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Todesschach

esuchte. Sie saßen vor

esuchte. Sie saßen vor der riesigen Bildwand und sahen zu, wie – in einem uralten Archivfilm – Menschen erschossen wurden. Es geschah auf Grödigs Befehl, und die Zuschauer amüsierten sich. Die Menschen in dem Film waren wirklich gestorben, aber es war zu lange her, sich darüber aufzuregen. »Warum? Ich finde es humaner als die Spiele.« »Humaner, nun, vielleicht. Aber nicht aufregender. Und der Pöbel will Aufregung. Übrigens ist die Spielpause bald zu Ende. Die Eröffnung der Saison beginnt mit drei Spielen. Zwei bei uns, eins in Europa.« »Liegen eigentlich genug Meldungen vor?« »Mehr als genug. Von Io allein kamen zwei Transporte.« »Arme Teufel! Sie riskieren ihr Leben, um zur Erde zurückkehren zu dürfen.« Bender grinste. »Und sie haben es Ihrer Stimme zu verdanken, daß sie es können.« Larko nickte und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Bildwand zu. Grödig hielt eine seiner Ansprachen an die Bevölkerung der Erde. Etwas in seinem Tonfall machte den gemäßigten Politiker stutzig, aber er begriff nicht sofort, was es war. Auch Bender schwieg plötzlich. Wie gebannt starrte er auf den großen Schirm. Grödigs Gesichtsausdruck hatte eine Änderung erfahren. Der grausame Hochmut, der ihn sonst kennzeichnete, hatte sich in blanken Haß verwandelt. Sei- 156

ne Stimme überschlug sich mehrmals, und er war schlecht zu verstehen. »… beendet, jawohl, endgültig beendet! Man hat mich lange genug an der Nase herumgeführt, mich zum Narren gehalten! Ich weiß, Sie sitzen jetzt vor Ihren Geräten und erwarten eine neue Show – aber Sie irren! Dies ist keine Show! Dies ist Ernst, verdammter Ernst! In diesem Augenblick bereiten sich auf der ganzen Welt meine Freunde zum entscheidenden Schlag vor, um die dekadente Sippschaft, aus der unsere sogenannte Regierung besteht, zum Teufel zu jagen. Und Sie, was wollten Sie? Abwechslung, Aufregung, Nervenkitzel, nicht wahr? Gut, sollen Sie haben, aber seien Sie vorsichtig, denn diesmal geht es wirklich um Ihr Leben, nicht Um ein Schauspiel mit dem Narren Grödig! Vielleicht ist das Exekutionskommando schon unterwegs zu Ihnen – glauben Sie nur nicht, daß es mit der Verurteilung zum Todesschach abgeht.« Grödig pausierte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Donnerwetter«, sagte Bender gepreßt. »Diesmal machen sie es aber verdammt echt! Fast hätte ich geglaubt …« »Ich glaube es auch jetzt noch, Bender«, unterbrach ihn Larko. Bender starrte ihn an. Er wurde etwas blaß. »Sie meinen doch wohl nicht …?« Larko nickte. »Ich fürchte, da ist etwas passiert. Wir sollten uns 157

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