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BESTANDSAUFNAHMEN ZU INKLUSION

SCHRIFTEN ZU DISABILITY & DIVERSITY VOL. 2 | 03/2018 Im Rahmen der Lehrveranstaltung Bildung: Teilhabe und Inklusion

THEATER ALS WERKZEUG

THEATER ALS WERKZEUG FÜR INKLUSION Übungen und gemeinsames Arbeiten werden Hürden überwunden, neue Wirklichkeiten erfahren und Persönlichkeiten gebildet. Kulturelle Unterschiede spielen bei dieser Art des Lernens kaum eine Rolle, da Offenheit für Neues und gegenseitige Akzeptanz Voraussetzungen für funktionierendes Schaffen darstellen (Freisleben- Teutscher, 2015). 3. Inklusives Theater als aktuelles Beispiel Barbara H. hat von Geburt an eine Lernbehinderung und lebt unterstützt von einigen WohnassistentInnen selbstständig in ihrer Wohnung. Nach Beendigung ihrer Schulzeit probierte Barbara verschiedene Tagesbetreuungsmöglichkeiten für sich aus, konnte aber keine für sie Passende finden und verbringt deswegen sehr viel Zeit zu Hause. Barbara H. versucht, begleitet von ihrer Wohnassistenz, unabhängiger von der Hilfe ihrer Mutter zu werden. Besonders wichtig ist ihr aber auch, verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für sich zu finden. Im Sommer 2017 lernt Barbara H. „Tingel Tangel“, ein inklusives Theater- und Musikfestival, kennen. Für den September wird eine Aufführung eines Theaterkrimis am Tummelplatz in Graz geplant. Dazu muss im Laufe des Sommers mehrmals in der Woche geprobt werden. Kurze Inhaltsangabe des Theaterstücks: Ein Graf und eine Gräfin haben eine wertvolle Bildersammlung. Ihr Butler steckt mit einem Einbrecher unter einer Decke und die Bilder werden gestohlen. Die Polizei klärt das Verbrechen jedoch erfolgreich auf und die Schuldigen werden eingesperrt. Das Teilnehmen an den Proben und das gemeinsame Erarbeiten eines Theaterstücks bedeuten für Barbara H. ein erstrebenswertes Ziel und eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Sie wird herausgefordert, etwas Neues auszuprobieren, muss Texte auswendig lernen und bekommt schon während der Proben viel Anerkennung. Die sozialen Kontakte zu den TheaterkollegInnen mit und ohne Behinderung machen ihr viel Freude. Höhepunkt war dann ein sehr gelungener Auftritt auf einem öffentlichen Platz in Graz. In einem Interview mit ihrer Wohnassistentin erzählt sie, dass ihr dabei das Berühmtwerden das Wichtigste wäre. Sie gibt Autogramme und kann ihre ganze Familie, welche auch zur Vorstellung kam, mit ihrer Leistung beeindrucken. Barbara H. genießt es, wenn viele Leute zu ihren Auftritten kommen und ihr zuschauen. Das sei für sie ein lustiges Gefühl. Auch die Kontakte zu ihren TheaterkollegInnen sind ihr wichtig. Derzeit probt Barbara H. schon wieder mit voller Begeisterung am nächsten Stück (Riedrich, 2017). 4. Fazit Inklusives Theater eröffnet SchauspielerInnen und AkteurInnen die Möglichkeit, mit ihrem Publikum zu kommunizieren und auf bestimmte Problemstellungen aufmerksam zu machen. Es gewährt eine partizipative Herangehensweise bei politischen Entscheidungsprozessen und zeigt auch Verbesserungsvorschläge auf. An den im Artikel erwähnten Beispielen wie Improvisationstheater, InterACT sowie Legislatives Theater, wird veranschaulicht, dass die Interaktion der Betroffenen mit Angehörigen der Gesellschaft und politischen Einflussträgern bereits beachtliche Erfolge erwirkt hat. 16

THEATER ALS WERKZEUG FÜR INKLUSION Dadurch wurden Barrieren überwunden und ein gemeinsamer Diskurs eröffnet. In einigen Fällen wurden bereits Lösungen erarbeitet sowie diskriminierende Gesetze abgeschafft. Das inklusive Theater ist anhand des Beispiels der jungen, talentierten Frau aus Graz auch als sinngebend zu verstehen. Durch das Theaterspielen erfährt Frau H. Anerkennung und kann sich auch ein Stück weit von ihrer Mutter emanzipieren. Sie knüpft soziale Kontakte und ist in der Lage ihre Freizeit selbst zu gestalten, wobei sie auch noch ihre besonderen Fähigkeiten entdeckt. Das Theaterspiel ist eine äußerst konstruktive Herangehensweise um die Bevölkerung miteinzubeziehen. Die Betroffenen selbst leisten Informationsarbeit, wodurch ihr Selbstvertrauen gestärkt wird. Theaterspielen ist somit ein effektives Werkzeug und ein vielversprechender Weg zur Inklusion. Quellen: Freisleben-Teutscher, Christian F. (2015). Einsatz von Methoden aus der Angewandten Improvisation und aus der Theaterpädagogik im Bildungsbereich. Zugriff am 6.1.2018 unter http://www.improflair.at/ipfl/wp-content/uploads/2015/10/Einsatz-von-Methoden-aus-der- Angewandten-Improvisation-und-aus-der-Theaterp%C3%A4dagogik-im-Bildungsbereich.pdf. Hillmann, Karl-Heinz (2007). Wörterbuch der Soziologie (5. Auflage). Stuttgart: Alfred Kröner Verlag. Riedrich, Maria (2017). Interview mit Barbara H. Caritas Graz. Vogtmann, Anne (2010). Multidisciplinary Online Journal Helikon. Augusto Boals Theater der Unterdrückten: revolutionäre Ideen und deren Umsetzung. Zugriff am 2.2.2018 unter http://www.helikon-online.de/2010/Vogtmann_Boal.pdf. Wrentschur, Michael (2016). Demokratische Bildung und Beteiligung nahe an den Lebenswelten. Möglichkeiten des Legislativen Theaters. Magazin erwachsenenbildung.at, 28, 54– 63. Zugriff am 06.01.2018 unter https://erwachsenenbildung.at/magazin/16-28/meb16- 28.pdf. 17

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