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Todesschach

Und er mußte den

Und er mußte den Springer besiegen, ganz abgesehen von der Tatsache, daß er weiterleben wollte. Aber er würde sich dann in den schwarzen Springer verwandeln, und da er das Spiel gut im Kopf hatte, würde er beim nächsten Zug seines neuen Herrn, Schwarz, den weißen König schachmatt setzen können. Seinen bisherigen König, aber das spielte keine Rolle. Die Figuren kämpften nicht für ihre jeweiligen Spieler, sondern lediglich um ihr eigenes Leben. Und das machte alles so unbeschreiblich spannend. Wieder eine Bewegung! Diesmal deutlicher, denn der Himmel war dunkler und der Mondschein etwas heller geworden. Zum Glück standen noch immer keine Wolken am Himmel. Der Springer mußte jetzt in seiner neuen Deckung liegen und den Lauf seiner Waffe langsam kreisen lassen, um seinen verborgenen Gegner zu entdecken. Wenn er dabei nicht auf den Gedanken kam, auch die Baumwipfel abzusuchen, fand er nichts. Er mußte dann annehmen, daß der zu schlagende Bauer hinter dem Hügel auf ihn wartete. Er würde weiter in das feindliche Feld eindringen. Und genau darauf hoffte Grams. * Bender beugte sich plötzlich vor und schaltete das Videogerät ab, ohne seinen Gast vorher zu fragen. 20

»Die beiden werden sich die ganze Nacht belauern – das ist doch mehr als langweilig, Larko. Außerdem bin ich müde geworden. Vielleicht trinken wir ein Glas und unterhalten uns noch ein wenig. Finden Sie das nicht amüsanter?« Larko machte keine Einwände. »Zwar hätte ich gern gewußt, ob Ihr Grams auch diesmal siegreich bleibt, aber das erfahren wir ja morgen noch früh genug. Ehrlich gesagt, ich habe auch genug für heute. Noch ein Stündchen, dann muß ich nach Hause. Sie sehen, mein Freund, selbst das Spiel mit dem Tod ist schon nicht mehr aufregend genug, um unsere Müdigkeit zu vertreiben.« Sie waren bei ihrem Lieblingsthema. Wieder einmal. Bender schenkte ein. »Sagen Sie das nicht, es wird nur zur Gewohnheit. Das ist alles. Vielleicht wird man in naher Zukunft noch aufregendere Sachen erdenken und in die Tat umsetzen. Diesmal werde ich gegen jede derartige Neuerung stimmen, Larko, das versichere ich Ihnen.« »Das haben Sie allein mit Ihrem Gewissen zu verantworten, Bender. Wenn Sie das Sicherheitsventil eines Dampfkessels schließen, weil Sie das Geräusch des auszischenden Dampfes stört, dann müssen Sie eben mit der Explosion des Kessels rechnen. Aber – ist die Explosion nicht gefährlicher?« »Sie und Ihre Gleichnisse, Larko! Es gibt schon längst keine Dampfkessel mehr.« »Aber es kann noch Explosionen geben, mein Lie- 21

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(7ed., Springer, 2001)(ISBN 3540205098)(de)(O)(512s).
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