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physio-Journal I 1/2018

VORGESTELLT

VORGESTELLT Markenprodukte direkt vom Hersteller und führendem Fachhandel. PRAXIS- UND THERAPIEBEDARF Von A-Z | Aus einer Hand! f © fotolia - sabine hürdler / dan race THERAPIELIEGEN & ZUBEHÖR PRAXISZUBEHÖR – HYGIENE – LEHRMITTEL WÄRME- UND KÄLTETHERAPIE GYMNASTIK – BALANCE – ERGO MEDIZINISCHE TRAININGSTHERAPIE SCHLINGENTHERAPIE ELEKTROTHERAPIE HYDROTHERAPIE BERATUNG, PLANUNG, MONTAGE & LEASING Hier geht‘s direkt zum Online-Shop www.villinger.de Gesamtkatalog 2018 anfordern +49 (0) 7663 99082 info@villinger.de www.villinger.de www.facebook.com/villinger.de rücklegten – fuhren wir durch viele kleine Dörfer, die immer ländlicher wurden. Bei diversen Stopps versammelten sich ganze Grüppchen an Bewohnern, die zum Teil ihre Babys hochhielten, damit diese uns Umuzungus betrachten konnten. Kleine Kinder sprinteten so schnell sie konnten aus ihren Lehmhütten und schrien aus voller Kehle das Wort auf Kinyarwanda, was wir in unserem Leben wohl nie wieder vergessen werden. Die Lieblingsessen der Ruandis sind Reis, Kartoffeln, Kartoffeln, Bohnen, Reis und … hatten wir schon die Kartoffeln erwähnt? Diese werden auf verschiedenste Art serviert – so verschieden man eine Kartoffel eben frittieren kann … Gerne auch zu einer Mahlzeit in Kombination mit Reis und Nudeln. (Wer ist eigentlich dieser Low-Carb??) Besonders gut gefallen haben uns Chapatis – eine Art Pfannkuchen, Samozas – kleine Teigtaschen gefüllt mit Fleisch oder Kartoffeln und nicht zuletzt die unfassbare Menge an frischem Obst. (An dieser Stelle dementieren wir, dass wir jemals kurz vor einem Nervenzusammenbruch standen bei dem Versuch während des Obst- und Gemüseeinkaufs auf dem Markt den Überblick zu behalten.) Ein letzter Punkt der ruandischen Kultur, der nicht unerwähnt bleiben darf, ist der Glaube und die Religiosität. Man findet hier unheimlich viele verschiedene Glaubensvereinigungen und ist es einmal nicht die Musik aus den Boxen, die man auf den Straßen hört, so wird man von lauten Kirchengesängen der Gottesdienste beschallt. Die Hochzeiten dauern hier mehrere Tage an und es gibt eine schier endlose Zahl an Zeremonien. Busse und Fahrräder sind bunt bemalt und mit Aufschriften wie ›God is king‹ oder ›Jesus loves you‹ bestückt. Dem Busfahren an sich könnte man einen ganz eigenen Text widmen. Es ist unglaublich, diese wunderschöne Gegend während der Fahrten durch die Hügellandschaft zu beobachten. Es gibt einen Gang, um zu den hintersten Plätzen zu gelangen. Sind diese voll, werden weitere Sitze ausgeklappt. Möchte einer der Fahrgäste der hinteren Reihen aussteigen muss jeder, der einen Gangplatz belegt, aufstehen und anschließend werden die freigewordenen Plätze wieder aufgefüllt. Es gibt auch keine Fahrtzeiten. Der Bus fährt los, sobald der letzte Platz belegt ist. Am skurrilsten empfinden wir aber das Bezahlen. Dafür benötigt man eine Guthabenkarte, die man immer wieder neu aufladen muss und von der vor dem Eintritt der jeweilige Preis abgebucht wird. Wenn man einmal schneller von A nach B kommen oder aber speziellere Orte erreichen möchte nimmt man sich hier ein »Moto« – ein Mopedtaxi. Diese findet man an jeder Ecke. Eine solche Fahrt ist allerdings nichts für schwache Nerven. So kann es passieren, dass man sich mit Rucksack und Einkaufstüte auf dem Schoß mit 80 km/h durch die 40er-Zone brausend, wiederfindet. Alles in allem ist es eine Kultur, die zum Staunen anregt und von derer Gelassenheit, Hilfsbereitschaft und Lebensfreude wir uns gewiss die ein oder andere Scheibe abschneiden könnten. So, das waren nun ein paar Eindrücke unserer Ankunft in Ruanda. Wie es weiter ging und wie unsere Arbeit aussah, das erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe des physio-Journals. Bis dahin, herzlichst Eure Lea und Laura 18 physio-Journal IMAGE_AZ_PhysioJournal_68x295mm_.indd 1 03.04.18 17:03

© WoGi - Fotolia.com Text: Sophia Bohland, Patrick Braun, Tobias Erhardt, Björn Eichmann VORGESTELLT DER STELLENWERT DER PHYSIOTHERAPIE EINE MEHRPERSPEKTIVISCHE ANALYSE DES AKADEMISIERTEN THERAPIEBERUFES Hintergrund Immer mehr Patienten möchten in den Therapieprozess einbezogen werden [Dierks 2015]. Der Therapieerfolg in der Physiotherapie hängt dabei wesentlich von einer aktiven und eigenverantwortlichen Teilnahme des Patienten an der Therapie ab [Deutscher Verband für Physiotherapie 2017]. Physiotherapeuten sind gesetzlich an die Weisungen des entsprechenden Vertragsarztes gebunden und erhalten durch die Ausstellung von Verordnungen die Erlaubnis zur Heilmittelerbringung [Gemeinsamer Bundesausschuss 2017]. Angesichts des sich anbahnenden Wandels des deutschen Gesundheitssystems [Alscher et al. 2013] und der Akademisierungsdebatte um die Physiotherapie (Arbeitsgemeinschaft Medizinalfachberufe in der Therapie und Geburtshilfe 2013) wird in dieser Arbeit untersucht, wie zum einen die Bevölkerung und zum anderen die Ärzte den Stellenwert der Physiotherapie in Deutschland einordnen und ob sie den Physiotherapeuten mehr Verantwortung zusprechen würden. Methode Die Datenerhebung wurde mit Hilfe eines von den Autoren selbst erstellten Fragebogens durchgeführt und fand in einem Zeitraum von Mitte Juni bis Mitte Juli 2017 statt. Es wurden zwei unterschiedliche Fragebogenmodelle erstellt; zur Befragung der Bevölkerung und zur Befragung der Ärzte. Der Aufbau der Fragebögen ist in zwei Teile eingeteilt. Im ersten Teil werden persönliche Daten wie das Alter und Geschlecht erfragt. Das Fragebogenmodell zur Befragung der Bevölkerung beinhaltet hier zudem Fragen zur schulischen Bildung und der sportlichen Aktivität des Befragten und erfragt ob dieser sich bereits in physiotherapeutischer Behandlung befunden hat oder sich aktuell befindet. Im zweiten Teil beider Modelle sind Aussagen aufgeführt, welche mit einer von fünf Antwortmöglichkeiten (»trifft zu«, »trifft eher zu«, »trifft eher nicht zu«, »trifft nicht zu« und »keine Angabe«) zu beantworten sind. Die Aussagen des Bevölkerungsfragebogens decken dabei Themen zu den Kategorien Vertrauen gegenüber der Physiotherapie und der Fach- und Sozialkompetenz von Physiotherapeuten ab. Darüber hinaus wird auf die Rollenverteilung zwischen Ärzten und Physiotherapeuten eingegangen. Die Aussagen in der Ärztebefragung beziehen sich auf die Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeuten und Ärzten, der Fachkompetenz, Sozialkompetenz und Personalkompetenz der Physiotherapeuten und der Akademisierung der Physiotherapie sowie der Einführung des Direktzugangs. Die Stichprobe wurde in Physiotherapie Praxen, Arztpraxen und im Bekanntenkreis mit Hilfe einer ausgedruckten Version der Fragebögen und einer Internet-Version über die Plattform umfrageonline.com ermittelt. Ergebnisse Die Stichprobe setzte sich aus 129 Teilnehmern aus der Bevölkerung und acht teilnehmenden Ärzten zusammen. Von den insgesamt acht Ärzten waren vier weiblich und vier männlich. Zwei Ärzte befanden sich im Alter zwischen 30 und 39 Jahre, zwei weitere im Alter von 40 bis 50 Jahre und vier Ärzte waren über 50 Jahre alt. Von den 129 Teilnehmern aus der Bevölkerung waren 83 (64 %) Teilnehmer weiblich und 46 (36 %) männlich. Fünf Teilnehmer waren unter 20 Jahre alt, 52 Teilnehmer zwischen 20 und 29 Jahre, zwei Teilnehmer zwischen 30 und 39 Jahre, 15 Teilnehmer im Alter zwischen 40 und 49 Jahre und 55 Teilnehmer 50 Jahre und älter. 30 physio-Journal 19