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physio-Journal I 1/2018

BRAINTUNING Hier werden

BRAINTUNING Hier werden sie auf ein 2. Neuron umgeschaltet, um dann zum Beispiel zu den motorischen Endplatten der Herzmuskulatur zu laufen und hier die Herzfrequenz hochzutreiben. Es führen aber auch Wege zu den Schweißdrüsen. Diese sorgen bei der Aktivierung für eine Klimatisierung des Körpers. Nun wird die Prüfung verlassen und der Körper wird nach außen hin ruckartig vom Stress entlastet. Im Körper dauert dies noch eine wenig länger. Die Fasern des Parasympathikus verlassen ebenfalls das Rückenmark. Dort erfolgt aber die Verschaltung vom ersten Neuron aufs Zweite erst kurz vor dem Erfolgsorgan. In diesem Fall entspannt man sich nach der erfolgreich absolvierten Prüfung. Grundsätzlich arbeitet auch das vegetative Nervensystem mit Transmittern. Hierbei verwendet der Sympathikus auf dem Weg zum Grenzstrang Acetylcholin und bis zum Zielorgan Noradrenalin. Die Ausnahme bilden die Schweißdrüsen: Diese werden ausschließlich von Acetylcholin versorgt. Beim Parasympathikus ist es auch ausschließlich Acetylcholin auf beiden »Neuronenstrecken«. Vegetative Reflexe Ein vegetativer Reflex findet im Bereich der Haut statt. Hier gibt es einen Reflex, den sich die Physiotherapeuten zu nutzen machen: Der kutiviszerale Reflex. Über die Afferenzen gelangen die Informationen über die Hinterwurzel und mehrere Interneurone in das Rückenmark und werden dort auf eine efferente VEGETATIVES NERVENSYSTEM SHORTIES PHYSIOLOGIE Bahn zur Eingeweidemuskulatur umgeleitet. So funktioniert zum Beispiel die Schmerzlinderung bei Bauchschmerzen unter Zuhilfenahme einer Wärmeflasche. Aber auch unser Blutdruck kann reflektorisch geregelt werden. Die Barorezeptoren messen den arteriellen Blutdruck und leiten diese Information an den Hirnstamm. Hier werden diese verarbeitet und die efferente Information leitet eine Modulation der Herzfrequenz und des Gefäßtonus der Arteriolen ein. Man spricht dann vom viszeroviszeralen Reflex. Der viszerokutane Reflex beschreibt den Reizweg von inneren Organen an die Haut. Eine Aktivierung dieses Reizweges führt zu einer Hautrötung, einer Berührungsempfindlichkeit (Hypästhesie) sowie zu Schmerzen in einem zugeordneten Hautareal. Diese werden in der Medizin auch als Head-Zonen bezeichnet [Hick, 2013; Gesing et al, 2017]. Literatur Gesing, V.; Heller, A.; Kolster, B.; Winkelmann, C. (2017): Handbuch Physiotherapie. Berlin: KVM - Der Medizinverlag. Hick, A.; Hick, C. (2013): Kurzlehrbuch Physiologie. München: Elsevier Health Science. Trepel, M. (2015): Neueoanatomie Struktur und Funktion. München: Elsevier GmbH. Zalpour, C. (2016): Für die Physiotherapie Anatomie Physiologie. München: Elsevier GmbH. HANDBUCH PHYSIOTHERAPIE › Alle Fachgebiete auf 1.700 Seiten › Evidenz- und leitlinienbasiert › Grundlagen, Krankheitsbilder, physiotherapeutische Methoden und Techniken › Die gesamte Physiotherapie in einem Buch › Optimaler Einstieg für jeden Physiotherapeuten Jetzt für € 54,95 online bestellen auf: www.dieFachwelt.de DAS NEUE STANDARD- WERK FÜR DIE PHYSIO- THERAPIE 32 physio-Journal

FÜR DEN PRAXISALLTAG © Fotomanufaktur JL - Fotolia.com Text: Silke Wolf SIT-TO-STAND TESTS – STS TEST TESTS UND ASSESSMENTS Die menschliche Bewegung ist kennzeichnet durch willkürliche Veränderungen der Körperposition im Raum. Sie geschehen wiederkehrend, oft unbeachtet und unter unterschiedlichsten Bedingungen. Eine dieser typischen Alltagsbewegungen ist das Aufstehen von einem Stuhl – die Positionsveränderung vom Sitz zum Stand. Dieser Bewegungsablauf ist Kernbestandteil eines häufig verwendeten Testverfahrens: dem Sit-to-Stand Test. Je nach Ausführung kann damit eine Aussage über die funktionelle Mobilität, die Kraft der unteren Extremität oder den allgemeinen Fitnessstatus einer Person getroffen werden. Was ist das? Der Testaufbau ist denkbar einfach. Es werden lediglich ein Stuhl und eine Stoppuhr benötigt. Die Testperson wird angeleitet vom Stuhl aufzustehen und sich direkt wieder hinzusetzten. Je nach Fragestellung, kann aus verschiedenen Varianten des Tests gewählt werden: Five-Times-Sit-to-Stand, 30-Seconds-STS Test, Single-Leg-STS Test oder One-Minute-STS Test. Mithilfe dieses Performance-Assessments kann die Aktivitäts-Domäne der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) abgebildet werden. Wie geht das? Grundsätzlich gilt es, die Testung so standardisiert wie möglich durchzuführen. Daher sollte immer derselbe »Teststuhl« verwendet werden. Die Angaben zur exakten Höhe des Hilfsmittels schwanken, je nach Literatur, zwischen 43 und 48 cm. Die Testperson sollte in der Sitzposition eine Kniegelenksflexion von etwa 90 ° haben. Der Stuhl sollte stabil aber frei stehen und nicht an einer Wand o. Ä. angelehnt sein. Die Testperson wird nun instruiert so oft wie möglich in einer vorgegebenen Zeit vom Stuhl aufzustehen (Knie komplett gestreckt) und sich direkt wieder hinzusetzten. Wird eine Variante gewählt, bei der eine bestimmte Anzahl von Wiederholungen gezeigt werden soll (bspw. 5 x oder 10 x), ist die Instruktion entsprechend anzupassen. Die Rückenlehne sollte während der Testdurchführung nicht berührt werden. Außerdem sollte die Testperson die Arme vor der Brust überkreuzen (bei Schlaganfallpatienten ist es erlaubt, den betroffenen Arm in einer Schlinge am Rumpf zu fixieren). Der Test startet mit einem vorher vereinbarten Starsignal, bspw. einem Kommando wie »Go!« oder »Los!«. Die Anzahl der Wiederholungen wird gezählt, bzw. die Zeit gestoppt, die benötigt wurde, um eine festgelegte Wiederholungszahl zu zeigen. Jeder vollständige Stand wird als Punkt gewertet – number of stands. Warum? Mithilfe des STS Tests lassen sich verschiedenste Fragestellungen untersuchen. So gibt es beispielsweise einen Cut-Off Wert zur Bestimmung des Fallrisikos für Parkinsonpatienten: Personen mit dieser Erkrankung, die länger als 16 Sekunden für den Five-Times-Sit-to-Stand benötigen, weisen ein deutlich erhöhtes Fallrisiko auf. Auch über die allgemeine Leistungsfähigkeit von Älteren und Personen mit COPD (chronic obstructive pulmonary disease) lassen sich mittels des STS Tests Aussagen treffen: hier ist eine Veränderung des Wer- Abbildung 1: Durchführung STS Test tes ein guter Indikator zur Beurteilung von Trainingseffekten. Für gesunde Männer zwischen 70 und 79 Jahren gelten etwa 30–32 Wiederholungen innerhalb einer halben Minute als Referenz, für gesunde Frauen derselben Altersklasse etwa 27–30. Zusammenfassung Der STS Test ist ein häufig verwendetes Assessment und kann zur Bearbeitung verschiedenster Fragestellungen und zur Beurteilung unterschiedlichster Krankheitsbilder genutzt werden. Sehr gute Werte zur Testgüte wurden vor allem in Untersuchungen mit Parkinson- und Schlaganfallpatienten gezeigt. Der STS Test lässt sich schnell und ohne besondere Hilfsmittel auch in der alltäglichen Praxis durchführen und gut reproduzieren (hohe Inter- und Intrarater-Reliabilität: ICC = 0.97–0.99). Eine spezielle Schulung zur Testdurchführung ist nicht notwendig. Literatur Bohannon, R. W. (2006): Reference values for the five-repetition sit-to-stand test: a descriptive meta-analysis of data from elders. Percept Mot Skills 103(1): 215–222. Buatois, S.; Perret-Guillaume, C. et al. (2010): A simple clinical scale to stratify risk of recurrent falls in community-dwelling adults aged 65 years and older. Phys Ther 90(4): 550–560. Duncan, R. P.; Leddy, A. L. et al. (2011): Five times sit-to-stand test performance in Parkinson's disease. Arch Phys Med Rehabil 92(9): 1431–1436. Lin, Y. C.; Davey, R. C. et al. (2001): Tests for physical function of the elderly with knee and hip osteoarthritis. Scand J Med Sci Sports 11(5): 280–286. Mong, Y.; Teo, T. W. et al. (2010): 5-repetition sit-to-stand test in subjects with chronic stroke: reliability and validity. Arch Phys Med Rehabil 91(3): 407–413. Puhan, M. A.; Siebeling, L. et al. (2013): Simple functional performance tests and mortality in COPD. Eur Respir J 42(4): 956–963. Strassmann, A.; Steurer-Stey, C. et al. (2013): Populationbased reference values fort he 1-min sit-to-stand test. Int J Public Health 58(6): 949–953. Whitney, S. L.; Wrisley, D. M. et al. (2005): »Clinical measurement of sit-to-stand performance in people with balance disorders: validity of data for the Five-Times-Sit-to-Stand Test.« Phys Ther 85(10): 1034–1045. physio-Journal 33