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GEMÄLDE – ZEICHNUNGEN – KÜNSTLERGRAPHIK<br />

KATALOG <strong>106</strong>


Abb. auf dem Titel: Nr. 18<br />

Wilhelm Friedrich Gmelin. Die Neptunsgrotte in Tivoli, im Vordergrund zwei Angler. Ausschnitt.<br />

Abb. auf der 3. Umschlagseite: Nr. 40<br />

Gerhardt Wilhelm von Reutern. Zwei Eselstudien übereinander.<br />

Abb. auf der 4. Umschlagseite: Nr. 44<br />

Johann Heinrich Schilbach. Pozzuoli.


GEMÄLDE – ZEICHNUNGEN – KÜNSTLERGRAPHIK<br />

<strong>Katalog</strong> <strong>106</strong><br />

Feinbergweg 7 – 61440 Oberursel/Ts.<br />

Telefon: +49 (0)6171 20 74 92 – Fax: +49 (0)6171 20 74 93<br />

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ANDREAS ACHENBACH<br />

1815 Kassel – Düsseldorf 1910<br />

1<br />

Kleinkind in der geöffneten Haustüre spielend.<br />

Öl, auf Papier, auf Holz aufgezogen, links unten monogrammiert und datiert „18 AA (ligiert) 41“. 23,8:19,7 cm.<br />

Eine bäuerliche Alltagsszene, ein Frühwerk Andreas Achenbach s,<br />

wie sie seit Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts in<br />

Düsseldorf und auch in Frankfurt am Main bei mehreren<br />

Maler n Mode wurde. Zu nennen sind Jakob Becker (1810-1872),<br />

Heinrich von Rustige (1810-1900), Jakob Fürchtegott Dielmann<br />

(1809-1885) und Peter Philipp Rumpf (1821-1896).<br />

Achenbach begann 1827 seine Ausbildung an der Kunstakademie<br />

in Düsseldorf und feierte in den folgenden Jahren seine<br />

ersten Erfolge. 1832-1836 war er Schüler von Johann Wilhelm<br />

Schirmer (1807-1863), dem er am meisten zu verdanken hat.<br />

Vor allem eine Studienreise gemeinsam mit seinem Vater an die<br />

Ost- und Nordsee, nach Skandinavien 1832-1833 war für ihn<br />

prägend. Sie besuchten die Wasserfälle von Trollhättan und den<br />

Wenner- und Wettersee in Schweden. Über Lübeck und Holland<br />

kehrten sie im September 1835 nach Düsseldorf zurück. 1836<br />

verließ der junge Maler Düsseldorf aus Protest gegen die Lehrmethoden<br />

des Akademiedirektors Wilhelm von Schadow (1788-<br />

1862) und schloß sich in München Louis Gurlitt (1812-1867) und<br />

Carl Rottmann (1795-1850) an. Noch im selben Jahr zog er nach<br />

Frankfurt am Main und erhielt im Städelschen Kunstinstitut ein<br />

eigenes Atelier zugewiesen. 1838 kehrte er nach Düsseldorf zurück,<br />

richtete ein Atelier ein und unternahm in den folgenden<br />

Jahren Reisen nach Holland, Belgien, England und Frankreich,<br />

um den Motivvorrat seiner Kunst zu erweitern und in ihr unmittelbar<br />

erlebtes Naturgeschehen auszudrücken. 1853 wurde er Ehrenmitglied<br />

der Pennsylvania Academy of Fine Arts, 1859 folgte<br />

die Ernennung zum Professor an der Düsseldorfer Akademie. Er<br />

war Mitglied zahlreicher Akademien und Ehrenbürger der Stadt<br />

Düsseldorf. Im Lauf der 1870er Jahre lockerte sich sein Pinselduktus.<br />

Routine und Wiederholungen blieben nicht aus; die Vertiefung<br />

seiner Kunst in einem Alterswerk blieb ihm versagt.<br />

Andreas Achenbach, älterer Bruder von Oswald Achenbach<br />

(1827-1905), gilt als der erfolgreichste Düsseldorfer Landschaftsmaler<br />

in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.<br />

2


3<br />

1


ANDREAS ACHENBACH<br />

1815 Kassel – Düsseldorf 1910<br />

2<br />

Winterlandschaft mit Schneegestöber.<br />

Aquarell über leichter Bleistiftskizze, mit Ritzungen und einigen Deckweißlichtern, auf Zeichenkarton,<br />

unten signiert und datier t „A. Achenbach 63“, rechts unten bezeichnet „Schweden“. 28,5:46,5 cm.<br />

Verso mit Stempel der Handlung für Malmaterial: Van Pappelendam & Schouten,<br />

Local „Pictura, Amsterdam, No. 633“. – Stellenweise leicht fleckig.<br />

Provenienz: Sammlung L. Lobmeyer, Wien (1829-1917), Lugt 387.<br />

Lt. Beschriftung eines Vorbesitzers verso, wurde das Aquarell auf<br />

der Nachlaßauktion 1917 für 5700 Kr (+ 10%) erworben.<br />

Achenbach begann 1827 seine Ausbildung an der Kunstakademie<br />

in Düsseldorf und feierte in den folgenden Jahren seine<br />

ersten Erfolge. 1832-1836 war er Schüler von Johann Wilhelm<br />

Schirmer (1807-1863), dem er am meisten zu verdanken hat.<br />

Vor allem eine Studienreise gemeinsam mit seinem Vater an die<br />

Ost- und Nordsee, nach Skandinavien 1832-1833 war für ihn<br />

prägend. Sie besuchten die Wasserfälle von Trollhättan und den<br />

Wenner- und Wettersee in Schweden. Über Lübeck und Holland<br />

kehrten sie im September 1835 nach Düsseldorf zurück. 1836<br />

verließ der junge Maler Düsseldorf aus Protest gegen die Lehrmethoden<br />

des Akademiedirektors Wilhelm von Schadow (1788-<br />

1862) und schloß sich in München Louis Gurlitt (1812-1867) und<br />

Carl Rottmann (1795-1850) an. Noch im selben Jahr zog er nach<br />

Frankfurt am Main und erhielt im Städelschen Kunstinstitut ein<br />

eigenes Atelier zugewiesen. 1838 kehrte er nach Düsseldorf zurück,<br />

richtete ein Atelier ein und unternahm in den folgenden<br />

Jahren Reisen nach Holland, Belgien, England und Frankreich,<br />

um den Motivvorrat seiner Kunst zu erweitern und in ihr unmittelbar<br />

erlebtes Naturgeschehen auszudrücken. 1853 wurde<br />

er Ehrenmitglied der Pennsylvania Academy of Fine Arts, 1859<br />

folgte die Ernennung zum Professor an der Düsseldorfer Akademie.<br />

Er war Mitglied zahlreicher Akademien und Ehrenbürger<br />

der Stadt Düsseldorf. Im Lauf der 1870er Jahre lockerte sich sein<br />

Pinselduktus. Routine und Wiederholungen blieben nicht aus;<br />

die Vertiefung seiner Kunst in einem Alterswerk blieb ihm versagt.<br />

Andreas Achenbach, älterer Bruder von Oswald Achenbach<br />

(1827-1905), gilt als der erfolgreichste Düsseldorfer Landschaftsmaler<br />

in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.<br />

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2


MARCANTONIO BASSETTI<br />

1586 – Verona – 1630<br />

Vier Darstellungen der Sinne:<br />

Der Geschmack; Das Sehen; Der Geruchssinn; Das Gehör.<br />

3<br />

4 Federzeichnungen in Braun, braun laviert, mit einzelner Federlinie umrandet,<br />

unterhalb der Darstellungen jeweils bezeichnet,<br />

auf Bütten (Der Geruchssinn mit WZ). 13,1:9,2 cm, 13,6:9,5 cm, 13,3:8,1 cm, 13,2:8,3 cm.<br />

6


Provenienz: Sammlung Giorgio Dalla Bella (geb. 1923), Venedig ,<br />

Lugt 3774.<br />

Literatur: Ugo Ruggeri. Disegni Veneti e Lombardi dal XVI<br />

al XVIII secolo. <strong>Katalog</strong> des Istituto Nazionale per la Grafica<br />

Gabinett o dei Disegni e delle Stampe. Rom 1989, S.15 u. 16,<br />

Abb. 4-7.<br />

Nach einer Ausbildung bei Felice Brusasorci (um 1542-1605) ging<br />

Bassetti nach Venedig, wo er sich hauptsächlich durch das Kopieren<br />

nach Gemälden von Jacopo Tintoretto (1518-1594) weiterbildete.<br />

Anschließend ging er nach Rom und ist dort 1618 urkundlich<br />

nachweisbar. Er führte mehrere große Altartafeln aus, auch für<br />

die Kirche S. Stefano in seiner Vaterstadt. Nach Verona zurückgekehrt,<br />

zählte er dort zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit.<br />

3<br />

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4<br />

nach<br />

DETLEV CONRAD BLUNCK<br />

1798 Münsterdorf/Holstein – Hamburg 1854<br />

Dänische Künstler in der Osteria La Gensola in Rom. „Danske Konstnere i Osterien La Gensola i Rom.“<br />

Lithographie von Johan Adolph Kittendorff (1820-1902), auf Velin. Darstellungsgröße 20,8:27,6 cm,<br />

Blattgröße 27,5:38 cm. Mit der Adresse I.W. Tegners & Kittendorffs lith. Inst. Mit dem Blindstempel des Verlages. –<br />

Tadelloser und kräftiger Abdruck mit breitem Rand, verso an den oberen Ecken Reste älterer Montierung.<br />

Zusammen mit Isaac Wilhelm Tegner (1815-1893) gründete<br />

Johan n Adolf Kittendorff 1850 das lithogra phische Institut, in<br />

dem auch das oben beschriebene Blatt gedruckt wurde . Bis zu<br />

Tegners Tod 1893 erschienen hier 186 ausgezeichnete Reproduktionen<br />

von Gemälden dänischer Maler.<br />

Vorlage für diese Lithographie bildet das Gemälde Bluncks von<br />

1837, auf dem sich folgende Künstler um Berthel Thorvaldsen<br />

(1770-1844) versammelt haben: Ernst Meyer (1797-1861), Albert<br />

Küchler (1803-1886), Constantin Hansen (1804-1880), Gottlieb<br />

Bindesboell (1800-1856), Vilhelm Marstrand (1810-1873),<br />

Joerge n Sonne (1801-1890) und Detlev Blunck.<br />

Blunck studierte von 1814-1827 an der Akademie in Kopenhagen<br />

und ging anschließend nach Italien. Hier lebte er bis August<br />

1838, war befreundet mit Thorvaldsen und ein eifriges Mitglied<br />

der Ponte Molle-Gesellschaft. Aus Italien zurück, lebte er zunächst<br />

in Dänemark, danach in Wien und Hamburg. Er war als<br />

Genre- und Porträtmaler tätig.<br />

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EUGEN BRACHT<br />

1842 Morges/Genfer See – Darmstadt 1921<br />

5<br />

Sonnige Schlucht in Palästina, 1891.<br />

Öl, auf Leinwand, auf Hartfaserplatte aufgezogen, rechts unten signiert „EUGEN BRACHT“. 89,7:52,8 cm.<br />

Literatur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Eugen Bracht und seine Zeit. Mit<br />

einem Beitrag von Martina Sitt unter Mitwirkung von Andreas<br />

Henning. Darmstadt, <strong>Galerie</strong> Sander, 2001, S. 74 und Abb. S. 75.<br />

In Begleitung der Maler Carl Coven Schirm (1852-1928) und<br />

Adolf von Meckel (1856-1893) unternahm Bracht 1880/81 eine<br />

Studienreise nach Syrien, Palästina und Ägypten.<br />

Bei unserem Gemälde handelt es sich um ein exemplarisches<br />

Beispiel für Brachts Landschaftsmalerei, über die bereits bei<br />

Thieme-Becker zu lesen ist: „1880/81 durchzog er Ägypten,<br />

Syrien und Palästina, durch deren farbenglühende Schilderungen<br />

er zu einem der bekanntesten Landschafter wurde.“<br />

(Zit. aus: Thieme-Becker, Bd. IV, S. 502).<br />

Mit seinen Eltern siedelte Bracht als Kind vom Genfer See nach<br />

Darmstadt über. Als Schüler von Johann Wilhelm Schirmer<br />

(1807-1863) studierte er an der Karlsruher Akademie, wo er<br />

sich vor allem mit Hans Thoma (1839-1924) und Philipp Röth<br />

(1841-1921) anfreundete. 1861 ging er nach Düsseldorf. 1864-<br />

1875 war er als Kaufmann in Verviers/Belgien und Berlin tätig.<br />

1875/76 findet man ihn in Karlsruhe als Schüler von Hans<br />

Fredrik Gude (1825-1903) wieder. 1882 wurde er als Nachfolger<br />

Christian Wilberg s (1839-1882) an die Berliner Akademie<br />

berufen, seit 1902 war er als Professor an der Dresdener Akademie<br />

tätig. 1919 zog er zurück nach Darmstadt. Zahlreiche<br />

Reise n führten ihn in den Orient (1880/81, 1891), nach Amerika,<br />

Italien, Holland, in die Schweiz und die verschiedenen Teile<br />

Deutschlands.<br />

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5


RODOLPHE BRESDIN<br />

1822 Montrelais – Sèvres 1885<br />

6<br />

Interieur moldave.<br />

Radierung, 1865, auf chamoisfarbenem Bütten. 19,9:12,8 cm.<br />

Provenienz: Sammlung Alfred Beurdeley (1847-1919), Paris,<br />

Lugt 421; Sammlung Nicolaas Sax (1899-1977), Amsterdam,<br />

Lugt 1989a, diese mit einem Schwerpunkt auf Bresdins Arbeite n.<br />

Literatur: Van Gelder 93, II (von II); Préaud 65, II (von II). Sehr<br />

guter Abdruck mit vollem Rand.<br />

Bresdin kam aus einer bäuerlichen Familie und bildete sich<br />

auto didaktisch bereits als 17jähriger in Paris durch Kopieren<br />

älterer Stiche, vor allem von Albrecht Dürer und Rembrandt<br />

von Rijn. So erwarb er sich die Voraussetzungen für seine<br />

Radierungen und Federlithographien. Er hatte Kontakt zu<br />

literarischen Kreisen, war befreundet mit Charles Baudelaire<br />

(1821-1867) und Victor Hugo (1802-1885). Er war Modell für<br />

einige Charaktere in diversen Erzählungen. Sein Spitzname<br />

war „Chien-Caillou“, eine französische Verballhornung des<br />

indianischen Namens „Chingachgook“ eine Figur aus „Der<br />

letzte Mohikaner“ (Roman von James Fenimore Cooper,<br />

1789-1851). Er verließ Paris nach der Revolution von 1848/49,<br />

ging nach Tulle und lebte ab 1853 in einer Höhle in der Nähe<br />

von Toulouse. Baudelaire machte ihn 1861 mit Théophile<br />

Gautier (1811-1872) bekannt, der ihn beauftragte für „Revue<br />

fantaisiste “ Illustrationen zu schaffen. Daraus entstand später<br />

eine regelmäßige Tätigkeit. 1863 lernte Bresdin den gut 15 Jahre<br />

jüngeren Odilon Redon (1840-1916) in Bordeaux kennen,<br />

der ihn als seinen „Vorläufer“ betrachtete und war in den Jahren<br />

1864-1866 dessen freundschaftlicher Mentor. Er gewann<br />

1871 eine Ausschreibung für die Gestaltung kanadischer<br />

Geldscheine und siedelte nach Kanada über. Völlig verarmt<br />

kehrte er mit Hilfe Victor Hugo‘s mit Frau und sechs Kindern<br />

nach Frankreic h zurück, fand dort zu Lebzeiten aber niemals<br />

Anerkennun g.<br />

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NORBERTINE VON BRESSLERN-ROTH<br />

1891 – Graz – 1978<br />

7<br />

Kampf; Krake und Hummer im Zweikampf.<br />

Farblinolschnitt, um 1923, auf gelblichem Japan, signiert. Darstellungsgröße 22:22 cm, Blattgröße 33,4:29,9 cm. –<br />

Verso am Oberrand Reste alter Montierung.<br />

Ganz vorzüglicher, farbintensiver Abdruck!<br />

Von 1907-1911 studierte die Künstlerin an der Grazer Landeskunstschule<br />

bei Alfred von Schrötter (1856-1935), in den<br />

Sommer monaten 1907 und 1909 in Dachau an der Tiermalschule<br />

von Hans von Hayek (1869-1940). Durch die Vermittlung<br />

Schrötters konnte sie 1911-1916 als Schülerin die Privatschule<br />

von Ferdinand Schmutzer (1870-1928) besuchen, anschließend<br />

war sie in dessen Atelier an der Wiener Kunstakademie tätig.<br />

Danach folgte die Rückkehr nach Graz. Ab 1909 folgten Beteiligungen<br />

an den Ausstellungen der „Wiener Secession“. Unternahm<br />

Studienreisen in Europa. 1919 heiratete sie Georg Ritter<br />

von Bresslern (1892-1952). 1921, 1925, 1931 und 1936 mit dem<br />

Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet, 1922 erhielt sie die<br />

Goldmedaille der Stadt Graz, 1934 den Ehrenpreis der Stadt<br />

Wien. 1928 unternahm sie eine Nordafrika-Reise, auf der neben<br />

Gemälden, die die Sitten und Gebräuche der „Urein wohner“<br />

(elysisch und erotisierend) thematisieren, zahlreiche Tierdarstellungen<br />

entstanden; später auch Studien in europäischen<br />

Tierparks, zudem Porträtminiaturmalerin und Illustratorin für<br />

Kinder- und naturwissenschaftliche Bücher sowie Entwürfe von<br />

Gobelins. 1932 wurde ihr der Professorentitel verliehen. Sie war<br />

Mitglied des „Women‘s International Art Club“. 1938 Ausschluß<br />

aus der „Vereinigung der Künstlerinnen Österreichs“, aufgrund<br />

der Herkunft ihres Mannes, der eine jüdische Mutter hatte und<br />

von dem sie sich nicht trennte. Einstufung einiger ihrer Arbeiten<br />

nach 1933 als regimekritisch.<br />

Norbertine von Bresslern-Roth gilt als bedeutende österreichische<br />

Malerin und Graphikerin und zählt zu den wichtigsten<br />

österreichischen Tiermalern des 20. Jahrhunderts.<br />

Durch Rezeption japanischer, expressionistischer Stilmerkmale<br />

sowie durch die Auseinandersetzung mit der Jugendstil-<br />

Graphi k gelang ihr eine eigene künstlerische Bearbeitung des<br />

Linolschnitts.<br />

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WILHELM BRÜCKE<br />

1800 Stralsund – Berlin 1874<br />

8<br />

Rom, Blick aus einem Bogen des Colosseums zu den Ruinen des Tempels der Venus.<br />

Öl, auf Karton, um 1830, verso mit schwarzer Feder beschriftet „Venus Tempel zu Rom“<br />

sowie darunter mit Kreide von fremder Hand fälschlich bezeichnet „Franz Ludwig Catel“. 24,1:19,2 cm.<br />

Die Authentizität des Gemäldes wurde von Gerd Bartoschek,<br />

Potsdam bestätigt (siehe: Villa Grisebach, Berlin, Auktion<br />

27.11.2013, Kat.-Nr. 124).<br />

Es handelt sich um eine Variante des ehemals in Schloß<br />

Charlotten burg in Berlin befindlichen Gemäldes „Ruinen<br />

des Tempels der Venus und Roma in Rom“ (Öl auf Leinwand,<br />

35:29 cm).<br />

Vergleichsliteratur: Zerstört, entführt, verschollen. Die Verluste<br />

der preußischen Schlösser im Zweiten Weltkrieg. Gemälde I. Bearbeitet<br />

von G. Bartoschek u. Chr. M. Vogtherr. Potsdam, Stiftung<br />

Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg,<br />

2004, S. 101.<br />

Brücke war als Architektur- und Landschaftsmaler tätig und<br />

von 1820-1870 regelmäßig auf den Berliner Akademie-Ausstellungen<br />

vertreten.<br />

Anders als seine gleichaltrigen Malerkollegen Eduard Gärtner<br />

(1801-1877) und Johann Heinrich Hintze (1800-1861) „zog es<br />

Brücke 1829 nach Rom, wo er bis 1834 blieb und die römische<br />

Architektur und Landschaft wie auch ihre Menschen mit Begabung<br />

und Geschick schilderte. Die gelungensten seiner italienischen<br />

Arbeiten waren die Veduten, die er zunächst zeichnerisch<br />

„aufnahm“ und zum großen Teil erst nach seiner Rückkehr nach<br />

Berlin in Öl ausführte.“ (Zit. aus: I. Wirth, Berliner Malerei im<br />

19. Jahrhundert. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zum<br />

Ersten Weltkrieg. Berlin, 1990, S. 196/197).<br />

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8


LUDWIG BUCHHORN<br />

1770 Halberstadt – Berlin 1856<br />

Die Betteljugend.<br />

9<br />

5 (von 12) Aquatintaradierungen in Braun, auf festem Velin. Je 25:19,2 cm. –<br />

Mit unterschiedlich breiten Rändern rundum, ein Blatt mit restaurierter Fehlstelle innerhalb der Darstellung,<br />

ein zweites Blatt mit kleinem Löchlein innerhalb der Darstellung, sonst sehr schön.<br />

Literatur: Nagler II, S. 236. Gedruckt für das Industrie-Kontor,<br />

Wien. – Von großer Seltenheit! Probedrucke vor aller Schrift mit<br />

scharf zeichnenden Plattenkanten!<br />

Buchhorn tat sich vor allem als Porträtist hervor und zählt neben<br />

Johann Gottfried Schadow (1764-1850), zu dem er eine enge<br />

Verbindung unterhielt, zu den begabtesten Berliner Zeichnern<br />

seiner Zeit. Er war darüber hinaus ein versierter Reproduktionsstecher,<br />

der eine große Zahl unterschiedlicher druckgraphischer<br />

Techniken meisterhaft beherrschte. Zu den Arbeiten nach eigenen<br />

Entwürfen zählt die insgesamt 12 Darstellungen zählende<br />

Folge „Die Betteljugend“, deren Datierung um 1813-15 anzunehmen<br />

ist. Die Folge ist komplett von allergrößter Seltenheit.<br />

Die in Lumpen gekleideten Kinder sind in ganzer Figur vor<br />

einem landschaftlichen Hintergrund oder mit Attributen vor<br />

einem neutralen Hintergrund dargestellt. Buchhorn betont das<br />

pittoreske Element ihres erbarmungswürdigen Daseins und<br />

drängt damit die gesellschaftskritische Komponente in den<br />

Hintergrund. Die gekonnte Anwendung der Aquatintatechnik,<br />

die markante Helldunkel-Kontraste erzeugt, erinnert an die<br />

„Caprichos “ von Goya, die der Künstler zweifellos kannte.<br />

Nahe liegender ist aber der Vergleich mit Daniel Chodowieckis<br />

(1726-1801) frühen Radierungen, die ebenfalls Betteljungen<br />

zeigen : „Betteljunge bei dem Baume“. Radierung 1758. Bauer 9;<br />

Engelmann 7 sowie auf „Betteljunge bei dem Thorwege“. Radierung<br />

1758. Bauer 10; Engelmann 8.<br />

Buchhorn war von 1790-1793 Schüler der Berliner Akademie<br />

unter Daniel Berger (1744-1824). Außer der Aquatintatechnik<br />

übernahm er von seinem Lehrer auch die Crayonmanier. Von<br />

1797-1803 war er an der Chalkograph. Gesellschaft in Dessau<br />

Lehrer für Zeichnung und Kupferstich, anschließend einige<br />

Zeit als freischaffender Künstler tätig. 1806 kehrte er nach<br />

Berlin zurück und arbeitete mit der Akademie zusammen,<br />

die ihn 1811 als ordentliches Mitglied aufnahm und 1814 als<br />

Dozent für Zeichnen und Kupferstich berief. Ebenfalls 1814<br />

gründete er mit einigen Kollegen den Berlinischen Künstler-<br />

Verein. Nach dem Tod seines Lehrers Daniel Berger betraute<br />

man ihn 1824 mit der Leitung der Akademischen Kupferstecherschule.<br />

Zu Anfang seiner künstlerischen Laufbahn war Buchhorn in<br />

erster Linie mit Reproduktionsgraphik beschäftigt. Unter dem<br />

Einfluß von Franz Krüger (1797-1857) und Schadow fand er<br />

aber bald seinen eigenen Stil und arbeitete zunehmend nach der<br />

Natur. Neben Schadow wurde er zu einem der bedeutenderen<br />

Zeichner in Berlin.<br />

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GIAMBATTISTA CANAL<br />

1745 – Venedig – 1825<br />

10<br />

Rebekka und Abrahams Diener Elieser am Brunnen vor der Stadt Haran (Genesis 24).<br />

Pinsel in Braun, braun laviert, über Bleistift, auf Bütten. 28,3:40 cm. –<br />

Mit einem Braunfleck im Bereich des oberen Brunnenrandes.<br />

Provenienz: Sammlung SRH im Dreieck mit einer Schale<br />

(Wiene r Sammlung), nicht bei Lugt; Sammlung Anton Schmid,<br />

Wien, nicht bei Lugt; Sammlung Helmut Märkt, Reutlingen;<br />

<strong>Galerie</strong> Sabrina Förster, Düsseldorf, Herbstkatalog 2006/2007,<br />

Nr. 33 mit Abb.<br />

Gutachten: Dr. George Knox, Vancouver (29.06.2006).<br />

Giambattista war der Sohn und Schüler des venezianischen<br />

Malers Fabio Canal (1701-1767), der seinerseits Schüler und<br />

lange Zeit Mitarbeiter G.B. Tiepolos war (1696-1770). Giambattista<br />

war von 1768-1780 Mitglied der venezianischen Malergilde.<br />

Er arbeitete als Freskenmaler in Venedig, der Terra ferma, sowie<br />

in Triest und Ferrara. Er soll siebzig Kirchendecken ausgemalt<br />

haben, so z.B. eine „Glorie der Titelheiligen“ in der Kirche San<br />

Eufemia von 1763, eine „Heimsuchung“ von 1771 in SS Apostoli,<br />

eine „Geburt Marias“ im Dom von Sevalle u.a. Die Karrieren<br />

von Vater und Sohn ziehen sich durch das gesamte 18. bis in das<br />

erste Viertel des 19. Jahrhunderts. Beide waren ausgezeichnete<br />

Maler, das zeichnerische Werk ist klein und noch nicht ausführlich<br />

bearbeitet. Es sind ca. zwei Dutzend Zeichnungen bekannt,<br />

von denen drei den Namen des Vaters tragen. Es gibt nur eine<br />

einzige Arbeit, die mit Sicherheit dem Giambattista zugeschrieben<br />

werden kann (vgl. L. Padoan Urban, Giambattista Canal, in:<br />

Atti dell’ istituto veneto, CXXVIII, 1969-70, Ss. 41-43).<br />

Die Komposition hat einen ausgesprochen erzählerischen<br />

Charakter . Sie schildert den Moment, in dem Elieser Rebekka als<br />

Dank für ausreichend Wasser aus dem Brunnen für sein Gefolge<br />

und die Kamele eine Kette und zwei Armreifen aus schwerem<br />

Gold überreicht. Die Darstellung wirkt charmant und elegant,<br />

sie erhält durch die Kamele und Schafe, die von rechts kommend<br />

in das Geschehen hereinlaufen und nicht zuletzt durch die<br />

kokette Haltung der Rebekka, eine amüsante Note.<br />

Der neoklassizistische Ansatz dieser Zeichnung kann mit den<br />

Freskendekorationen im Palazzo Filodrammatico von 1804 in<br />

Treviso verglichen werden.<br />

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10


MARC CHAGALL<br />

1887 Liosno/Witebsk – St. Paul-de-Vence 1985<br />

11<br />

Grab des Vaters.<br />

Radierung, 1922, auf Bütten, signiert und nummeriert. 11:14,6 cm.<br />

Literatur: Kornfeld 20; Cramer books 2, Blatt 20 aus der Folge<br />

„Mein Leben“. Nr. 30 von 110 Exx. – Sehr guter Abdruck, vollrandig,<br />

Papier leicht vergilbt.<br />

Die zwanzig Radierungen der autobiographischen Folge „Mein<br />

Leben“ entstanden, nachdem Marc Chagall 1914, nach Jahren<br />

der Abwesenheit, den Ort seiner Kindheit und frühen Jugend<br />

wieder besuchte. Als Nachklang sozusagen schuf er 1920 diese<br />

Darstellungen aus dem Viertel der armen Juden in Liosno/<br />

Witebsk in Weißrussland. Liebevoll dargestellt sind die Eltern<br />

und die Großeltern, Chagalls Geburt, das Geburtshaus, der<br />

erste Kuss, die Hochzeit, Straßenszenen und die wehmutsvolle<br />

Begegnung mit den Grabstätten der Eltern – alles „kommentiert“<br />

von Chagall selbst, mit Texten aus seiner Autobiographie<br />

„Mein Leben“. Zur Illustrierung der Autobiographie,<br />

die er größtenteils während seines Moskauer Aufenthaltes<br />

niedergeschrieben hatte , wurde er von dem deutschen Verleger<br />

und Galeristen Paul Cassirer und seinem <strong>Galerie</strong>leiter Walter<br />

Feilchenfeldt angeregt. Chagalls Text erschien vollständig erstmals<br />

1931 in Paris.<br />

22


23<br />

11


nach<br />

ELISE (eigentl. ELISABETH CONCORDIA) CROLA, geb. FRÄNKEL<br />

1809 Berlin – Ilsenburg/Harz 1878<br />

12<br />

Peter von Cornelius (1783 Düsseldorf-Berlin 1867), im Hausrock mit Künstlermütze;<br />

Büste im Dreiviertelprofil nach rechts, 1852.<br />

Peter von Cornelius, Büste im Profil nach links.<br />

2 Holzstiche mit ockerfarbenen Tonplatten gedruckt und mit weißen Lichtern, auf hauchdünnem China.<br />

Darstellungsgröße 17,5:15,2 cm, bzw. 17,5:15 cm, Blattgröße 38:51,2 cm. Gedruckt von<br />

C.C. Meinhold & Söhne, Dresden; erschienen im Commissionsverlag Gaber & Richter, Dresden. –<br />

Restaurierter Einriß im linken Rand sorgfältig geschlossen.<br />

Mit den faksimilierten Zeilen von Cornelius‘ Hand unter dem<br />

linken Bildnis: „Zweifeln mag und grübeln im Reiche des<br />

Wissens der Forscher / Doch in den Sphären der Kunst erleuchte<br />

der Glaube die Bahn. / P. v. Cornelius“ und unter dem rechten<br />

Bildnis, vermutlich von Elise Crola geschrieben, die faksimilierten<br />

Zeilen: „Wenn ich Ihn nur habe / laß ich grau mich selbst“.<br />

Zwei Probedrucke auf einem Bogen Papier.<br />

Bei dem Holzschneider, von dem beide Porträts stammen, handelt<br />

es sich vermutlich um August Gaber (1823 Köppernig/<br />

Neiße -Berlin 1894), Schwiegersohn Ludwig Richters, der für<br />

diesen, Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872) u.a. in Holz<br />

geschnitten hat. Der Verlag Gaber & Richter löste sich 1860 auf.<br />

Dieser Umstand läßt eine recht genaue Datierung der Holzschnitte<br />

zu, nämlich zwischen 1852 und 1860.<br />

Die Vorzeichnung zu dem linken Bildnis entstand 1852 anläßlich<br />

eines elftägigen Besuches von Cornelius und seiner Familie<br />

im Haus des Künstlerehepaares Crola in Ilsenburg. (Vgl.<br />

Ausst. <strong>Katalog</strong>: G. Ilte, Elise Crola. Romantische Zeichnungen.<br />

Wernigerode , 2008, S. 22/23). Die Zeichnung befindet sich noch<br />

heute im Besitz der Nachkommen von Cornelius.<br />

Das rechte Bildnis ist vermutlich zu einem anderen späteren Zeitpunkt<br />

entstanden, da Cornelius‘ Haare bereits erkennbar grau sind.<br />

Elise Crola, Tochter eines Bankiers, wuchs in einem künstlerischmusisch<br />

orientierten Elternhaus auf. Hier verkehrten neben<br />

Wissen schaftlern auch Maler und Bildhauer wie Wilhelm von<br />

Schadow (1788-1862), Daniel Rauch (1777-1857), Carl Joseph<br />

Begas (1794-1854), Carl Wilhelm Wach (1787-1845) und ihr<br />

Vetter Eduard Julius Friedrich Bendemann (1811-1889), der spätere<br />

Direktor der Dresdner Gemäldegalerie. Ihre Eltern förderten<br />

die künstlerische Begabung ihrer Tochter. Auch Schadow, der sie<br />

in jungen Jahren porträtiert hatte („Die Poesie“), empfahl ihren<br />

Eltern, das Talent ihrer Tochter zu fördern. So erhielt sie früh<br />

Zeichenunterricht durch den Porträt- und Miniaturmaler Johann<br />

Friedrich Zimmermann (tätig 1796-1838). Im Alter von 18 Jahren<br />

heiratete sie den vierzehn Jahre älteren Baron K.H.L. von Weiher;<br />

die kinderlose Ehe wurde 1836 auf Drängen ihrer Familie und gegen<br />

ihren Willen geschieden. Kurz darauf lernte sie in Berlin den<br />

Maler Georg Heinrich Crola (1804-1879) kennen . Sie trafen sich<br />

in Ilsenburg wieder, wo sie sich bevorzugt aufhielt, und heirateten<br />

1840. Gemeinsam entschied man, in Ilsenburg sesshaft zu werden<br />

und erwarb schließlich 1847 ein großes Haus. Obwohl Elise<br />

24


12<br />

fünf Kinder gebar, unternahm sie gemeinsam mit ihrem Mann<br />

nicht nur zahlreiche Fahrten nach Berlin, Dresden und auf die<br />

Insel Rügen, sondern auch nach Dänemark, Schweden und in<br />

die Alpen. Zudem führten sie in Ilsenburg ein reges gesellschaftliches<br />

Leben. Zu ihren Künstlerfreunden zählten u.a. Peter von<br />

Cornelius (1783-1867), Ludwig Richter (1803-1884) und Wilhelm<br />

von Kügelgen (1802-1867). Elise zeigte zudem ein ausgeprägtes<br />

soziales Engagement und wurde zur Wohltäterin der Alten und<br />

Armen. Nicht näher zu spezifizierende Beschwerden zwangen sie<br />

jedoch zu Reisen, z.B. eine vermutlich anderthalbjährigere Reise<br />

gemeinsam mit ihrem Mann 1854 in die Schweiz. Auch zwei<br />

längere Aufenthalte in Italien zwecks Erholung sind zu belegen.<br />

Ihr künstlerisches Schaffen, sie arbeitete meist mit dem Bleistift,<br />

selten in Aquarell, wird von figürlichen Themen, Porträts, Tierdarstellungen,<br />

Veduten und Landschaften bestimmt. Daneben<br />

betätigte sie sich bildhauerisch (Porträts). Später bemalte sie auch<br />

Porzellane und Gebrauchsgegenstände.<br />

Im Hüttenmuseum Ilsenburg wurde zum Andenken des Maler-<br />

Paares Ende der 1990er Jahre eine Crola-Stube eingerichtet.<br />

25


CHRISTOFFER WILHELM ECKERSBERG<br />

1783 Blakrog – Kopenhagen 1853<br />

13<br />

Deck eines vor Anker liegenden Kriegsschiffes bei ruhiger See.<br />

„Daekket af et Orlagsskib seet forefter. Skibet ligger for anker I stille Veir.“<br />

Radierung, 1834, auf chamoisfarbenem Velin. 22,8:30,2 cm. –<br />

Leichte Knickfalte und Verbräunung des Papiers in der rechten unteren Ecke.<br />

Literatur: Krohn 1366, EH 12; Sandra Espig, Christoffer<br />

Wilhelm Eckersberg als Radierer, in: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Faszination<br />

Wirklichkeit, hrsg. von Markus Bartsch, Hubertus Gaßner und<br />

Neela Struck. Hamburg, 2016, S. 111-119, Kat.-Nr. 117.<br />

Hauptblatt des Künstlers! Es erschien 1834 als Blatt XIV. der<br />

Jahresgabe des Kopenhagener Kunstvereins und geht auf ein<br />

Gemälde Eckersbergs aus dem Jahre 1833 in leicht abgewandelter<br />

Form zurück (Korvetten „Najaden“s styrbords batteri<br />

og daek, im Statens Museum Kopenhagen). – Ausgezeichneter,<br />

klarer Abdruck mit vollem Rand!<br />

Eckersberg begann seine Ausbildung mit einer Malerlehre bei<br />

Jes Jessen (1743-1807) in Apenrade. Ab 1803 besuchte er die<br />

Akademie in Kopenhagen als Schüler Nicolai Abraham Abildgaards<br />

(1743-1809). Er gewann das Rom-Stipendium, 1811-13<br />

war er Schüler bei Jacques Louis David (1748-1825) in Paris,<br />

danach folgte ein Aufenthalt in Rom bis 1816, wo er im selben<br />

Hause wie Berthel Thorvaldsen (1768-1844) wohnte. 1818 wurde<br />

er zum Professor an der Kopenhagener Akademie ernannt.<br />

„Eckersberg ist ‚Vater der dänischen Malkunst‘ genannt worden,<br />

und es herrscht kein Zweifel, daß seine Bedeutung sowohl aufgrund<br />

seines Schaffens als auch aufgrund seiner umfassenden<br />

Lehrtätigkeit riesig gewesen ist.“ (Zit. aus: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Von<br />

Abildgaard bis Marstrand. Meisterzeichnungen der Kopenhagener<br />

Schule aus dem Besitz der Königl. Kupferstichsammlung<br />

Kopen hagen. München, 1985, S. 47).<br />

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27<br />

13


FERDINAND AUGUST FELLNER<br />

1799 Frankfurt/Main – Stuttgart 1859<br />

Siegfried mit Gunther, Hagen und Dankwart auf ihrem Ritt zur Brünhildenburg Isenstein.<br />

14<br />

Feder in Schwarz und Grau, über Bleistift, um 1817/20, mit schwarzer Federlinie umrandet,<br />

auf Velin mit Wasserzeichen: J. Whatman. Darstellungsgröße 35,1:47, 3 cm,<br />

Blattgröße 40,3:52,7 cm. – Einriß im oberen Rand sorgfältig restauriert und vereinzelt stockfleckig.<br />

Provenienz: Aus dem Nachlaß der Familie Fellner, Frankfurt<br />

am Main; <strong>Galerie</strong> Joseph <strong>Fach</strong>, Frankfurt.<br />

Literatur: Volkmar Schauz, Ferdinand Fellner. Ein Beitrag zur<br />

illustrativen Kunst des 19. Jahrhunderts. Clausthal, 1976, S. 80,<br />

Nr. 6 (S. 163). Diese Zeichnung, in Flaxman’scher Manier (gemeint<br />

ist die Umrißzeichnung in kräftigen und sehr feinen Strichen), ist<br />

eine von vier Zeichnungen, die in „Format, Technik, Ausführung<br />

und Umrahmung weitgehend übereinstimmen“ (Schauz, S. 79).<br />

Im Winter 1803/04 hatte August Wilhelm Schlegel in seinen<br />

Berliner Vorlesungen so nachdrücklich auf das Nibelungenlied<br />

hingewiesen, daß eine außergewöhnliche Beschäftigung mit<br />

dieser Dichtung einsetzte. Die 1807 erschienene Ausgabe von<br />

Fr. H. v. d. Hagen (1780-1856) trug wesentlich zur Verbreitung<br />

des Nibelungen liedes bei. Bildende Künstler wandten sich darauf<br />

dem neuen Stoff zu. Neben Peter Cornelius‘ (1783-1867) Zeichnungen<br />

zum Nibelungenlied sind die Blätter von Carl Philipp<br />

Fohr (1795-1818) der bedeutendste Beitrag zu diesem Thema.<br />

Aber auch Eduard Bendemann (1811-1889), Julius Hübner (1806-<br />

1882), Alfred Rethel (1816-1859) und Julius Schnorr von Carolsfeld<br />

(1794-1872) sind mit Werken auf diese Dichtung eingegangen.<br />

In Fellners Nibelungen-Illustrationen werden sichtbar Einflüsse von<br />

Peter von Cornelius und Julius Schnorr von Carolsfeld verarbeitet.<br />

„Das Nibelungen-Triptichon Carl Philipp Fohrs befand sich im<br />

Besitz von Johann David Passavant und wurde 1861 als sein Vermächtnis<br />

vom Städelschen Kunstinstitut erworben. Es ist also<br />

nicht auszuschließen, daß Fellner die Arbeit Fohrs bei seinem<br />

Freund gesehen hat und dadurch zu einer entsprechenden Komposition<br />

angeregt wurde.“ (Schauz, S. 86).<br />

Bereits während seines Jurastudiums 1817-1824 in Heidelberg<br />

und Göttingen hat sich der 1825 in seiner Heimatstadt nur für<br />

kurze Zeit als Advokat tätige Fellner autodidaktisch zum Maler<br />

ausgebildet. Im Oktober 1825 ging er zum Kunststudium nach<br />

München, wo ihn vornehmlich Peter von Cornelius anregte.<br />

Freundschaftliche Kontakte pflegte er mit Moritz von Schwind<br />

(1804-1871), den Dichtern Ludwig Auerbach (1840-1882) und<br />

Justus Kerner (1786-1862). 1831 ließ er sich in Stuttgart nieder,<br />

wo er bis zu seinem Tode lebte.<br />

Fellner zeichnete sich besonders auf den Themengebieten der<br />

Geschichte, Sage und Dichtung aus, die er mit unerschöpflicher<br />

Phantasie zeichnerisch variantenreich verarbeitete, wobei er bewußt<br />

Stilmerkmale der altdeutschen Kunst verwendete.<br />

Ein Teil seines zeichnerischen Nachlasses befindet sich heute<br />

im Städelschen Kunstinstitut, Frankfurt am Main, auch das<br />

Goethe -Museum in Düsseldorf besitzt Arbeiten des Künstlers.<br />

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29<br />

14


FERDINAND AUGUST FELLNER<br />

1799 Frankfurt/Main – Stuttgart 1859<br />

Hagen wirft den Kaplan in die Donau.<br />

15<br />

Illustration zum „Nibelungenlied“. Lithographie, um 1820/25, auf Velin. Darstellungsgröße 28,3:39,8 cm,<br />

Blattgröße 50:70,9 cm. – Mit einzelnen Fleckchen in den sehr breiten Rändern.<br />

Literatur: V. Schauz, Ferdinand Fellner (1799-1859). Ein<br />

Beitrag zur illustrativen Kunst des 19. Jahrhunderts. Stuttgart,<br />

Diss. 1976, S. 87, Nr. 25 (S. 165); M. von Boehn, Das Nibelungen<br />

Lied. Richard-Wagner-Gedächtnis-Ausgabe. 1933, Vorwort<br />

von Max von Boehn. S. 21, Abb., irrtümlich als Fohr; K. Busch,<br />

Das Nibelungenlied in deutscher Geschichte und Kunst. Die<br />

Kunst dem Volke, Nr. 81, München 1934, Abb. 43, irrtümlich<br />

als Fohr.<br />

Die Zeichnung, nach der die Lithographie angefertigt wurde,<br />

hat Fellner dem alten Frankfurter Kunstverein zur Verlosung<br />

überlassen und kam als erstes Blatt von ihm in den Besitz des<br />

Städelschen Kunstinstituts (vgl. Ph.Fr. Gwinner, Kunst und<br />

Künstler in Frankfurt am Main... Frankfurt a.M., 1862, S. 457,<br />

Anmerkung).<br />

Im Winter 1803/04 hatte August Wilhelm Schlegel in seinen<br />

Berliner Vorlesungen so nachdrücklich auf das Nibelungenlied<br />

hingewiesen, daß eine außergewöhnliche Beschäftigung<br />

mit dieser Dichtung einsetzte. Die 1807 erschienene Ausgabe<br />

von Fr. H. v. d. Hagen (1780-1856) trug wesentlich zur Verbreitung<br />

des Nibelungenliedes bei. Bildende Künstler wandten sich<br />

dem neuen Stoff zu. Neben Peter Cornelius‘ Zeichnungen zum<br />

Nibelungen lied sind die Blätter von Carl Philipp Fohr (1795-1818)<br />

der bedeuten dste Beitrag zu diesem Thema. Aber auch Eduard<br />

Bendemann (1811-1889), Julius Hübner (1806-1882), Alfred<br />

Rethel (1816-1859) und Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872)<br />

sind mit Werken auf diese Dichtung eingegangen.<br />

In Fellners Nibelungen-Illustrationen werden sichtbar Einflüsse<br />

von Peter von Cornelius und Julius Schnorr von Carolsfeld verarbeitet.<br />

„Das Nibelungen-Triptichon Carl Philipp Fohrs befand sich im<br />

Besitz von Johann David Passavant und wurde 1861 als sein Vermächtnis<br />

vom Städelschen Kunstinstitut erworben. Es ist also<br />

nicht auszuschließen, daß Fellner die Arbeit Fohrs bei seinem<br />

Freund gesehen hat und dadurch zu einer entsprechenden Komposition<br />

angeregt wurde.“ (Schauz, S. 86).<br />

Fellner zeichnete sich besonders auf den Themengebieten der<br />

Geschichte, Sage und Dichtung aus, die er mit unerschöpflicher<br />

Phantasie zeichnerisch variantenreich verarbeitete, wobei er bewußt<br />

Stilmerkmale der altdeutschen Kunst verwendete.<br />

Ein Teil seines zeichnerischen Nachlasses befindet sich heute im<br />

Städel Museum, Frankfurt am Main, auch das Goethe-Museum<br />

in Düsseldorf besitzt Arbeiten des Künstlers.<br />

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31<br />

15


CARL LUDWIG FROMMEL<br />

1789 Schloß Birkenfeld – Ispringen 1863<br />

16<br />

Pflanzenstudie mit Große Klette und wilde Möhre.<br />

Bleistift, auf chamoisfarbenem Velin mit Wasserzeichen: Initialen „F B V“,<br />

rechts unten datiert „1829“. 17,5:21,4 cm. – Reste von Vergilbung in den Ecken.<br />

Literatur: M. Lehmann, Die Nachlaßakte des Landschaftsmalers<br />

Ernst Fries (1801-1833). Frankfurt am Main/Trier, 2013, S. 107,<br />

Abb. 088 (hier als: unbekannt: Ernst Fries? oder Carl Ludwig<br />

Frommel?).<br />

Vergleichsliteratur: R. Theilmann/Edith Ammann, Die deutschen<br />

Zeichnungen des 19. Jahrhunderts. Kunsthalle Karlsruhe,<br />

1978, S. 202, Nr. 1161.<br />

Frommel studierte an der Karlsruher Akademie unter Christian<br />

Haldenwang (1770-1831) und Philipp Jacob Becker (1759-1829).<br />

Studienreisen führten ihn nach Paris, in die Schweiz und 1812–<br />

1817 nach Italien. 1818 wurde er zum Badischen Hofmaler ernannt,<br />

1830–1858 war er Direktor der Karlsruher Akademie.<br />

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CHRISTIAN FRIEDRICH GILLE<br />

1805 Ballenstedt/Harz – Friedrichstadt/Dresden 1899<br />

17<br />

Baumkrone gegen blauen Himmel.<br />

Öl auf Bütten, auf Karton aufgezogen. 37,7:27,5 cm. – Ein älterer Karton, vom dem die Studie<br />

aus konservatorischen Gründen abgelöst wurde, trägt verso folgende vom<br />

Vorbesitzer stammende Bezeichnung: „Ölstudie gekauft aus dem Nachlaß v. Fr. Lahmann 1938“.<br />

Provenienz: Vom Vorbesitzer 1938 aus der Sammlung Friedrich<br />

Lahmann, Dresden erworben; Privatsammlung Dresden.<br />

Wird in das Werkverzeichnis von Dr. Gerd Spitzer aufgenommen<br />

(in Vorbereitung).<br />

Gille studierte ab 1825 an der Dresdener Akademie erst bei<br />

dem Landschaftskupferstecher J.G.A. Frenzel (1782-1855), dann<br />

1827-1830 bei J.Chr.Cl. Dahl (1788-1857), als dessen bedeutendster<br />

Schüler er gilt. Gille, der aufgrund seiner kühnen malerischen<br />

Auffassung, der Unmittelbarkeit seiner spontan und<br />

vielfach nah erfaßten Motive bei seinen Zeitgenossen auf Unverständnis<br />

stieß, verdiente sich nach seinem Studium durch Lithographieren<br />

nach fremden Vorlagen und als Porträtist seinen<br />

Lebens unterhalt – so war er auf Vermittlung Dahls 1830-1833<br />

als Reproduktionsstecher für die „Bilderchronik“ des Sächsischen<br />

Kunstvereins tätig. Um 1834 arbeitete er mehrfach mit<br />

dem Litho graphen L.Th. Zöllner (1796-1860) zusammen, von<br />

dem er wohl die Technik der Lithographie erlernte. Darüber<br />

hinaus arbeitete er als Landschaftszeichner und Zeichenlehrer.<br />

1839 bis Anfang der 50er Jahre lebte er in Dresden-Friedrichstadt,<br />

ab 1865 für einige Jahre in Plauen. Im darauffolgenden<br />

Jahr gewährte ihm die Akademie aufgrund seiner schwierigen<br />

finanziellen Situation eine jährliche Pension von 100 Talern; vereinzelte<br />

kleinere Unterstützungen, auch durch die Tiedge-Stiftung,<br />

folgten, da sich die dürftigen materiellen Lebensumstände<br />

des Künstlers bis zu seinem Tod nicht bessern sollten. 1871, zu<br />

diesem Zeitpunkt ist er in Briesnitz bei Dresden ansässig, behinderte<br />

ihn eine in späteren Jahren sich verschlimmernde Augenkrankheit<br />

beim Arbeiten. Der mehrfache Wechsel des Wohnsitzes<br />

ist auch in den nächsten Jahren zu beobachten: so lebte Gille<br />

1872-1880 in Eisenberg bei Schloß Moritzburg, 1880-1881 in<br />

Wahnsdorf bei Kötschenbröda und 1885 in Boxdorf bei Moritzburg.<br />

Seit spätestens 1883 suchten den nach wie vor in äußerster<br />

Armut lebenden Künstler zunehmend Halluzinationen und<br />

Zwangsvorstellungen heim. 1886-1889 lebte er in Trachau nördlich<br />

von Dresden, 1891 in Wilhelmshöhe bei Moritzburg, 1894 in<br />

Dresden-Johannstadt und 1895-1898 in Dresden-Neustadt. Im<br />

hohen Alter von 94 Jahren verstarb der Künstler schließlich an<br />

„Gehirnblutung“ im Stadtkrankenhaus Dresden-Friedrichstadt.<br />

Der Dresdener Sammler Friedrich Lahmann (1858-1937), ein<br />

großer Bewunderer Christian Friedrich Gilles, trug eine große<br />

Anzahl seiner Ölskizzen zusammen, die heute – die Sammlung<br />

wurde 1938 bei R. Lepke in Berlin versteigert – auf dem Kunstmarkt<br />

zu gesuchten Seltenheiten gehören.<br />

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35<br />

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WILHELM FRIEDRICH GMELIN<br />

1760 Badenweiler – Rom 1820<br />

Die Neptunsgrotte in Tivoli, im Vordergrund zwei Angler.<br />

18<br />

Feder in Braun und Grau, braun und grau laviert, über Graphitstift, auf Bütten,<br />

auf Büttenkarton aufgezogen, links unten signiert und datiert „W.F. Gmelin fecit 1797“,<br />

rechts unten betitelt „La Grotta di Nettuno a Tivoli.“. 53,7:68,3 cm. –<br />

Verso ältere Nummerierung (möglicherweise handelt es sich um<br />

eine Nachlaßnummer) „No 13“ durchgestrichen und durch „31“ ersetzt. –<br />

Etwas verblichen, mit zwei flächigen Verbräunungen, die den guten Gesamteindruck kaum stören.<br />

Das Motiv der Neptunsgrotte in Tivoli, eine vielgerühmte<br />

Attraktio n, befindet sich in einer Steilwand unterhalb der Stadt,<br />

in die sich, nachdem er sich als Cascata Grande zu Tale gestürzt<br />

hat, der Fluß Aniene ergießt. Gmelin hat das Moti v mehrfach<br />

wiederholt: 1787 und 1791 im Hochformat mit den Tempeln der<br />

Vesta und Sibylle und dem Wasserfall des Aniene, 1793 auch als<br />

Radierung. Den Blick vom Betrachter in die Höhle zeigt Gmelin<br />

als Querformat in einem Aquarell, dessen Entstehungszeit mit<br />

„um 1809“ angenommen wird, in der hier vorliegenden Zeichnung<br />

und auch in einer 1809 datierten Radierung.<br />

Vergleichsliteratur: Stefan Borchardt, Wilhelm Friedrich Gmelin.<br />

Veduten und Ideallandschaften der Goethezeit. Buron,<br />

Kunststiftung Hohenkarpfen, 2010, Nr. 62 mit Farbabb. auf dem<br />

Frontispize, Nr. 24, 29, 116, Abb. S. 24/25 und Nr. 148, Abb. S. 71.<br />

Gmelin verließ 1776 Badenweiler, um in Basel eine Lehre bei<br />

dem Kupferstecher, Zeichner und Verleger Christian von Mechel<br />

(1737-1817) zu beginnen. Er mußte sich zehn Jahre verpflichten,<br />

weil seine Eltern das geforderte Lehrgeld nicht zahlen konnten.<br />

„Seine Durchbildung hatte Gmelin nun mehr sich selber und<br />

dem fleißigen Studium der Natur und der Technik seines <strong>Fach</strong>s<br />

zu verdanken, als der Leitung eines Mannes, der, selbst ein mittelmäßiger<br />

Zeichner und Kupferstecher, seinen Schülern keinen<br />

gründlichen Unterricht ertheilen konnte ... 1778 zu seiner zweiten<br />

Ausbildung nach Rom übergesiedelt, folgte er bald nach<br />

seiner Ankunft einer Einladung Phil. Hackert’s nach Neapel ,<br />

kehrte jedoch schon 1790 wieder nach Rom zurück, um künftighin,<br />

ganz von dem eigenen Talente geleitet, sich bloß an die<br />

Natur zu halten. Seine Zeichnungen arbeitete er gewöhnlich in<br />

Sepia aus, erst später machte er nicht ganz glückliche Versuche<br />

im Coloriren. Während der Revolutionszeit verließ Gmelin Rom<br />

und verweilte in Deutschland, wo er besonders in der Dresdener<br />

Gallerie arbeitete. Die letzten 20 Jahre verlebte er wieder in Rom,<br />

bis zu seinem… 1820 erfolgten Tode außerordentlich fleißig .“<br />

(Zit. aus: Allgem. Deutsche Biographie, Bd. IX, 1879, S. 275 (Verfasser:<br />

Moritz Gmelin).<br />

Gmelin fand große Anerkennung bei Goethe und den Weimarer<br />

Kunstkreisen und dies blieb ihm bis zu seinem Tode erhalten.<br />

Zeichnungen Gmelins sind auf dem Kunstmarkt recht selten zu<br />

finden.<br />

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37<br />

18


OTTO GREINER<br />

1869 Leipzig – München 1916<br />

19<br />

Gäa.<br />

Feder in Schwarz, mit schwarzer Federlinie umrandet, auf cremefarbigem Japan, rechts unten signiert,<br />

bezeichnet und datiert „O. Greiner Rom 1909“. Darstellungsgröße 39,5:30,7 cm, Blattgröße 46,5:37 cm. –<br />

Mit Reißnagellöchlein im weißen Rand, recto durch Ablösen eines Passepartouts<br />

entstandener leichter Papierabrieb entlang der Ränder.<br />

Provenienz: Sammlung Dr. Hugo Stinnes, Köln, Lugt 1376a.<br />

Vergleichsliteratur: Julius Vogel, Otto Greiner. Bielefeld/Leipzig ,<br />

Velhagen & Klasing, 1925, Abb. 90, S. 75; Vogel 93.<br />

Finale Vorzeichnung zu Greiners Hauptwerk „Gäa“, das ihn<br />

fünf Jahre beschäftigt hatte.<br />

Bei Vogel heißt es dazu: „Wie sorgsam er zu Werke ging, beweist<br />

die Tatsache, daß er, außer den zahlreichen Studienzeichnungen,<br />

die er wie gewöhnlich, so auch in diesem Falle machte,<br />

erst zwei Probeplatten, eine kleinere und eine größere anfertigte,<br />

die den Kopf der Gäa mit der rechten Brust und der Hälfte<br />

des Oberarmes im einen Falle, mit rechtem Arm, Hand, Brust,<br />

Schulter und Bauchansatz im anderen wiedergeben. Außerdem<br />

existieren nicht weniger als neunzehn Plattenzustände, so daß,<br />

da sich durch die Zustandsdrucke die Kupferplatte allmählich<br />

stark abgenutzt hatte, die ganze Platte nach Vollendung nochmals<br />

überarbeitet werden mußte. Wir haben zweifellos in dem<br />

gedankenreichen, technisch meisterhaften Blatte eine Arbeit<br />

vor uns, in der Greiner sich nicht mehr überbieten konnte und<br />

in der er sozusagen ein technisches Bekenntnis niedergelegt<br />

hat.“<br />

Abzüge der beiden oben erwähnten Probeplatten, datiert<br />

„16.3.08“ bzw. „20.XI.09“ befinden sich in der Symbolismus-<br />

Sammlung von Jack Daulton, Los Altos/Calif., wie auch eine<br />

Rötel zeichnung mit einer Detailstudie aus dem Jahre 1908.<br />

Greiners unbestechliches Künstlerauge, seine große Begabung,<br />

gepaart mit nimmermüdem Fleiß, haben ihm hier, wie auch bei<br />

den anderen vielfigurigen Hauptblättern „Herakles am Scheideweg“,<br />

„Golgatha“, „Ganymed“ und im Danteblatt die Hand<br />

geführt. Hans Wolfgang Singer schreibt im Schlußwort seiner<br />

Veröffentlichung zu Greiners Zeichnungen: „Was seine Zeichenkunst<br />

anbelangt, so gestehen ihm eine unübertroffene Meisterschaft<br />

selbst jene Leute zu, denen die ganze Richtung nicht paßt“.<br />

(Zit. aus: H. W. Singer, Meister der Zeichnung. Zeichnungen von<br />

Otto Greiner 1869-1916. Leipzig, Schumann, 1916).<br />

Greiner gilt als ein Hauptvertreter des Symbolismus in Deutschland!<br />

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39<br />

19


OTTO GREINER<br />

1869 Leipzig – München 1916<br />

20<br />

Gäa.<br />

Radierung und Kupferstich, 1912, auf chamoisfarbenem Japan,<br />

monogrammiert, bezeichnet und datiert. 41,8:35,8 cm.<br />

Literatur: Vogel 93 B XIX. – Abdruck des vollendeten Zustandes<br />

mit der Jahreszahl 1912.<br />

Hauptblatt des Künstlers! Für die Frucht fünfjähriger Arbeit<br />

wurde schon bei Erscheinen 1.000.-- Mark ausgegeben (vgl.<br />

H.W. Singer, Moderne Graphik. 2. Aufl. Leipzig 1920, S. 160).<br />

Der Maler und Graphiker Greiner begann 1884 in Leipzig eine<br />

Lehre als Lithograph. Daran schloß sich ein Studium an der<br />

Münchner Akademie 1888-1891 an. 1891 reiste er erstmals nach<br />

Italien, erst nach Florenz und anschließend nach Rom, wo er<br />

Max Klinger (1857-1920) traf. Sie freundeten sich an und Klinger<br />

gewann großen Einfluß auf ihn. Es folgten 1892-1898 Aufenthalte<br />

in München, Rom und Leipzig. 1898 ließ er sich dauerhaft<br />

in Rom nieder und übernahm Klingers ehemaliges Atelier, das<br />

unweit des Kolosseums lag. Innerhalb der deutschen Künstlerkolonie<br />

genoß er hohes Ansehen. Wegen des Krieges mußte er<br />

Italien 1914 verlassen und ging nach München. Hier starb er, erst<br />

47 Jahre alt, während der Arbeit an zwei Wandgemälden für den<br />

großen Lesesaal der Deutschen Bücherei in Leipzig.<br />

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41<br />

20


LUDWIG EMIL GRIMM<br />

1790 Hanau – Kassel 1863<br />

21<br />

Bildnis der Hedwig von Münchhausen, verh. von Scholley (1822-1889);<br />

Büste mit gesenktem Blick, den Kopf leicht nach links gewandt.<br />

Aquarell über Bleistift, auf cremefarbenem Velin. 16,1:12,5 cm.<br />

Provenienz: C. G. Boerner, Düsseldorf, 1976, Kat. 67, Nr. 101;<br />

Sammlung MWD im Doppelkreis; Privatbesitz Rheinland.<br />

Vergleichsliteratur: Stoll, Ölbilder B, 4, S. 511/12; I. Koszinowski/<br />

V. Leuschner, Ludwig Emil Grimm. Zeichnungen und Gemälde.<br />

2 Bde. Marburg, 1990, Bd. 1, Ö 52, Farbtaf. S. 208 u. Abb. S. 404.<br />

Bei diesem Aquarell handelt es sich um eine Vorstudie für<br />

das 1841 entstandene Gemälde „Die Mohrentaufe“ im Besitz<br />

der MHK Neue <strong>Galerie</strong>, Kassel. Das Modell für die weibliche<br />

Hauptfigur des Gemäldes war Hedwig von Münchhausen, die<br />

1845 den österreich. Feldmarschallleutnant Otto von Scholley<br />

geheiratet hatte. Ihre Schwester Agnes von Münchhausen hatte<br />

1837 Grimms Schwager Ludwig Hassenpflug nach dem Tode<br />

von dessen erster Frau geheiratet. Grimm hat sie auf einer weiteren<br />

– 1839 entstandenen – aquarellierten Bleistiftzeichnung<br />

porträtiert.<br />

Der vor allem als Radierer tätige Grimm war 1804-1808 Schüler<br />

der Kasseler Kunstakademie bei Gottlieb Kobold (1769-1809),<br />

Andreas Range (1762-1828) und Ernst Friedrich Ferdinand<br />

Robert (1763-1843). Durch seine Brüder Jacob und Wilhelm<br />

Grimm wurde er mit Clemens Brentano (1778-1842) und Achim<br />

von Arnim (1781-1831) bekannt, mit denen er zusammenarbeitete.<br />

Wohl 1807 lernte Grimm Bettine Brentano (1785-1859)<br />

kennen, von der er zahlreiche Porträts anfertigte. Im November<br />

1808 zog er nach Landshut zu Brentano und dessen Schwager<br />

Friedrich C. von Savigny. Auf ihre Vermittlung hin ging er nach<br />

München und erlernte das Kupferstechen bei Carl Heß (1755-<br />

1828). Zugleich studierte er an der Münchner Akademie unter<br />

Andreas Seidl (1760-1834). Die Teilnahme an den Freiheitskriegen<br />

1814 zwang ihn das Studium zu unterbrechen. Mit Georg<br />

Brentano reiste er im Frühjahr 1816 nach Italien, wo er zwei<br />

Monate blieb. 1817 kehrte er nach Kassel zurück. 1824 reiste<br />

Grimm zum ersten Mal nach Willingshausen und wurde hier<br />

mit Gerhard Wilhelm von Reutern (vgl. Kat. Nr. 40) zum Mitbegründer<br />

der Willingshäuser Malerkolonie, eine der ersten<br />

Künstlerkolonien Deutschlands. 1832 wurde er an die Kasseler<br />

Kunstakademie als Lehrer berufen.<br />

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43<br />

21


LUDWIG EMIL GRIMM<br />

1790 Hanau – Kassel 1863<br />

22<br />

Bildnis Bettina Brentano (1785 Frankfurt/Main – Berlin 1859) in einem Sessel sitzend,<br />

Kniestück; im Profil nach links, im Hintergrund das Modell ihres Goethedenkmals.<br />

Radierung, Kassel 29. Nov. 1838, auf Velin. 27,8:22,3 cm.<br />

Literatur: Stoll 52, II. – Sehr guter Abdruck mit breitem Rand.<br />

In der vorliegenden Radierung wird beziehungsvoll auf Bettinas<br />

Verbindung zu Johann Wolfgang von Goethe hingewiesen:<br />

Liebe , Verehrung und ekstatische Schwärmerei zu dem Dichter<br />

ließen sie ein Goethedenkmal planen und entwerfen. Bei einer<br />

persönlichen Begegnung mit Goethe 1824 äußerte sich dieser<br />

anerkennend zu Bettines Entwurfszeichnungen. Der Entwurf<br />

wurde allerdings niemals ausgeführt.<br />

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LUDWIG VON HOFMANN<br />

1861 Darmstadt – Pillnitz 1945<br />

23<br />

Titelblatt zur 10-Blatt-Folge „Rhythmen“ 1919.<br />

Kohle, mit einzelner Umfassungslinie in Kohle, auf chamoisfarbenem dünnem Japan,<br />

links unten monogrammiert „LvH“. Darstellungsgröße 40:32 cm, Blattgröße 46:36 cm. –<br />

Gering knitterfaltig, mit Reißnagellöchlein in den Ecken und mit einigen Strichproben im weißen Rand rechts unten.<br />

Provenienz: Peter Hüssy, Zürich.<br />

Die Folge erschien in Leipzig, Fritz Dehne Verlag 1919. – „Mit<br />

seinem zweiten Mappenwerk „Rhythmen“ greift Ludwig von<br />

Hofmann erneut das bereits für die vierzehn Jahre zuvor erschienene<br />

Mappe „Tänze“ maßgebliche Thema des bewegten<br />

Körpers auf, um es durch die inzwischen entwickelten künstlerischen<br />

Mittel zu vertiefen. Auf den zehn Blättern entfaltet<br />

Hofmann figurative Gefüge, die in ihren übergreifenden<br />

Strukturen den einzelnen Körper übersteigen, durch den sie<br />

zugleich getragen werden. Vor dem Hintergrund der Eurhythmie<br />

fungiert der Körper hier nicht als Mittel eines subjektiven<br />

Ausdruckstanzes, sondern tritt – dem namensgebenden Titel<br />

der Mappe entsprechend – als Medium einer übergeordneten,<br />

daseinsbestimmenden Rhythmik in Erscheinung, wodurch dem<br />

bewegten menschlichen Körper eine symbolische, auf den geheimnisvollen<br />

Sinn des Daseins bezogene Dimension verliehen<br />

wird. Daher ist der menschliche Körper bei Hofmann auch nicht<br />

– wie dies für den Expressionismus charakteristisch ist – dezentriert<br />

oder in Fragmente aufgelöst, sondern er bleibt – der Kunst<br />

Hans von Marées‘ vergleichbar – intakt und wird aufgrund<br />

eines neuen metaphysischen Menschenverständnisses gerade in<br />

seiner Anthropomorphizität aktiviert. Dies macht den inmitten<br />

des Stromes der Moderne als Einzelgänger agierenden Hofmann<br />

zu einem klassischen Künstler.“ (Zit. aus: Saur, AKL – Allgem.<br />

Künstlerlexikon. Bd. 74. Berlin, 2012, S. 144ff.).<br />

Ludwig von Hofmann absolvierte seine Ausbildung an den<br />

Kunstakademien von Dresden und Karlsruhe. Ein Aufenthalt<br />

in Paris 1889, um an der Académie Julian zu studieren, schloß<br />

sich an. Ab 1890 lebte Hofmann in Berlin. 1894-1900 ging er auf<br />

Reisen, längere Zeit verbrachte er in Rom und in seiner Villa bei<br />

Fiesole. Die Rezeption der Antike und eine bestimmte Vorstellung<br />

von einem Arkadien sollten sein Werk entscheidend beeinflussen.<br />

Ab 1895 war er Mitarbeiter der Zeitschrift „Pan“, ab<br />

1898 Mitglied der „Berliner Secession“. 1903 wurde er Professor<br />

der Weimarer Kunstschule, 1916-1931 der Kunstakademie in<br />

Dresden.<br />

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HOLLAND 17. JAHRHUNDERT<br />

Umkreis Frans Hals d.J.<br />

1618 – Haarlem – 1669<br />

Knabenkopf mit Hut, im Viertelprofil nach links.<br />

Schwarze und weiße Kreide, mit brauner Feder umrandet, auf grauem Bütten ohne erkennbares Wasserzeichen. 30:25,1 cm. –<br />

Schräge horizontale Knickfalte geglättet, kleinere Randschäden sorgfältig restauriert.<br />

Provenienz: Vom Vorbesitzer erworben bei <strong>Galerie</strong> Joseph <strong>Fach</strong>,<br />

Frankfurt a.M., 1962; Bremer Privatbesitz bis 2009.<br />

Trotz umfangreicher Recherchen sind wir der Lösung des Rätsels,<br />

welcher Künstler der Urheber unserer Zeichnung ist, nicht<br />

näher gekommen.<br />

In einer kurzen Stellungnahme auf eine entsprechende Anfrage<br />

hin äußerte sich Dr. Hans Vlieghe, Zentrum Rubenianum, Antwerpen,<br />

dem wir für die Hilfe bei der Bearbeitung der Zeichnung<br />

danken, wie folgt: „…Es handelt sich hier allerdings um<br />

ein sehr schönes und qualitätvolles Blatt… M. E. kann es sich<br />

hier sowohl um ein flämisches wie um ein holländisches Bild<br />

handeln.“ (Email vom 21.08.2013).<br />

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24


CHRISTOPH HEINRICH KNIEP<br />

1755 Hildesheim – Neapel 1825<br />

Paestum, Poseidontempel, mit weidendem Vieh und sich vor dem Tempel unterhaltenden Hirten und Jäger.<br />

25<br />

Feder und Pinsel in Sepia, auf cremefarbenem Bütten,<br />

auf Bütten aufgezogen. 24:33,8 cm. – Mit Reißnagellöchlein in den Ecken.<br />

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Vergleichsliteratur: Auktion Schneider-Henn, München,<br />

13.07.1997, Das Tocco-Album. 60 Zeichnungen von Christoph<br />

Heinrich Kniep (heute Hildesheim, Roemer- und Pelizaeus-<br />

Museum). Zu Blatt 23, einer Federzeichnung mit einer Ansicht<br />

des „Tempio Dorico di Paestum“, datiert 1816, schreibt Georg<br />

Striehl: „Sein Typ weist ihn als den sogen. Poseidon-Tempel<br />

von Paestum aus. Er findet sich auf vielen Bildern Knieps als<br />

Verweis auf die Antike, sei es als Ruine oder in ‚restaurierter’<br />

Form... Kniep besaß ein Korkmodell dieses Tempel und hatte<br />

ihn so immer als Vorlage zur bequemen Verfügung.“ Die figürliche<br />

Staffage, die Kniep seinen Landschaften beizufügen pflegt<br />

(meist kleine Steh- oder Sitzfiguren), beleben die vedutenhaften,<br />

gleichzeitig elegisch vorgetragenen Motive, die der Künstler<br />

gerne über einem Vordergrund aus Gestein, Gesträuch oder<br />

Blattwerk (bevorzugt große Blätter in botanischer Vielfalt, ein<br />

Beispiel zu den Blattformen im Tocco-Album) aufbaut, in der<br />

vorliegenden lavierten Tuschzeichnung ausführlich ausbreitet.<br />

Goethe hat dieser Motivkanon Knieps gut gefallen, und daß er<br />

ihn als künstlerischen Begleiter seiner italienischen Weiterreise<br />

nach Sizilien im Jahr 1786 erwählte, hat sich in der Folge als<br />

stimmig erwiesen. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein schreibt<br />

in seinen Erinnerungen: „... für Kniep wäre diese Reise ein<br />

Glück auf zeitlebens und Goethe erhielte durch die Zeichnungen<br />

ein ersichtliches Andenken daran. Dies wurde denn auch<br />

so beschlossen; und Kniep reiste mit.“ Und Goethes Dank ist in<br />

der „Italienische Reise“ oft ausgesprochen: „Kniepen, mir vom<br />

Glück zugeführet, kann ich nicht genug preisen...“.<br />

Künstlerisch geschult hat sich Kniep bei dem Bildhauer und<br />

Maler Johann Friedrich Blasius Ziesenis (1715-1785) und dem<br />

Porträtmaler Johann Georg Ziesenis (1716-1777) in Hannover .<br />

Er lebte anschließend als Porträtzeichner in Hamburg und<br />

verkehrte hier u.a. mit Friedrich Gottlieb Klopstock, Matthias<br />

Claudius, Johann Heinrich Voß und Jens Juel (1745-1802). Danach<br />

war er in Kassel, Lübeck und Berlin tätig, wo ihm 1781 die<br />

Protektion des Fürstbischofs von Ermland zuteil wurde. Der<br />

Bischof , dem Kniep zuerst nach Heilsberg folgte, versah ihn mit<br />

einem Reisestipendium nach Italien, ließ ihn aber dort auf sich<br />

allein gestellt. In Rom suchte Kniep sein Auskommen durch<br />

das Zeichnen von Veduten und das Kopieren klassischer Kunstwerke.<br />

Um 1782/83 siedelte er nach Neapel über, wo er seitdem<br />

lebte. Jakob Philipp Hackert (1737-1807) unterstützte ihn bei<br />

den Bemühungen, seine Vedutenkunst zu kultivieren. Johann<br />

Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) vermittelte ihn 1787<br />

als Reisebegleiter und Zeichner an Goethe, der ihn nach Sizilien<br />

mitnahm und ihm später von Weimar aus wiederholt Aufträge<br />

verschaffte. Nicht zuletzt ist der Großteil von Knieps 1787-1799<br />

entstandenen, bildhaft ausgeführten Landschaftszeichnungen<br />

diesen Aufträgen zu verdanken, die in ihrer Verbindung von<br />

Strenge, Sauberkeit und idealer Überhöhung eigenständig wirken.<br />

1822 wurde Kniep als Professor ohne Honorar an die Akademie<br />

in Neapel berufen. Damit verbunden war eine gewisse beratende<br />

Funktion und er scheint auch am Unterrichtsbetrieb beteiligt<br />

gewesen zu sein.<br />

25<br />

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nach<br />

FERDINAND KOBELL<br />

1740 Mannheim – München 1799<br />

26<br />

FRANZ KOBELL<br />

1749 Mannheim – München 1822<br />

WILHELM VON KOBELL<br />

1766 Mannheim – München 1853<br />

„Suite de Douze Sujets d‘après Ferd: Fran: & Guill: Kobell.”<br />

12-Blatt-Folge, Aquatintaradierungen in Braun und Schwarz, radiert von A. Bissel (auch Bießel, Bysell, 1768-1847),<br />

Rudolf Kuntz (1797-1848), Johohann Gottlieb Prestel (1739-1808) und Johann Jacob Strütt (Strüdt, 1773-1807),<br />

auf Bütten, auf die Umfassungslinien geschnitten und auf festes Bütten montiert,<br />

mit mehreren Tuschlinien umrandet sowie mit aufgeklebten Künstlerangaben (Originalmontierung).<br />

Je ca. 15,5/17,4:19,5/21,5cm, bzw. 23/18,3:15,2/18,3 cm. Mannheim, Domenico Artaria (um 1810).<br />

Die Folge setzt sich zusammen aus: 2 Blätter nach Ferdinand<br />

Kobell, 8 Blätter nach Franz Kobell, 2 Blätter nach Wilhelm von<br />

Kobell.<br />

Literatur: Nagler (Prestel) aus 139; Ausst. <strong>Katalog</strong>: J. Kiermeier-<br />

Debre/F.F. Vogel, Kunst kommt von Prestel. Das Künstlerehepaar<br />

Johann Gottlieb und Maria Katharina Prestel, Frankfurt/<br />

London. Memmingen, 2008, Nr. 139, Abb. S. 208 (1 Blatt aus der<br />

Folge).<br />

Brillante Abdrucke von fehlerloser Erhaltung!<br />

52


53<br />

26


26<br />

54


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26


WILHELM VON KOBELL<br />

1766 Mannheim – München 1853<br />

27<br />

Der Zeichner.<br />

Radierung, um 1846, auf Velin. 17,7:14,5 cm. – Im unteren Rand zwei kleine Braunflecken,<br />

verso Reste alter Montierung in den Ecken.<br />

Literatur: Goedl-Roth 72. Vorzüglicher und vollrandiger<br />

Abdruck mit etwas Plattenschmutz entlang den Rändern sowie<br />

besonders im Himmel mit Wischspuren<br />

Sehr selten! – Vermutlich Selbstbildnis des Künstlers vor der<br />

Landschaft zeichnend, in Begleitung eines Freundes.<br />

Wilhelm von Kobell war zunächst Schüler der Mannheimer<br />

Zeichnungsakademie. 1792 von Kurfürst Karl Theodor zum<br />

Hofmaler ernannt, übersiedelte er 1793 nach München, wo er –<br />

von wenigen Auslandsaufenthalten abgesehen (Wien 1809, Paris<br />

1810) – bis zu seinem Tod ansässig blieb. 1814 erfolgte die Berufung<br />

zum Professor für Landschaftsmalerei an der Münchener Akademie.<br />

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt (1826) wurde die<br />

Stelle auf Betreiben des designierten Direktors Peter von Cornelius<br />

(1783-1867) nicht mehr besetzt, da dieser „einen Lehrstuhl<br />

für Genre- und Landschaftsmalerei... für überflüssig“ hielt (zitiert<br />

nach: Alfred Kuhn, Peter Cornelius und die geistigen Strömungen<br />

seiner Zeit, Berlin, 1921, S. 160). 1817 wurde dem Künstler die<br />

persönliche, 1833 der erbliche Adel verliehen.<br />

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27


CARL GOTTHELF KÜCHLER<br />

1807 Taubenheim/Oberlausitz – Rom 1843<br />

Raub des Hylas.<br />

28<br />

(Ovid, Metamorphosen 7. 1 ff.). Öl, auf Leinwand, links unten auf einem Stein signiert und datiert<br />

„C. Küchler / pinx. / Roma 1836“. 29:22,5 cm. – Mit vereinzelten winzigen Retuschen.<br />

Auf einem verso aufgeklebten Etikett einer alten Sammlung in<br />

brauner Feder bezeichnet „N. 5. / L.W.S. / Küchler Dresden.“<br />

Provenienz: Familie Küchler, Dresden.<br />

Küchler begann 1822 sein Studium an der Dresdener Akademie<br />

bei Ferdinand Hartmann (1774-1842), Carl Christian Vogel<br />

von Vogelstein (1788-1868), Johann Carl Rösler (1775-1845) und<br />

Ephraim Gottlieb Krüger (1756-1834). In den Jahren 1823-1828,<br />

1830 und 1837 beteiligte er sich an den Akademischen Kunstausstellungen<br />

in Dresden. 1829 war er mit drei Stichen im Dresdener<br />

Kunstverein vertreten. Im folgenden Jahr ging er nach<br />

Posen, wo er als Zeichenlehrer bei einer adligen Familie tätig<br />

war. In Begleitung des Malers Robert Kummer (1810-1889) trat<br />

er 1834 eine Reise nach Italien an und ist von 1835-1843 in Rom<br />

nachweisbar. In dieser Zeit wohnte er an der Piazza Barberini<br />

65. Bald suchte er Kontakt zu den in Rom führenden Künstlern<br />

und radierte für das 1836 begründete Erinnerungsbuch der<br />

deutschen Künstler Porträts von Joseph Anton Koch, Friedrich<br />

Overbeck, Johann Christian Reinhart, Berthel Thorvaldsen,<br />

Johann Martin Wagner, die 1839 unter dem Titel: Bildnisse der<br />

berühmtesten Künstler unserer Zeit, bei G.G. Lange in Darmstadt<br />

erschienen. 1838 beteiligte er sich an der Atelierausstellung<br />

der deutschen Künstler in Rom im Atelier des Dresdener Malers<br />

Dietrich Wilhelm Lindau (1799-1862) mit einem Selbstbildnis<br />

in Aquarell und einem zweiten Aquarell. Im Sommer 1839<br />

zeigte Küchler auf der 1. Ausstellung des Kölner Kunstvereins<br />

ein Aquarell mit demselben Titel unseres oben beschriebenen<br />

Gemäldes zusammen mit den Künstlerbildnissen (vgl. Ausst.<br />

Katalo g: Porträts deutscher Künstler in Rom zur Zeit der<br />

Romantik . Rom 2008, S. 124, Nr. V.13, Spalte 2). 1839 besucht<br />

Küchler Capri, danach lebte er bis zu seinem Tode in Rom.<br />

Hylas, Eromenos des Herakles, wurde auf der Argonautenfahrt in<br />

Chios an der Propontis beim Wasserholen von den Quellnymphen<br />

wegen seiner Schönheit geraubt. Noch in hellenist. Zeit streiften<br />

jährlich die Leute von Chios durch die Wälder und ein Priester<br />

rief dreimal den Namen Hylas‘, wie in der Sage einst Herakles.<br />

Angeregt zu diesem Bildthema wurde Küchler vermutlich von<br />

dem 1830 auf der Berliner Kunstausstellung gezeigten gleichnamigen<br />

Gemälde von Carl Ferdinand Sohn (1805-1867). Auch<br />

Joseph Anton Kochs 1832 entstandenes Gemälde „Landschaft<br />

mit dem Raub des Hylas“, das durch die Vermittlung August<br />

Kestners noch im Entstehungsjahr 1832 vom Städel Museum,<br />

Frankfurt, (Inv. Nr. 849) erworben werden konnte, mag zur<br />

Wahl des Bildthemas beigetragen haben. (Vgl. Ausst. <strong>Katalog</strong>:<br />

Chr. von Holst, Joseph Anton Koch 1768-1839. Ansichten der<br />

Natur. Stuttgart 1989, Nr. 157, Abb. 245 sowie Farbabb. 246).<br />

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CARLO LABRUZZI<br />

1748 Rom – Perugia 1817<br />

29<br />

Bacchantin mit Tamburin, nach links auf einem Steinsockel sitzend.<br />

Feder in Braun, braun laviert, über Bleistift, mit brauner Feder umrandet,<br />

links signiert und datiert „CLabruzzi 1796“. 22,8:18,7 cm.<br />

Auf alten Sammlungsuntersatz mit grün laviertem Rand aufgezogen.<br />

Vergleichsliteratur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Carlo Labruzzi. The Grand<br />

Tour. Cur. by Sir Timothy Clifford. Simon C. Dickinson Ltd.,<br />

London, 12 Juni – 13 July, 2012, Nr. 38, Venustempel in Bajae<br />

(Vergleich zur Signatur); Auktion Pandolfini Casa d’Aste,<br />

Florenz , 15.12.2014, Stampe e Disegni dal XVI al XX secol<br />

... Nr. 56 Figure di Carlo Labruzzi. Aquatinta, 1788; Auktion<br />

Koller , Zürich, 18.09.2015, Zeichnungen des 15.-20. Jahrhunderts,<br />

Nr. 3418 Zwei Mönche im Gespräch. Zeichnung.<br />

Labruzzi war als Maler und Kupferstecher in Rom tätig. 1781<br />

wurde er in die Academia di San Luca aufgenommen, seit 1814<br />

war er deren Direktor. Er war vorwiegend als Landschafts maler<br />

tätig, Genreszenen sind eher selten. Darüber hinaus radierte<br />

er auch Ansichten römischer Altertümer für die Kunstverlage<br />

Frauenholz in Nürnberg und Dall’Armi in Rom.<br />

Labruzzi gehört zu den römischen Künstlern, die den Klassizismus<br />

vertreten. Er malte in erster Linie Landschaften mit historischer<br />

Staffage, doch als Zeichner und Radierer schuf er mehrere<br />

Folgen, die Einzelfiguren oder Gruppen von Landleuten bzw.<br />

Figuren der römischen Mythologie darstellen. Die National<br />

Gallery of Art, Washington, besitzt einige Radierungen in Rotdruck,<br />

die aus einer solchen Folge stammen.<br />

Wir vermuten, daß unsere Zeichnung, die voll signiert und<br />

datiert ist, bei Labruzzi selten anzutreffen, für einen Sammler<br />

angefertigt wurde, wobei sich Labruzzi auf eine dieser Radierungen<br />

bezieht.<br />

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FRANZ SERAPH VON LENBACH<br />

1836 Schrobenhausen – München 1904<br />

30<br />

Am Felshang rastender Hirte mit Ziegen vor der Ruine eines Wehrturms und weiter Ebene.<br />

Öl, auf Leinwand, auf Blendrahmen, rechts unten Ligatur des Monogramms „FSL“. 37:34,3 cm.<br />

Vergleichsliteratur: S. Wichmann: Franz von Lenbach und<br />

seine Zeit. Köln 1973, „Hirtenknabe um 1860“, Farbabb. S. 49;<br />

Ausst. <strong>Katalog</strong>: Franz von Lenbach 1836 – 1904. München, Lenbachhaus<br />

1986/87, Nr. 46, 47, 53, 56, 58, 59 und 61.<br />

Dieses frühe Meisterwerk gehört zu einer ganzen Reihe kleinformatiger<br />

Ölbilder, die zwischen 1855 – 1860 entstanden sind.<br />

Mehrere darunter haben Bauernjungen oder Hirtenknaben zum<br />

Bildinhalt. Im vorliegenden Gemälde ist der Hirtenknabe eher<br />

als Staffage zu betrachten, während des Malers Hauptinteresse<br />

dem Wiesenstück gilt, mit dem der Felsen bewachsen ist. Blüten<br />

und Blätter der einzelnen Pflanzen sind liebevoll beobachtet<br />

und werden detailgenau auf die Leinwand übertragen.<br />

Lenbach, Sohn eines erfolgreichen Baumeisters, besuchte seit<br />

1848 die Landwirtschafts- und Gewerbeschule in Landshut,<br />

ehe er auf Wunsch des Vaters im Familienbetrieb eine Maurerlehre<br />

absolvierte. Während der Wintermonate machte er eine<br />

Bildhauerlehre bei Anselm Sickinger (1807-1873) in München .<br />

Erst nach dem Tod des Vaters im Frühjahr 1852 widmete sich<br />

Lenbach ganz der Malerei; zusammen mit dem Tiermaler<br />

Johann Baptist Hofner (1832-1913) verbrachte er von nun an<br />

die Sommer monate in Aresing bei Schrobenhausen. Seit Herbst<br />

1852 besuchte er die Polytechnische Schule in Augsburg, ein Jahr<br />

später die Münchner Kunstakademie bei Hermann Anschütz<br />

(1802-1880) und ab 1857 bei Karl Theodor von Piloty (1824-<br />

1886). Eine erste Italienreise 1858 gemeinsam mit Piloty und<br />

Studienkollegen schloß sich an. Nach seiner Rückkehr begann<br />

Lenbach 1860 auf Vermittlung Pilotys eine Lehrtätigkeit an<br />

der in Weimar neugegründeten Kunstschule. Schon zwei Jahre<br />

später kehrte er nach München zurück und erhielt von dem<br />

Kunstmäzen A.F. Graf von Schack (1815-1894) ein Stipendium<br />

und Kopieraufträge in Italien und Spanien. Seit Beginn der 70er<br />

Jahre ist die Spezia li sierung auf das Porträtfach zu beobachten,<br />

was ihm großen Ruhm und zahlreiche Aufträge von bekannten<br />

Persönlichkeiten einbrachte.<br />

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63<br />

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31<br />

zugeschrieben<br />

AUGUST LUCAS<br />

1803 – Darmstadt – 1863<br />

Bei Neapel, Blick durch die Stämme zweier Eichen nach Ischia oder Procida in der Ferne.<br />

Öl, auf Papier, auf Hartfaserplatte aufgezogen, verso mit Zuschreibung an August Lucas sowie<br />

älterer Besitzvermerk. 22:18 cm.<br />

Diese vor der Natur gemalte Ölstudie dürfte im September/<br />

Oktober 1832 während der Reise in den Süden entstanden sein.<br />

Bäume, immer wieder Bäume nehmen im malerischen und<br />

zeichnerischen Werk von August Lucas einen wichtigen Platz ein.<br />

„Seit 1822 zeichnete und skizzierte er Bäume, besonders Eichen<br />

und Buchen. Er beobachtete ihren hohen Wuchs mit Borke ,<br />

Wurzeln und Knorpeln im Detail.“ (Zit. aus: Barbara Bott, Gemälde<br />

hessischer Maler des 19. Jahrhunderts. Darmstadt , Hess.<br />

Landesmuseum, 2003, S. 194).<br />

August Lucas zeichnete bereits im Alter von 14 Jahren nach<br />

graphischen Vorlagen, aber auch vor der Natur. Er war wahrscheinlich<br />

1818-1824 Schüler der Museumszeichenschule<br />

bei dem <strong>Galerie</strong>direktor Franz Hubert Müller (1784-1835) in<br />

Darmstadt. 1824 unternahm er mit Daniel Fohr (1801-1862)<br />

eine Studienreise ins Berner Oberland. In den beiden darauffolgenden<br />

Jahren betrieb er Studien in und um Darmstadt. Mit<br />

finanzieller Unterstützung des Großherzogs Ludwig II. reiste er<br />

1829 über Mailand nach Italien. In Rom wurde er gemeinsam<br />

mit dem Darmstädter Maler Peter Wilhelm App (1803-1855)<br />

in den Künstlerkreis der Ponte-Molle-Gesellschaft aufgenommen.<br />

Von Rom aus unternahm er Ausflüge in die Albaner und<br />

Sabiner Berge, 1832 folgte eine Reise über Neapel nach Sorrent<br />

und Capri. In Rom trat er auch in Kontakt zu Joseph Anton<br />

Koch (1768-1839). Erst 1834 kehrte Lucas nach Deutschland in<br />

seine Geburtsstadt zurück. Eine erneute Romreise ist für das<br />

Jahr 1850 zu belegen.<br />

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65<br />

31


PAUL MEYERHEIM<br />

1842 – Berlin – 1915<br />

32<br />

Junge Malerin mit Zeichenblock beim Aquarellieren; Dreiviertelfigur sitzend im Profil nach rechts.<br />

Bleistift, auf Bütten, verso Nachlaßstempel. 29:21,8 cm. – Verso: Bleistiftskizze einer Dorflandschaft.<br />

Es ist uns nicht gelungen, die Identität der gezeigten Künstlerin<br />

zweifelsfrei zu lüften. Sie scheint vor der Landschaft zu aquarellieren.<br />

In der „Internationalen Kunst-Ausstellung 1891“, die<br />

der Verein Berliner Künstler veranstaltet hat, gibt es eine Abteilung<br />

„Deutschland. Aquarelle“ (Nr. 1301-1481). Hier sind<br />

16 Aquarellmalerinnen vertreten, aber bei keiner von ihnen<br />

kann Meyerheim als Lehrer nachgewiesen werden, oder sonst<br />

eine nähere Beziehung zu ihm. Darunter befindet sich auch<br />

die Landschafts-, Architektur- und Blumenmalerin Luise von<br />

Parmentier (1843-1920), die seit 1877 mit dem Berliner Maler<br />

Adalbert Begas (1836-1888) verheiratet war. Dieser malte seine<br />

Frau als „Venus bei der Toilette“, wobei deren Gesicht in einem<br />

Spiegel erscheint. Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, dem<br />

wir für die Unterstützung bei der Bearbeitung der Zeichnung<br />

danken (Brief vom 20.05.2017), gibt dieser Künstlerin vor allen<br />

anderen, die in der Ausstellung vertreten waren, den Vorrang.<br />

Allerdings fehlt bislang ein Beleg dafür.<br />

Barbizon, um sich in der Landschaftsmalerei zu vervollkommnen,<br />

auch Studienreisen nach Belgien, Holland und in die Schweiz<br />

folgten. Seine größte Begabung lag auf dem Gebiet der Tiermalerei,<br />

aber auch als Porträtmaler machte er sich einen Namen.<br />

Seit 1887 war Meyerheim Professor an der Kunstakademie und<br />

wurde später Mitglied des Senats.<br />

Paul Meyerheim wurde bis 1860 zusammen mit seinem Bruder<br />

Franz M. (1838-1880) von seinem Vater Friedrich Eduard M.<br />

(1808-1879) unterrichtet. 1857 bis 1860 besuchte er die Kunstakademie<br />

seiner Heimatstadt. Um 1878 ist er in Oberitalien am<br />

Gardasee nachzuweisen und ging mehrmals nach Paris und nach<br />

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CARL MORGENSTERN<br />

1811 – Frankfurt am Main – 1893<br />

Felsvorsprung mit rastendem Reisigsammler bei Bremthal bei Eppstein im Taunus.<br />

33<br />

Öl, auf Papier, mit schwarzer Linie umrandet, auf Karton aufgezogen, verso bezeichnet und signiert<br />

„16 ¼“ hoch 22 ¾ zoll par f. / gem. v. C. Morgenstern Ao LDSN (bedeutet vermutl. 1830)“,<br />

von fremder Hand auf einem verso aufgeklebten Zettel mit schwarzer Tusche bezeichnet<br />

„Aus dem Bremthale bei Eppstein 1830 ausgeführt.“ 19,5:26,5 cm.<br />

Provenienz: Dr. von Beseler Hamburg, Nr. 0747 (Etikett verso);<br />

Kunsthandlung J.P. Schneider, Frankfurt am Main; Kunsthandlung<br />

Julius Giessen, Frankfurt am Main.<br />

Literatur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Ausgewählte Werke Frankfurter<br />

Maler . Frankfurt a.M., Kunsthandlung Julius Giessen, 2000, S. 4<br />

mit Farbabb.<br />

Vergleichsliteratur: Nachlaßauktion, Frankfurt a.M. 1918,<br />

Nr. 127; Ausst. <strong>Katalog</strong>: Carl Morgenstern und die Landschaftsmalerei<br />

seiner Zeit. Bearb. von Chr. Ring. Frankfurt a.M., Museum<br />

Giersch 2011, S. 18, Abb. 9 und 10.<br />

Reizvolles und für diese Zeit charakteristisches Beispiel aus der<br />

frühesten Schaffensperiode dieses bedeutenden Frankfurter<br />

Malers, geschult an der Malerei der Holländer aus dem 17. Jahrhundert,<br />

wie Jacob I. Ruisdael (1628/29-1682) und Meindert<br />

Hobbema (1638-1709).<br />

Der Landschaftsmaler Carl Morgenstern entstammte einer<br />

Frankfurter Künstlerfamilie, die über fünf Generationen tätig<br />

war. Er war der Sohn von Johann Friedrich (1777-1844) und<br />

Vater von Friedrich Ernst Morgenstern (1853-1919). Neben<br />

seiner Lehrzeit beim Vater studierte er die altniederländische<br />

Malerei. Während seines Münchner Aufenthaltes 1832-1834<br />

bildete er sich im Umgang mit den Landschaftsmalern Carl<br />

Rottmann (1797-1850) und Christian Morgenstern (1805-1867)<br />

weiter. 1833-1834 reiste er in die bayerischen und österreichischen<br />

Alpe n. Seit 1834 hielt er sich in Italien auf, vorwiegend<br />

in Rom. Er unternahm Ausflüge ins Albaner- und Sabinergebirge,<br />

nach Neapel und dessen Umgebung (im Spätsommer<br />

1835 hielt er sich in der Umgebung von Amalfi auf) sowie nach<br />

Sizilien . 1837 kehrte er nach Frankfurt zurück. Weitere Reisen<br />

führten ihn 1839 nach Düssel dorf, Holland, Belgien, 1841 nach<br />

Frankreich , in die Schweiz und mehrmals nach Italien. Seine<br />

italienischen Landschaftsmotive fand Morgenstern in Venedig,<br />

Neapel, der Toskana, auf Capri und Sizilien, während Ansichten<br />

von Frankfurt und dem Taunus sowie Main- und Rheinlandschaften<br />

kennzeichnend für seine Darstellungen aus dem deutschen<br />

Raum sind.<br />

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FERDINAND VON OLIVIER<br />

1785 Dessau – München 1861<br />

Donnerstag. Berchtesgaden und der Watzmann.<br />

34<br />

Lithographie, 1822/23, auf Velin. Darstellungsgröße 20,7:27,8 cm, Blattgröße 34,8:40 cm. –<br />

Gering fleckig, Papierabrieb an der Oberkante verso.<br />

Aus: „Sieben Gegenden aus Salzburg und Berchtesgaden nach<br />

den sieben Tagen der Woche, verbunden durch zwey allegorische<br />

Blätter“. Verlegt in Wien bei A. Kunike. Klar zeichnender, differenzierender<br />

Abdruck des seltenen Blattes. Olivier hatte zunächst<br />

vor, die Folge in Radierungen auszuführen. Bei den Probe abzügen<br />

der Motive „Montag“ und „Dienstag“ stellte er aber fest, daß die<br />

Zartheit und Lichtigkeit der Zeichnung dabei verlorenging. So<br />

entschied er sich für die noch junge Drucktechnik der Lithographie,<br />

wobei er selbst das Ausdrucken jedes Blattes überwachte,<br />

um genau die gewünschte duftige Wirkung zu erzielen.<br />

Die Folge und jedes einzelne Blatt daraus, gilt als Pionierleistung<br />

der Lithographie und ist selten!<br />

Provenienz: Familiennachlaß der Brüder Olivier, München.<br />

Literatur: L. Grote, Die Brüder Olivier und die deutsche<br />

Romantik . Berlin, 1938, S. 224, Abb. 134; <strong>Katalog</strong> der Olivier-<br />

Gedächtnis ausstellung. Dessau, 1930, S. 33, Nr. 251; Ausst.<br />

Katalo g: Romantik in Österreich. Malerei und Graphik. Salzburg,<br />

Residenz-<strong>Galerie</strong> 1959, S. 58, Nr. 140; H. Schwarz, Salzburg und<br />

das Salzkammergut. Die künstlerische Entdeckung der Stadt und<br />

der Landschaft im 19. Jahrhundert. 1. Aufl. Wien, 1926, Abb.<br />

21; Derselbe, Dasselbe. 4. Aufl. Salzburg, <strong>Galerie</strong> Welz, 1977,<br />

S. 293/294, Abb. 47-55; Esther Straub-Fischer, Der Salzburger<br />

Friedhof zu St. Peter in den Zeichnungen deutscher Romantiker.<br />

In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde,<br />

<strong>106</strong>, 1966, S. 349; Ausst. <strong>Katalog</strong>: Die Brüder Olivier . Gemälde,<br />

Zeichnungen und Druckgraphik aus der Staatlichen <strong>Galerie</strong><br />

Dessau. Ludwigshafen a. Rh., Wilhelm-Hack-Museum 1990/91,<br />

Nr. 58, Abb. S. 60/61; Ausst. <strong>Katalog</strong>: German Printmaking in the<br />

Age of Goethe. London, British Museum, 1994, Nr. 135 f; Ausst.<br />

<strong>Katalog</strong>: German Romantik prints and drawings. London, British<br />

Museum, 2011/12, Nr. 69 F, Abb. S. 242.<br />

Nach einer Ausbildung bei Carl Wilhelm Kolbe d.Ä. (1757-<br />

1835) und Christian Haldenwang (1770-1831) in Dessau, folgte<br />

ein Studium an der Dresdener Akademie von 1804-1806 und<br />

bei Jacob Wilhelm Mechau (1745-1808) und Karl Ludwig Kaaz<br />

(1773-1810). Beeinflußt wurde Ferdinand von Olivier durch den<br />

Romantiker-Kreis um Caspar David Friedrich (1774-1840) und<br />

durch eigene Schulung an den Werken von Claude Lorrain und<br />

Jacob van Ruisdael. Nach zwei kurzen Aufenthalten 1807 und<br />

1811 in Dresden und einer dazwischenliegenden Tätigkeit im<br />

diplomatischen Dienst in Paris ging er mit seinem Bruder Friedrich<br />

(1791-1859) nach Wien, wo er Joseph Anton Koch (1768-<br />

1839) begegnete. Die Sommer der Jahre 1815 und 1817 verbrachte<br />

er mit seinem Bruder in Salzburg, dem Salzkammergut und im<br />

Berchtesgadener Land, auch 1829 ist ein Aufenthalt dort nachweisbar.<br />

1816 erfolgte die Aufnahme in die Lukasbrüderschaft.<br />

Ab 1830 lebte er in München und wurde hier zum Professor der<br />

Kunstgeschichte an der Universität ernannt.<br />

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34


WALTER OPHEY<br />

1882 Eupen – Düsseldorf 1930<br />

35<br />

Durch eine bergige Landschaft fahrender Zug bei Sonnenschein. Farbkreiden, auf dünnem chamoisfarbenem Velin<br />

(Blatt aus einem Zeichenblock, am oberen Rand gezackt). 41:25,3 cm.<br />

Mit sauber restaurierten kleinen Einrissen in der linken unteren Ecke, sauber restaurierter kleiner Papierverlust im Oberrand,<br />

schwache Verfärbungen von alter Montage in den Ecken.<br />

1899 studierte der Maler und Graphiker Walter Ophey an der<br />

Technischen Hochschule in Aachen und besuchte die Kurse<br />

Figuren- und Landschaftszeichnen sowie Aquarellmalen bei<br />

F. Reiff (1835-1902). Nebenher belegte er Abendkurse an der<br />

Kunstgewerbeschule Aachen. Bereits ein Jahr später arbeitete er<br />

im Atelier des Aachener Bildhauers K. Kraus (1859-1906). Gegen<br />

Ende dieses Jahres setzte er seine Ausbildung an der Düsseldorfer<br />

Kunstakademie fort und war erst Schüler von E. Roeber<br />

(1849-1915) und W. Spatz (1861-1931), ab 1904 von E. Dücker<br />

(1841-1916), dessen Meisterschüler er wurde. Nach eine r ersten<br />

Ausstellungsbeteiligung noch in diesem Jahr zeichneten sich die<br />

ersten öffentlichen Erfolge ab. 1909 gründete er gemeinsam mit<br />

den Düsseldorfer Malern J. Bretz (1870-1953), M. Clarenbach<br />

(1880-1952), A. Deusser (1870-1942), W. Schmurr (1848-1959)<br />

u.a. die Gruppe „Sonderbund“, die in den nächsten Jahren eine<br />

der bedeutendsten Ausstellungsbewegungen der Moderne in<br />

Deutschland wurde. 1910 unternahm er eine Reise nach Italien,<br />

1911 nach Paris. Nach Kriegsausbruch eingezogen, wurde er be-<br />

reits 1915 wegen einer schweren Lungenentzündung entlassen<br />

und arbeitete nach der Genesung im Militäramt Düssel dorf.<br />

1919 wurde er Mitglied der Künstlervereinigung „Das junge<br />

Rheinland“. Nach 1928 schlossen sich diese Vereinigung sowie<br />

die „Rheingruppe“ und weitere Düsseldorfer Künstler zur<br />

„Rheinischen Sezession“ zusammen. Dem plötzlichen Tod seines<br />

dreijährigen Sohnes 1924 folgten Depressionen, die ihn bis<br />

zu seinem Tod zunehmend schwächten. Wenige Monate später<br />

unternahm er gemeinsam mit seiner Frau eine Reise nach Italien,<br />

1925 zog es ihn nach Sizilien. Da sich bereits 1927 Opheys gesundheitlicher<br />

Zustand aufgrund asthmatischer Anfälle und<br />

Herzbeschwerden zunehmend verschlechterte, folgten Kuraufenthalte<br />

an die Ostsee, im Harz und Garmisch-Partenkirchen,<br />

die jedoch keine Besserung brachten.<br />

Walter Ophey gehört neben A. Macke (1887-1914) und H. Nauen<br />

(1880-1940) zu den wichtigsten Vertretern des Rheinischen<br />

Expressio nismus.<br />

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35


MAX OPPENHEIMER, GEN. „MOPP“<br />

1885 Wien – New York 1954<br />

36<br />

Heßquartett (Streichquartett).<br />

Kaltnadelradierung, 1915, auf hellbraunem Japan, nummeriert und signiert. 24,7:24,3 cm.<br />

Erschienen im Verlag Amsler & Ruthardt, Berlin. – Insgesamt etwas knitterfaltig.<br />

Literatur: Alfred Stix/Max Osborn, Das Graphische Werk von<br />

Max Oppenheimer. MOPP. Berlin, 1931, R 35, Abb. S. 112; Papst<br />

36 mit Abb. Nr. 9 von 50 Exx. – Vorzüglicher Abdruck!<br />

Bereits 1914 hatte Oppenheimer das Heßquartett in einem Gemälde<br />

festgehalten (vgl. M.-A. von Putkamer, Max Oppenheime r 1885-<br />

1954. Leben und malerisches Werk. Wien/Köln/Weimar, 1999,<br />

Nr. 93, Abb. S. 112).<br />

Oppenheimer war von 1900-1903 Schüler der Akademie der<br />

bildenden Künste in Wien und 1903-1906 der Prager Kunstakademie.<br />

Hier schloß er sich 1906 der Gruppe „OSMA“ an,<br />

eine der ersten Vereinigungen tschechischer Avantgardisten.<br />

1907 Rückkehr nach Wien, wo er zum Kreis des „Wiener<br />

Expressio nismus“ gehörte. Stilistisch war er beeinflußt von<br />

Oskar Kokoschka (1886-1980), Egon Schiele (1890-1918) und<br />

Albert Paris Gütersloh (1887-1973). 1911-1915 war er in Berlin<br />

tätig und Mitarbeiter der Zeitschrift „Die Aktion“. Es folgte ein<br />

Aufenthalt in der Schweiz von 1915-1925, wo seine Auseinandersetzung<br />

mit der Musik begann (Bildnisse von Musikern,<br />

„Musik und Malerei “, 1919). 1931 kehrte er nach Wien zurück,<br />

1938 emigrierte er in die USA.<br />

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75<br />

36


FRIEDRICH PRELLER D.Ä.<br />

1804 Eisenach – Weimar 1878<br />

37<br />

Tiberlandschaft; Acqua acetosa.<br />

Aquarell über Bleistift, um 1861, auf Velin. 18,6:44,7 cm. – Papier leicht vergilbt,<br />

Fehlstelle im rechten Rand ergänzt.<br />

Schmale Oberflächenverletzung im Unterrand rechts farblich angeglichen.<br />

76


Vergleichsliteratur: I. Weinrautner, Friedrich Preller d. Ä.<br />

(1804-1878) Leben und Werk. Bonn, Universität, Diss. 1996, 291<br />

und 292.<br />

Während seines zweiten Romaufenthaltes 1859/61 war die Gegend<br />

um Acqua acetosa ein beliebtes Ziel von Prellers Wanderungen<br />

in die Umgebung Roms. In dem 1842 erschienenen Reiseführer<br />

von Ernst Platner, den die Reisegefährtin der Familie<br />

Preller, Olinda von Bouterweck, nachweislich benutzte, ist<br />

Acqua acetosa ausführlich beschrieben.<br />

Bereits im Alter von erst 10 Jahren begann Friedrich Preller, dessen<br />

Talent von seinen Eltern gefördert wurde, mit Studien an<br />

der Weimarer Zeichenschule. 1818 setzte er bei dessen Direktor,<br />

dem Maler und Kunstschriftsteller Heinrich Meyer (1760-1832),<br />

einem engen Freund und Mitarbeiter Goethes, seine Malstudien<br />

fort. 1821 – er hatte sich Geld durch Kolorieren von Stichen<br />

für Friedrich Justin Bertuch (1747-1822) verdient – ging er nach<br />

Dresden. Hier begann er mit dem Kopieren von Altmeistergemälden<br />

aus der Dresdener <strong>Galerie</strong>. Erste Fahrten mit anderen<br />

Kunststudenten zum Studium der Natur in die nähere Umgebung<br />

Dresdens folgten. Durch Goethes Vermittlung – Preller<br />

war inzwischen dessen Schützling geworden – lernte er auch<br />

Carl Gustav Carus (1789-1869) kennen, der ihn künstlerisch<br />

anleitete. Goethe selbst beauftragte Preller nach dessen erstem<br />

Dresden-Aufenthalt, für seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen<br />

Reinzeichnungen von Wolkenstudien anzufertigen.<br />

Mit finanzieller Unterstützung des Großherzogs Karl August<br />

konnte Preller nach Antwerpen reisen, wo er 1824-1826 an der<br />

Akademie bei Mattheus Ignatius van Bree (1773-1839) seine<br />

Studien fortsetzte. Kurz nach seiner Rückkehr ermöglichte ihm<br />

jetzt ein Jahresstipendium des Großherzogs 1826-1828 einen<br />

Aufenthalt in Mailand, wo er an der Akademie bei Cattaneo<br />

(vermutl. Felice Cattaneo, um 1790-1827) studierte.<br />

1828-1831 hielt Preller sich in Rom auf und wurde maßgebend<br />

von Joseph Anton Koch (1768-1839), mit dem er Ausflüge in<br />

die nähere Umgebung der Stadt unternahm, beeinflußt; daneben<br />

hatten die Landschaftsmaler Claude Lorrain (1600-1682),<br />

Nicolas Poussin (1594-1665) und Gaspard Dughet (1615-1675)<br />

Vorbildcharakter; die Freundschaft mit Bonaventura Genelli<br />

(1798-1868) brachte darüber hinaus Anregungen für seinen<br />

Figuren stil. Von Rom aus besuchte Preller Olevano und Neapel.<br />

Auch war er rege am deutsch-römischen Kunstleben beteiligt, so<br />

war er Gründungsmitglied des römischen Kunstvereins sowie<br />

General der Ponte-Molle-Gesellschaft. Nach seiner Rückkehr<br />

nach Weimar wurde Preller 1832 erst Lehrer an der Zeichenschule,<br />

1844 erfolgte die Ernennung zum Professor und Hofmaler.<br />

1837 unternahm er, zunächst aus gesundheitlichen Gründen,<br />

eine erste Reise nach Rügen; 1839, 1847 und zuletzt 1872 folgten<br />

weitere – Prellers Nordlandbegeisterung führte ihn 1840 zudem<br />

nach Norwegen. Sein Ruf als bedeutender Maler melancholischer<br />

nordischer Landschaften und wilder Seestücke wurde<br />

dadurch noch ausgebaut. Ein zweiter, fast eineinhalbjähriger<br />

Aufenthalt in Italien folgte 1859-1861. Er wollte vor Ort Studien<br />

für seinen zweiten berühmten Zyklus der Odyssee-Wandbilder<br />

anfertigen, ein Auftrag des Großherzogs. 1868 wurde Preller<br />

schließlich Direktor der Weimarer Zeichenschule.<br />

37<br />

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JOHANN CHRISTIAN REINHART<br />

1761 Hof – Rom 1847<br />

38<br />

Bewaldete hügelige Landschaft mit einem Hirten, der drei Rinder und eine Ziege vor sich hertreibt.<br />

Feder in Braun, grau und braun laviert, auf Bütten mit undeutlichem Wasserzeichen,<br />

verso mit brauner Feder nummeriert „5.“ sowie Bleistiftskizzen. 25,7:32,8 cm. –<br />

Im oberen Bereich leichte Quetschfalte sowie im oberen Rand sorgfältig restauriertes Löchlein.<br />

Vergleichsliteratur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Johann Christian Reinhart.<br />

Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom. Hamburg/München<br />

2012/2013, Kat.-Nr. 15, Abb. S. 120 (die hier genannte Zeichnung<br />

ist in der Größe: 25,1:32,2 cm, mit unserer nahezu identisch).<br />

Die Authentizität der Zeichnung wurde mündlich bestätigt<br />

von Dr. Carlo Schmid, Düsseldorf (Feb. 2017), dem wir für die<br />

freundliche Unterstützung danken.<br />

Reinhart studierte in Leipzig Theologie und nahm bei Adam<br />

Friedrich Oeser (1717-1799) Kunstunterricht. 1783 lernte er<br />

in Dresden Johann Christian Klengel (1751-1824) kennen, der<br />

ihn in seiner künstlerischen Arbeit beeinflußte. 1785 begegnete<br />

er Friedrich Schiller, mit dem er Freundschaft schloß.<br />

In Meininge n, wo er von 1786-1789 lebte und sich sein Landschaftsstil<br />

schon voll entfaltete, wurde er engster Vertrauter<br />

Georg I. Herzog von Sachsen-Meiningen. Im Jahr 1789 ging er<br />

für immer nach Rom.<br />

Dort arbeitete er zuerst noch in der realistischen Naturauffassung<br />

seiner Jugend, ging dann aber unter dem Einfluß von<br />

Joseph Anton Koch (1768-1839) und Jakob Asmus Carstens<br />

(1754-1798) zum heroischen Landschaftsstil über. Seit 1782<br />

begleiteten Radierungen sein Schaffen. Die bedeutendsten<br />

entstanden in Rom, wie etwa eine Reihe von Tierdarstellungen<br />

sowie 24 Ansichten zu den „Malerisch radierte Prospekte<br />

aus Italien“ für den Nürnberger Verleger Frauenholz. Unter<br />

der Künstlerschaft in Rom nahm Reinhart eine hoch geachtete<br />

Stellung ein. Seit 1826 verfaßte er mehrere kritische Artikel<br />

gegen deutsche Kunst kritiker, die über das römische Kunstleben<br />

berichtet hatten. 1825 wurde ihm durch König Ludwig I.<br />

von Bayern eine Pension ausgesetzt. 1839 folgte die Ernennung<br />

zum Ehrenmitglied der Münchener Akademie und zum<br />

Bayerische n Hofmaler. Er liegt auf dem deutschen Friedhof<br />

neben St. Peter in Rom begraben.<br />

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79<br />

38


JOHANN CHRISTIAN REINHART<br />

1761 Hof – Rom 1847<br />

39<br />

„Magnetismus Mesmerianus“.<br />

Karikatur auf den Mediziner Franz Anton Mesmer (1734 Iznang/Bodensee – Meersburg 1815). Schwarze Kreide,<br />

braun und grau laviert, auf Bütten mit Wasserzeichen, rechts unten signiert und datiert<br />

„CReinhart inv. 1788“. 20,3:27 cm. – Leicht knitterfaltig und mit vereinzelten Braunflecken.<br />

Provenienz: Prof. Dr. Erwin Redslob (verst. 1973), Berlin;<br />

Katalo g 12, <strong>Galerie</strong> und Kunstantiquariat Joseph <strong>Fach</strong>, Frankfurt<br />

a.M. 1977: Aquarelle, Handzeichnungen, Graphik vom<br />

16.-20. Jahrhundert, Nr. 70, Abb. S. 21; Frankfurter Privatbesitz.<br />

Literatur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Johann Christian Reinhart, Ausstellung<br />

zum 200. Geburtstage. Hof, Stadtverwaltung und Kulturbund,<br />

1961, Nr. 58; Feuchtmayr Z 347.<br />

Mesmer, der Medizin und Theologie studierte, machte sich als<br />

Arzt einen Namen durch seine Erfolge mit der Heilkraft des<br />

Magneteisens. 1776 glaubte er jedoch zu erkennen, daß die von<br />

ihm bisher verkündete Magnettherapie nicht auf der Wirkung<br />

des Magneten, sondern auf einer geheimnisvollen Kraft, einem<br />

„Fluidum“, beruhe, das aus dem menschlichen Körper ausströme<br />

und durch aufgeladene Gegenstände verstärkt werden<br />

könne. Mesmer kämpfte um die wissenschaftliche Anerkennung<br />

seiner Entdeckung, die heute als Ursprung der Hypnosetherapie<br />

angesehen wird.<br />

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81<br />

39


GERHARDT WILHELM VON REUTERN<br />

1794 Gut Rösthof bei Walk/Livland – Frankfurt am Main 1865<br />

Zwei Eselstudien übereinander, oben nach rechts stehend, unten nach links stehend.<br />

40<br />

Öl, auf grau grundiertem, braunem festem Velin, verso von alter Hand bezeichnet „Reutern“. 23,5:19,7 cm. –<br />

Mehrere kleine Randeinrisse sowie ein ca. 3 cm langer Einriß sorgfältig restauriert,<br />

rechte untere Ecke ergänzt, kleine Retuschen.<br />

Provenienz: Sammlung Walther Unus (eigentl. Walther Heinrich ),<br />

Berlin (1872-1939), Schriftsteller, Kunstsammler, Bank beamter.<br />

Vergleichsliteratur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Gerhardt Wilhelm von<br />

Reuter n 1794-1865. Drawings and Watercolours. London, Hazlitt ,<br />

Gooden & Fox, 1978; Gerhardt von Reutern. Hrsg. Vereinigung<br />

Malerstübchen Willingshausen e.V., Willingshäuser Hefte 4, Willingshausen,<br />

1994; Ausst. <strong>Katalog</strong>: Kunstlandschaft Rhein-Main.<br />

Magie des Augen blicks – Skizzen und Studien in Öl, Museum<br />

Giersch, Frankfurt am Main 2009, Nr. 82, Abb. S. 186.<br />

Nach einem kurzen Studium der Natur- und Militärwissenschaften<br />

wurde von Reutern 1811 Kavalleriesoldat und beteiligte<br />

sich an den Feldzügen Rußlands. Durch eine Kriegsverwundung<br />

verlor er in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 den rechten<br />

Arm. In Weimar machte er 1814 die Bekanntschaft Goethes, mit<br />

dem er später häufig zusammentraf. Nach erneuter Kriegsteilnahme<br />

im Jahr 1815 Beurlaubung und ausgedehnte Reisen. 1818<br />

begann er in Heidelberg Geschichte und Kunstgeschichte zu<br />

studieren; zugleich ermunterte ihn Goethe zum Malen mit dem<br />

linken Arm. 1820 folgte die erste größere Italienreise. Nach seiner<br />

Verheiratung in Willingshausen – sein erster Aufenthalt in<br />

Willingshausen ist in das Jahr 1814 zu datieren – mit der Tochter<br />

des hessischen Rittmeisters von Schwertzell kehrte von Reutern<br />

über Weimar und Leipzig nach Livland zurück. Der nach der<br />

Kriegsverwundung und Amputation labile Gesundheitszustand<br />

veranlaßte ihn zwei Jahre später zum Verkauf seines Landgutes<br />

und wiederholten Kuren u.a. in Bad Ems 1825, 1826 und 1827<br />

und ärztlichen Behandlungen 1825, 1834 und 1839 sowie weiteren<br />

Kuren in Schlangenbad und in der Schweiz. 1824 studierte<br />

er in Bern bei dem Schweizer Aquarellmaler Gabriel Lory d. J.<br />

(1784-1846). Eine Reise nach Italien schloß sich von November<br />

1824 bis Mai 1825 an. Dann kehrte er nach Willingshausen zurück,<br />

wo er auf Ludwig Emil Grimm (1790-1863) traf; sie betrieben<br />

erste gemeinsame Fahrten zum Landschaftsstudium in<br />

Willingshausen und Umgebung. Beide Künstler gelten damit<br />

als Begründer der „Willingshäuser Malerkolonie“, der ältesten<br />

Maler kolonie im deutschen Raum.<br />

In dieser Zeit der Zusammenarbeit entstanden auch von Reutern s<br />

erste Radierungen unter der Anleitung Grimms im Jahr 1826;<br />

erste gezeichnete Tierbilder sind ebenfalls für dieses Jahr zu belegen<br />

(vgl. Gerhardt von Reutern. Hrsg. Vereinigung Malerstübchen<br />

Willingshausen e.V., Willingshäuser Hefte 4, Willingshausen,<br />

1994, Nr. 20); Radierungen mit Tierdarstellungen sind von<br />

1828 bekannt (vgl. op. cit., die Nrn. 31-35). 1828 ging er an die<br />

Kasseler Kunstakademie, wo er Schüler des berühmten Landschaftsmalers<br />

Johann Martin von Rhoden (1778-1868) war. In<br />

den folgenden Jahren pflegte von Reutern sehr engen Kontakt<br />

zu Grimm, mit dem er gemeinsam zeichnete und malte und von<br />

82


40<br />

dem er wichtige Anregungen aufnahm. 1832<br />

siedelte er mit der Familie nach Vernex bei<br />

Montreux um. Im darauffolgenden Jahr reiste<br />

er erneut nach Italien, über Marseille und Genua<br />

nach Rom und Neapel. Ölstudien betrieb<br />

er bei Grimm und Carl Glinzer (1802-1878) in<br />

Kassel. An der Düsseldorfer Kunstakademie<br />

setzte er seine Studien 1837-1844 bei Theodor<br />

Hildebrandt (1804-1874) fort. Zwei Jahre<br />

später erfolgte die Ernennung zum kaiserlichrussischen<br />

Hofmaler, ein festes Jahresgehalt<br />

ging damit einher. Bis zu seinem Lebensende<br />

zeichnet sich von Reutern s bewegtes Leben<br />

durch längere Reisen nach Rußland, durch<br />

Deutschland, die Schweiz und nach Italien<br />

aus. 1844 ließ er sich in Frankfurt am Main<br />

nieder, wo er auch die Bekanntschaft mit Philipp<br />

Veith (1793-1877) machte. Von Frankfurt<br />

aus unternahm er immer wieder Reisen u. a.<br />

in die Schweiz, nach Baden-Baden und Willingshausen.<br />

1864 wurde von Reutern zum<br />

Ehren mitglied und Meister des Freien Deutschen<br />

Hochstifts ernannt. Im gleichen Jahr<br />

erlitt er einen Schlaganfall, der zur Lähmung<br />

der rechten Seite führte.<br />

83


JOHANN MARTIN VON ROHDEN<br />

1778 Kassel – Rom 1868<br />

41<br />

Ausblick von Tivoli – oberhalb der Wasserfälle – in die römische Campagna.<br />

Aquarellierte Bleistiftzeichnung, auf Bütten mit Wasserzeichen: J Honig & Zoonen,<br />

verso mit Bleistift bezeichnet „Franz Horny“. 42,7:60,3 cm. – Zwei Knickfalten in der linken oberen Ecke geglättet,<br />

oben mittig leichter brauner Fleck schwach sichtbar.<br />

Mit seiner 1796-1799 entstandenen Ölstudie (Größe 28:41 cm),<br />

hat der Maler einen nahezu identischen Landschaftsausschnitt<br />

gewählt, wobei der gewählte Standpunkt weiter links war und<br />

dadurch einige Häuser von Olevano sichtbar werden, wogegen<br />

die Mauer und der angeschnittene Baum rechts fehlen. Dafür<br />

reicht der Blick in die Campagna weiter. (Vgl. Ausst. <strong>Katalog</strong>:<br />

Johann Martin von Rohden 1778-1868. Hrsg. von M. Heinz.<br />

Kassel/Wuppertal, 2000/2001, Nr. 6 mit farb. Abb. S. 51).<br />

Wie bei von Rohden öfter zu beobachten, fehlt auch bei unserer<br />

Zeichnung die Vordergrundausführung. Die Behandlung der<br />

Bäume entspricht ganz und gar seinem Zeichenstil, wie man ihn<br />

in den Landschafts- und Baumstudien findet.<br />

Nach dem Besuch der Kasseler Akademie seit 1791, brach von<br />

Rohden schon 1795 zusammen mit Karl du Ry, dem Sohn des<br />

Kasseler Baumeisters Simon Louis du Ry (1726-1799) nach Rom<br />

auf, wo er bis auf einige Unterbrechungen sein ganzes Leben verbrachte.<br />

Anfangs wurde er von Joseph Anton Koch (1768-1839)<br />

und Johann Christian Reinhart (1761-1847) beeinflußt, doch<br />

wechselte er bald von der heroischen zur realistischen Landschaftsauffassung.<br />

In Deutschland hielt er sich 1801/02 und 1811/12 auf. Während<br />

dieses Aufenthaltes lernte er Johann Wolfgang von Goethe<br />

persönlich kennen. 1815 heiratete er Catarina Coccanari, die<br />

Tochter des Sybillen-Gastwirts in Tivoli. Nochmals folgte<br />

1827/29 ein Aufenthalt in Deutschland, als er zum Hof maler<br />

in Kassel ernannt worden war. Obwohl ihn diese Berufung<br />

und das damit verbundene Gehalt, wie Johann Martin Wagner<br />

(1777-1858) Anfang 1827 an König Ludwig I. schrieb, aus langjähriger<br />

Mutlosigkeit aufrichtete, ließ er sich bereits 1829 beurlauben,<br />

um nach Rom zurückzukehren. Die Unterstützung, die<br />

ihm auch nach der Entlassung aus dem Hofdienst zuteil wurde,<br />

sicherte seine Existenz, für die seine sehr sorgfältige, aber<br />

seit den 40er Jahren nicht sehr umfangreiche Produktion allein<br />

nicht aus gereicht hätte.<br />

Tivoli war das beliebteste Ausflugsziel der deutschen Maler in<br />

Rom; und es gab kaum einen in Italien weilenden Künstler, der<br />

den Ort nicht aufgesucht und zumindest in einer Skizze bildlich<br />

festgehalten hätte.<br />

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JAKOB WILHELM ROUX<br />

1771 Jena – Heidelberg 1830<br />

Goethes Garten bei Weimar.<br />

42<br />

Kupferstich, auf Velin. 39:51,3 cm. – Verso: Bleistiftskizze einer Landschaft. –<br />

Insgesamt mit Altersspuren, Knickfalte unten geglättet.<br />

Literatur: Nagler 4; W. Schneider (Hrsg.), Romantische Ansichten<br />

von Weimar, 1991, S. 11, Abb. 3.<br />

Probedruck vor aller Schrift mit Rändchen um die Plattenkante.<br />

Sehr selten!<br />

Roux begann seine Ausbildung mit dem Studium der<br />

Mathematik an der Universität in Jena, doch er interessierte sich<br />

bald schon nur noch für die Malerei. Ersten Unterricht in anatomischem<br />

Zeichnen erhielt er an der Universität in Jena von<br />

Christian Immanuel Oehme (1759-1832). Mit Justus Christian<br />

Loder (Chirurg, 1753-1832), den er durch Oehme kennengelernt<br />

hatte, entstand eine interessante Zusammenarbeit und Roux<br />

machte sich zunehmend einen guten Namen. Johann Wolfgang<br />

von Goethe und Friedrich Justin Bertuch (Verleger, 1747-1822)<br />

hielten große Stücke auf ihn. Als Meisterschüler von Johann<br />

Christian Klengel (1751-1824) avancierte Roux zu einem gefragten<br />

Porträtisten. Die Malerin Louise Seidler (1786-1866) unterrichtete<br />

er von 1805-1808 in der Pastellmalerei.<br />

Roux wurde nach seiner Ankunft am 26.03.1816 in Heidelberg<br />

– mit einem Empfehlungsschreiben Goethes an die Brüder<br />

Boisserée – 1818 Nachfolger Friedrich Rottmanns (1768-1818)<br />

als Kunstlehrer an der Universität Heidelberg. In Goethes Empfehlungsschreiben<br />

stand zu lesen, daß Roux sich als „gebildeter<br />

Mann und schätzbarer Künstler bewähren werde“. Er veröffentlichte<br />

in den folgenden Jahren im Heidelberger Kunstverlag von<br />

Joseph Engelmann zahlreiche Publikationen mit Ansichten aus<br />

dem Neckartal, der Rheinlande und dem Taunus.<br />

Goethe bewohnte das Gartenhaus an den Ilm-Wiesen in Weimar<br />

von 1776-1782, bevor er das Haus am Frauenplan bezog.<br />

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CASPAR SCHEUREN<br />

1810 Aachen – Düsseldorf 1887<br />

43<br />

Felsenstudie.<br />

Öl, auf Papier, auf Karton aufgezogen, links unten bezeichnet und datiert „Rüdesheim July 1840“. 32,5:26 cm.<br />

Provenienz: Frankfurter Privatbesitz.<br />

Vergleichsliteratur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Caspar Scheuren. Leben und<br />

Werk eines rheinischen Spätromantikers. Hrsg. von W. Vomm.<br />

Bergisch Gladbach, 2010/2011, Abb. 172, 173 und 382 (Radierung,<br />

1842).<br />

Scheuren skizzierte wiederholt mächtige Felsblöcke, wie sie z.B.<br />

im Morgenbachtal anzutreffen sind. Die Nähe zu seinem Lehrer<br />

Lessing wird hier besonders deutlich.<br />

Der außerordentlich produktive Landschaftsmaler, Aquarellist,<br />

Illustrator und Gebrauchsgraphiker erhielt die erste Unterweisung<br />

durch seinen Vater, den Zeichenlehrer und Gebrauchsgraphiker<br />

Johann Peter Scheuren (1774-1844). In die Düsseldorfer<br />

Akademie trat er 1829 ein, besuchte bis 1830 die Vorbereitungsklasse<br />

und wurde Mitglied des 1827 in Düsseldorf gegründeten<br />

„Landschaftlicher Componirverein“. 1830–1834 studierte<br />

er in der Landschaftsklasse des nur drei Jahre älteren Johann<br />

Wilhelm Schirmer (1807-1863), der ihn ebenso nachhaltig beeinflusste<br />

wie Carl Friedrich Lessing (1808-1880). Ab 1829 nahm<br />

Scheuren an Ausstellungen teil. 1831 hielt er sich mit Schirmer<br />

in der Eifel, an der Ahr und in den Niederlanden auf. 1835 eröffnete<br />

er in Düsseldorf ein eigenes Atelier und reiste nach Österreich,<br />

in die Schweiz und nach Italien. Nach einer schweren Erkrankung<br />

1864 entstanden nur noch wenige Gemälde.<br />

Im Mittelpunkt der Kunst Scheurens stand zeitlebens der Rhein<br />

mit den alten Städten, den Burgen, Kirchen und Klöstern, den<br />

Sagen und Geschichten.<br />

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JOHANN HEINRICH SCHILBACH<br />

1798 Barchfeld/Werra – Darmstadt 1851<br />

Pozzuoli.<br />

44<br />

Aquarell über Bleistift, mit einigen Deckweißlichtern, auf cremefarbenem Velin. 14,3:21,6 cm. –<br />

Kleiner Einriß im oberen Rand sorgfältig geschlossen.<br />

Das Aquarell ist in lichter Farbigkeit bildmäßig ausgeführt und zeigt<br />

die hohe zeichnerische sowie malerische Fertigkeit Schilbachs.<br />

Vergleichsliteratur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: P. Märker/Klaus-D. Pohl, Der<br />

Traum vom Süden. Johann Heinrich Schilbach (1798-1851). Zeichnungen,<br />

Aquarelle, Ölstudien und Gemälde. Darmstadt, Hess.<br />

Landesmuseum, 2000, Abb. S. 56.<br />

Bei unserem Blatt handelt es sich um eine in Aquarell ausgeführte<br />

Fassung desselben Motivs. Hierzu heißt es im Darmstädter <strong>Katalog</strong>:<br />

„Auf 1831 finden wir ein ebenso kleinformatiges Gemälde datiert:<br />

‚Pozzuoli‘ – das erste uns bekannte Staffeleiwerk der nachrömischen<br />

Zeit mit italienischem Landschafts motiv. Ebenfalls durch<br />

einen schattigen Vordergrund mit kleinen Figuren eingeleitet, zeigt<br />

es einen Blick auf den weiten Golf von Neapel mit dem Städtchen<br />

Pozzuoli und der Küste von Sorrent . 1825 hatte sich der Künstler in<br />

dieser Gegend aufgehalten.“<br />

Das Werk Schilbachs hat eine feste Stellung in der Kunstgeschichte<br />

des 19. Jahrhunderts und Darmstadts. Sein Werdegang war jedoch<br />

von großen Widrigkeiten bestimmt. Mit acht Jahren kam er<br />

als Waise zu seinem Onkel, dem Goldschmied Enkhausen , nach<br />

Darmstadt. Mit 14 Jahren bat er den Großherzog Ludwig I. in<br />

Darmstadt um Unterstützung, die er auch für eine Ausbildung zum<br />

Maler bei dem Theatermaler Georg Primavesi (1774-1855) erhielt.<br />

Weitere Unterstützung vom Großherzog für zwei Jahre erreichte<br />

er durch erneute Bitte um finanzielle Unterstützung und so war es<br />

ihm möglich, gemeinsam mit Ernst Fries (1801-1833) nach Rom zu<br />

reisen. Hier verbrachte er mit den Malerfreunden Johann Joachim<br />

Faber (1778-1846), Heinrich Reinhold (1788-1825) und Ludwig<br />

Richter (1803-1884) eine unbeschwerte Zeit. Im Winter 1825 konnte<br />

er an Berthel Thorvaldsen (1770-1844) ein Bild mit einer Ansicht<br />

von Rom verkaufen und erhielt von ihm den Auftrag für ein Gegenstück.<br />

Zusammen mit Ludwig Richter, Johann Nikolaus Hoff<br />

(1798-1873), Ludwig Maydell (1795-1846) und Hans Georg Harder<br />

(1792-1873) reiste er 1825 nach Sizilien. Mitte dieses Jahres blieb er<br />

allein zurück, um sich topographischen Studien und dem Zeichnen<br />

und Aquarellieren zu widmen. Im Frühjahr 1828 wurde er als<br />

Hofmaler nach Darmstadt berufen, wo er von einem Jahresgehalt<br />

von 1000 Gulden ein Auskommen hatte. Er beteiligte sich aktiv am<br />

Kulturleben in Darmstadt und gehörte 1835 zu den Gründungsmitgliedern<br />

des Darmstädter Kunstvereins. In der Folge unternahm<br />

er noch Reisen nach Heidelberg, in den Schwarzwald, in die<br />

Schweiz nach Lauterbrunnen und das Berner Oberland. 1843 fuhr<br />

er nach München und in die Oberbayrischen Alpen und das Salzkammergut.<br />

Das Jahr 1846 führte ihn an die Mosel und in die Eifel.<br />

Aus diesen Jahren gibt es Bilder, die Gebirgs massive und Gletschermotive<br />

zeigen, Wolken studien sowie See- und Bergmotive. Aus der<br />

Spätzeit sind zahlreiche Motive aus der Darmstädter Umgebung<br />

bekannt. Seine vielen Zeichnungen weisen ihn als minu tiösen Beobachter<br />

von Landschaftsdetails aus.<br />

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JOHANN WILHELM SCHIRMER<br />

1807 Jülich – Karlsruhe 1863<br />

Blick zum Monte Guadagnolo und S. Vito, rechts ein Teil von Olevano.<br />

45<br />

Bleistift, auf beigefarbenem Bütten. 32:40,3 cm.<br />

Vergleichsliteratur: Ausst. <strong>Katalog</strong>: Johann Wilhelm Schirmer.<br />

Vom Rheinland in die Welt. Bd. I. Neuss/Düsseldorf/Bonn/<br />

Jülich /Königswinter/Bergisch Gladbach, 2010, Ss. 174ff. Hier<br />

heißt es: „Verbürgt ist, dass Schirmer Rom keine zwei Wochen<br />

nach seiner Ankunft, schon am 22. August 1839, Richtung<br />

Tivoli wieder verließ, um ab dem 23. August genau einen Monat<br />

lang die Aequerberge mit Civitella und Olevano aufzusuchen. In<br />

Begleitung des Landschaftsmalers Ernst Willers (1803-1880) ritt<br />

er auf einem Esel zum hochgelegenen Dorf Civitella, wo beide<br />

in einem bescheidenen Zimmer ihren festen Wohnsitz nahmen.<br />

Zwischendurch machte Schirmer laut Tagebuch mit Willers,<br />

dem Dresdener Malerradierer Wilhelm Moritz Sonntag (1816-<br />

1842) und seinem Studienkollegen Gustav Friedrich Papperitz<br />

(1813-1861) sowie dem Berliner Bildhauer Karl Johann Steinhäuser<br />

(1813-1879) einen Abstecher nach Olevano und kehrte<br />

am 23. September über Subiaco und die Klöster St. Scolastica<br />

und S. Benedetto , wo soeben der Trierer Maler Johann Anton<br />

Ramboux (1790-1866) Aquarellkopien italienischer Fresken<br />

vollendete, am 6. Oktober nach Rom zurück.“ In diesen Wochen<br />

entstanden eine größere Zahl Ölstudien und viele Zeichnungen.<br />

Zur Landschaft vgl.: Domenico Riccardi, Olevano e i suoi Pittori.<br />

Gli Artisti di lingua tedesca. Roma, Pieraldo Editore, 2004, Nr. 176,<br />

Abb. S. 149, Nr. 178, Abb. S. 150, S. 212, Tav. 36 und S. 217, Tav. 45.<br />

Zuerst absolvierte Schirmer 1821-1824 eine Buchbinderlehre<br />

in der Werkstatt seines Vaters. Im darauffolgenden Jahr ging<br />

er nach Düsseldorf und studierte 1825-1827 an der dortigen<br />

Kunst akademie bei Joseph Wintergerst (1783-1867), Karl Joseph<br />

Ignaz Mosler (1788-1862), Heinrich Christoph Kolbe (1771-<br />

1836) und Wilhelm von Schadow (1788-1862). 1827 gründete er<br />

gemeinsam mit dem bekannten Landschafts- und Historienmaler<br />

Carl Friedrich Lessing (1808-1880) den „Landschaftlicher<br />

Componir verein“. Bereits im Alter von 24 Jahren übernahm er<br />

die Leitung der Landschafterklasse an der Düsseldorfer Kunstakademie,<br />

1839 wurde er zum Professor ernannt. Zahlreiche<br />

Studienfahrten führten ihn u.a. in die Nordeifel und das Bergische<br />

Land, in den Hunsrück, nach Darmstadt und Frankfurt am<br />

Main, in den Schwarzwald und in die Schweiz, nach Holland<br />

und in die Normandie, 1839-1840 nach Italien, dann Heidelberg,<br />

Kassel, Paris, Südfrankreich und Belgien. 1852 wurde er<br />

zum Ehren mitglied der Kunstakademie Dresden ernannt. 1854<br />

erfolgte die Ernennung zum Lehrer an der in diesem Jahr gegründeten<br />

Kunstschule Karlsruhe, ein Jahr später wurde er<br />

deren Direktor.<br />

Schirmer war einer der bedeutendsten Landschaftsmaler des<br />

19. Jahrhunderts. Zahlreiche Museen besitzen Beispiele seiner<br />

Malerei.<br />

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MORITZ VON SCHWIND<br />

1804 Wien – Pöcking/Starnberger See 1871<br />

46<br />

Vier Männer im Kampf um eine junge Frau.<br />

Bleistift und Feder in Dunkelgrau, mit Bleistiftlinie umrandet,<br />

auf chamoisfarbenem Velin, rechts unten signiert „Schwind“. 20,7:17,9 cm.<br />

Möglicherweise schildert die Zeichnung ein Motiv aus der<br />

deutsche n Dichtung der Romantik. Zu denken wäre da besonders<br />

an „Phantasus“ von Ludwig Tieck, eine Sammlung von<br />

Märchen, Erzählungen, Schauspielen und Novellen.<br />

Zur Beamtenlaufbahn bestimmt, studierte Moritz von Schwind<br />

zunächst an der Universität in Wien. 1821 begann er jedoch<br />

ein Studium an der örtlichen Kunstakademie und war bis 1822<br />

Schüler des Historien- und Porträtmalers Johann Peter Krafft<br />

(1780-1856) und des Nazareners Ludwig Ferdinand Schnorr<br />

von Carolsfeld (1788-1853). In Wien unterhielt er auch freundschaftlichen<br />

Kontakt zu Franz Schubert, Franz von Schober,<br />

Franz Grillparzer und dem Maler Leopold Kupelwieser (1796-<br />

1862). Auf Anraten von Peter Cornelius (1783-1867) zog er 1828<br />

nach München, wo er durch Vermittlung von Cornelius die<br />

Ausmalung des Bibliothekszimmers der bayerischen Königin<br />

mit Szenen aus Ludwig Tiecks Dichtung vornahm. 1835 reiste<br />

er nach Italien. Nach seiner Rückkehr schuf er Entwürfe für die<br />

Münchner Residenz und in der Burg Hohenschwangau. 1840<br />

ging Schwind nach Karlsruhe und schuf für den Sitzungssaal<br />

des Karlsruher Ständehauses acht Rundmedaillons sowie Fresken<br />

für das Treppenhaus und die Erdgeschoß-Säle der Staatlichen<br />

Kunsthalle. 1844 zog er nach Frankfurt am Main, wurde<br />

jedoch drei Jahre später als Professor an die Kunstakademie<br />

München berufen, 1855 folgte die Erhebung in den Ritterstand.<br />

1857 besuchte er London. 1866-1867 arbeitete er an der Ausmalung<br />

der neuerbauten Wiener Hofoper, für die Loggia und<br />

das Foyer.<br />

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LESSER URY<br />

1861 Birnbaum/Posen – Berlin 1931<br />

47<br />

Dame, eine Pferdedroschke rufend.<br />

Kaltnadel um 1920, auf chamoisfarbenem Bütten mit undeutl.<br />

Wasserzeichen, signiert und als „Probedruck“ bezeichnet. 20,5:15,5 cm.<br />

Literatur: Rosenbach 50, vorzüglicher, die hell-dunkel Werte<br />

differenziert zeigender Abdruck mit vollem Rand.<br />

Der aus jüdischer Familie stammende Berliner Maler und<br />

Graphiker Lesser Ury brach 1879 eine begonnene kaufmännische<br />

Lehre ab, um sich in den 1880er Jahren an verschiedenen<br />

Orten und an maßgeblichen Kunstakademien der Zeit auszubilden:<br />

Düsseldorf, Paris, Brüssel und schließlich München<br />

sind die Stationen, nachdem er 1885 bei der Berliner Kunstakademie<br />

eine Ablehnung erfuhr. 1887 kehrte er in seine Heimatstadt<br />

zurück und stellte unter anerkennender Kritik erstmals<br />

1889/1890 in der <strong>Galerie</strong> von Fritz Gurlitt aus. Adolph Menzel<br />

(1815-1905) förderte ihn, auch mit Max Liebermann (1847-<br />

1935) war Lesser Ury anfangs sehr freundschaftlich verbunden,<br />

bis es wenig später zum rivalisierenden Zerwürfnis kam. Lovis<br />

Corinth (1858-1925) konnte den Künstler schließlich 1914 in<br />

die „Berliner Secession “ holen, die Galeristen Paul Cassirer und<br />

Heinrich Thannhauser stellten ihn 1916/1917 aus, 1922 zeigte<br />

die Secession eine 150 Gemälde umfassende Schau.<br />

Das druckgraphische Werk Lesser Urys hatte sich schon um<br />

1920 in Sammlerkreisen seinen Platz erobert.<br />

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MAERTEN DE VOS<br />

1532 – Antwerpen – 1603<br />

48<br />

Hl. Georg mit dem Drachen. 5,7:4,9 cm.<br />

Hl. Hubertus betend, mit einem Hirschen, Hunden und Pferd. 5,9:4,6 cm.<br />

Hl. Johannes der Täufer ein Lamm in Armen haltend, vor einer Kirche stehend. 5,7:4,6 cm.<br />

Hl. Hieronymus vor einem Kreuz kniend. 5,9:4,6 cm.<br />

4 Federzeichnungen in Braun, braun laviert, auf Bütten, auf Karton montiert.<br />

Vorzeichnungen für Kupferstiche von Hieronymus Wierix (1553-1619).<br />

Maerten de Vos schuf zahlreiche solcher kleinformatigen Zeichnungen,<br />

die außer von den Mitgliedern der Künstlerfamilien<br />

Wierix und Sadeler (tätig 16./17. Jhdt.) auch von Adriaen Collaert<br />

(um 1560-1618) und Philipp Galle (1537-1612) in Kupferstich<br />

ausgeführt wurden. Zwei weitere Zeichnungen „Christus im<br />

Garten von Gethsemane“ sowie „Die Gefangennahme Christi“<br />

(beide 5,9:4,6 cm) befinden sich im Rijksmuseum Amsterdam<br />

und im Fogg Art Museum, Cambridge/Mass.<br />

Literatur: A. Zweite: Marten de Vos als Maler. Berlin 1980, Abb.<br />

172 und 241; M. Mauquoy-Hendrick, Les estampes des Wierix.<br />

Gent 1979, Nr. 1161, Nr. 127, 1193.<br />

Vermutlich wurde Marten de Vos von seinem aus Leiden stammenden<br />

Vater Peeter de Vos (1490-1567) und Frans Floris (1517-<br />

1570) zum Maler ausgebildet. Wie in jener Zeit bereits üblich<br />

unternahm er nach der Ausbildung eine Studienreise nach<br />

Rom, Florenz und Venedig. Sein größtes Interesse galt Jacopo<br />

Tintoretto (1518-1594), mit dem er auch zusammen arbeitete<br />

und in einigen seiner Gemälde die Landschaftshintergründe<br />

malte. 1558 kehrte er nach Antwerpen zurück und wurde hier<br />

Meister der Lukasgilde. De Vos‘ erste Auftragswerke waren<br />

Altar bilder, Allegorien und Heiligenviten. Das Museum in Antwerpen<br />

beherbergt alleine 30 seiner Gemälde, auch Museen in<br />

Sevilla, Gent und Wien besitzen Werke von ihm. De Vos ist ein<br />

Vertreter des nördlichen Manierismus und sein Einfluß auf<br />

die nachfolgende Generation war nicht unerheblich. In seiner<br />

Werkstatt bildete er zwischen 1564 und 1600 elf Lehrlinge aus.<br />

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JACOB WILLEMZ. DE WET D.Ä.<br />

um 1610 – Haarlem – nach 5.09.1675<br />

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Orientalischer Fürst, dessen Schleppe von einem Knaben getragen wird.<br />

Feder in Braun, braun und grau laviert, auf Bütten mit Fragment eines Wasserzeichens: bekröntes Lilienwappen, 19,1:14,2 cm. –<br />

Leicht vergilbt und fleckig, wovon der gute Gesamteindruck des Blattes nur gering beeinträchtigt wird.<br />

Literatur: W. Sumowski: Beiträge zur Kenntnis der Lastmann-<br />

Zeichnungen, Abb. 10, in: Pantheon XXXVIII, Jan./Febr./März<br />

1980, D. 61.<br />

Vergleichsliteratur: H. Robels: Niederländische Zeichnungen<br />

vom 15. bis 19. Jahrhundert im Wallraf-Richartz-Museum Köln.<br />

Köln, 1983, Nr. 290 mit Abb.; Kat.: Dutch, Flemish and German<br />

Old Master Drawings. Christie’s Amsterdam, 25.11.1991, Kat.<br />

Nr. 72; Michiel C. Plomp: The Dutch Drawings in the Teyler<br />

Museum. Vol. II. Artists born between 1575 and 1630. Haarlem/Ghent/Doornspijk<br />

1997, Nr. 554 mit Abb.; Ausst. <strong>Katalog</strong>:<br />

Aus Rembrandts Kreis. Die Zeichnungen des Braunschweiger<br />

Kupfer stichkabinetts. Braunschweig 2006, Nr. 49 mit Abb.,<br />

S. 174.<br />

Möglicherweise handelt es sich bei unserer Zeichnung um eine<br />

Vorstudie zum de Wet zugeschriebenen Gemälde „King greeting<br />

an old Man“, 48,7:64,3 cm, das in der Auktion von Bonhams,<br />

London, 8.11.2005, als Nr. 107, Abb. S. 19 angeboten wurde.<br />

Der Historienmaler de Wet d. Ä. gilt als Schüler Rembrandts<br />

und war vermutlich zwischen 1630 und 1632 in dessen Werkstatt<br />

tätig. 1644 wurde er Mitglied der Haarlemer Lukasgilde. Zahlreiche<br />

Namensvarianten werden de Wet zugeordnet (Johann<br />

Düwett; Jan de Wet; Johan de Wett; Johann de Wette). Er war<br />

auch Schüler von Job Adriaensz Berckheyde (1610-1693), Paulus<br />

Potter (1625-1654) und bei Johann Philip Lemke (1631-1711). Ein<br />

Skizzenbuch Jacob Willemsz. de Wets aus dem Jahr 1636 befindet<br />

sich im Gemeindearchiv von Haarlem (MS Hs 230).<br />

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GERT HEINRICH WOLLHEIM<br />

1894 Loschwitz – New York 1974<br />

„Die Gnädige Frau auf dem Morgenspaziergang“.<br />

50<br />

Feder in Schwarz, Aquarell und Farbstift, mit Deckweiß gehöht (oxydiert), auf cremefarbenem Velin, unten betitelt, signiert und<br />

datiert „Wollheim 1921“. 34,5:25,6 cm. – Die obere Blattkante und die seitlichen Blattkanten mit Perforierung, im unteren Drittel<br />

leicht knickfaltig, gering fleckig, verso in den oberen Ecken Reste einer älteren Montierung.<br />

Provenienz: Nachlaß Arthur Wagner, Dresden, Inhaber der<br />

Kunsthandlung Richter, Prager Straße in Dresden bis zur Ausbombung<br />

1945; Privatbesitzt, Dresden.<br />

Literatur: Nicht bei Wiese. Die Authentizität der Arbeit wurde<br />

von dem Autor des Werkverzeichnisses, Dr. Stephan von Wiese,<br />

Berlin, dem Vorbesitzer gegenüber, mündlich bestätigt.<br />

Gert Wollheim hat sich selbst als „dreistes Gemisch von Ernst,<br />

Langeweile, Malerei, Jurisprudenz, Vagabundentum, guter Herkunft,<br />

Dresden, Berlin, Düsseldorf, Landmann, Greisentum,<br />

Liederlichkeit, Meisterschaft und entsagender Ekstase“ bezeichnet.<br />

Die Kunst Wollheims, der aus gutbürgerlichem Hause stammte,<br />

fühlte sich jedoch eher proletarischen Ideen verbunden. Sie<br />

sagt sich los von jeglichen Konventionen, bricht bildgestaltende<br />

Tabus – und läßt sich nicht mit einem Stilbegriff erfassen.<br />

Wollheim studierte von 1911-1913 an der Hochschule für<br />

Bildend e Künste in Weimar. Nachdem es ihm, zusammen<br />

mit Otto Pankok (1893-1966) nicht gelungen war eine Künstlerkolonie<br />

zu gründen, siedelte er 1919 nach Düsseldorf über<br />

und schloß sich dem Künstlerbund „Neues Rheinland“ an.<br />

Seit 1920 war er Mitglied der Künstlervereinigung „Das junge<br />

Rheinland“ und Heraus geber sowie Mitarbeiter verschiedener<br />

Zeitschriften. Er war Mitbegründer der Arbeitersiedlung<br />

„Freie Erde“ in Düsseldorf-Eller, 1922 gründete er zusammen<br />

mit Adolf Uzarski (1885-1970) die „1. Internationale Kunstausstellung“<br />

in Düsseldorf und den „1. Kongress der Union fortschrittlicher<br />

internatio naler Künstler“. 1925 wurde er Mitglied<br />

der „Novembergruppe“ in Berlin. 1933 floh er aus Berlin nach<br />

Paris, später – nach Ausbruch des Krieges – nach Südfrankreich.<br />

1937 war er Gründungsmitglied des Künstlerbundes<br />

„L’union des artistes libres“ in Paris, 1947 folgte sein Umzug<br />

nach New York.<br />

„Phantast und Rebell“ so wurde Wollheim einmal genannt. Sein<br />

Werk steht zwischen Realismus, Expressionismus und Surrealismus.<br />

Der zur Zeit des Nationalsozialismus verfemte Maler<br />

gehört zu den großen Einzelgängern in der deutschen Kunstgeschichte<br />

des 20. Jahrhunderts.<br />

102


103<br />

50


KÜNSTLERVERZEICHNIS<br />

Andreas Achenbach ..................................................................... 1, 2<br />

Marcantonio Bassetti ........................................................................ 3<br />

Detlev Conrad Blunck ...................................................................... 4<br />

Eugen Bracht ...................................................................................... 5<br />

Rodolphe Bresdin .............................................................................. 6<br />

Norbertine von Bresslern-Roth ....................................................... 7<br />

Wilhelm Brücke ................................................................................. 8<br />

Ludwig Buchhorn .............................................................................. 9<br />

Giambattista Canal ......................................................................... 10<br />

Marc Chagall ................................................................................... 11<br />

Elise (eigentl. Elisabeth Concordia) Crola, geb. Fränkel ........... 12<br />

Christoffer Wilhelm Eckersberg ................................................... 13<br />

Ferdinand August Fellner ........................................................ 14, 15<br />

Carl Ludwig Frommel .................................................................... 16<br />

Christian Friedrich Gille ............................................................... 17<br />

Wilhelm Friedrich Gmelin ............................................................ 18<br />

Otto Greiner .............................................................................. 19, 20<br />

Ludwig Emil Grimm ................................................................ 21, 22<br />

Ludwig von Hofmann .................................................................... 23<br />

Holland 17. Jahrhundert ................................................................ 24<br />

Christoph Heinrich Kniep ............................................................ 25<br />

Ferdinand Kobell ............................................................................ 26<br />

Franz Kobell .................................................................................... 26<br />

Wilhelm von Kobell ................................................................. 26, 27<br />

Carl Gotthelf Küchler..................................................................... 28<br />

Carlo Labruzzi ................................................................................ 29<br />

Franz Seraph von Lenbach ............................................................ 30<br />

August Lucas ................................................................................... 31<br />

Paul Meyerheim .............................................................................. 32<br />

Carl Morgenstern ........................................................................... 33<br />

Ferdinand von Olivier .................................................................... 34<br />

Walter Ophey .................................................................................. 35<br />

Max Oppenheimer, gen. „Mopp“ ................................................. 36<br />

Friedrich Preller d.Ä. ..................................................................... 37<br />

Johann Christian Reinhart ...................................................... 38, 39<br />

Gerhardt Wilhelm von Reutern .................................................... 40<br />

Johann Martin von Rohden .......................................................... 41<br />

Jakob Wilhelm Roux ...................................................................... 42<br />

Caspar Scheuren ............................................................................. 43<br />

Johann Heinrich Schilbach ........................................................... 44<br />

Johann Wilhelm Schirmer ............................................................ 45<br />

Moritz von Schwind ....................................................................... 46<br />

Lesser Ury ........................................................................................ 47<br />

Maerten de Vos ............................................................................... 48<br />

Jacob Willemz. de Wet d.Ä ............................................................ 49<br />

Gert Heinrich Wollheim ................................................................ 50<br />

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Sämtliche in diesem <strong>Katalog</strong> angezeigten Werke<br />

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Eigentumsvorbehalt gemäß § 449 BGB. Die<br />

<strong>Katalog</strong> beschreibungen erfolgten nach bestem<br />

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Blätter ist, falls nicht anders vermerkt,<br />

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beziehen sich auf die Blattgröße; die Höhe steht<br />

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ist Bad Homburg v.d. Höhe.<br />

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