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Todesschach

Verlauf des Spiels

Verlauf des Spiels durchschauen oder sogar vorausberechnen. Weiß ist immer im Vorteil, weil Weiß beginnt – wenigstens ist das beim gewöhnlichen Spiel so. Beim Todesschach kann auch Schwarz eröffnen. Das ist deshalb so, weil die Entscheidung über den ersten Zug erst im letzten Augenblick fällt und sofort ausgeführt werden muß. Der Vorteil ist nur gering und kann während des Spiels leicht ausgeglichen werden. Sie, Thorn, müssen meine Spielart kennenlernen. Ihr Leben wird davon abhängen.« »Und das von Mira, Grams.« »Ja, natürlich, wenn es soweit ist. Wir werden keine Gelegenheit haben, vorher mit ihr zu sprechen, Sie wenigstens nicht. Sie gehört ja zur Partei des Gegners, obwohl das nicht unbedingt notwendig ist. Wenn Sie während des Spiels die Seiten wechseln und gegen mich spielen, kann Mira auch zu uns gehören. Sie werden dann ihr Gegner, wie es notwendig ist. Es hätte den Vorteil, daß ich vorher mit ihr über das Spiel sprechen kann. Es hätte aber auch den Nachteil, daß Sie zum Gegner übergehen und sich damit einer Ihnen unbekannten Spielart unterwerfen müssen. Wir wollen das vermeiden.« Während sie sich unterhielten, spielten sie weiter. Thorn kannte Grams bereits so gut, daß er die Züge vorausberechnen konnte, was immer er auch unternahm. Grams reagierte fast immer gleich. Er paßte sich den Gewohnheiten des anderen in logischer Konsequenz an. »Ich werde Sie, wenn möglich, nur über leere Fel- 128

der ziehen lassen«, fuhr Grams nach einer Pause fort. »Das hat den Vorteil, daß Sie niemanden zu schlagen brauchen. Außerdem kann ich es so einrichten, daß Sie niemals geschlagen werden können.« »Mir wäre es lieber, Mira genösse diesen Vorteil.« »Es hätte nur geringe Vorteile, Thorn. Selbst wenn ich sie so einsetzen könnte, daß sie stets außer Gefahr ist, verlöre ich Sie, den Retter, aus den Augen. Nicht bildlich gesprochen, denn beide Spieler können das Gesamtspiel auf den Monitoren verfolgen. Aber ich hätte keinen Einfluß mehr auf Ihre Züge. Der Gegner wird Sie ganz bestimmt nicht ausgerechnet auf Miras Feld schicken. Täte er es, wäre es mehr als nur ein Zufall, und damit wollen wir besser nicht rechnen. Nein, Sie müssen manipuliert werden, Thorn. Sie müssen so schnell wie möglich vorstoßen, um Mira zu schlagen. Das ist der einzige Weg zu ihrer Rettung.« Thorn nahm die Hand zurück und sah Grams an. »Was geschieht, wenn ich ihr Feld betrete? Sie hat keine Ahnung, daß ich ihr Gegner bin, oder werden die Mannschaftsaufstellungen dem Gegner bekanntgegeben?« »Nein, natürlich nicht. Jede Figur kennt nur seine eigene Mannschaft. Nur wenn er wechselt, kennt er die Gegenseite – seine bisherigen Freunde.« »Dann ist es also doch besser, Mira und ich beginnen in derselben Mannschaft. Ich töte einen meiner Gegner, der mich nach den Regeln schlagen müßte, und wechsle über. Dann ist Mira informiert …« 129

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