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SCHRIFTEN ZU DISABILITY & DIVERSITY VOL. 2 | 03/2018 Im Rahmen der Lehrveranstaltung Bildung: Teilhabe und Inklusion

WIE EINE REISEPLATTFORM

WIE EINE REISEPLATTFORM ZU MEHR INKLUSION BEITRAGEN KANN der Reise etc. gereiht. Dies kann dahingehend ausgelegt werden, dass Menschen mit Behinderung ihre Unterkunft im Urlaub als äußerst wichtig einstufen und weiterführend auch die Bewertung des gesamten Urlaubs davon abhängen kann, ob eine Unterkunft den Bedürfnissen des/r Reisenden entspricht oder nicht. Abgesehen davon, verleiht der Umstand, dass fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens ob mit dem Kinderwagen, im höheren Alter oder eben aufgrund einer Behinderung barrierefreie Angebote im Urlaub in Anspruch nehmen möchte, der Einrichtung von barrierefreien Unterkünften nochmals sehr viel Bedeutung. Der Forderung nach mehr barrierefreien Unterkünften folgt natürlich die Forderung, dass solche Zimmer und Unterkünfte auf eine barrierefreie Art und Weise gefunden und gebucht werden können (Allemeyer et al., 2003). Abbildung 1: Rangfolge der Bedeutung der Elemente der Servicekette (Allemeyer et al., 2003) 2. Hintergründe – to enable anyone to go anywhere Durch Reisen unvergessliche und aufregende Erlebnisse und Erfahrungen machen, Träume und Wünsche wahr werden lassen, Freundschaften knüpfen, verschiedene Kulturen kennen lernen oder kulinarische Höhepunkte erleben. All diese Aspekte können mit Reisen in Verbindung gebracht werden, doch Reisen bedeutet viel mehr: nämlich Freiheit, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und das Führen eines autonomen Lebens! Das Bedürfnis nach Urlaub haben viele Menschen, jedoch für Menschen mit Behinderungen ist das Reisen oftmals mit Problemen verknüpft. Barrierefreies Reisen ist ein Zeichen von Selbstbestimmtheit, aber auch von Zugehörigkeit. Und genau dieser Wunsch nach Freiheit veranlasste Srin Madipalli und Maryn Sibley, zwei Kindheitsfreunde mit spinaler Muskelatrophie, die ganze Welt zu bereisen. Auf diesen Reisen wurden sie immer wieder mit denselben Herausforderungen konfrontiert: Wie findet ein Mensch mit Behinderung am besten und schnellsten barrierefreie Unterkünfte und welche Informationen sind vertrauensvoll? Diese Schwierigkeiten bewegten Maryn Sibley und Srin Madipalli dazu, tätig zu werden und das Reisen für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern. Letztendlich entwickelte sich aus dieser Eigeninitiative die Online-Plattform Accomable (Accomable, 2017). Um herauszufinden, welche Unterkünfte wirklich für alle Menschen zugänglich sind, reiste Madipalli durch ganz Europa. Darüber hinaus wurde Madipalli von Freunden und den sozialen Medien unterstützt, die ihm zusätzliche Auskünfte über einzigartige und barrierefreie Unterkünfte zukommen ließen. Im Sommer 2015 wurde Accomable gegründet und bereits zwei Jahre später im 28

WIE EINE REISEPLATTFORM ZU MEHR INKLUSION BEITRAGEN KANN November 2017 schloss sich die Online- Plattform mit Airbnb zusammen. In nur zwei Jahren haben sich Srin Madipalli und Maryn Sibley selbst organisiert und einen weiteren Meilenstein in Richtung Inklusion gemacht (Accomable, 2017). „Selbstbestimmung ist eine Lebenseinstellung und eine Ideologie, aus der eine weltweite Bewegung hervorgegangen ist.“ (Glaser, 2009). Mit „Accomable“ ist es den beiden Gründern gelungen, vielen Menschen zu ermöglichen, dorthin zu reisen, wohin sie möchten. Basierend auf vielfältigen Wahlmöglichkeiten unter hunderten von Unterkünften auf verschiedenen Kontinenten der Welt können Menschen mit Behinderungen ihre Traumdestination wählen und erfahren gleichzeitig, welche barrierefreien Zugänge und unterstützenden Hilfsmittel in der jeweiligen Unterkunft vorhanden sind (Accomable, 2017). 3. Der Aufbau der Website Die Internetseite, welche derzeit nur in englischer Sprache verfügbar ist, ist ähnlich der Webseite „Airbnb“ sehr einfach und übersichtlich gestaltet. Auf der Startseite finden sich weiterführende Links und eine Suchfunktion, mit welcher nach der Wunschdestination gesucht werden kann. Daraufhin werden Unterkünfte in und rund um die jeweilige Destination angezeigt. Des Weiteren kann nach Art der Unterkunft, der Personenanzahl, der Reisedauer und der Bedürfnisse der Barrierefreiheit gefiltert werden. Folgende Kriterien sind auf der Internetseite aufgelistet: Raumzugänglichkeit: Barrierefreie Dusche, Haltegriffe, Duschsessel; Ausstattung: Deckenlift, mobiler Hebelift, Poollift, elektrisches verstellbares Bett und Leihrollstuhl. Nach der Auswahl der Kriterien der Barrierefreiheit werden auf der Internetseite alle Unterkünfte angezeigt, welche diese Kriterien erfüllen. Ebenso wird bei jeder Unterkunft angezeigt, in welchem Ausmaß die Barrierefreiheit gegeben ist. Die Internetseite setzt dabei auf einfache Symbole. Am Beispiel von stufenlosen Zugängen werden alle Räume aufgelistet und mit einem ‚X‘ für nicht barrierefrei und einem ‚‘ für barrierefrei gekennzeichnet. Mit Stand Dezember 2017 sind auf der Internetseite 535 Unterkünfte unter anderem in Europa, Asien, Nordamerika, Australien und Südamerika gelistet (Accomable, 2017). 4. Die Entwicklung der letzten Jahre Die Anfänge und die Geschichte von Airbnb zeigen, dass das Konzept von Accomable vielversprechend und bahnbrechend für Menschen mit Behinderungen sein kann. Das Unternehmen Airbnb begann als Startup im Silicon Valley in Kalifornien und entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem Billionen Dollar Unternehmen, welches Millionen Unterkünfte in 191 Ländern gelistet hat. Für Airbnb war bereits vor dem Zusammenschluss mit Accomable das Thema Vielfalt, zu dem auch Menschen mit Behinderungen gehören, ein wichtiges Anliegen: „Im Mittelpunkt unserer Mission steht der Glaube, dass jeder Mensch grundsätzlich gut ist und dass jede Community ein Ort ist, an dem man sich zugehörig fühlen kann. Ich bin überzeugt, dass [Diskriminierung] die größte Herausforderung ist, der wir uns als Unternehmen stellen müssen. Es geht dabei um das grundlegende Verständnis davon, wer wir sind und für welche Werte wir stehen.“ so Brian Chesky, CEO von Airbnb (CNET, o. D.). Nach dem Zusammenschluss mit Accomable veröffentlichte das Unternehmen am 16. November 2017 einen Blogbeitrag, der barrierefreies Reisen behandelt. In diesem Beitrag sprach 29

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