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physio-Journal I 1/2018

TITELTHEMA Text: Bernd

TITELTHEMA Text: Bernd Kolster DIE GESCHICHTE DER BINDEGEWEBSMASSAGE © Dr. N. Lange - Fotolia.com Entdeckung der Bindegewebsmassage Die Bindegewebsmassage ist eng mit zwei Namen verbunden: Zum einen ist dies Elisabeth Dicke (1884–1951) und zum anderen Hede Teirich-Leube (1903–1979). Elisabeth Dicke, die eine Ausbildung als Krankengymnastin besaß, führte bei eigener schwerer Krankheit zur Linderung Manipulationen durch, welche ihr Besserung und später auch Heilung brachten. Im Jahre 1929 litt sie nach den vorliegenden Berichten an einer schweren Durchblutungsstörung des rechten Beines, vermutlich handelte es sich um eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Die Erkrankung war so weit fortgeschritten, dass die Fußpulse nicht mehr tastbar waren und sogar zur Amputation des rechten Beines geraten wurde. Hinzu kamen quälende Rückenschmerzen, bedingt durch die langen Liegezeiten. E. Dicke schmerzten in dieser Zeit im Bereich des Kreuzbeines und des Beckenkammes Gewebeveränderungen. Im Seitenvergleich erschien ihr das Gewebe auf der rechten Seite dichter und empfindlicher. Sie versuchte, diese Gebiete mit streichenden und ziehenden Bewegungen zu lockern, was mit starken schneidenden Schmerzen verbunden war. Als positiver »Nebeneffekt« lösten sich jedoch die Spannungen. Ein zunehmendes Wärmegefühl verbunden mit einer deutlichen Besserung der Symptome stellte sich ein. Parallel zu den nachlassenden Rückenschmerzen kam es auch zu Reaktionen im betroffenen rechten Bein. E. Dicke beschrieb ein Gefühl des Kribbelns und Stechens sowie sich ausbreitende »Wärmewellen«. Sie fand weitere stark verspannte Zonen im Bereich des Trochanter major und des Tractus iliotibialis, die sie ebenfalls mit ziehenden Strichen der Fingerkuppe bearbeitete. Unter Fortführung der Behandlung, wozu sie eine Kollegin anleitete, kam es binnen der folgenden drei Monate zur kompletten Rückbildung der Durchblutungsstörung und schließlich zur vollständigen Wiederherstellung des rechten Beines. E. Dicke litt über die Jahre unter verschiedenen Beschwerden wie Gastritis, pektanginöse Beschwerden und Nierenkolik. Im Laufe ihrer Krankheitsgeschichte stellte sie fest, dass sich auch bei anderen Erkrankungen Gewebezonen verändern, und dass sich die Beschwerden über die Massage dieser Zonen behandeln lassen. Als sie wieder als Krankengymnastin arbeiten konnte, vertiefte sie ihre Beobachtungen und überprüfte bei ihren Patienten die Zusammenhänge zwischen Beschwerden und Symptomen sowie die Möglichkeit, diese Beschwerden mit der immer weiter von ihr verfeinerten Methode zu behandeln. Die Muster, die sie bei ihren Patienten beobachtete, ähnelten einander. Sie systematisierte ihre Beobachtungen und stellte fest, dass sich Störungen bestimmter Organe bei unterschiedlichen Patienten jeweils in der gleichen Körperregion als veränderte Gewebezone widerspiegelten. So fand sie im Bereich der Zonen tatsächlich sicht- und tastbare Gewebeveränderungen in Form von Einziehungen, Verhärtungen, verminderter Elastizität oder auch Quellungen. Hinzu kam, dass diese Gebiete extrem schmerzhaft auf Berührungsreize und die durchgeführte Bindegewebsmassage reagierten. Später erfuhr Frau Dicke von einem englischen Neurologen namens Sir Henry Head (1861– 1940). Er hatte bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts Hautareale beschrieben, die mit Organen korrespondieren. Sie werden heute nach ihm »Head-Zonen« genannt. Retrospektiv hat also E. Dicke einen klinischen Beleg für die Head-Zonen erbracht. Auf der Suche nach einer neuroanatomischen und neurophysiologischen Erklärung für ihre Erfahrungen kam E. Dicke in Kontakt mit H. Teirich-Leube. Zu dieser Zeit war H. Teirich-Leube Lehrkraft an der von Prof. Kohrausch geleiteten Krankengymnastikschule in Freiburg/Breisgau. E. Dicke demonstrierte ihre bis dahin ausgearbei- 4 physio-Journal

TITELTHEMA tete Methode, Prof. Kohlrausch und H. Teirich-Leube überprüften und bestätigten sie. Schichten, eine obere und eine tiefe Ver- der Bindegewebsmassage, indem sie zwei H. Teirich-Leube übernahm 1941 die Leitung schiebeschicht, beschrieb. Die obere Verschiebeschicht liegt zwischen Dermis und der Krankengymnastikschule. Im gleichen Jahr begann sie ihr Studium der Humanmedizin, das sie 1946 beendete. E. Dicke und H. dermis und Faszie. Weiterhin präzisierte sie Hypodermis, die untere zwischen Hypo- Teirich-Leube gaben ein gemeinsames Werk die angewendeten Techniken wie z. B. die »Massage reflektorischer Zonen im Bindegewebe bei rheumatischen und inneren Frau Teirich-Leube dargestellten Techniken Faszientechnik. Letztendlich werden die von Erkrankungen« heraus. Eine Zusammenfassung ihrer Arbeiten erschien 1953 mit dem therapeutischen Schneidegefühls war bei H. als genauer eingeschätzt. Das Auslösen des Werk »Meine Bindegewebsmassage«. Fünf Teirich-Leube unabdingbare Voraussetzung Jahre später veröffentlichte Teirich-Leube ihr für eine korrekt durchgeführte Technik. Im zuletzt 1999 überarbeitetes Werk »Grundriss der Bindegewebsmassage«. drücklich auf dem Schneidegefühl. Weiter- Gegensatz dazu bestand E. Dicke nicht aus- Theoretisch existieren zwei verschiedene Strömungen der Bindegewebsmas- der Abfolge der Griffe, deren Lokalisation hin unterscheiden sich beide »Schulen« in sage, zum einen nach Dicke, zum anderen und im therapeutischen Aufbau. Im Vergleich vermitteln die Techniken von H. Tei- nach Teirich-Leube. Praktisch gesehen wenden jedoch beide die gleichen Techniken rich-Leube den Eindruck besonderer Intensität. Sie erfassen tiefere Schichten wie etwa an und erzielen die gleichen Ergebnisse. H. Teirich-Leube verfeinerte die Methoden den Faszienbereich stärker. Blütezeit der Bindegewebsmassage Die Blütezeit der Bindegewebsmassage, Bedeutung der Bindegewebsmassage abnahm. Gleichzeitig stellten die Fortschritte repräsentiert durch E. Dicke in Überlingen und H. Teirich-Leube in Freiburg, waren in der Pharmakologie für viele Erkrankungen, die früher bevorzugt mit Bindegewebs- die 50er Jahre. Damals unterrichteten sie Krankengymnasten und auch Ärzte. Ihre massage behandelt wurden, nun wirksame Methode verbreitete sich rasch und wurde Medikamente zur Verfügung. Heute ist die weit über die Grenzen Deutschlands und Bindegewebsmassage eine von vielen therapeutischen Optionen in der Physiotherapie, auch Europas hinaus bekannt. Gegen Ende der 60er Jahre wurden weitere Methoden in wodurch ihr Stellenwert geringer als damals die Krankengymnastik integriert, so dass die ist. THEORG – die perfekte Software für Ihre Praxis THEORG, die Software für die perfekte THErapieORGanisation, ist sowohl für kleine und große Praxen als auch für Existenzgründer die ideale Lösung für alle im Arbeitsalltag anfallenden Aufgabenstellungen. Neben der Patienten- und Rezepteverwaltung, der Terminplanung, der Abrechnung und der Dokumentation bietet THEORG viele weitere Funktionen, wie z.B. die Verwaltung von Selbstzahlerleistungen und Kursen, das Mobile Arbeiten über Tablets und vieles mehr. Preislistenservice Mit dem Preislistenservice sind Ihre Heilmittelpreise durch den kontinuierlichen Abgleich automatisch auf dem neuesten Stand. Arbeitszeitverwaltung Mit der Arbeitszeitverwaltung können Sie Arbeitszeiten schnell und unkompliziert erfassen, verwalten sowie eine Monatsabrechnung erstellen und ein Überstundenkonto führen. Maschinelle Rezepterfassung Erfassen Sie Verordnungen schnell und einfach – und das ohne Abtippen. So vermeiden Sie Fehler, sparen Zeit und schaffen Entlastung an der Rezeption. Weiterentwicklung in den letzten Jahren Klicken statt Kleben Verschicken Sie Rechnungen, Berichte und sonstige Korrespondenz im Handumdrehen direkt per E-Mail. Die Krankengymnastik hat sich im Verlauf der letzten Jahre rapide weiterentwickelt. Der Name »Krankengymnastik« ist überholt, man spricht von »Physiotherapie«. Innerhalb der Physiotherapie werden zahlreiche Verfahren beschrieben und je nach Befund angewendet. Mittlerweile wurde eine Vielzahl von Methoden wie Shiatsu aus Japan und Tuina aus China, die Akupunkt-Massage nach Penzel, manuelle Segmenttherapie nach Quillicz, Manipulativmassage nach Terrjer und die Periostbehandlung nach Vogler integriert. Die Bindegewebsmassage wird heute der Reflexzonentherapie zugeordnet. Die Reflexzonentherapie hat sich zu einem sehr großen Gebiet innerhalb der Physiotherapie entwickelt. Neuere Publikationen gibt es jedoch nicht. Daneben gibt es weitere reflextherapeutische Verfahren, die heute ebenfalls mit Erfolg angewendet werden. SOVDWAER GmbH Franckstraße 5 71636 Ludwigsburg Tel. 0 71 41 / 9 37 33-0 info@sovdwaer.de www.sovdwaer.de Heilpraktiker/Osteopathie Mit dem Modul können Sie ganz einfach Diagnosen eintragen, terminieren, erbrachte Einzelleistungen erfassen und über das GebüH abrechnen. Weitere Informationen finden Sie unter www.theorg.de SGN 2.B86.1 physio-Journal 5