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Todesschach

Wenn er geschickt

Wenn er geschickt vorging, berührte er ihn vielleicht nicht einmal. Im Park war alles ruhig. Kern wußte, daß es auch hier Patrouillen gab, aber sicherlich würden sie ihre Pflichten noch weniger ernst als ihre Kollegen außerhalb nehmen. Wenn wirklich jemand in den Palast eindrang, würden zuerst immer jene Wachtposten verantwortlich gemacht werden, die außerhalb des Parks und jenseits der Mauer Dienst hatten. Kern stieg über den Zaun und blieb flach liegen, als er es geschafft hatte. Er atmete ein paar Mal tief durch und spürte, wie sein Herzschlag sich beruhigte. Es war nicht mehr so dunkel, denn im Palast brannten viele Lichter hinter den Fenstern. Ihr Schein fiel bis in den Park. Kein Wachtposten war zu sehen. Vorsichtig ließ er sich auf der anderen Seite herab und sprang den letzten halben Meter. Ohne sich zu rühren, blieb er stehen und lauschte. Nichts. Einige Büsche als Deckung benutzend, schlich er sich näher an den Palast heran. Zwei Soldaten standen neben dem Eingang, einer rechts, der andere links. Sie unterhielten sich sorglos, aber Kern war noch zu weit entfernt, um jedes ihrer Worte zu verstehen. Es würde nicht so einfach sein, an ihnen vorbeizukommen, auch wenn sie nicht besonders gut aufpaßten. Wenn es dunkler gewesen wäre, hätte es für Kern keine Probleme gegeben. Aber der Palast war erleuchtet wie bei einem Staatsempfang. 120

Zehn Meter von den beiden Wachtposten entfernt lag er hinter dem letzten Busch. Vor ihm war noch ein Stück Rasen, dann die Stufen zum Portal, neben dem die Soldaten Wache hielten. Das Gespräch der beiden kam ins Stocken. Sie schienen sich nichts mehr zu erzählen zu haben. Gelangweilt sahen sie hinab in den Park, an Kern vorbei, der noch immer hinter dem Busch lag. Dann sagte der eine: »Heute haben sie wieder was vor.« »Grödig hält eine Ansprache, der Trottel.« »Und deshalb so ein Theater?« »Muß wohl«, knurrte der andere die Antwort. Kern bemerkte, daß sich die Aufmerksamkeit der beiden auf einen Übertragungswagen richtete, der von links durch die Allee kam. Der rechts stehende Posten wechselte seine Stellung, um besser sehen zu können. Das war die Gelegenheit. Kern huschte vor, vorbei an den beiden Männern – und war im Innern des Palastes. Schwer atmend stand er in einer Nische und sah sich vorsichtig nach allen Seiten um. Es mußte sich um eine Art Vorhalle handeln. Sie war hell erleuchtet und zum Glück menschenleer. Von draußen drangen die Geräusche des abstoppenden Wagens. Stimmen wurden hörbar, und dann kamen zwei Techniker der Fernsehgesellschaft in die Halle. Sie stritten sich, gingen aber zu Kerns Glück weiter, auf eine der vielen Türen zu, die weiter ins 121

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