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Katalog-106_Galerie_Fach

JOHANN HEINRICH

JOHANN HEINRICH SCHILBACH 1798 Barchfeld/Werra – Darmstadt 1851 Pozzuoli. 44 Aquarell über Bleistift, mit einigen Deckweißlichtern, auf cremefarbenem Velin. 14,3:21,6 cm. – Kleiner Einriß im oberen Rand sorgfältig geschlossen. Das Aquarell ist in lichter Farbigkeit bildmäßig ausgeführt und zeigt die hohe zeichnerische sowie malerische Fertigkeit Schilbachs. Vergleichsliteratur: Ausst. Katalog: P. Märker/Klaus-D. Pohl, Der Traum vom Süden. Johann Heinrich Schilbach (1798-1851). Zeichnungen, Aquarelle, Ölstudien und Gemälde. Darmstadt, Hess. Landesmuseum, 2000, Abb. S. 56. Bei unserem Blatt handelt es sich um eine in Aquarell ausgeführte Fassung desselben Motivs. Hierzu heißt es im Darmstädter Katalog: „Auf 1831 finden wir ein ebenso kleinformatiges Gemälde datiert: ‚Pozzuoli‘ – das erste uns bekannte Staffeleiwerk der nachrömischen Zeit mit italienischem Landschafts motiv. Ebenfalls durch einen schattigen Vordergrund mit kleinen Figuren eingeleitet, zeigt es einen Blick auf den weiten Golf von Neapel mit dem Städtchen Pozzuoli und der Küste von Sorrent . 1825 hatte sich der Künstler in dieser Gegend aufgehalten.“ Das Werk Schilbachs hat eine feste Stellung in der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts und Darmstadts. Sein Werdegang war jedoch von großen Widrigkeiten bestimmt. Mit acht Jahren kam er als Waise zu seinem Onkel, dem Goldschmied Enkhausen , nach Darmstadt. Mit 14 Jahren bat er den Großherzog Ludwig I. in Darmstadt um Unterstützung, die er auch für eine Ausbildung zum Maler bei dem Theatermaler Georg Primavesi (1774-1855) erhielt. Weitere Unterstützung vom Großherzog für zwei Jahre erreichte er durch erneute Bitte um finanzielle Unterstützung und so war es ihm möglich, gemeinsam mit Ernst Fries (1801-1833) nach Rom zu reisen. Hier verbrachte er mit den Malerfreunden Johann Joachim Faber (1778-1846), Heinrich Reinhold (1788-1825) und Ludwig Richter (1803-1884) eine unbeschwerte Zeit. Im Winter 1825 konnte er an Berthel Thorvaldsen (1770-1844) ein Bild mit einer Ansicht von Rom verkaufen und erhielt von ihm den Auftrag für ein Gegenstück. Zusammen mit Ludwig Richter, Johann Nikolaus Hoff (1798-1873), Ludwig Maydell (1795-1846) und Hans Georg Harder (1792-1873) reiste er 1825 nach Sizilien. Mitte dieses Jahres blieb er allein zurück, um sich topographischen Studien und dem Zeichnen und Aquarellieren zu widmen. Im Frühjahr 1828 wurde er als Hofmaler nach Darmstadt berufen, wo er von einem Jahresgehalt von 1000 Gulden ein Auskommen hatte. Er beteiligte sich aktiv am Kulturleben in Darmstadt und gehörte 1835 zu den Gründungsmitgliedern des Darmstädter Kunstvereins. In der Folge unternahm er noch Reisen nach Heidelberg, in den Schwarzwald, in die Schweiz nach Lauterbrunnen und das Berner Oberland. 1843 fuhr er nach München und in die Oberbayrischen Alpen und das Salzkammergut. Das Jahr 1846 führte ihn an die Mosel und in die Eifel. Aus diesen Jahren gibt es Bilder, die Gebirgs massive und Gletschermotive zeigen, Wolken studien sowie See- und Bergmotive. Aus der Spätzeit sind zahlreiche Motive aus der Darmstädter Umgebung bekannt. Seine vielen Zeichnungen weisen ihn als minu tiösen Beobachter von Landschaftsdetails aus. 90

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