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vor 7 Monaten

von fliegen ANTONIO PALIDO

Hausbesetzung

Hausbesetzung Sternwartenweg, Kiel (1991) Komischerweise habe ich so gut wie keine Erinnerung an die 6 Tage, die es glaube ich waren, als wir in dem Haus drinnen gewesen sind. Ich war nüchtern zu dieser Zeit. Meine Motivation dort mitzumachen resultierte aus meiner vorangegangenen politischen Arbeit beim Kieler Aktionsbündnis gegen den Golfkrieg, der Antifa Kiel, der Unterstützungsarbeit für die PKK und und und. Wenn also einiges unklar sein sollte oder es vielleicht anders war, und es jemand bemerkt, einfach Bescheid sagen. Das Haus stand mehrere Jahre lang leer. Fenster waren kaputt, also offen. Das Dach war auch undicht. Es sollte verkommen. Es sollte innerlich verrotten, damit es dann abgerissen werden kann, um das Grundstück teuer zu verkaufen. Zudem stand es unter Denkmalschutz; es musste also verrotten, um abgerissen werden zu dürfen. Der Sternwarten Weg ist im Bezirk Düsternbrook. Villenviertel von Kiel. Ex-Bundesverteidigungsminister und Ministerpräsident von Schleswig-Holstein wohnt gleich um die Ecke. Wir, am Ende 32 Personen, besetzten also dieses Haus. Ein Gutachter, bestellt vom Eigentümer, kam vorbei und stellte natürlich fest, dass überall Schwamm das Haus befallen hat und es gefährlich sei, sich dort aufzuhalten. Für ein Gegengutachten hatten wir natürlich kein Geld. Abgekürzt, das Ganze, weil ich mich eh nicht erinnere. 6 Tage waren vorbei und dann setzt meine Erinnerung ein. Es war der 10. Juli 1991. Am Abend zuvor sickerte durch, dass am nächsten Tag geräumt werden solle. Wir machten ein letztes Plenum, wie sich verhalten werden sollte, wer drin bleiben würde, wer draußen gegebenenfalls den Haupteingang mit einer Menschenkette zumachen würde. Ich meine, 14 Menschen blieben drin und verbarrikadierten sich. Der Rest von uns schlief draußen. Ich natürlich auch. In den Morgenstunden war es dann soweit. Festus kam mit seinem Hund zurück vom Erkundungsgang: Bullenbewegung in Düsternbrook. Wir hatten eine Telefonzelle, von der aus wir Unterstützer und Presse benachrichtigten. Und: es funktionierte. In den Sternwarten Weg kam Mensch nur von einer Seite rein. Bis zum Haus hoch, war alles voll mit Menschen und Pressevertretern. Die Bullen waren erst einmal ratlos, nachdem sie unten am Weg eintrafen. Der Einsatzleiter gab dann irgendwann einen verhängnisvollen Befehl, was seine eigene Zukunft betreffen sollte. Er gab den Befehl: Schlagstock frei. Zumeist uralte Beamte, die noch nicht einmal geschützt waren, fingen an wahr los auf jeden einzuprügeln, der ihnen im Wege stand. Junge Leute, alte Leute und auch auf Pressevertreter. Bis ganz vor das Haus kamen sie aber erst einmal nicht. 27

Einige von uns ‚draußen‘-Menschen waren bei den Prügeleien unten auch dabei, unter anderem auch ich, fanden uns jedoch rechtzeitig wieder vor dem Eingang ein, um diesen zu schützen. Allmählich leerte sich die Auffahrt von Unterstützern, auf die immer weiter eingeprügelt wurde. Dann kam die junge Garde der Bullen. Sie umstellten das Haus. Komplett. Wir, drinnen in dem Kreis. Was nun alles passierte drinnen und unten an der Straße kann ich nicht sagen, ich war eingekesselt. Und das sollte sich nun den ganzen Tag hinziehen. Ich will nicht sagen, dass sich ein freundschaftliches Verhältnis zu den Jungbullen entwickelte, aber alles war entspannt und freundlich. Einige meinten sogar, am liebsten wären sie auf unserer Seite. Blöder Satz. Hätten sie doch einfach machen können. Irgendwann flogen sie dann einen Sondertrupp ein. Wir sahen sie vorne allerdings erst ziemlich spät. Sie versuchten den Hintereingang aufzumachen. Dauerte allerdings ein wenig. Drinnen die Menschen hatte gute Arbeit geleistet. Wir bekamen es erst so wirklich mit, als eine/r nach dem anderen abgeführt wurden. Vermummte Bullen an ihren Händen und Armen. Uns vorne wollten sie überraschen und brachen die Vordertür völlig unnütz von innen auf. Mit mal standen uns schwarzgekleidete mit Gewehr im Anschlag im Rücken. Unsere Kette hielt trotzdem. Was wollten sie machen? Schießen? Das haben sie sich dann scheinbar auch gefragt. Sie drehten und knickten Finger um, um die Kette zu lösen und dann wurden wir ebenfalls abgeführt. An einem inzwischen Spalier bildenden Menschenmasse von Unterstützern. Meine Mutter sah ich auch in dem Getümmel. Irgendwo dort dann, von allen einsehbar, mussten wir uns komplett nackig machen, zwecks Klamottenüberprüfung. Ende vom Lied: mehrere verletzte Journalisten, die nun auf unserer Seite waren. Mehrere Verletzte Unterstützer und Besetzer. Ein Polizeipräsident und ein Einsatzleiter, die zurückgetreten mussten bzw. in den Ruhestand versetzt wurden sind. Und ein lachender Eule, weil: und das ist nun wirklich das Ende vom Lied: er als einziger freigesprochen wurde, weil er als einziger noch nicht voll strafmündig gewesen ist. Am nächsten Tag erst habe ich meinen einundzwanzigsten gefeiert. 28

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