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vor 2 Monaten

von fliegen ANTONIO PALIDO

Überdosen (2002) Aller

Überdosen (2002) Aller guten Dinge sind Drei. Klingt irgendwie türkisch. Waren sie auch. Und sind nummeriert in Reihenfolge der Erinnerung und nicht der Zeit. An die erste kann ich mich nicht wirklich erinnern. Sie passierte beiläufig. Nicht beabsichtigt. Mag 2001 gewesen sein. Sie war allerdings nicht rein türkisch. Ich mischte den Stoff von Andreas, meinem Stammdealer, für den ich auch verkaufte, mit dem von Silke & Tom. Sie waren bekannt dafür, dass sie extrem viel Rattengift in ihren Stoff taten. Deine Augen sind immer zugeflogen. Das, was es unter anderem schön macht. Beim Konsum. Scheiß drauf. War bei mir zu Hause in der Norddeutschen Straße. Junkie-Haus. Von oben bis unten. Keine 0815-Menschen in den Wohnungen. Das Zeug von Andreas war durchgehend gut. Die ganzen Jahre. Vielleicht ein-, zweimal kam es vor, dass Kack am Start war. Er war gut für mich als Konsument, aber auch als Weiterverkäufer. Ich hatte einen guten Ruf bei den Junks. Auf Eule konntest dich verlassen, was den Stoff anging. Das wussten übrigens auch die Bullen. Vielleicht ließen sie uns deshalb die ganzen Jahre in Ruhe. Ich mischte mir also den Stoff von beiden Sorten. Kochte auf. Aufgezogen und weg mit dem Zeug in die Vene. Fand eine. Relativ schnell. Kam an, denk ich. Wachte irgendwann auf meiner halb angezündeten Matratze auf. Wohl mit Kippe eingeschlafen. Musste Scheißen. Und Kotzen. Gleichzeitig. Dann Stunden später auf dem Flur aufgewacht. Das ganze Bad vollgekotzt. Und ich zitternd am ganzen Körper. Mir was aufgekocht und besser ging es. Die zweite war unbewusst bewusst. Mein Ausweichdealer Matze war auf Entgiftung. Sollte dort hin. Er fragte mich, ob ich sein Geschäft so lange übernehmen würde. Logisch. Guter Stoff, und eine Etage höher wie bislang. Er sagte es seinem Ticker, der mich dann irgendwann anrief. Dann; dort. Ok Ich bin da. Schwarzer Nobel-BMW. Türke im Seidenstreifen. Ich in meinen angeranzten Klamotten. Wir mochten uns nicht. Auf Anhieb. Sollte das erste und letzte Mal gewesen sein, dass wir ein Geschäft absolvierten. Ich gab ihm die Kohle, er mir den Stoff. Vorher bat ich Locke, doch um die Ecke zu warten. Für den Fall, dass irgendwas schiefgeht. Wer Locke und mich kennt, weiß, dass es nichts gebracht hätte. Ich bezahlte ihn mit Stoff fürs aufpassen Wir zu mir. Ich sollte den Stoff noch strecken. Zu gut für die Straße, meinte Nadeltürke. Zu gut für die Straße? Gut genug für mich und Locke. Ja. In dieser Reihenfolge. Wir beide mit dem Stoff in die Wohnung von Sandra. War ebenfalls auf Entgiftung und ich hatte einen Schlüssel für ihre Butze im Krusenrotter Weg. Beutel aufgemacht. Mir was auf den Löffel getan. Und Locke. Beide aufgekocht. Getrennt. Locke, Langzeitjunk. Ich, relativer Anfänger. Fand 23

sofort was. Saß auf der Couch. Wachte so um die 20 Stunden später wieder auf. Am nächsten Morgen. Vollgesabbert. Alles. Steifen Hals. Wusste nicht, was wirklich war. Hatte den Drang nach draußen zu gehen. Realisiert, wo ich bin. Erinnerungen kamen. Ich war doch gestern Stoff holen? Wo ist der? Locke war doch auch da? Wo ist er? Ich also wieder zurück in die Wohnung. Ganze Bude auf den Kopf gestellt. Stoff gefunden. Und ein Schlüsselbund, welches nicht mir gehörte. Puh. Ich fing an zu kapieren. Locke hat in Panik die Wohnung verlassen, weil ich mir eine Überdosis setzte. Schwer zu glauben, aber eine andere Erklärung gab es nicht. Ich den Stoff gepanscht, verkauf fähig verpackt und auf wackligen Beinen, immer noch angetörnt, in die Stadt. Ab in den Taubenpark. Von weitem sehe ich ihn schon. Locke. Mit dem Rücken zu mir. Ich nähere mich und gebe den Menschen, die mich sahen ein Zeichen, dass sie mich nicht bemerken sollen. Tippe Locke auf die Schulter; er dreht sich um. Und ich sehe, dass er denkt, ich sei der Tod. „Hier, Locke. Du hast die Schlüssel bei mir vergessen.“ Klappe. Die dritte. Bewusst. Vollkommen. 2002. Nach meiner zweiten abgebrochenen Therapie sofort wieder nach Kiel. Hatte Geld. Übergangskohle? Ach, fragt nicht. Auf jeden Fall waren meine Taschen gestopft. Kam mit dem Zug in Kiel an. Ging schnurstracks zu Andreas. Für tausend Stoff geholt. Für mich und zum Verkauf. Noch keine Ahnung von meinem Gedanken, mich wegmachen zu wollen. Von Gaarden wieder rüber in die Stadt. Verkaufen. Am Bahnhof, Sophienhof, treffe ich einen Türken, den ich gerne mochte. Ein Dealer mit Scheiss Stoff, aber netter Mensch. „Eule! Wieder in Kiel? Wo warste?“ Ich ihm die Geschichte der letzten acht Monate in acht Minuten erzählt. Klingt gut, kann auch länger gewesen sein. „Magste Stoff haben Eule? Habe gerade neuen geholt. Noch nicht gestreckt. Ist richtig gut.“ „Ei, das erzählste doch immer. Ich kann dich leiden, aber dein Stoff war immer Scheiße.“ „Na, kriegste was umsonst. Probier.“ 24

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