen, mein echt gemütlich eingerichtetes Häuschen und viele nette Freiwillige, die man besuchen kann und so einen Einblick in andere Ecken Tansanias bekommt. 65