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■ Uni-Magazin

■ Uni-Magazin hTierärztliche Hochschule Schall stört Wale Schiffsverkehr beeinflusst das Verhalten von Schweinswalen: Die Tiere brechen Jagdversuche ab und werden so geschwächt. 15 Makigruß Drei TiHo-Forscherinnen haben gezeigt, dass sich Menschen und nichtmenschliche Primaten bei der Begrüßung ähnlich verhalten. Menschen zeigen ein bestimmtes Verhalten, wenn sie sich begrüßen. Es beginnt, sobald sich die Beteiligten erkennen. Dies lässt sich auch beim Grußverhalten des Grauen Mausmakis feststellen. Minuten – länger dauerte es nie, einen Schweinswal mit einem sogenannten Datenlogger auszustatten. Diese Geräte zeichneten dann zwischen zwölf und 24 Stunden auf, wo sich die Tiere befanden, wie tief sie tauchten, welche Signale sie sendeten und empfingen, welchem Lärm sie ausgesetzt waren, wann sie sich ausruhten und wann sie jagten. Erhoben wurden die Daten m Rahmen eines internationalen Forschungs-Projekts, bei dem Wissenschaftler der Aarhus Universität in Dänemark, der St. Andrews Universität in Schottland und der TiHo zusammenarbeiten, um die Auswirkungen von Unterwasserschall auf marine Säugetiere zu erforschen. Es kam heraus, dass die untersuchten Wale etwa 17 bis 89 Prozent der gemessenen Zeit dem Lärm von Schiffen ausgesetzt waren. Das hat Folgen. Denn die Forscher konnten nachweisen, dass die Jagdversuche der Wale zurück unter dem Einfluss von Schiffslärm zurückgehen. Eine besonders hohe Lärmbelastung geht von Schnellfähren aus. Diese fahren schneller, als Schweinswale schwimmen können. Um ihnen auszuweichen, tauchten die Tiere ab und unterbrachen dafür ihre Nahrungssuche. Zum Teil stoppten sie sogar ihre Echoortung. Ursula Siebert, Leiterin des Instituts Saugnäpfe: Ein Wal wird mit einem Datenlogger ausgestattet. für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover erklärt, was diese Störungen für Schweinswale bedeuten: „Als Säugetiere müssen Schweinswale im Wasser ihre Körpertemperatur aufrecht erhalten. Darum haben sie einen vergleichsweise aktiven, also energieintensiven, Stoffwechsel. Sie benötigen regelmäßig Futter, um diese Energie zuzuführen. Werden sie während der Jagd immer wieder gestört, kann auf lange Sicht die körperliche Fitness der Tiere leiden.“ SÖREN STEGNER www.tiho-hannover.de Otterausstieg Otterglück Haupttodesursache des gefährdeten Fischotters ist der Straßenverkehr. Doch die Säugetiere verenden auch in Fischreusen: Die Otter schwimmen auf der Suche nach Beute hinein, finden den Ausgang nicht – und ertrinken. Ein Projekt, an dem auch die TiHo beteiligt war, testete nun erfolgreich zwei Ausstiegsvarianten, die es den Tieren ermöglichen, sich aus der Reuse zu befreien. Einer der neuen Otterausstiege besteht aus zwei flexiblen Drahtseilen, die durch eine lockere Gummiwicklung zusammengehalten werden. Der zweite Ausstiegstyp besteht aus zwei Metallbügeln, die durch eine Feder zu öffnen sind. Die Versuche haben gezeigt, dass der Otter vor allem im hintersten Fangteil der Reuse nach einem Ausgang sucht. Deswegen wurden die Öffnungen im hinteren Reusenteil eingebaut. Der Otter spürt, dass das Gummiband beziehungsweise die Feder auf Druck nachgeben, drückt die entstehende Öffnung weiter auseinander und kann die Reuse so einfach schadlos verlassen. FOTOS: UNI AARHUS, ANJA RECKENDORF 10 UNI-EXTRA

■ Uni-Magazin hMedizinische Hochschule FOTOS: MHH/KAISER (3) Professor Dr. Thomas Thum, Dr. Christian Bär und Dr. Julia Beermann (von links) Fibrose-Therapie Ribonukleinsäuren: Ein innovatives Verfahren bildet die Grundlage für neue Therapieansätze bei der krankhaften Vermehrung von Bindegewebszellen. O ft merkt man erst, wie wichtig etwas ist, wenn es nicht mehr funktioniert. Darauf aufbauend haben Forscherinnen und Forscher der MHH mit einer neuen Methode rund 4.000 verschiedene Ribonukleinsäuren (RNAs) in Zellen gezielt ausgeschaltet, um ihre Funktionen zu entschlüsseln. So konnten sie beispielsweise zeigen, dass eine bestimmte RNA für das Wachstum von Bindegewebszellen (Fibroblasten) notwendig ist. Die Fachzeitschrift „Cell Death & Differentiation“ Herzinfarkt kann das Gehirn schädigen Ein sonst unkomplizierter Herzinfarkt kann auch das Gehirn beeinträchtigen. Unter Leitung von Professor Dr. Frank Bengel, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, konnten Forscher mit hochmodernen Bildgebungstechniken zeigen, dass ein Herzinfarkt nicht nur eine Entzündung am Herzmuskel, sondern auch eine Entzündungsreaktion im Gehirn (Neuroinflammation) mit sich bringt. „Diese enge Verbindung veröffentlichte die Ergebnisse der Studie. Die Ribonukleinsäuren (RNAs), um die es dabei geht, sind zum größten Teil noch nicht erforscht. Wenn diese nicht funktionieren, können sie zur Entstehung schwerer Erkrankungen wie etwa Krebs oder Herzerkrankungen beitragen. Mit dem neu entwickelten Screening-Verfahren können nun rund 4.000 lncRNAs mit Hilfe von insgesamt 27.000 sogenannten shRNAs stillgelegt werden. Um die Machbarkeit zu testen, haben die Wissenschaftler die zwischen Entzündung von Herz und Hirn ist neu und wichtig, weil andere Studien gezeigt haben, dass eine Entzündungsreaktion im Gehirn Gedächtnisstörungen und die Entwicklung von Demenz fördern kann“, erläutert Bengel. Dr. James Thackeray und Prof. Dr. Frank Bengel (v. l.) an der Kleintier-PET-Kamera shRNAs in Fibroblasten eingeschleust. „Da jede shRNA mit einem Barcode markiert war, konnten wir erkennen, dass der Verlust einer der 4.000 lncRNAs das Wachstum von Fibroblasten stark hemmt. Wir nannten sie Ntep“, erläutert IMTTS-Gruppenleiter Dr. Christian Bär. Als sie „Ntep“ therapeutisch hemmten, konnte sie das Wachstum der Fibroblasten nicht mehr fördern, andere Zelltypen wuchsen normal weiter. „Die krankhafte Vermehrung von Bindegewebszellen in Organen können zum Verlust der Organfunktion führen, beispielsweise in Leber, Lunge, Niere oder Herz. Solche Fibrosen stellen noch immer ein weitgehend ungelöstes Problem dar. Methoden wie diese sind somit sehr wichtig. Darüber hinaus kann unser neues Verfahren in vielen Studien mit unterschiedlichen Fragestellungen eingesetzt werden“, sagt Professor Dr. Dr. Thomas Thum, Leiter des Instituts für Translationale und Molekulare Therapiestrategien (IMTTS). LISA STEGNER Neues Mitglied im Wissenschaftsrat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Professorin Dr. Denise Hilfiker- Kleiner, seit 2013 Forschungsdekanin der MHH, für drei Jahre in den Denise Hilfiker-Kleiner Wissenschaftsrat, das Beratungsgremium für Bund und Länder, berufen. Die Biologin hat die Professur für Molekulare Kardiologie inne, die zur Klinik für Kardiologie und Angiologie gehört. Sie hat sich als Expertin für die seltene, aber sehr schwere Herzerkrankung peripartale Kardiomyopathie etabliert. Die Schweizerin hat 1994 an der Universität Zürich und der EMORY University (USA) in Genetik und Entwicklungsbiologie promoviert und wechselte 1997 an die MHH. SOMMERSEMESTER 2018