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physio-Journal I 1/2018

TITELTHEMA positive

TITELTHEMA positive Effekte auf Depressionen und Lebensqualität Problem Beide Gruppen wurden in Stufen eingeteilt und somit erhielten beide Gruppen BGM. Es wird aus der Studienbeschreibung nicht ganz klar, wie dies funktioniert. Es ist fraglich, ob es sich hierbei um eine wirkliche Kontrollgruppe handelt, so dass die Ergebnisse auch skeptisch zu betrachten sind. Demirtürk et al. (2016) Demirtürk et al. (2016) verglichen die Wirkung von Reflexzonenmassage und BGM bei primärer Dysmenorrhoe. 30 Patientinnen mit primärer Dysmenorrhoe wurden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt, dabei erhielt eine Gruppe BGM und die andere Gruppe Fußreflexzonenmassage. Intervention Der Beginn lag am dritten oder vierten Tag der Menstruation, das Ende am ersten Tag des nächsten Menstruationszyklus. Die Fußreflexzonenmassage wurde an 3 Tagen à 30 Minuten pro Woche durchgeführt und enthielt eine allgemeine Fußmobilisation sowie die Behandlung folgender Reflexzonen: Solar Plexus Hypothalamus und Endokrines System Unterer Bereich WS (T10–L5) Medulla Spinalis Uterus, Vagina, Ovarien Tuben Brust Die BGM wurde hingegen an 5 Tage pro Woche für jeweils 5–20 Minuten angewandt. Dabei startete die Behandlung immer mit dem Grundaufbau und wurde dann um weitere Regionen erweitert. Sie enthielt folgende Elemente: Grundaufbau (Lumbosacral) Untere BWS Scapuläre und interscapuläre Region Cervico – occipitale Region Die Frequenz und Dauer der Technik differierte und richtete sich nach Diagnose und Zielen des Therapeuten oder den Anforderungen der Patienten. Messparameter Gemessen wurden folgende Parameter: Schmerzdauer und Intensität Schmerz bei Aktivitäten – Konzentration auf eine Aufgabe, sportliche und soziale Aktivitäten Gebrauch an Schmerzmitteln Gemessen wurde sowohl vor Beginn der Behandlung sowie nach dem Ende der Behandlungsserie (2. Menstruation) und einem Monat später (3. Menstruation) Keine Studienteilnehmerin nahm orale Kontrazeptiva. Ergebnis Bei beiden Gruppen kam es zu signifikanten Verbesserungen (kürzere Schmerzdauer, geringere Schmerzintensität, weniger Schmerzmittelgebrauch), aber keine Therapie war der anderen überlegen. Die Symptome nahmen in dem aktuellen und im folgenden Menstruationszyklus ab. Ähnlich verhielt es sich bei den Schmerzen bei Aktivitäten. Es kam auch hier zu signifikanten Verbesserungen. Allerdings war keine Technik der anderen überlegen. Beide Techniken senkten die menstruationsbedingten Symptome wobei der Effekt auch im nächsten Zyklus anhielt. Celenay et al. (2016) Celenay et al. (2016) untersuchte die Wirkung von Stabilisationsübungen sowie Stabilisationsübungen kombiniert mit BGM bei Patienten mit chronischem Nackenschmerz. 60 Patienten mit chronischem Nackenschmerz wurden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt. Die Patienten erhielten cervicale und scapulothorakale Stabilisationsübungen. Der Unterschied lag jedoch E V I D E N Z BINDEGEWEBSMASSAGE darin, dass die Interventionsgruppe zusätzlich noch mit BGM behandelt wurden. Messparameter Die untersuchten Parameter waren: Nackenschmerzen (Instrument: Neck-Disability Index) Angst (Instrument: Angstfragebogen) Lebensqualität (Instrument: SF 36) Druckdolenz (Instrument: digitales Algometer) Schmerzintensität in Ruhe, während Aktivität und bei Nacht (Instrument: VAS) Intervention Das Stabilisationstraining enthielt zervikale und skapulothorakale Stabilisationsübungen die an 3 Tage pro Woche für 4 Wochen jeweils 40–45 Minuten durchgeführt wurden. Die BGM enthielt Striche über dem Sakrum, der LWS und dem posterolateralem Pelvis. Diese gingen über in längere paravertebrale und subcostale Striche. Zu Beginn wurde zunächst lumbosacral, dann thorakal, und anschließend cervico-occipital gearbeitet. Sobald sich das Gewebe normalisierte, wurde die Region verlassen und die nächste behandelt. Eine BGM dauerte 5–20 Minuten und wurde von einem trainierten PT durchgeführt. Vom Gefühl her sollte der Patient ein unkomfortables, kratzendes, schneidendes Gefühl bei der Durchführung angeben. Ergebnis Das Ergebnis der Untersuchung war, dass beide Gruppen eine signifikante Verbesserung der Schmerzen verzeichneten. Allerdings war die BGM-Gruppe der Vergleichsgruppe überlegen und hatte weniger Schmerz in der Nacht, eine bessere Schmerztoleranz bei Druckschmerz, weniger Angst und einen besseren mentalen Gesundheitsstatus. Holey und Dixit (2014) Holey und Dixit stellten (2014) ein Review über die physiologischen Effekte und die klinische Evidenz der BGM zusammen. Zusammenfassend kamen sie zu dem Schluss, dass es eine gewisse Evidenz gibt, die zeigt, dass BGM physiologische Effekte auf den Körper produziert. Es gibt nicht viele sehr 14 physio-Journal

TITELTHEMA gut designte klinische Studien in diesem Bereich. Die Studien indizieren, dass es einen klinischen Benefit in Bezug auf Schmerz und periphere Zirkulation gibt. Problematisch ist, dass viele Studien keine Kontrollgruppe aufweisen, die aber laut Altmann (1991) essentiell ist, um einen Effekt nachzuweisen. Insgesamt ist die Evidenzlage, die aufweist, dass BGM nutzbringend ist, eher schwach. Fazit: Evidenz der BGM? Castro Sanchez (2009) zeigte in einer guten klinischen Studie, die randomisiert war und als Bestandteil eine Kontrollgruppe sowie Follow-ups bis zu einem Jahr enthielten, gute Effekte der BGM bei PAVK. Dennoch fehlte auch hier eine Kontrollgruppe, die keine Behandlung bekam. Brattbergs (1999) Arbeit hingegen war eher undurchsichtig gestaltet, da die Unterteilung der Studien- und Kontrollgruppe zu ungenau beschrieben und nicht eindeutig erkennbar war, welche Gruppe nun BGM erhielt und welche nicht, weswegen die Ergebnisse mit Vorbehalt zu sehen sind. Demirtürk (2016) zeigte eine Studie, die zwar gut aufgestellt war, jedoch auch Schwächen und Mängel aufwies. Zum einen fehlte auch hier eine Kontrollgruppe, die keine Behandlung erhielt. Zudem war nicht ersichtlich, warum die Probanden der FRZM-Gruppe ihre Anwendung 3 x pro Woche für 30 Minuten bekamen, die BGM- Gruppe, die entsprechende Intervention jedoch an 5 Tagen pro Woche für jeweils 5–20 Minuten erhielten. Es war ein positiver Effekt im Sinne einer Schmerz- und Medikamentenreduktion vorhanden, der auch noch während des nächsten Menstruationszyklus anhielt. Allerdings war nicht erkennbar, ob dies rein durch einen Placebo Effekt entstand, da eine Kontrollgruppe fehlt, die keine Behandlung erhielt. Celenay et al. (2016) führte eine methodisch gute Studie durch, dennoch fehlte auch hier leider eine Kontrollgruppe, die keine Anwendung erhielt. Hier zeigte sich ein Benefit zu Gunsten der BGM Gruppe, die weniger Druckschmerz und einen besseren mentalen Gesundheitsstatus mit weniger Angst zeigte. Holey und Dixit (2014) kamen in ihrem Review zu einem ähnlichen Ergebnis, nämlich dass es wenig gut designte Studien gibt und häufig die Kontrollgruppe fehlt, so dass die Evidenz allenfalls als schwach zu bewerten ist. EXKURS – WARUM IST EINE KONTROLLGRUPPE WICHTIG? Es gibt oft Studien wie die von Demirtürk, die zwei Techniken miteinander vergleichen. Dies ist allerdings nicht geeignet, um die Wirksamkeit einer Maßnahme zu belegen. Es soll und muss immer eine Kontrollgruppe geben, die keine Behandlung erhält. Am optimalsten wäre eine Kontrollgruppe, die keine Behandlung erhält und eine weitere Gruppe, deren Probanden eine Scheinbehandlung bekommen. Dies ist wichtig, da jede Maßnahme, die an einem Patienten angewendet wird, auch zu einem Placeboeffekt führt, auch wenn es sich bei der Anwendung nur um eine Scheinbehandlung handelt. Um diesen auszuschließen, muss immer eine Gruppe »unbehandelt« mit untersucht werden. Streng genommen kann z. B. bei Demirtürk der Erfolg der Behandlung bei beiden Gruppen nur durch den Placeboeffekt entstanden sein. Wenn wir also den wirklichen Behandlungseffekt untersuchen wollen, ist so ein Studiendesign ungeeignet. Mein persönliches Fazit für den praktischen Alltag ist, dass die BGM eine tatsächlich bisher immer eher unterschätzte Technik ist. Allerdings müssen noch weitere gute Studien, bei denen die Kontrollgruppe nicht fehlen darf, dringend durchgeführt werden, um die bisherigen Studienergebnisse zu validieren. Die Studienergebnisse sind noch nicht ausreichend und zeigen leider nur Richtungen KERNPUNKTE auf, aber keine gute Evidenz. Dennoch sind die Ergebnisse vor allem von Castro Sanchez beeindruckend. Ansonsten weisen die vorhandenen Studien Ergebnisse auf, die zu erwarten waren und die die Theorie der vegetativen Wirkung der BGM unterstreichen. Erwähnenswert ist aber auch die Verbesserung des mentalen Status, die in einigen Studien nachgewiesen werden konnten. BGM zeigt nachhaltige Ergebnisse bei Patienten mit PAVK (verbesserte Durchblutung, Sauerstoffsättigung). BGM ist ein probates Mittel zur Schmerzreduktion. BGM wirkt sich auf den mentalen Status der Patienten positiv aus. Es fehlen allerdings noch gute, randomisierte und kontrollierte Studien. Die Evidenzlage, dass BGM nutzbringend ist, ist leider noch schwach. Literatur Castro-Sánchez, A. M.; Moreno-Lorenzo, C.; Matarán-Peñarrocha, A.; Feriche-Fernández-C, B. (2011): Connective Tissue ReflexMassage for Type 2 Diabetic Patients with Peripheral Arterial Disease: Randomized Controlled Trial. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, Volume 2011, 12 Pages. Brattberg, G. (1999): Connective tissue massage in the treatment of fibromyalgia, European Journal of Pain, 3: 235–245. Demirtürk, F.; Zümrütt Y. E., Özgür, A.; Demir, O.; Inanir, A. (2016): Comparison of Reflexology and Connective Tissue Manipulation in Participants with Primary Dysmenorrhea. The Journal of alternative and complementary medicine, 22 (1): 28–44. Altman, D. G. (1991): Practical Statistics for Medical Research. Chapman & Hall, London. Seyda, T. C.; Derya, O. K.; Turkan, A.; Izmir, K. C. (2016): Cervical and scapulothoracic stabilization exercises with and without connective tissue massage for chronic mechanical neck pain: A prospective, randomised controlled trial. Manual Therapy 21, 144–150. Holey, L. A.; Dixon, J. (2014): Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther., 18 (1): 112–118. Mura, E.; Schmidsedera, J.; Eggerb, I.: Bodnerc, G.; Eibld, G.; Hartiga, F.; Pfeifferd, K. P.; Herolda, M. (2001): Beeinflussung der Darmdurchblutung durch Fussreflexzonenmassage, gemessen mittels farbkodierter Dopplersonographie Forsch Komplementärmed Klass Naturheilkd, 8: 86–89. Lüdecke, U. (1969): Connective tiussue massage history, basis and techniques of connective tissue massage. The Australian journal of physiotherapy 15 (4): 141–148. physio-Journal 15