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■ Titel hNordstadt

■ Titel hNordstadt Kaiser - die uriggemütliche Kneipe gehört bereits seit 1896 fest zum Nachtleben der Nordstadt Nachtzug UNTERWEGS IM NORDEN Wenn die List der Prenzlauer Berg Hannovers ist. Und Linden Kreuzberg. Was ist dann die Nordstadt? Friedrichshain? Mindestens! Die Nordstadt ist wie Friedrichshain und Kreuzberg zusammen. Ein Nachtzug. Die Läden mögen sich (teilweise) geändert haben, aber irgendwie ist die Nordstadt, wie ich sie mir seit 30 Jahren vorstelle: ein bunter Stadtteil mit irre viel gastronomischen Aktivitäten. Gefühlt an jeder Ecke locken zwei bis drei Kneipen. Und wenn hier keine Kneipe steht, dann zumindest ein Kiosk. Die meisten Lokalitäten kenne ich als ehemaliger Nordstadtler noch gut. Sie zu besuchen ist wie eine Zeitreise. Verändert hat sich nicht viel, am ehesten noch die Speisekarte. Selbst die Neulinge der Gastro- Szene gleichen sich der typisch 18 UNI-EXTRA

zenklause ein paar Meter weiter. Nomen est omen. Der Laden hätte, wenn es ihn nicht schon bei Siggi & Raner geben würde auch „Bei Atze“ heißen können. Wein auf Bier, das lass sein: den alten Trinkspruch im Hinterkopf ziehen wir es vor, das Zwischenzeit auf der anderen Straßenseite außen vor zu lassen. Tagsüber wäre das für Nordstadt-Verhältnisse eher schicke Restaurant des Werkhof-Komplexes bei unserem Trip gesetzt gewesen. Stattdessen kehren wir kurz auf ein Helles in der Gaststätte Kaiser ein, um uns zu vergewissern, dass hier noch alles wie immer ist. Und ja, hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. So sieht typische Kneipen-Gemütlichkeit aus. Danach zieht es uns in den Süden des Stadtteils - zuerst in die Destille, che, beehren wir das Pinte Poing. Aus den Boxen schallt geschmackvoller Indie-Pop. An den wenigen Tischen des Mini-Clubs diskutieren Bartträger bei Herri für zwei Euro über Globalismus. Jugendzentrumfeeling pur. Mir fällt ein: Gibt es eigentlich noch den Altmuckertreff Café Kröpcke? Seit Januar ist ein neuer Betreiber am Start, aber drinnen sieht alles aus wie immer. Es ist spät, Zeit für ein wenig Live- Musik. Im Strangriede Stage spielt heute keine Band, aber schräg gegenüber in der Subkultur am E-Damm heizen Rockabilly-Bands einem handverlesenem Publikum ein. Neben Rockabilly sind es vor allem Metalund Dark-Wave-Bands, die den Namen des Clubs alle Ehre machen. Wir beschließen den Abends in der Nordstadt - auf ein Bier in die Destille, zum Tanzen ins Weidendamm oder Krökeln im Pinte Poing zeitlosen, nordstädtischen Gemengelage an. In den letzten Jahren aber ist viel passiert: an der Strangriede sind gleich zwei Musikclubs am Start, auch der Weidendamm stellt sich rund um die Techno-Disko Weidendamm und das neue Start-up-Dorado Hafven neu auf. Grund genug mit einem alten Kumpel einen kleinen, nächtlichen Streifzug durch die Nordstadt zu wagen. Die Auswahl unserer Anlaufstätten ist dabei rein subjektiv. Wir spazieren erstmal zum The Wild Geese in der Asternstrasse. Es ist für die irischen Momente im Leben der Nordstädter zuständig. Für die Pub-Bindung sorgt ein reichhaltiges Whiskey- und Bierangebot. Hierher kommen wir gerne mal wieder. Doch zieht es uns eher in Richtung Lutherkirche. Eine Gegend, die auch tagsüber phänomenale gastronomische Vielfalt bietet (von Sushi bis Best-of-Garküche, von Döner bis Pizza). Eine Pizza wäre gut, aber der Laden meines Vertrauens, Pizza Oma, hat schon zu. Also gehen wir ohne Vorwarnung ins Werner’s. Ein Bier, das geht immer. Aber lange bleiben wir nicht. Die Kneipe ist ein Refugium trinkfester, nordstädtischer Eingeborener, in dem sich Baseballmützenträger eher unwohl fühlen. Ähnlich wie die Schüt- die immer noch so aussieht wie vor 30 Jahren. Viel Holz und viele Biersorten. Eines aber reicht. Um die Ecke liegt die Mottenburg. Die Kneipe am Judenkirchhof mit den historischen Emailleschildern festigt seit über 30 Jahren ihren Ruf als Klassiker unter den Studentenkneipen. Da ich aber neue Eindrücke brau- Abend im Weidendamm am Weidendamm ausklingen zu lassen. Als alte Menschen meinen wir, dass 1 Uhr ein guter Zeitpunkt zum Besuch wäre; die Prime Time des Clubs. Pustekuchen: Vielleicht zwei Dutzend wenig bewegungsaktive Raver lassen sich von tiefen Bässen den Magen massieren. Wir erfahren, dass es hier oft erst um 2-3 Uhr richtig losgeht, gerne auch später. Zu spät für uns. Wir gehen. Aber mit der Erkenntnis: Nordstadt, da geht noch einiges! SOMMERSEMESTER 2018 19