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Katalog-106_Galerie_Fach

CHRISTIAN FRIEDRICH

CHRISTIAN FRIEDRICH GILLE 1805 Ballenstedt/Harz – Friedrichstadt/Dresden 1899 17 Baumkrone gegen blauen Himmel. Öl auf Bütten, auf Karton aufgezogen. 37,7:27,5 cm. – Ein älterer Karton, vom dem die Studie aus konservatorischen Gründen abgelöst wurde, trägt verso folgende vom Vorbesitzer stammende Bezeichnung: „Ölstudie gekauft aus dem Nachlaß v. Fr. Lahmann 1938“. Provenienz: Vom Vorbesitzer 1938 aus der Sammlung Friedrich Lahmann, Dresden erworben; Privatsammlung Dresden. Wird in das Werkverzeichnis von Dr. Gerd Spitzer aufgenommen (in Vorbereitung). Gille studierte ab 1825 an der Dresdener Akademie erst bei dem Landschaftskupferstecher J.G.A. Frenzel (1782-1855), dann 1827-1830 bei J.Chr.Cl. Dahl (1788-1857), als dessen bedeutendster Schüler er gilt. Gille, der aufgrund seiner kühnen malerischen Auffassung, der Unmittelbarkeit seiner spontan und vielfach nah erfaßten Motive bei seinen Zeitgenossen auf Unverständnis stieß, verdiente sich nach seinem Studium durch Lithographieren nach fremden Vorlagen und als Porträtist seinen Lebens unterhalt – so war er auf Vermittlung Dahls 1830-1833 als Reproduktionsstecher für die „Bilderchronik“ des Sächsischen Kunstvereins tätig. Um 1834 arbeitete er mehrfach mit dem Litho graphen L.Th. Zöllner (1796-1860) zusammen, von dem er wohl die Technik der Lithographie erlernte. Darüber hinaus arbeitete er als Landschaftszeichner und Zeichenlehrer. 1839 bis Anfang der 50er Jahre lebte er in Dresden-Friedrichstadt, ab 1865 für einige Jahre in Plauen. Im darauffolgenden Jahr gewährte ihm die Akademie aufgrund seiner schwierigen finanziellen Situation eine jährliche Pension von 100 Talern; vereinzelte kleinere Unterstützungen, auch durch die Tiedge-Stiftung, folgten, da sich die dürftigen materiellen Lebensumstände des Künstlers bis zu seinem Tod nicht bessern sollten. 1871, zu diesem Zeitpunkt ist er in Briesnitz bei Dresden ansässig, behinderte ihn eine in späteren Jahren sich verschlimmernde Augenkrankheit beim Arbeiten. Der mehrfache Wechsel des Wohnsitzes ist auch in den nächsten Jahren zu beobachten: so lebte Gille 1872-1880 in Eisenberg bei Schloß Moritzburg, 1880-1881 in Wahnsdorf bei Kötschenbröda und 1885 in Boxdorf bei Moritzburg. Seit spätestens 1883 suchten den nach wie vor in äußerster Armut lebenden Künstler zunehmend Halluzinationen und Zwangsvorstellungen heim. 1886-1889 lebte er in Trachau nördlich von Dresden, 1891 in Wilhelmshöhe bei Moritzburg, 1894 in Dresden-Johannstadt und 1895-1898 in Dresden-Neustadt. Im hohen Alter von 94 Jahren verstarb der Künstler schließlich an „Gehirnblutung“ im Stadtkrankenhaus Dresden-Friedrichstadt. Der Dresdener Sammler Friedrich Lahmann (1858-1937), ein großer Bewunderer Christian Friedrich Gilles, trug eine große Anzahl seiner Ölskizzen zusammen, die heute – die Sammlung wurde 1938 bei R. Lepke in Berlin versteigert – auf dem Kunstmarkt zu gesuchten Seltenheiten gehören. 34

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