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Todesschach

Zu Beginn des Spiels war

Zu Beginn des Spiels war es sein eigener König gewesen, aber dann hatte er die Seiten wechseln müssen, als die weiße Königin ihn schlagen sollte. Das war, als er sein Feld mit dem Banner des schwarzen Bauern verteidigte. Der Sieger mußte nach den Regeln die weiße Dame sein. Und Grams siegte. Er tötete die gegnerische Figur in einem kurzen Zweikampf und legte den weißen Umhang an. Und nun kam er, um seinem früheren König Schach zu bieten. Eine halbe Stunde später schalteten die Fernsehstationen ab. Wieder einmal war ein aufregendes Spiel zu Ende gegangen, und nicht zum ersten Mal war es Grams gewesen, der die Siegestrophäe für seinen Spieler in Empfang nahm. Damit war er um einige hunderttausend Kredite reicher geworden. Terrapolis war eine teure Stadt, in der man sein Geld loswerden konnte. Aber die Absicht hatte Grams nicht. Er brachte den Großteil seiner Prämie auf die Bank, mit dem Rest bezahlte er die Miete für sein Appartement einige Monate im voraus und beglich andere Schulden. Den Abend beschloß er im Vergnügungsviertel der Stadt zu verbringen. Er hatte das Gefühl, eine harmlose Abwechslung verdient zu haben. Sein gefahrvolles Leben brachte es mit sich, daß er von Natur aus mißtrauisch war. Es war einer der Gründe, warum er noch lebte. Er ging niemals ohne seine Waffe aus. Ein kleiner Nadler, mit winzigen Giftgeschossen geladen, war sein ständiger Begleiter. 50

Es war eine gefährliche und absolut tödliche Waffe. Ein Robottaxi brachte ihn in die Stadt und setzte ihn am Rand des Vergnügungsviertels ab. Joycity war eine gut durchdachte Einrichtung der neuen Zivilisation. Früher hatte es Vergnügungsstätten in der ganzen Stadt verstreut gegeben, und die natürliche Folge mußte eine Art von Polizeistunde sein, denn der brave Bürger wünschte seine Nachtruhe. Der Lärm der Betrunkenen störte den Schlaf jener, die zu Hause geblieben waren. Bei Joycity war das anders. Das Viertel lag abgegrenzt am Rand der Wohngebiete und bildete eine kleine Stadt für sich. Wer den Abend oder die Nacht hier verbrachte, dachte nicht an Schlaf, also wurde er auch durch den Lärm nicht gestört. Wenn er Joycity verließ, nahm er ein Robottaxi und ließ sich nach Hause bringen. Grams hatte nur wenige Bekannte und noch weniger Freunde. Er war ein typischer Einzelgänger, was keineswegs bedeutete, daß er Frauen nicht mochte. Er mochte sie sogar sehr gern, aber niemals würde er an Heirat denken. Er brauchte seine absolute Freiheit, um leben zu können. In der kleinen Bar waren nur wenige Besucher. Das konnte Grams nur recht sein. Er nickte dem Mixer freundlich zu und setzte sich an den Tisch neben der Bühnenautomatik. So konnte er den 3-D-Schirm gut sehen, ohne das Lokal selbst aus den Augen lassen zu müssen. Er warf einen Blick auf das neue Programm. Gute 51

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(7ed., Springer, 2001)(ISBN 3540205098)(de)(O)(512s).
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