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BESTANDSAUFNAHMEN ZU INKLUSION

SCHRIFTEN ZU DISABILITY & DIVERSITY VOL. 2 | 03/2018 Im Rahmen der Lehrveranstaltung Bildung: Teilhabe und Inklusion

WIE EINE REISEPLATTFORM

WIE EINE REISEPLATTFORM ZU MEHR INKLUSION BEITRAGEN KANN sich Airbnb dafür aus, es als Mission zu sehen, die Welt so zu gestalten, dass sich jeder Mensch, egal ob mit oder ohne Behinderung, zugehörig fühlt. Das Unternehmen sprach mit Interessensvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen und selbstbetroffenen Reisenden, um durch deren Erfahrung eine Verbesserung herbeizuführen. Airbnb hat ein Team zusammengestellt, das dafür zuständig ist, die Internetseite für jeden zugänglich zu gestalten. Der Farbkontrast der Seite wurde verbessert und Symbole gezielt eingesetzt, um die Seite übersichtlicher zu machen. Ebenso wurden Fotos, die mit Texten versehen waren, dadurch vereinfacht, dass die Texte entfernt wurden. Außerdem wurde eine Kooperation mit einer Organisation für Blinde und sehbeeinträchtigte Menschen geschlossen. Diese Veränderungen sind für Airbnb der Anfang davon, Menschen mit Behinderungen barrierefreies Reisen zu ermöglichen (Airbnb, 2017b). 5. Theoretische Aspekte „In der Behindertenrechtskonvention geht es nicht mehr um die Integration von “Ausgegrenzten”, sondern darum, von vornherein allen Menschen die uneingeschränkte Teilnahme an allen Aktivitäten möglich zu machen. Nicht das von vornherein negative Verständnis von Behinderung soll Normalität sein, sondern ein gemeinsames Leben aller Menschen mit und ohne Behinderungen. Folglich hat sich nicht der Mensch mit Behinderung zur Wahrung seiner Rechte anzupassen, sondern das gesellschaftliche Leben Aller muss von vornherein für alle Menschen (inklusive der Menschen mit Behinderungen) ermöglicht werden.“ (UN-Behindertenrechtskonvention, o. D.). Kurz gesagt versteht man unter Inklusion die Gleichberechtigung, die Chancengleichheit, aber auch die gleichen Rechte und Pflichten aller Menschen ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung o- der sonstigem Stand zu machen (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 1948). Weiterführend verpflichtet der Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention zur Gestaltung des kulturellen Lebens, dass auch Menschen mit Behinderungen der gleichberechtigte Zugang zu allen möglichen Aktivitäten und Angeboten ermöglicht wird. Ins Kino zu gehen, Konzerte zu besuchen, sich Theatervorstellungen anzusehen, Bibliotheken aufzusuchen oder zu verreisen, all diese Dinge sind ein Teil des kulturellen Lebens (UN-Behindertenrechtskonvention, 2006). Setzt man Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention nun in Verbindung mit Reisen, so muss ein barrierefreier Zugang zu den Verkehrsmitteln, aber auch zu den Unterkünften, Apartments oder Hotels bestehen. Die Online-Plattform „Accomable“ kann einem Menschen einen Überblick über barrierefreie Unterkünfte in über 60 Ländern geben und ist deswegen speziell für Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen von großem Vorteil. Vertieft man das Thema Inklusion, so gibt es insgesamt neun Kriterien zur Inklusion nach Schwalb & Theunissen (2009, S. 17– 21), wobei im Speziellen vier Kriterien in Zusammenhang mit Reisen mit Behinderungen gebracht werden können. Recht auf Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und Partizipation, Barrierefreiheit, kontextuelle Veränderungen und Anpassungen sowie Angebote aus der Betroffenen-Perspektive 30

WIE EINE REISEPLATTFORM ZU MEHR INKLUSION BEITRAGEN KANN zählen unter anderem zu diesen neun Kriterien. „Das eigene Leben zu gestalten und in Bezug auf die eigene Lebensqualität frei von allen unnötigen, übermäßigen, externen Einflüssen, Einmischungen oder Beeinträchtigungen selbst Entscheidungen treffen zu können“, so bestimmt Wolfgang Glaser im Jahr 2009, der aufgrund eines offenen Rückenmarks auf einen Rollstuhl angewiesen ist, Selbstbestimmtheit. Partizipation und Selbstbestimmtheit, eigenständig Entscheidungen treffen zu können und mehrere Wahlmöglichkeiten zwischen vielfältigen Alternativen zu haben – all dies ermöglicht „Accomable“. Barrierefreiheit ist in allen Unterkünften, die auf „Accomable“ gelistet sind, gegeben, darüber hinaus besteht die Möglichkeit, nach den eigenen Wünschen, individuellen Bedürfnissen und notwendigen Hilfsmitteln zu filtern und in weiterer Folge die passende Unterkunft zu finden. Es liegt an den Menschen, die Kontexte so zu verändern und anzupassen, um Barrierefreiheit zu schaffen und demzufolge wichtige soziale und kulturelle Systeme verfügbar und zugänglich zu machen. Von Wichtigkeit ist es hierbei, alle Verkehrsmittel zugänglich zu gestalten, um überhaupt verreisen zu können und folglich zur gewünschten Unterkunft zu gelangen. 6. Ausblick „Accomable“ stellt ein Angebot dar, das aus Eigeninitiative und der Betroffenen-Perspektive heraus entstanden ist. Zwei Männer mit spinaler Muskelatrophie sind die Gründer und Gesichter hinter der Online- Plattform. Wie bereits erwähnt, hat Airbnb das Start-up Unternehmen „Accomable“ gekauft und setzt damit ein klares Zeichen. Menschen mit Behinderungen und ohne Behinderungen arbeiten nun an einer gemeinsamen Vision und kooperieren miteinander, um die Auswahl an verfügbaren barrierefreien Unterkünften auf „Accomable“ immer weiter zu erhöhen. Es ist wichtig, solche Vorzeigeprojekte bekannter zu machen, um mehr Menschen zu erreichen, die sich von solchen Ideen inspirieren lassen, um die Welt weiterhin positiv in Hinblick auf Inklusion und Teilhabe zu verändern. Außerdem soll somit aufgezeigt werden, dass sich die Welt und ihre Bewohner und Bewohnerinnen in keiner Lage des Stillstands befinden und jede noch so kleine und einfache Idee in ihrer Ausführung das Leben vieler tausender Menschen verbessern kann. Accomable ist ein Mittel zur Selbstbestimmung, dass von zwei starken Menschen erfunden und letztendlich auch realisiert wurde. Aus sowohl positiven als auch negativen Reiseerfahrungen entstand das Konzept für Accomable, einer Online- Buchungsplattform, deren Unterkünfte auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen, Menschen im höheren Alter sowie Menschen mit anderen Benachteiligungen abgestimmt sind. So einfach kann Selbstbestimmung und der Weg zur Inklusion sein. 31

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