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Todesschach

mehr. Dann war Grams

mehr. Dann war Grams rettungslos verloren. Als der Springer zwei Meter entfernt an dem Baum vorbeiging, sprang Grams, beide Hände vorgestreckt. Der Gegner stürzte zu Boden und Grams mit ihm. Er hatte zwar sein Ziel – den Hals des Springers – verfehlt, aber er ließ den Körper nicht aus seinen harten Fäusten. Mit den Füßen half er nach, auf den Gegner zu gelangen, den er fest gegen den Boden preßte. Aber dann achtete er nicht auf dessen linke Hand. Er merkte es, als es fast zu spät war. Der Kolben der Waffe traf nicht seinen Kopf, nur die Schulter. Schmerz durchzuckte ihn, und beinahe hätte er losgelassen. Aber dann, noch ehe der zweite Schlag landen konnte, griff er zu. Er fing die Waffe am Lauf ab, bog sie zur Seite und entriß sie dem Springer mit einem mächtigen Schwung. Er warf sie einfach in die Dunkelheit. Eine Minute später war es vorbei. Er wunderte sich ein wenig, daß es so einfach gewesen war, denn sein Gegner hatte sich kaum gewehrt. Er mußte ein Schwächling sein. Wenn schon die körperlichen Kräfte fehlten, mußten sie durch Intelligenz oder zumindest List ersetzt werden. Der Springer hatte von alledem nichts gezeigt. Grams ließ sich Zeit. Er rollte den erschlafften Körper des Springers zur Seite und entledigte sich seines eigenen Umhanges. Mit ein wenig Bedauern stellte er fest, daß er nun nicht mehr für Weiß kämpfen würde, auf der anderen Seite hatte sein Spieler es 28

nicht anders verdient. Schwarz hingegen hatte ihm die Chance gegeben, vom Bauern zum Springer aufzusteigen und später den König schachmatt zu setzen. Das gab eine hohe Prämie. Als er dem toten Springer den Umhang abnahm, stutzte er. Seine tastenden Hände bestätigten ihm, was er fast vermutet hatte. Sein Gegner war eine Frau gewesen, eine noch junge und wahrscheinlich auch hübsche Frau. Dann zuckte er die Schultern, nahm das zusammengerollte Banner des schwarzen Springers und machte sich auf den Weg zum Hügel, wo er es gegen sein Bauernbanner austauschen würde. Dann erst würde Weiß den nächsten Zug ansagen. * Thorn hatte eine wichtige Botschaft zu überbringen. Er war noch jung, höchstens vierundzwanzig Jahre alt, Student der Sozialwissenschaften und Schach- Juniorenmeister – allerdings nur im normalen Schach, und das auch nur im Nordstaat. Er wäre niemals auf den Gedanken gekommen, an einer Partie Todesschach teilzunehmen. Der Stratoliner setzte zur Landung an und rollte aus. Die Skyline von Terrapolis begrenzte den Horizont, auf der anderen Seite lag das Meer, das er gerade in einer knappen Stunde überquert hatte. Thorn wußte nicht, wer sein Kontaktmann sein 29

Nummer 64 - Chess Evolution Weekly Newsletter
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(7ed., Springer, 2001)(ISBN 3540205098)(de)(O)(512s).
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