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DER KUNSTBLITZ |

DER KUNSTBLITZ | KUNSTHALLE ROSTOCK Die Kunsthalle Rostock richtet dem Leipziger Künstler Erich Kissing noch bis 1. Mai 2018 eine große Werkschau aus. Unter dem Titel „Erich Kissing und Kerstin. Maler und Modell“ werden etwa 60 Gemälde von Erich Kissing gezeigt und damit nahezu sein gesamtes malerisches Werk. Ein zweiter Teil der Ausstellung thematisiert die Bedeutung des Leipziger Modells Kerstin für Kissing und eine Reihe weiterer Künstler, darunter Michael Triegel und Günter Rössler. Kentauren bevölkern die Bilder. Erich Kissing steht mit seinem Schaffen zweifellos in der Tradition des Symbolismus, doch fehlt seinen Gemälden jenes Dunkle, Religiöse, Sündige und Halluzinative, welches so charakteristisch ist für die Künstler jener Selten gezeigt: Erich Kissing Die Gemälde Erich Kissings sind nur selten öffentlich zugänglich; die letzte große Einzelausstellung richtete 2010 das Panorama Museum Bad Frankenhausen aus. Nun ergibt sich in der Kunsthalle Rostock die seltene Möglichkeit der Entdeckung dieses einzigartigen Werkes. Kissing (* 1943) studierte Malerei an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer. Die Überschaubarkeit seines 64 Gemälde umfassenden malerischen Oeuvres liegt begründet in der aufwendigen, feinmalerischen Technik, in der Kissing oft mehrere Jahre an einem Bild arbeitet. In ihnen entspinnen sich zumeist surreale Szenen: vom Künstler erfundene Flugapparate, gezähmte Mischwesen, Mondlandungen und Michael Triegel, Persephone und Orpheus 2012, Mischtechnik auf Leinwand 200 x 110 cm Museum Barberini, Potsdam VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Foto: Martin Url, Frankfurt am Main Richtung. Vielmehr verhandelt er in seinen Bildern - mal sensibel, mal ironisch - die Beziehung zwischen Mann und Frau. Insbesondere wird dies in seinen Kentaurenbildern deutlich, wo aus den wilden, wollüstigen antiken Kreaturen, freundliche und umsorgende weibliche Mischwesen werden. 34 FRÜHLING | 2018

Kerstin. Ein Modell und seine Leipziger Künstler Im zweiten Teil beschäftigt sich die Ausstellung mit der langjährigen Verbindung Kissings zu dem Leipziger Modell Kerstin: berüchtigte Künstler-Modell-Konstellationen, in denen das Modell als ästhetische oder erotische Muse, als Maßstab des eigenen Schönheitsbegriffs, nicht selten als Lebensgefährtin des Künstlers wirkte. Die Besonderheit der Ausstellung liegt in Erich Kissing, Jenseits von Leipzig 2003–04, Eitempera und Öl auf Leinwand 147 x 235 cm courtesy Galerie Schwind, Leipzig © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Foto: Christoph Sandig, Leipzig dieser zarte, ätherische Frauentypus, der in insgesamt 17 Gemälden Erich Kissings auftaucht: seit 1998 ist Kerstin sein Lieblingsmodell. Seit jeher haben weibliche Modelle eine besondere Bedeutung für Maler, Bildhauer und Fotografen. Die Kunstgeschichte kennt zahlreiche berühmte und teilweise der neuen Sichtweise auf Leipziger Kunst aus der Perspektive eines Modells. Leipzig und seine Kunstentwicklung nimmt dabei eine Sonderstellung ein: Die traditionelle Ausbildung an der dortigen Kunsthochschule, der Fokus auf gegenständliche, metaphorisch-fabulierende Malerei bildet 35

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