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Todesschach

sie das Spiel genau

sie das Spiel genau verfolgen und die Züge vorausberechnen wollte, mußte sie ein größeres Risiko eingehen. Nach einigem Zögern kroch sie aus ihrem Versteck, erhob sich und lief geduckt auf den Fuß des Hügels zu. Hier gab es nur wenig Büsche und kaum Deckung. Aber das war ihr egal. Sie kroch weiter, bis sie den flachen Gipfel unter dem Banner erreichte. Erleichtert stellte sie fest, daß sie nun alle zweiunddreißig Banner sehen konnte. Mit Hilfe des Zielfernrohrs war es sogar möglich, sie einzeln zu identifizieren. Ganz ruhig blieb sie liegen und registrierte, wie ein weißer Bauer sein Banner einholte und zehn Minuten später auf dem Nachbarfeld wieder aufzog. Der erste Zug war beendet. Schwarz war am Zug. Grams schickte den Bauern D7 auf D6. Er tat es schnell entschlossen und zielbewußt. Er wollte Thorn so schnell wie möglich den Weg frei machen, um Mira keinem unnötigen Risiko auszusetzen. Larko durchschaute die Taktik nicht so schnell, sonst hätte er den bereits freigewordenen Weg versperrt, aber ihm ging es um das Spiel selbst. Er fand keine Antwort auf die Frage, warum Grams einen nutzlosen Zug vergeudete. Er setzte seinen Bauern von E2 auf E3. Grams befahl Thorn, sich auf das Feld F5 zu begeben. Das nahm einige Zeit in Anspruch, denn Thorn mußte zwei freie Felder diagonal durchqueren, ehe er 192

sein Ziel erreichte. Noch hatte er keine Ahnung, wann er auf Mira treffen würde, aber er konnte auf dem Hügel von F5 kein Banner entdecken. Er zog das seine auf und sah sich um. Grams hatte ihn nicht grundlos hierher geschickt. Nur in einer einzigen Richtung gab es ein besetztes Feld, das für ihn in Frage kam. Bi, der weiße Springer. Seins mitgerechnet, war es das fünfte Feld. Wenn Grams so spielte, wie er es versprochen hatte, mußte also Mira der weiße Springer Bi sein. Doch vorerst war Larko am Zug. Und Larko überlegte. Er sah, daß sein Springer bedroht wurde, aber auf der anderen Seite müßte Grams dann seinen Läufer an den weißen Turm verlieren. Trotzdem konnte er sich nicht entschließen, den Weg durch seinen Bauern E3 zu versperren, indem er ihn ein Feld vorrücken ließ. Der scheinbar sinnlose Zug von Grams begann ihn zu interessieren. Er wollte wissen, was der erfahrene Spieler damit bezweckte. Immerhin: Ein Turm war wertvoller als ein Läufer. Larko setzte seinen zweiten Springer auf das Feld H3 und bot so Grams’ Läufer auf Feld F5 eine zweite Chance. Damit war die Entscheidung gefallen. Diesmal saß Bender allein vor seiner Bildwand. Er hatte nie begreifen können, wie sein Freund Larko zum Spieler geworden war. Seit Jahren schon wußte er von Larkos Leidenschaft für das Todes- 193

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