Aufrufe
vor 1 Woche

Katalog-106_Galerie_Fach

OTTO GREINER 1869

OTTO GREINER 1869 Leipzig – München 1916 19 Gäa. Feder in Schwarz, mit schwarzer Federlinie umrandet, auf cremefarbigem Japan, rechts unten signiert, bezeichnet und datiert „O. Greiner Rom 1909“. Darstellungsgröße 39,5:30,7 cm, Blattgröße 46,5:37 cm. – Mit Reißnagellöchlein im weißen Rand, recto durch Ablösen eines Passepartouts entstandener leichter Papierabrieb entlang der Ränder. Provenienz: Sammlung Dr. Hugo Stinnes, Köln, Lugt 1376a. Vergleichsliteratur: Julius Vogel, Otto Greiner. Bielefeld/Leipzig , Velhagen & Klasing, 1925, Abb. 90, S. 75; Vogel 93. Finale Vorzeichnung zu Greiners Hauptwerk „Gäa“, das ihn fünf Jahre beschäftigt hatte. Bei Vogel heißt es dazu: „Wie sorgsam er zu Werke ging, beweist die Tatsache, daß er, außer den zahlreichen Studienzeichnungen, die er wie gewöhnlich, so auch in diesem Falle machte, erst zwei Probeplatten, eine kleinere und eine größere anfertigte, die den Kopf der Gäa mit der rechten Brust und der Hälfte des Oberarmes im einen Falle, mit rechtem Arm, Hand, Brust, Schulter und Bauchansatz im anderen wiedergeben. Außerdem existieren nicht weniger als neunzehn Plattenzustände, so daß, da sich durch die Zustandsdrucke die Kupferplatte allmählich stark abgenutzt hatte, die ganze Platte nach Vollendung nochmals überarbeitet werden mußte. Wir haben zweifellos in dem gedankenreichen, technisch meisterhaften Blatte eine Arbeit vor uns, in der Greiner sich nicht mehr überbieten konnte und in der er sozusagen ein technisches Bekenntnis niedergelegt hat.“ Abzüge der beiden oben erwähnten Probeplatten, datiert „16.3.08“ bzw. „20.XI.09“ befinden sich in der Symbolismus- Sammlung von Jack Daulton, Los Altos/Calif., wie auch eine Rötel zeichnung mit einer Detailstudie aus dem Jahre 1908. Greiners unbestechliches Künstlerauge, seine große Begabung, gepaart mit nimmermüdem Fleiß, haben ihm hier, wie auch bei den anderen vielfigurigen Hauptblättern „Herakles am Scheideweg“, „Golgatha“, „Ganymed“ und im Danteblatt die Hand geführt. Hans Wolfgang Singer schreibt im Schlußwort seiner Veröffentlichung zu Greiners Zeichnungen: „Was seine Zeichenkunst anbelangt, so gestehen ihm eine unübertroffene Meisterschaft selbst jene Leute zu, denen die ganze Richtung nicht paßt“. (Zit. aus: H. W. Singer, Meister der Zeichnung. Zeichnungen von Otto Greiner 1869-1916. Leipzig, Schumann, 1916). Greiner gilt als ein Hauptvertreter des Symbolismus in Deutschland! 38

39 19