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DER KUNSTBLITZ | CLEMENS

DER KUNSTBLITZ | CLEMENS SELS MUSEUM NEUSS (v.l.) Museumsdirektorin Dr. Uta Husmeier-Schirlitz, Stifter Francisco Ces Hernandez und Kurator der Ausstellung Dr. Ulf Sölter. (Foto Angela van den Hoogen) Himmel hilf! Die Sammlung Ces Hernandez Bis zum 2. 9. 2018, Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik, Kirkeby-Feld, Neuss Über dreieinhalb Jahrzehnte hin hat der spanische Sammler Francisco Ces Hernandez eine auf den ersten Blick unüberschaubare Fülle an Andachtsbildern »aus aller Herren Länder« zusammengetragen. Das Ergebnis ist eine Kollektion von 5.000 (in Worten: fünftausend) Objekten unterschiedlichster Art, Aussage und Qualität, die im August des Jahres 2016 als Geschenk an das Clemens Sels Museum Neuss ging und jetzt, wie könnte es anders sein, im Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik im Kulturraum Hombroich, für ein gutes halbes Jahr zu bewundern ist. Natürlich verbietet die kolossale Menge eine auch nur annähernd vollständige Präsentation. Doch die Notwendigkeit der Selektion hat tatsächlich so viele schöne, ausdrucksvolle Stücke zum Vorschein gebracht, dass der recht intime Raum im Feld- Haus reich gefüllt ist mit den zauberhaften, kleinformatigen Bildchen, die uns in Zeiten zurückführen, als Glauben und Fürbitte, tiefe Religiosität, Wallfahrten und fromme Innerlichkeit die materialistische Welt noch leicht in Schach hielten. Die zumeist kleinformatigen Andachtsbildchen wurden in Gesang- 52 FRÜHLING | 2018

Halbfigurenbild des Heiligen Joseph „Saint Joseph“ mit dem Christusknaben und einem Lilienzweig, Frankreich um 1880‚ Goldgeprägtes Stanzspitzenbild mit aufgelegter, geprägter Chromolithografie und Gebetsbüchern aufbewahrt – wer Glück hat, stößt heute beim Durchblättern älterer Ausgaben auf derartige »Lesezeichen« –, sie dienten als Schmuck und erinnerten an besondere Lebensabschnitte oder -ereignisse. Die frühesten Stücke der Sammlung Ces Hernandez datieren aus dem 16. Jahrhundert und sind ganz nebenbei Zeugnisse der weitverbreiteten druckgrafischen Techniken, dem Holzschnitt und dem Kupferstich. Im 18. Jahrhundert erlebte das Andachtsbild seine Blüte (während sich interessanterweise die Aufklärung ausbreitete), die als Nachblüte noch bis ins 20. Jahrhundert hineinreichte. Die aktuelle Ausstellung präsentiert bis zum 2. September rund einhundert feine, detailfreudige Klein- und Kleinstdrucke überwiegend aus dem 19. Jahrhundert zeigen. Es handelt sich dabei unter anderem um Stanzspitzenbilder und Kulissenkarten, Chromolithographien oder Radierungen, die – sorgsam ausgeführt und liebevoll aufbewahrt – die Jahrhunderte überdauert haben. Es sind vor allem Darstellungen des Heilands, der Gottesmutter Maria, der Heiligen Dreifaltigkeit und der Heiligen, die einst zu verschiedensten Zwecken verschenkt oder verteilt wurden. Zur ersten Kommunion etwa gab es Blätter des Heiligen Abendmahls oder Darstellungen Christi mit Kelch und Hostie. Mit Totenzetteln erinnerte man an die Dahingegangenen – oft mit einer Pièta, der schmerzenreichen Mutter Gottes mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoß. Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik Berger Weg 5, 41472 Neuss Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 11–17 Uhr 53