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s'Magazin usm Ländle, 15. April 2018

ERICH SCHWÄRZLER 6

ERICH SCHWÄRZLER 6 s’Magazin

ERICH SCHWÄRZLER WaswirdIhnen an der Politik fehlen, HerrSchwärzler? INTER VIEW Erich Schwärzlerist seit wenigen Tagen nicht mehr Landesrat. Seine Person hat die Vorarlberger Landespolitik geprägt. Nun will er sich der Familie widmen. Im Gespräch mit Angelika Drnek erzählt Schwärzler von nächtlichen Streifzügen durch Lingenau, vom Wert der Solidarität und warum der Bregenzerwald etwas Besonderes ist. ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• Erich Schwärzlers Telefonnummer ist in vielen Handys gespeichert. Auch uns gibt er seine Visitenkarte –und mit einem Schmunzelnsagt er:„Ich weiß abernicht,wie langeich unterdieser Nummer noch erreichbar bin.“ Nach der Bekanntgabe Ihres Rücktritts gab es aus allen politischen Lagern sehr viel Lob für IhrePerson. Hat Sie das überrascht? In dieserKlarheit ja. Aber mein Credo lauteteimmer:Egal, welchenZugang man zur Politik hat –wichtig ist,gute Lösungen zu finden. DasIntegrationsleitbild konnten wir einstimmig beschließen, einmalig in ganz Europa. Auch für die Energieautonomie gab es einen einstimmigen Beschluss. Es gibt noch andere Beispiele. Man kann klare Position beziehen, muss aber immer Achtung vor den Menschen haben.Man sollte sich auch am Tag nach einer Konfrontation nochbegegnen können. Waswerden Sie an der Politik vermissen? Die vielen Menschen, Begegnungen und Veranstaltungen. Ichwar ja fast jeden Abend irgendwo anders, auch an den Wochenenden. ZumBeispiel bei den Vereinen. Das Ehrenamt schätze ich sehr hoch. Tausende Menschen sind aus purem Idealismus tätig.Die Aufgabe der Politik ist es, für diese Menschen dazusein. Das wird sicher eine Umstellung. Aber: All das wäre nicht machbar gewesen ohne eine Frau und Kinder,die das mitgetragen haben. Für dieses große Verständnis will ich mich bedanken.Ich schätze das immer mehr. Hat Sie Ihre Kindheit in Lingenau stark geprägt? Geprägt hat mich vor allem die Großfamilie, wir waren neun Kinder und haben gelernt, dass man Wertvorstellungen braucht: die Kraft desGlaubens unddes Gebets und eine gewisse Zufriedenheit,für die es gar nichtalles braucht. Aberes wirdsicher auchdaseineoder andere geben, das Sie nicht an der Politik vermissen werden, oder? Eigentlich nicht. Politik kann schon anstrengend sein,ich kannte aber kaum einen Tag, an dem ich nichts von Politik wissen wollte. Das Gestalten hat mirimmer Freude bereitet. Vorallemauch gemeinsam mit den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen, die Voraussetzung für erfolgreiche Landespolitik. Dass wir in Vorarlberg die größte Dichte an e5-Gemeinden haben,fällt nichteinfach vom Himmel. Das ist erarbeitet. Sie finden viel Lob für das Ehrenamt. Eine Sache, die Sie in Zukunft intensiverbegleiten könnte? Ich schließe gar nichts aus. Ich war nie ein Fan großer Kongresse, sondern war lieber in den Talschaften bei den Menschen und ihrer Arbeit. Ob das nun Bauern, Handwerker oder Gastwirtewaren. Da dachte ich oft, dass es eigentlichgar nichtsoviel braucht,umzufrieden zu sein. Sie waren für umfangreiche Ressorts zuständig,waren bei zigVeranstaltungen präsent, auch an den Wochenenden –und das über Jahrzehnte. Wie hält man einen solchen Arbeitsaufwand aus? Mit Freude, Begeisterung und Verantwortung–undmit dem Rückhalt aus der Familie. Geschätzt habe ich auch immer den menschlichen Umgang in diesem Land. Ammeisten Energiekostetjauntergriffige Argumentation. Ich warauch nie einFan reiner Parteipolitik. Und die Bürger merken auch, wenn man in Wirklichkeit nicht mehr mag. Einmal musste ich mit dem Auto bei starkem Schneegestöber in eine Talschaft fahren und dachte: Ist das heute wirklich notwendig? Nach der Veranstaltung sagteeine Bäuerin zu mir: Na, Erich, heute bist duaber nicht gern zu uns gekommen, oder? Ich habe das natürlichabgestritten, aber sie hat sich nicht überzeugen lassen. Siehat es mir angesehen. Da hab ich mir geschworen, dass mir so etwas niemehrpassieren wird. s’Magazin 7