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physio-Journal I 1/2018

FÜR DEN PRAXISALLTAG

FÜR DEN PRAXISALLTAG Behandlung oder mit der Rechnung überreicht. Einige Praxen sind dazu übergegangen, ihn per Mail zu liefern. Bei einer Serie von Behandlungen kann auf die fortlaufende Befragung verzichtet werden. Bei negativer Response darf es nicht zu Diskussionen kommen. Eine Stellungnahme dazu erfolgt erst nach interner Prüfung des Sachverhalts. Auf bestimmte Umfragen kann man auch persönlich Stellung nehmen, die Adresse ist meist bekannt. Erfahrungsgemäß wollen viele Patienten anonym bleiben und können somit nicht mit einer Stellungnahme rechnen. Die Einführung der Bewertung Der Praxisinhaber oder der Vorgesetzte muss mit der Skepsis des Teams rechnen, denn auch die Mitarbeiter unterliegen der kritischen Bewertung durch den Patienten. Das Team sieht in der Beurteilung eine Kontrollaktion, und auch Patienten könnten diese Meinung vertreten und das Gefühl haben. Trotz dieser Bedenken lohnt sich die Meinungsumfrage. Unabhängig von einer systematischen Meinungsabfrage erfährt auch der Mitarbeiter am Telefon so manche Kritik vom Patienten (»Das dauert ewig, bis man bei Ihnen einen Termin erhält« oder ähnliche Kritik). Auch diese Äußerungen sollten außerhalb des Systems erfasst und geklärt werden. Entscheidend ist die Wahrnehmung des Patienten, nicht die Rechtfertigung der Situation. Die meisten Patienten nehmen eine Zufriedenheitsabfrage grundsätzlich positiv wahr, zeigt sie ihnen doch, wie sehr ihre Meinung geschätzt wird. Ziel der Abfrage ist die kontinuierliche Verbesserung des Praxismanagements und der Mitarbeiter und damit die Intensivierung der Patientenbindung. Seit einiger Zeit werden auch online Befragungen durchgeführt, die dann nicht mehr anonym sind. © s_I - Fotolia.com Manuelle Lymphdrainage in Zusammenarbeit mit der Feldbergklinik Dr. Asdonk Anerkannt durch die Krankenkassen! (Der Kurs wird bei entsprechender Voraussetzung von der Arbeitsagentur nach AZAV gefördert!) Wir bieten Ihnen u. a. • Patientenvorstellung durch Arzt bzw. Fachlehrer • Intensive praxisbezogene “Klinische Tage” • Behandlung von Patienten unter Supervision • Unterrichtsbezogenes ausführliches Lehrmaterial Fachlehrer: Joachim Diestmann und Team Physiotherapeut, Dipl. med. Pädagoge, Fachlehrer für Lymphdrainage und Ödemtherapie seit 1982 Ödemzentrum Feldberg/St. Blasien GmbH & Co. Lehrinstitut KG Joachim Diestmann Gallusstraße 11 • 79843 Löffingen • Tel: (07654) 808 434 • Fax: (07654) 808 436 Internet: www.oedemzentrum.de • E-Mail: kontakt@oedemzentrum.de 36 physio-Journal

© dule964 - Fotolia.com FÜR DEN PRAXISALLTAG ELEKTROENZEPHALOGRAMM (EEG) DIAGNOSTIK Text: Susanne Klotz Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Reihe über diagnostische Verfahren. Thematisch bleiben wir bei den elektrophysiologischen Verfahren: Nachdem ihr in der letzten Ausgabe das Elektrokardiogramm (EKG) kennengelernt habt, möchten wir uns nun näher mit der Elektroenzephalographie und seinem Produkt, dem Enzephalogramm (EEG) beschäftigen. Die Elektroenzephalographie misst elektrische Ereignisse von Synapsen oberflächennaher Kortexanteilen und stellt diese im Elektroenzephalogramm dar. Anders ausgedrückt registriert es die bioelektrischen Phänomene der Hirnrinde, die auf die Kopfhaut weitergeleitet und dort mit Hilfe zweier Elektroden aufgenommen werden. Diese bioelektrischen Phänomene sind Potentialschwankungen als Summe der erregenden (exzitatorischen) und hemmenden (inhibitorischen) synaptischen Potenziale. Diejenigen, die den EKG-Artikel kennen, dürfte das bekannt vorkommen. Sowohl das EKG als auch das EEG nutzen beide die elektrischen Feldpotenziale im Extrazellularraum zu diagnostischen Zwecken. Im Unterschied zum EKG, bei dem die Potentialdifferenzen bedingt sind durch das Fortlaufen des Aktionspotentials in der Herzmuskulatur, entstehen sie hier durch Aktionspotentiale der Neuronen der Hirnrinde, die auf diese Weise Informationen austauschen. Aber unabhängig ob nun Muskel- oder Nervenzellen erregt werden, der Ablauf und die daraus resultierenden Veränderungen in der Ladung intra- und extrazellular sind sehr ähnlich: Eine unerregte Nervenzelle ist negativ geladen, aufgrund der positiven Ladung im Extrazellularraum besteht ein Membranpotential zwischen den beiden Räumen. Trifft nun ein überschwelliger Reiz auf das Neuron wird das Aktionspotential ausgelöst und Natriumkanäle geöffnet. Durch den massenhaften Einstrom von Natrium kehrt sich die Spannung im Intrazellularraum um (Depolarisation). Das Aktionspotential wird weitergeleitet und durch die Öffnung von Kaliumkanälen wird das ursprüngliche negative Potential im Intrazellularraum wieder hergestellt (Repolarisation). Im Extrazellularraum des gerade erregten Zellenabschnitts entsteht vorübergehend eine negative Ladung, in den nachfolgenden, noch nicht erregten Abschnitten ist sie positiv. Dadurch werden elektrische Felder generiert, deren Summe mit Hilfe der darüber befindlichen EEG-Elektrode abgegriffen werden kann. Zunächst noch ein kleiner Ausflug in die Geschichte bevor ihr dann einiges über die Indikationen, die Durchführung und die Auswertung des EEGs erfahrt. Geschichte des EEG Bereits im 19. Jahrhundert konnten erste Beobachtungen von spontanen oder provozierten bioelektrischen Phänomenen der Hirnrinde gemacht werden. Der englische Arzt und Physiologe Richard Caton entdeckte 1874 die elektrischen Potentialschwankungen bei tierischen Gehirnen. Im Jahr 1912 zeichnete der russische Physiologe Vladimir VladimirovichPravdich–Neminsky das erste tierische EEG auf. Damals hieß es aber noch nicht Elektroenzephalogramm, sondern wurde von Neminsky als »Elektrozerebrogramm« bezeichnet. Sowohl Neminskys Arbeit als auch die frühen Beobachtungen der bioelektrischen Phänomene stießen allerdings in Kollegenkreisen auf wenig Interesse. So erging es auch dem deutschen Psychiater Hans Berger. In den 1920er Jahren arbeitete er daran, die elektrischen Potentialschwankungen von der menschlichen Kopfhaut zu registrieren und konnte somit als erstes ein menschliches EEG aufzeichnen. Seine Untersuchungsergebnisse veröffentlichte er 1929 in dem Artikel »Über das Elektrenkephalogramm des Menschen«, welcher in der Fachwelt mit Skepsis aufgenommen wurde. Erst nachdem anerkannte Größen in dem Forschungsfeld in den 1930er Jahren die Bedeutung der Arbeit Bergers würdigten, nahmen Forschung und Entwicklung in diesem Bereich zu. Vor allem durch die Entwicklung von immer leistungsstärkeren Computern ab den 1960er Jahren bekam diese noch einmal eine neue Dynamik, da nun auch rechnergestützte Analysen möglich waren. physio-Journal 37