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BESTANDSAUFNAHMEN ZU INKLUSION

SCHRIFTEN ZU DISABILITY & DIVERSITY VOL. 2 | 03/2018 Im Rahmen der Lehrveranstaltung Bildung: Teilhabe und Inklusion

THEATER ALS WERKZEUG

THEATER ALS WERKZEUG FÜR INKLUSION veranschaulicht. Es geht darum, einen Einblick in ihre Alltagswelt zu gewinnen und ihre persönlichen Erfahrungen mit dem inklusiven Theaterspiel zu schildern. Karl-Heinz Hillmann definiert den Begriff „Kultur“ im Wörterbuch der Soziologie wie folgt: „Kultur (von lat. cultura, ursprünglich = Ackerbau, später allg. Veredelung, Pflege, Vervollkommnung) ist die Gesamtheit der Lebensformen, Wertvorstellungen und der durch menschlichen Aktivitäten geformten Lebensbedingungen einer Bevölkerung in einem historisch und regional abgrenzbaren (Zeit-)Raum. Zur Kultur gehören: alle (von vorausgegangenen Generationen) übernommenen und im Prozess der Weiterentwicklung und Veränderung befindlichen materiellen Gestaltungsformen der Umwelt (Bauten, Werkzeuge, Geräte); das Wissen und die Nutzung von gesetzmäßig ablaufenden Naturprozessen einschließlich des menschlichen Lebens (Wissenschaft und Technik); alle Ideen, Werte, Ideale, Sinngebungen und Symbole; die Methoden und Institutionen des gesellschaftlichen Zusammenlebens“ (Hillmann, 2007, S. 471). Kulturpolitik in weiterer Folge bedeutet nach Hillmann: „Kulturpolitik (von lat. cultura = Ackerbau, Pflege und griech. politike techne = Staatskunst) meint die politische und gesellschaftliche Steuerung und Implementation kultureller Einrichtungen. Kulturpolitik kann sowohl von privaten als auch staatl. Institutionen betrieben werden“ (Hillmann, 2007, S. 475). Diese Definition ist grundlegend für das Verständnis von Theater als Kommunikation mit der Politik, worauf im folgenden Kapitel eingegangen wird. 2. Theater – Kommunikation mit der Politik Kultur, Politik und soziale Rahmenbedingungen können durch eine Interaktion zwischen diversen Bevölkerungsschichten und politischen Entscheidungsträgern miteinander in Verbindung gebracht werden. Dies stellt sich im Rahmen des „Theaters der Unterdrückten“ (Vogtmann, 2010, S. 23) als geeignete Maßnahme zur Verbesserung der Lebenssituationen unterschiedlicher Randgruppen als effizient heraus (Vogtmann, 2010). Menschen, die eine benachteiligende Behandlung durch Gesellschaft und Politik erfahren, können sich mit Hilfe kreativen Schaffens ausdrücken. Als Voraussetzung für eine partizipative Herangehensweise müssen bei politischen Entscheidungsprozessen die unterschiedlichen Lebenssituationen der Mitwirkenden in Betracht gezogen werden. Ein vielversprechender Weg dahin ist das Theaterspielen als Werkzeug der Inklusion. Aufführungen vor Ort im politischen Milieu schaffen Gehör bei Entscheidungsträgern und fördern die Bereitschaft zur Kommunikation zwischen Betroffenen und Politikern (Wrentschur, 2016). Menschen der „Randgesellschaft“ können durch das Theater eine Möglichkeit finden, soziale und politische Themen zu beeinflussen und sich zugleich mit ihren Lebenssituationen konstruktiv auseinandersetzen. Das Theater ermöglicht eine Interaktion zwischen Betroffenen und anderen Angehörigen der Gesellschaft bzw. den Einflussträgern des politischen Geschehens, die sonst nicht stattfinden würde. Somit können Barrieren niedergerissen werden und ein gemeinsamer Diskurs kann stattfinden. 14

THEATER ALS WERKZEUG FÜR INKLUSION Das sogenannte „Legislative Theater“ (Wrentschur, 2016, S. 54), das von Augusto Boal, einem ehemaligen Stadtrat in Rio de Janeiro in Brasilien, ins Leben gerufen wurde, ermöglichte Anfang der 90er Jahre die Mitsprache von Angehörigen der sogenannten Randgesellschaften am politischen Geschehen. Die Laienschauspieler erarbeiteten Theaterstücke, in denen sie aktuelle Problemstellungen und Verbesserungsvorschläge darstellten und somit einen Einblick in ihre Lebenssituationen boten. Sie leisteten Sensibilisierungsarbeit für Themen, die dringend öffentliche Aufmerksamkeit benötigten. Das Ergebnis führte dazu, dass politische Entscheidungsträger anhand der vorgebrachten Anregungen Lösungen erarbeiteten. Dreizehn Gesetze wurden dadurch abgeschafft; so zum Beispiel im Bereich der Antidiskriminierung: Hier wurde ein neues Gesetz bezüglich Motels eingeführt, das verbot, unterschiedliche Preise für hetero- und homosexuelle Paare zu verlangen (Wrentschur, 2016, S. 59). Solche Maßnahmen können als eine äußerst konstruktive Herangehensweise angesehen werden, um die Lokalbevölkerung mit einzubeziehen. Dadurch kann das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl der Betroffenen gestärkt werden, was positive Auswirkungen auf deren Gesundheit und Wohlbefinden haben kann. Auch bietet es diesen Menschen eine Möglichkeit, einer (hoffentlich) positiveren Zukunft entgegenzusehen. Die Möglichkeit einer solchen Teilhabe kann dazu führen, dass die Betroffenen selbst Informationsarbeit leisten und andere Selbstbetroffene informieren und dazu ermutigen, selbst Initiative zu ergreifen (Wrentschur, 2016). Auch in Österreich fand diese Form des Theaters Aufmerksamkeit. Im Rahmen von InterACT können ausgrenzungs- und armutsgefährdete Menschen ihrer Stimme Gehör verschaffen. So vermittelten zum Beispiel wohnungslose Menschen die Schwierigkeiten, unter denen sie den Alltag zu meistern haben. Sie brachten Verbesserungsvorschläge und Ideen ein, die mit den Entscheidungsträgern diskutiert wurden. Eines der Theaterstücke führte schließlich zur Abschaffung eines Landesgesetzes in der Steiermark. In einem weiteren Projekt im Rahmen von InterACT veranschaulichten junge Mitglieder benachteiligter Gruppen für politische EntscheidungsträgerInnen, welche negativen Auswirkungen Mobbing, Diskriminierung und Gewalt auf Schulleistungen haben. Auch die oftmals schlechte Behandlung von Lehrlingen und PraktikantInnen wurde thematisiert. Als Folge kam es zu einer „Änderung einer bundesweit geltenden Regelung beim AMS“ (Wrentschur, 2016, S. 60). Welche Änderung dies im Detail betrifft, konnte nicht eruiert werden. Eine weitere Möglichkeit, das Theaterspielen als ein integratives Werkzeug zu nutzen, ist das Improvisationstheater. Hierbei wird ein Basisthema oder eine Basishandlung vorgegeben, der Verlauf und die Ausführung entstehen durch die SchauspielerInnen aus dem Stegreif. Diese Form des Theaters kann als eine ausgezeichnete Variante für die Zusammenführung von Menschen unterschiedlicher Herkunft gesehen werden. Der Prozess des Kennenlernens basiert hier auf Kreativität, Subjektivität und einem gemeinsamen Interesse. Durch zahlreiche 15

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