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22 Predigt Predigt zu

22 Predigt Predigt zu Amos 5,21-24 gehalten von Dr. Stefanie Schön am Sonntag Estomihi, 11. Februar Liebe Gemeinde, ich freue mich ganz besonders, dass unser heutiger Predigttext mal wieder ein prophetischer Text aus dem Alten Testament ist. Es ist ein Text der auf den Propheten Amos zurückgeführt wird. Amos lebte ca. 760 Jahre vor Christi Geburt. Amos war kein Berufsprophet, auch kein Priester. Er war ein Rinderhirte und Maulbeerfeigenzüchter. Amos wird zum Propheten, weil Gott in sein Herz gesprochen hat. Als Judäer – also als einer der eigentlich aus dem Süden Israels kommt, geht er ins Nordreich. Dort spricht er im Namen Gottes zu der feiernden Gemeinde (Amos 5, 21-25). Gott, der Herr spricht: Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen – es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar – und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Da ist einer aber gewaltig verärgert: ich hasse eure Feste ich mag eure Versammlungen nicht riechen tut weg, das Geplärr eurer Lieder ich mag dein Harfenspiel nicht hören. Das soll jemand erst einmal verstehen! Warum ist Gott so wütend? Warum kritisiert er sein Volk mit so schroffen, abweisenden Worten? Hat Gott etwas dagegen das Menschen singen oder feiern? Ist Gott das was wir heute als "Spaßbremse" bezeichnen würden? Tu weg, das Geplärr deiner Lieder. Ich mag dein Harfenspiel nicht hören. Ich finde solche Aussagen ganz schön verletzend. Was wären denn unsere Gottesdienste ohne Musik. Was wären unsere Gottesdienst ohne unsere Organisten und Klavierspieler, ohne die Kantorei und die Maxfeldspatzen, ohne den Sanjola-Chor und die Auftritte der Flötengruppe. Was wären unsere Festgottesdienste und Feiern ohne unseren Posaunenchor? Nicht nur Martin Luther war der Meinung, dass die Musik genauso wichtig ist wie das Reden von Gott. Auch in der Bibel wird der Gesang und die Musik in der Regel sehr hoch geschätzt: Schon zu Moses Zeiten waren die Laute und die Flöten in Gebrauch. Miriam, seine Schwester, singt und trommelt mit den Frauen als die Israeliten durchs Schelfmeer ziehen, und König David – der wohl bedeutendste König Israels – spielt die Harfe und singt seine Psalmen. Da ist selbst von Propheten die Rede, die mit Harfe, Tamburin, Flöte und Laute durch die Gegend ziehen und damit ihre Botschaften von Gott unterstützen. "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu

Predigt 23 schweigen unmöglich ist." So beschreibt der französische Schriftsteller Victor Hugo das ungeheure Potential von Musik. Musik kann Protest ausdrücken, Musik kann Freude zum Ausdruck bringen und sogar ganze Landschaftszüge und Mentalitäten beschreiben, auch die Unendlichkeit und Größe Gottes kann durch Musik spürbar gemacht werden. Auch Musik kann Menschen stärken und widerstandsfähig machen. Das gleiche gilt für Feste und Versammlungen. Schon im Alten Testament lesen wir, dass Menschen ausgelassen feiern. Die Israeliten feiern und tanzen nachdem Gott sie aus Ägypten heraus – in die Freiheit – geführt hat. David und sein Volk tanzen und feiern als die Bundeslade nach Jerusalem geholt wird. Und auch Jesus ist bekannt als einer der selbst mit Zöllnern und Prostituierten zusammensitzt und mit ihnen feiert. Jesus ist keiner der sich lumpen lässt: Als bei der Hochzeit zu Kana der Wein ausgeht sorgt er dafür, dass die Feier weitergehen kann. Kurzum macht er aus Wasser Wein. Nein, nur am Feiern und an der Musik kann es nicht liegen, dass Gott und sein Prophet Amos so erbost waren. Mich erinnert Amos Kritik an ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer. Als Lehrer – im Predigerseminar der Bekennenden Kirche – soll er gesagt haben: "Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen." Bonhoeffer, der selbst ein großer Freund der Musik ist, der selbst Klavier spielt und Lieder komponiert, richtet seine Kritik gegen seinen alten Lehrer, Karl Barth. Karl Barth hielt zwar nichts von der Ideologie und dem Treiben der Nationalsozialisten. Aber – anders als Bonhoeffer, der sich offen politisch äußerte – zog es Barth vor, sich in seine Frömmigkeit zurückzuziehen und darin seinen Widerstand gegen das Dritte Reich zu leben. Dagegen bringt Bonhoeffer in aller Schärfe auf den Punkt, wovon er fest überzeugt war: Christentum bedeutet nicht Flucht aus der Welt, sondern Einsatz für die Welt. Und genau darum geht es auch bereits in der Kritik Gottes, die er an sein Volk Israel richtet. Amos lebt zu einer Zeit in der das Nordreich Israels unter Jerobeam II. in großer wirtschaftlicher Blüte steht. Umso mehr leidet Amos – zusammen mit dem liebenden Gott – darunter wie einseitig dieser Reichtum verteilt ist und mit welchen ausbeuterischen Methoden die Oberschicht im Nordreich arbeitet, um ihren Reichtum zu halten und zu vermehren. Das Unrecht im Nordreich schmerzt Amos so sehr, dass er sich aus seiner sicheren Position als Rinderhirte und Feigenzüchter im Süden Israels aufmacht, um in den Norden zu ziehen und dort seine Stimme zu erheben. Er kann nicht länger zusehen, wie Unrecht zu Recht gemacht wird, wie die Schwächsten der Schwachen ausgebeutet werden, wie sich Menschen an anderen Menschen bereichern, wie Witwen, Weise, Alte und

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