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VDI-Statusreport Digitaler Transformationsprozess in Unternehmen

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6 Digitaler Transformationsprozess inUnternehmen 2Einstieg indie digitale Transformation 2.1 Neue Möglichkeiten erkennen Ein Heizungsbauer verbaut bei seinen KundenHeizungsthermen, die mit neuenSensoren ausgestattet sind. Diese melden Betriebszustände und Störungen über dasInternet anden Heizungsbauer. Durcheinen Servicevertrag, den er mit dem Kundenschließt, kann er nundie Wartungenbesser planen, Störungen werden frühzeitigerkannt und gemeldet. Die Servicemonteure sind mit Tablets ausgestattet, auf denenbei Bedarf Serviceparameter, Betriebsanleitungen und die relevantenEckdatender verbautenBauteile über die Cloud vorab beim Kunden abgerufen werdenkönnen. Nach Beendigung desServicedienstes trägt der Monteur bereits beim Kunden die Arbeitszeit und die verbauten Ersatzteile ein. Der Kunde bestätigt den Auftrag per Unterschrift auf demTablet und bevor der Monteur zurück im Büro ist, sind die Teile bereits nachbestellt und die erstellte Rechnung auf demWeg zumKunden. Die daraus gewonnene Zeit kann dann sinnvoll genutzt werden, um z. B. den Kunden mit neuen Produkten und Services zu bedienen. Das Beispiel des Heizungsbauers zeigt, dass die Digitalisierung verschiedene Bereiche eines Unternehmens beeinflussen kann. Die eigenen Produkte können weiterentwickelt werden, Prozesse verändern sich und sogar neue Geschäftsmodelle entstehen. Die Digitalisierung verläuft innerhalb eines Unternehmens in drei Stufen: Daten repräsentieren somit einen Teil der physischen Welt und sind in Netzwerken auch aus der Ferne abrufbar. 2.1.2 Stufe 2: Datengetriebene Prozesse Die verfügbaren Daten lösen Steuerungs- und Optimierungsprozesse aus und beeinflussen so den Ausgang. So werden Planungs- und Steuerungsprozesse automatisiert, das System regelt sich eigenständig. Dies geschieht auf Basis von zuvor exakt definierten Regelwerken. 2.1.3 Stufe 3: Intelligente Datennutzung Auf Grundlage einer ständigen, automatisierten Datenerhebung werden implementierte Algorithmen aktiviert und beeinflusst. Diese Lernalgorithmen passen in einem fortlaufenden Prozess die definierten Regelwerke an. Dies ermöglicht die situationsabhängige Selbststeuerung und -optimierung von Systemen. 2.2 Einstiegspunkte definieren Die beschriebenen Stufen der Digitalisierung lassen sich auf unterschiedliche Bereiche anwenden. Je nach Zielsetzung gibt es verschiedene Einstiegspunkte zur Digitalisierung im Unternehmen (siehe Bild 2). Bild 2. Einstiegspunkte der Digitalisierung im Unternehmen Bild 1. Stufen der Digitalisierung 2.1.1 Stufe 1: Datenverfügbarkeit Sensoren werden genutzt oder neu verbaut, um Daten zu erfassen, und an einDatennetzwerk angeschlossen. Die Einstiegspunkte eignen sich jeweils für die Digitalisierung und weisen Abhängigkeiten untereinander auf. So gehen Veränderungen am Geschäftsmodell in der Regel auch mit Anpassungsbedarfen am Produkt und den Unternehmensprozessen einher und umgekehrt. Die Einstiegspunkte helfen als Handlungsansätze, um die eigenen Überlegungen zu lenken, und www.vdi.de

Digitaler Transformationsprozess inUnternehmen 7 dienen der Einordnung vonDigitalisierungsstand und Zieldefinition. Der im ersten Beispiel beschriebene Heizungsbauer ordnet sich in der erstenStufe der Digitalisierung ein. Seine Daten sind durch Sensorenverfügbar geworden. Der Einstiegspunkt inden digitalenTransformationsprozessseinesUnternehmens war der Wartungsprozess, denermithilfe der Datenverfügbarkeit optimiert hat. VondiesemEinstiegspunkt aus kann er neue Produkte und Services in Erwägung ziehen und zukünftigsogar dementsprechend seinGeschäftsmodell überdenken. 2.2.1 Einstiegspunkt: Prozesse In Unternehmenund Organisationen gibt esbestimmte Arbeitsabläufe mit definiertenProzessen, z. B. die Bestellung vonErsatzteilen, die Entwicklung und Produktioneines Werkstücks oder wiederkehrende Wartungsarbeiten. Viele dieser Prozesse laufen heute noch manuell oder mittels Papier in denUnternehmen ab. Dabei gibt es immer wieder Medienbrüche, an denen wichtige Informationen verlorengehen. Beim Einstiegspunkt „Prozesse“ist die digitale Unterstützung dieser Abläufe zuhinterfragen. Hier gilt es, im Rahmen der Digitalisierung einendurchgängigen digitalenInformationsflussentlang der Wertschöpfungskettenzukonzipieren und aufzubauen. Der Heizungsbauer digitalisiert seine Serviceprozesse, sodass alle Daten eines Servicevorgangs digital erfasst werden und sofort verfügbar sind. Zudemwerden weitere digitale Prozesse, wie z. B. die Ersatzteilbestellung, selbständiginitiiert. 2.2.2 Einstiegspunkt: Produkt Das Produkt bildet auch einen Mehrwert, für den der Kunde bereit ist zu bezahlen. Dabei kann einProdukt materiell wie auch immateriell (eine Software oder einService) sein. BeimEinstiegspunkt „Produkt“ist die Digitalisierung desProduktszuuntersuchen. Ziel ist es, durcheine Einbindung desProduktsindie digitale Welt für den Kunden und/oder das Unternehmen einenzusätzlichenNutzen zu erzeugen. Der Heizungsbauer vertreibt bzw. installiert Heizungsanlagen, die vomKunden über eine App programmiert werden können. Zudem sendet die Heizungsanlage Betriebs-, Störungs-und Wartungsinformationenauf dasSmartphone des Heizungsbauers. 2.2.3 Einstiegspunkt: Geschäftsmodell In der altenanalogenWelt ist eingängigesGeschäftsmodell z. B. die Produktionvon Gütern, die Beförderung vonPersonenoder eine Hotel-bzw. Flugbuchungdurch ein Reisebüros. In der neuen digitalenWelt gehen neue Geschäftsmodelle einen Schritt weiter. Durch bessere ITwerden neue Ansätze für Geschäftsmodelle wirtschaftlich realisierbar. Beispielsweise können durchVerbrauchs- und Statusmeldungen desProduktsaus demBetrieb einbesserer Service, die Vermietungoder ein Verbrauchsmaterialservice zusätzlichangeboten werden. Der Heizungsbauer verkauft nicht mehr seine Heizungen und die Installation der Anlage, sondern bietet demKundeneine verbrauchsabhängige Wärmemenge an. Die Installation der Anlage, die Wartungund der Service sind im verbrauchsabhängigen Preiseingeschlossen. Der Kunde zahlt also nur die verbrauchte Wärme. Neue Geschäftsmodelle könnenaber auchdie Auswertung von Daten ausder Produktion sein, beispielsweise mit demZiel, Qualität zuoptimieren, den Verbrauchvon Ressourcen zu senken oder neue Rezepturenumzusetzen. Mit dem Einstiegspunkt werden diese neuen, durch Digitalisierung ermöglichten Geschäftsmodelle erarbeitet. 2.3 Digitale Transformation auf den Punkt gebracht Die digitale Transformationist dasWeiterentwickeln vonUnternehmen in Bezugauf ihre Geschäftsmodelle, Produkte und Prozesse unter (intelligenter) Nutzung vonDaten und deren Auswirkungenauf die Beteiligten(Bild 3). www.vdi.de

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